Irans Atomprogramm: „Israel wird tun, was es tun muss“

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David Harris vom American Jewish Committee über mögliche Angriffe auf den Iran: „Iran ist nicht nur das Problem Israels“: Die USA und Europa dürften Israel nicht allein lassen, falls es wegen des Atomprogramms zu einem bewaffneten Konflikt mit Teheran kommt, fordert David Harris vom American Jewish Committee…

Moderation: Michael Groth, Deutschlandradio Kultur, 11.02.2012

Deutschlandradio Kultur: Heute mit David Harris, Direktor des American Jewish Committe. Mein Name ist Michael Groth. Guten Tag, Mr. Harris. Hierzulande wird das „American Jewish Committee“, der AJC, als Lobby betrachtet, die die Interessen Israels in den USA – und darüber hinaus – vertritt. Trifft das den Kern?

Harris: Das trifft nur einen Teil unserer Arbeit. Es ist komplizierter. Wir sind älter als der Staat Israel. Es geht bis heute um zweierlei: Zunächst helfen und schützen wir Juden, wo immer sie leben. In den Vereinigten Staaten oder andernorts. Und indem wir uns um Juden kümmern, kümmern wir uns um Demokratie und Menschenrechte – überall. Das war unser Ziel im Jahr 1906 und es ist noch immer unser Ziel.

Deutschlandradio Kultur: Das iranische Atomprogramm ist derzeit eines der schwierigsten internationalen Probleme. Der Gesprächsfaden zu Teheran ist abgerissen. Bislang haben Sanktionen keine Wirkung. Wir hören Meldungen, das Israel einen Angriff auf Iran erwägt. Möglicherweise im Sommer.

Ein solcher Angriff könnte nicht ohne Unterstützung und Hilfe der Vereinigten Staaten stattfinden. Sollte Präsident Obama diese Unterstützung und Hilfe bereitstellen?

Harris: Iran ist ein sehr schwieriges Thema. Die Frage, wie wir auf das iranische Atomprogramm reagieren, ist wahrscheinlich die derzeit wichtigste Frage der internationalen Politik. Iran ist nicht nur das Problem Israels. Wer so denkt, macht einen schrecklichen Fehler. Es stimmt natürlich, dass die Führung in Teheran Israel von der Landkarte verschwinden lassen will – und Israel hat die Pflicht, solche Drohungen ernst zu nehmen. Es gab in der Geschichte Drohungen, die nicht ernst genommen wurden – dafür haben die Juden einen hohen Preis gezahlt.

Auch die Vereinigten Staaten und Europa wollen eine iranische Bombe verhindern. Teheran ist nicht zu trauen – und wer glaubt, in Anlehnung an den Kalten Krieg, ein atomar bewaffneter Iran könne am Gebrauch der Bombe gehindert werden, der verkennt den Kern des Regimes.
Wenn Iran die Bombe hat, bedeutet das wahrscheinlich das Ende des Vertrages über die Nicht-Verbreitung von Atomwaffen. Wer kommt dann? Die Türkei, Saudi-Arabien? Die Emirate? Ägypten? Bedenken Sie die Konsequenz. Der nahe Osten ist schon jetzt ein Pulverfass. Und dann noch Atombomben. Kriege könnten durch Missverständnisse entstehen, die Waffen könnten in die Hände von Terroristen gelangen. In meinem Teil der Welt gibt es außerdem die Befürchtung, Iran könne die gefährliche Technologie zum Beispiel nach Venezuela exportieren. Verbindungen gibt es da durchaus.

Deutschlandradio Kultur: Noch mal nachgefragt, Mr. Harris. Sollte Israel eine militärische Aktion erwägen, sollte Obama dann diese Aktion unterstützen und fördern?

Harris: Ich weiß nicht, ob sich Israel entschließt, militärisch einzugreifen. Seit Jahren fordern die Vereinigten Staaten und Europa Teheran auf, sein Atomprogramm offen zu legen bzw. einzustellen. Wenn man nun von dieser Forderung abrückt – so nach dem Motto: wir haben’s versucht und sind gescheitert – dann verliert der Westen seine Glaubwürdigkeit. Für viele Jahre. Israel wird tun, was es tun muss – aber es sollte in einer möglichen Auseinandersetzung nicht allein stehen. Nur weil Europa und Amerika sich vor der Verantwortung drücken, die sie vor Jahren übernommen haben.

Deutschlandradio Kultur: Fürchten Sie manchmal, dass die Unterstützung Amerikas für Israel nachlassen könnte, wenn es um die Alternative geht: Öl oder Freundschaft?

Harris: Ich glaube, da liegt ein Missverständnis vor. Die Unterstützung für Israel ist nicht nur auf die sogenannte „jüdische Lobby“ zurückzuführen. In Europa höre ich das oft: Es gibt diese „jüdische Lobby“, die angeblich die amerikanische Israelpolitik lenkt. Das stimmt nicht. Umfragen belegen Jahr für Jahr, dass die Vereinigten Staaten – also nicht nur diese sogenannte „Lobby“ – Israel zu ihren Freunden zählen. Warum? Weil die Amerikaner die Demokratie schätzen. Und Israel ist eine Demokratie. Die Amerikaner schätzen auch verlässliche Verbündete; Israel ist ein verlässlicher Verbündeter. Und die Amerikaner mögen den „underdog“, der sich gegen eine Übermacht wehrt. Das macht Israel, das von arabischen Nachbarn umgeben ist, seit mehr als 60 Jahren ziemlich erfolgreich.

Darüber hinaus sind die Vereinigten Staaten – im Vergleich zu Europa – sehr religiös. Wir legen Wert auf unsere christlich-jüdische Tradition. Und schließlich spielt Israel eine Rolle im ganz normalen Alltag, das gilt für Wissenschaft, Technik, Medizin und Kommunikation. Ich denke, der Zusammenhalt zwischen Israel und Amerika wird eher stärker – unabhängig davon, wer im Weißen Haus sitzt.

Lassen mich einen letzten Punkt machen, weil Sie das Öl erwähnten. Seit 40 Jahren unterstützt der AJC die Suche nach alternativen Energiequellen. Solche Quellen helfen den Vereinigten Staaten, sich von der bizarren Abhängigkeit von einigen Ölproduzenten zu lösen. Die nehmen unser Geld und nutzen es dann, um uns zu schaden. Sich von solchen Ländern in Bezug auf den Energieimport abhängig zu machen, ist schlicht schlechte Außenpolitik.

Deutschlandradio Kultur: In Iran wurde in den 70er-Jahren ein Diktator von der Bevölkerung entmachtet. Die Folgen – bis zum heutigen Tag – zeigen, dass dies erstens die interne Unterdrückung der Opposition nicht beendete und zweitens das Land zu einer internationalen Gefahr wurde.

Nun wurden im Verlauf des vergangenen Jahres einige arabische Diktatoren verjagt – mit ungewissem Ausgang. Betrachten Sie den „arabischen Frühling“ mit gemischten Gefühlen?

Harris: Ich bin ein sehr optimistischer Mensch. Und ich bin dafür, die Geschichte mit einem sehr weiten Blick zu betrachten. Als der chinesische Ministerpräsident Tschou En Lai in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts nach den Folgen der französischen Revolution gefragt wurde, sagte er, es sei zu früh, dies zu beurteilen. Nach fast 200 Jahren!
Aber wenn ich heute – ein Jahr nach dem arabischen Frühling – die Lage beobachte, dann mache ich mir große Sorgen. Natürlich muss man den Mut der Bevölkerung bewundern, die ihre Diktatoren verjagte. Aber in der Politik ist das Gegenteil des Schlechten nicht unbedingt etwas Gutes. Der Schah, den alle für einen Schurken hielten, wurde durch Leute ersetzt, die noch schlimmer waren. Glaubt denn ernsthaft jemand, dass die, die dem Schah folgten, eine bessere Politik machten?

Nun ist Mubarak weg, Gaddafi und Ben Ali sind verschwunden, und ich hoffe, dass auch Assad bald aus Damaskus verschwindet. Leider heißt das nicht, dass das, was folgt, besser ist. Es gibt Hoffnung in Tunesien, aber in Ägypten sehen die Dinge schlecht aus. Von Libyen ganz zu schweigen. Und was in Syrien passiert, wenn Assad weg ist, das weiß heute niemand. Wir müssen natürlich mit den neuen Machthabern in Verbindung bleiben. Sonst geben wir jeden Einfluss auf und gefährden die Ergebnisse, die wir uns wünschen: Demokratie, eine funktionierende Zivilgesellschaft, die Einhaltung der Menschen- und der Minderheitsrechte, eine gleichberechtigte Beteiligung der Frauen. Wenn wir dies nicht erreichen, dann haben wir versagt.

Deutschlandradio Kultur: Sie haben Ägypten erwähnt. Das klang pessimistisch. Warum?

Harris: Ja, ich bin pessimistisch. Der Fehler, den viele begingen, auch die Medien, ist der: alle sagten, Mubarak war schlecht , und im Umkehrschluss waren die, die gegen ihn protestierten, die Guten. Einige Gute gab es, keine Frage – säkulare Politiker und Demokraten. Aber das war eine Minderheit. Und sie wurden an den Rand gedrängt. Jetzt haben wir eine Auseinandersetzung zwischen dem Militär und den Islamisten. Die Islamisten sind untereinander nochmals zerstritten. Ich denke, weder die Muslimbrüderschaft noch die Salafisten stehen für positive Entwicklungen. Und wenn es dennoch eine Art Partnerschaft zwischen dem Militär und den Islamisten geben sollte, dann ist das für Ägypten keine gute Entwicklung.

Deutschlandradio Kultur: Können Israel, die Vereinigten Staaten oder Europa Einfluss ausüben?

Harris: Israel kann da nichts machen. Aber die Vereinigten Staaten zahlen jedes Jahr rund 1,3 Milliarden Dollar Unterstützung für Ägypten. Das könnte man ja jetzt mit Bedingungen verknüpfen. Soll die Hilfe weitergehen, muss sich Kairo an einige Richtlinien halten.

Man kann die Mitarbeiter von Nicht-Regierungsinstitutionen nicht einfach einsperren, wenn man mit deren Arbeit Probleme hat. Genau das ist in Kairo passiert. So etwas dürfen wir nicht akzeptieren. Genauso wenig die Verfolgung koptischer Christen. Wir sollten unsere Hilfe für Ägypten an den Umgang des Landes mit Minderheiten koppeln. Wir sollten aus der Geschichte lernen. Ein Land zeigt seinen Charakter, indem es zeigt, wie es mit Minderheiten umgeht.

Deutschlandradio Kultur: Dramatisch ist in diesen Tagen die Lage in Syrien – das Land steht am Rand eines Bürgerkrieges. Präsident Assad ermordet die Bevölkerung. Der internationalen Gemeinschaft sind weitgehend die Hände gebunden – auch weil Russland und China mit ihrem Veto eine Resolution gegen Syrien im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verhindert haben. Einige Beobachter sehen darin einen Rückfall in den Kalten Krieg. Sie auch?

Harris: Das Veto ist eine Schande. Umso mehr, da genau an jenem Tag Hunderte Syrier in der Stadt Homs getötet wurden, während die Russen und Chinesen sich zum Helfer Assads machten. Für mich stellt sich folgende Frage: Wenn der VN-Sicherheitsrat nicht in der Lage ist, eine Resolution zu verabschieden, gibt es andere Wege, die zu Hilfsaktionen führen?

Die Arabische Liga bemüht sich um Syrien, und Europa und Amerika sind sich einig in ihrer Rücktrittsforderung an Assad. Alle müssen jetzt mehr tun. Sanktionen, der Abbruch diplomatischer Beziehungen – Präsident Assad muss begreifen, dass der Preis für seine Macht immer höher wird. Wir binden unsere Hände, wenn wir alles nur dem Sicherheitsrat überlassen und Russland und China das Veto gestatten. Bei Ereignissen, wie wir sie in Syrien derzeit beobachten, können wir dieses Veto nicht als Entschuldigung für ausbleibendes Handeln nutzen.

Deutschlandradio Kultur: Die Palästinenser fordern einen Sitz in den VN. Bislang ohne Erfolg. Fürchten Sie, das könnte sich ändern, wenn die bilateralen Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinenservertretern weiter ohne Erfolg bleiben?

Harris: Ich glaube das nicht. Es geht um ein Prinzip. Die Möglichkeit bilateraler Gespräche zwischen Israel und den Palästinensern gibt es ja. Israels Angebot liegt auf dem Tisch: Lasst uns reden, ohne Bedingungen. Mit Anderen hatten solche Gespräche Erfolg. Denken Sie an den Friedensvertrag mit Ägypten 1979 oder den Vertrag mit Jordanien 1994. Ich denke, Gespräche zwischen Israel und den Palästinensern könnten eine Vereinbarung schaffen, die auf einer Zwei-Staaten-Lösung basiert.

Offenbar glauben die Palästinenser aber, sie hätten einen bequemeren Weg. Sozusagen um den Verhandlungstisch herum. Direkt zu den Vereinten Nationen, wo sie den Konflikt auf internationaler Ebene behandeln wollen. Dabei verlassen sie sich auf das, was wir die „automatische Mehrheit“ der VN nennen. Das sind Nationen, die die Palästinenser „automatisch“ – wie Roboter – unterstützen, unabhängig von konkreten Anlässen. 22 arabische Staaten stehen gegen ein Israel; dann die sogenannte „Islamkonferenz“ – 57 Nationen – ein Israel; auch die Mehrheit der nicht in Bündnissen verankerten Länder stimmt in der Regel gegen Israel. Präsident Abbas hat sich dennoch getäuscht. Im Sicherheitsrat haben nicht nur die Vereinigten Staaten gegen eine Aufnahme der Palästinenser gestimmt; sieben der 15 Mitglieder des Sicherheitsrates waren dagegen, auch Deutschland. Genug, um den Antrag abzulehnen; es bedurfte nicht mehr des Vetos aus Washington. So wird’s dann wohl bleiben. Das Prinzip bilateraler Verhandlungen darf nicht durch einseitige Aktionen der Palästinenser aufgeweicht werden.

Deutschlandradio Kultur: Wie erklären Sie jungen Amerikanern das heutige Deutschland, die Bundesrepublik im Jahr 2012?

Harris: Das mache ich oft. AJC bringt viele junge amerikanische Juden nach Deutschland. Wir betrachten uns als Brücke zwischen den mehr als sechs Millionen Juden in den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik Deutschland. Was erzählen wir vorher?

Ihr werdet überrascht sein. Überrascht, dass Deutschland eine Demokratie und ein Rechtsstaat ist. Mit der Bundeswehr, einer Armee, die sich an Friedenserhaltung in aller Welt beteiligt. Überrascht auch über die Erinnerungskultur. Ihr werdet ein Verantwortungsbewusstsein finden, das ihr vielleicht nicht erwartet habt. Aber es gibt auch diese Gespenster noch. Es fehlt etwas in Deutschland. Etwas, das für immer verschwunden ist. Das spüren auch die, die lange nach dem Krieg geboren sind.
Die zentrale Botschaft aber ist, dass Deutschland sich zu einem Modell entwickelt hat – einem Modell dafür, wie man für die Vergangenheit Verantwortung übernimmt. Das halten wir beim AJC für vorbildlich.

Deutschlandradio Kultur: Nach einer Studie kann jeder fünfte Deutsche unter Dreißig mit dem Namen „Auschwitz“ nichts anfangen. Wir sitzen hier in Berlin, Mr. Harris; es gibt das Holocaust Memorial, das Haus am Wannsee, eine Vielzahl von Gedenk- und Erinnerungsorten. Und dennoch diese Zahl. Was ist da falsch gelaufen?

Harris: Für die meisten Menschen ist es ist extrem schwierig, die Vergangenheit präsent zu halten. Ich bin das Kind Überlebender, der erste der Familie, der in Amerika geboten ist. Bei uns blieb der Krieg und der Holocaust immer in Erinnerung. Die junge Generation in Deutschland und anderen Ländern weiß nicht mehr viel von dieser Geschichte. Das ist die Realität. Wir müssen es schaffen, der heutigen Jugend diesen Teil der Geschichte zu vermitteln – diese Jugend lebt in einer Zeit, in der es kaum noch Überlebende oder Augenzeugen gibt. Übrig bleiben die Gedenkstätten, die Museen, die Bücher, die Ausstellungen. Wir müssen einen Weg finden, das Erinnern zu stärken. Solange es noch diese Überlebenden gibt.

Dabei geht es nicht nur um Geschichte. Der Holocaust lehrt uns, wie schmal der Pfad ist vom Nationalismus zur Dämonisierung bestimmter Gruppen, zur Entrechtung und schließlich zur Vernichtung dieser Menschen. Es geht um Juden, aber es geht auch darum, zu welchen Untaten Menschen fähig sind. Das ist ja nicht vorbei. Wir haben es in Ruanda erlebt und in Kambodscha. „Niemals wieder“ sollten wir nicht nur am 27. Januar, dem Holocaustgedenktag, sagen. Das gilt das ganze Jahr. Wenn wir das nicht tun, besteht immer die Gefahr, dass etwas passiert. Was dann beweist, dass wir die Lektionen der Geschichte nicht gelernt haben. Deshalb suchen wir im AJC einen pädagogischen Ansatz, der den jungen Leuten vermittelt: Geschichte spielt eine wichtige Rolle.

Deutschlandradio Kultur: In einer anderen Studie heißt es, rund 20 Prozent der Deutschen verhalte sich „latent“ antisemitisch. Das entspricht den Zahlen, die in anderen Ländern gemessen werden. Können Sie sich in dieser „Normalität“ – wenn es denn eine ist – einrichten?

Harris: Niemals. Weder auf 20 Prozent Antisemitismus, oder auf 20 Prozent Rassismus, oder auf 20 Prozent Fremdenfeindlichkeit, oder auf 20 Prozent Schwulenfeindlichkeit. Nein. Unsere Organisation konzentriert sich seit 1906 auf alle Rechte der sogenannten „Anderen“ – der Minderheiten. Frieden und soziale Gerechtigkeit gibt es nur ohne Vorurteile. Es gibt keine andere Chance.

Wir dürfen uns nicht einrichten und sagen: Na ja, 20 Prozent ist nicht so schlecht, das heißt ja, dass 80 Prozent keine Vorurteile haben. Um rassistischen Schrecken zu verbreiten, bedarf es keiner Mehrheiten. Kleine Gruppen können Schreckliches anrichten. Das haben ja gerade diese Leute aus Zwickau bewiesen. Ein Prozent Antisemitismus ist zu viel, ein Rassist ist einer zu viel. Das trifft den Kern unserer Gesellschaft.

Und noch eins: Antisemitismus ist keine jüdische Sache. Das klingt für die Hörer jetzt seltsam. Aber es sind ja die Nicht-Juden, die Antisemitismus verbreiten. Klar, es betrifft die Juden. Aber letztlich kann diese nicht-jüdische Krankheit nur von Nicht-Juden geheilt werden.

Ich könnte ein – in Anführungszeichen – „perfekter Jude“ sein. Gegen Antisemitismus wäre ich nicht gefeit. Die Juden sind ein normales Volk. Wir machen normale Dinge, gute und schlechte. Der Antisemitismus macht alle Juden für bestimmte Verhaltensweisen verantwortlich. Eine irrationale Krankheit. Diese Krankheit kann nur bekämpfen, wer sich für Demokratie und Pluralismus einsetzt. Es geht eben nicht um Juden, es geht um uns alle.

Deutschlandradio Kultur: Wir sind in einem amerikanischen Wahljahr. Wie beurteilen Sie die außenpolitische Ignoranz, die Teile der Republikaner verbreiten, die der „Tea Party“ nahestehen?

Harris: Zunächst muss ich nochmals bekräftigen: Der AJC ist nicht parteigebunden. Ich werde mich also hier nicht zu den amerikanischen Parteien äußern. Generell kann ich sagen: Vielen Amerikanern fehlt jede internationale Erfahrung. Sie haben keine Pässe, und sie wissen wenig über Geografie und Außenpolitik. Das eigene Land ist groß genug für sie. Wir versuchen, unseren Landsleuten zu vermitteln, dass sie Teil der Welt dort draußen sind. Deshalb sollten sie teilhaben an den Entwicklungen. Aber sie können nicht teilnehmen ohne Kenntnisse. Kenntnisse über die Wirtschaft, die Energie, Kultur – das geht nicht. Wir richten unsere Botschaft an beide Parteien in Washington: Mischt Euch ein. Amerika ist nach wie vor eine globale Führungsmacht. Dies sollten wir nicht aufgeben. Wollen wir, dass Russland und China den Lauf der Dinge lenken? Denken Sie an Syrien. Wollen wir eine Welt, in der Menschenrechtsverletzungen ignoriert werden? Amerika muss nach wie vor eine wichtige internationale Rolle spielen.

Das gilt vor allem für die transatlantische Verbindung. Auch darum kümmern wir uns im American Jewish Committee. Unsere europäischen Freunde sind in fast allen Fragen die besten Partner. Das ist mir ein persönliches Anliegen. Ich habe in Europa gelebt, meine Kinder haben hier gelebt, sie haben europäische Pässe, meine Frau übrigens auch.

Also, die Brücke zwischen den Vereinigten Staaten und Europa steht. Aber auch hier gilt: ohne Arbeit, ohne Engagement kann man so etwas nicht fortsetzen. Das gilt für beide großen Parteien in Amerika. Beide müssen wissen, dass Außenpolitik wichtig ist, und dass Europa im Zentrum dieser Außenpolitik stehen sollte.

Deutschlandradio Kultur: Deutschlandradio Kultur. Sie hörten „Tacheles“ mit David Harris. Er ist Direktor des American Jewish Committee.

26 Kommentare

  1. Vielleicht soll man mal so denken: Die Iraner sagen sich: Die Israelis haben die Bombe, jeder weiß es. Wenn die, dann wir auch. Gleiches Recht für alle. Und außerdem lenkt die Rhetorik gegen Israel gut ab davon, dass der eigentlich zu Beeindruckende, der die Bombe fürchten soll, in Riad, Dubai usw. sitzt.
    Wenn das so ist, dann müssen die Iraner nur begreifen: Macht ihr damit Verbrecherisches, greift ihr damit Nachbarn an oder gar Israel, dann legen wir -das heißt Rußland und USA und möglichst auch China-Euch auch in Schutt und Asche. Es lohnt nicht. Wer Tel Aviv oder z.B. Riad antastet,wird ernten, was er sät. So war es ja auch im alten Europa: die Russen wußten: Ein Angriff  auf Berlin oder London oder Paris bleibt nicht ohne Antwort.
    Das alles setzt aber voraus, dass der Iran von rationalen Leuten regiert wird. Oder das zumindestens rationale Leute da sind, die den Präsi A. stoppen könnten. Ob das so ist, weiß ich nicht. Ein Krieg gegen den Iran wegen seines Atomprogramms scheint Putin nicht zuzulassen. 

    • Die Methodik der NATO Startegie flexible response dürfte vielleicht auch in Teheran bekannt sein. Nur ob die in ihrer Ehre gekränkte Staatsführung in Teheran  eher der Vernunft und Kausalität folgt oder ihrem  verletztem Stolz wird sich zeigen. In jedem Fall kann Teheran keinen Gewinn aus der Sitaution erzielen. Und wie von Ihnen beschrieben könnte es sein. Wer Wind sät, wird sturm ernten.

  2. Das merkwürdige an der gegenwärtigen Situation ist, daß alle wissen und sagen was Israel NICHT tun soll. Was aber die USA und EU konkret im Auge haben um wirkungsvoll Iran von Atomwaffen abzuhalten bleibt offen. Vielleicht etwas weniger Öl aus Teheran, ein Besuch der IAEA aus Wien und ein paar freundliche Ermahnungen. 
    Die iranische Marine kreuzt vor der israelischen Küste und die USA halten die IAF für zu schwach. Alles sehr hilfreich und und befremdlich.
    Es ist nicht hinnehmbar, daß Israel warten soll bis die Iron Dome in Tel Aviv reagieren. Es wird Zeit, daß die EU und die USA begreifen, daß es um die Existenz des Staates Israel und seiner Bevölkerung geht. Es geht nicht um kriegslüsternes Gerede aus Jerusalem. Jeder in Israel weiß, was Krieg bedeutet.

  3. Halbond gegen Kreuz
    in einem neuen fürchterlichen krieg
    kommen wird
    heute oder morgen
    mögen die Löwen Davids
    ihre feigen wiedersacherer
    hinwegfegen und ihr ganzes
    feiges wolfenpack

  4. „Und eigentlich auch auf Israel…auch dort werden in Zukunft die Menschen jüd. und arab. Herkunft lernen MÃœSSEN miteinander zu leben …“

    danke C.Fried …kein weiterer Staat!!!

  5. In Zeiten von Mobilität, wo Menschen ihre Lebensmittelpunkte verändern und Nationalitäten sich mischen, sind alle Nationalkonflikte anachronistisch und gefährlich. Es gibt – was viele gar nicht wissen- in Deutschland oben im Norden eine beträchtliche dänische Minderheit mit deutschem Pass, die daher kommt, dass Dänemarks Südgrenze bis 1864 die Elbe war und man in einem Krieg mit Preußen diese Südprovinz Schleswig-Holstein verloren hat. Flensburg z.B. ist wohl zu einem Viertel bis heute dänisch. Es gibt aber keinen Nationalitätenkonflikt (mehr). Die Sprache, das Schulwesen usw. darf die Minderheit selbst regeln und benutzen, Zeitungen wie FlensborgAvis drucken usw. Und doch gibt es keine Bewegung „los von Deutchland“, auch wenn Königin Margarete diese Minderheit besucht, weil sie ja auch deren Königin ist. Jeder weiß: Drehst Du die Geschichte zurück, trennst Du Schl.Holstein wieder von D. und verleibst es dem Königreich Dk ein, dann sind nur neue Probleme da: 2 Mio Nicht-Dänen als neue Minderheit im Königreich. Gekappte Verkehrsverbindungen, Wirtschaftsbeziehungen undundund. Keiner will das. Dieses Beispiel ist durchaus auf die Türkei und Kurdistan übertragbar. Und eigentlich auch auf Israel…auch dort werden in Zukunft die Menschen jüd. und arab. Herkunft lernen MÃœSSEN miteinander zu leben und dabei doch ihre Identität zu wahren. Ich habe das hier ja schon mehrfach geschrieben: Wenn nicht, gehts da schief, und am Ende ziehen die Juden den Kürzeren, sie sind an Zahlen weniger.

  6. test.hagalil.com/2010/06/09/tuerkei-4/ ?
    efem
    Der Artikel ist sehr Propargandistisch. Schon der Titel ist sehr irreführen, da wird das türkische Millitär das zur Nato gehört, mit dem Iran schon fast partnerisch dargestellt. Außerdem fallen Wörter wie Kurdistan? Wo? Dann wird die türkische Provinz Region Sirnak genannt, die ca 250 Km vom Incelik Airbase ,der Turkish und U.S Air Force liegt. Die millitärischen Lufteinsätze der Turkish Air Force im Norden Iraks ,werden deshalb durchgeführt , weil sich terroristische PKK Mitglieder sich dorthin zurückziehen und verschanzen , um neue anschläge gegen die unschuldige Zivilbevölkerung zu plannen.

    • efern
      Ich möchte noch was klarstellen. Ich weiß, dass die lage an der türkisch südöstlichlichen Grenzregion alles andere als zufriedenstellend ist. Die vereinzelten kleinen Dörfer an der Grenze trifft es . Sie liegen inmitten des konfliktes , zwischen der PKK und dem türkischen Millitär. Es trifft die einfachen Menschen , die sowieso mit ihrem Alltag zu kämpfen haben. Dort bekommt man vom Wirtschaftswachstum der letzten jahre geschweige denn, dass man sich innerhalb der grenzen eines G20 Staates aufhält nichts mit. Gebe es keine PKK und kein Terror ,dann wäre die lage stabil und sicher wie anderswo auch und die Wirtschaft würden anfangen ,dort zu investieren. Ich wünsche mir nichts lieber , als dass die Menschen dort ihre Ruhe finden und wirtschaftlich aufblühen können..

    • Der Artikel ist sehr Propargandistisch.

      .

      Ja logo, von beflissener Seite wird die Wahrheit gerne als Propaganda abzuklassifizieren versucht.
      .
      Wen stören schon tote Frauen und Kinder, wenn gilt:
      .
      „Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen,
      Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
      Wenn hinten, weit, in der Türkei,
      Die Völker aufeinander schlagen.
      Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
      Und sieht den Fluss hinab die bunten Schiffe gleiten;
      Dann kehrt man abends froh nach Haus,
      Und segnet Fried’ und Friedenszeiten. (J.W.von Goethe, 1808 )
      .

      das türkische Millitär das zur Nato gehört, mit dem Iran schon fast partnerisch dargestellt.
      .
      NATO hin oder her: Wenn es gegen KurdInnen geht, stimmt das offensichtlich. Und, neuerdings, hackt man in traulicher Gemeinsamkeit von Türkei und Iran auf Israel herum, praktischerweise eigene Untaten damit vermutet vorzüglich kaschierend. Dummerweise klappt das nicht so ganz, weil der Braten gerochen wird.
      .  
      Außerdem fallen Wörter wie Kurdistan?
      .
      Das ist, solltest du eigentlich wissen, eine türkische Wortprägung:
      .
      „Im Osmanischen Reich des 19. Jahrhunderts entstand bei einer Verwaltungsreform eine Provinz mit dem Namen Kurdistan, die jedoch bald wieder aufgelöst wurde.“ (Wikipedia)
      .
      „Kurdistan“ heutzutage ist jedoch keine politisch festgeschriebene Bezeichnung mehr, sondern ein griffiges Wort für ein +/-zusammenhängendes, überwiegend von KurdInnen bewohntes, Staatsgrenzen übergreifendes Gebiet, s. http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1c/Kurdish-inhabited_area_by_CIA_(2002).jpg . So wie man etwa das von MongolInnen bewohnte Gebiet auch mit „Mongolistan“ bezeichnen könnte und es von manchen Leuten (lt. Suchmaschinen) auch getan wird.

    • Zu deinem Zusatz „ich möchte noch was klarstellen“: klick doch mal den in dem haGalil-Artikel  gegebenen Link Indymedia vom 26.05.2010 an und schau, ob du da das Kürzel „PKK“ findest. Is nich. Aber BDP-Leute 
      .
      http://de.wikipedia.org/wiki/Barış_ve_Demokrasi_Partisi
      .
      bzw. Menschen, die man dafür hielt, wurden, zumeist vorübergehend, kassiert. 
      .
      Ãœbrigens sehe ich die Verwendung des Wortes „Faschisten“ darin für falsch an. Faschisten sind etwas anderes: sie jagten politisch „Abweichende“, um sie durch Angsteinflößung für immer bestenfalls mundtot zu machen, aber meist, um sie in KZs zu stecken oder auch, natürlich sehr kostensparend, gegebenenfalls einfach zu ermorden. Zwar hat das türkische Militär viele Tote auf dem Gewissen, die Gegenseite aber auch, wenn auch viel weniger in Anbetracht der Ungleichheit der Waffen, jedoch ist das nicht mit dem faschistischen Terror vergleichbar. Es hat aber einen guten Grund, dass in der BRD und anderswo so viele als Flüchtlinge geduldete oder anerkannte kurdische Flüchtlinge leben. 
      .
      Warum eigentlich tun sich die türkische und die türkisch/kurdische Minderheit in der BRD nicht endlich mal zusammen und demonstrieren gemeinsam gegen die von bestimmten Stellen geschürte Feindschaft? Das wäre eine machtvolle „Waffe“ gegen alte liebgewordene „Gepflogenheiten“ und hätte sicherlich positive Auswirkungen bis hin nach Ankara und Diyarbakir.

  7. @efem
    ich bezog mich nur auf dieses:
     
    Jedes Land, dass sich mit dem Terrorismus auseinander setzen muss , weil es von innen oder auch von außen bedroht und geschädigt wird, muss sich wehren .. Ob Israel oder Türkei, beide haben schon immer damit zukämpfen gehabt und BEIDE haben auch nicht immer dass richtige getan. Mich regt es auch auf, wenn aus dem sicheren und ruhigen Mitteleuropa aus geurteit wird. Wir gehen ja.. wie selbstverständlich mit sicherem gefühl ins nächste Chaffee Restaurant und genießen unser Cappuccino.Doch zB. in Istanbul oder Tel Aviv ist es etwas anders, vor allem kurz nach einem anschlag.
    Von Herrn Erdogan halte ich Null. Und den Umgang mit den Kurden kritisiere ich ebenso.

    • Yael
      ,,Von Herrn Erdogan halte ich Null. Und den Umgang mit den Kurden kritisiere ich ebenso“
      Da stimme ich ihnen zu. Herrn Erdogan ist alles andere als ein souveräner Politiker und er ist auch schuld an der surrealen Lage zwischen Israel und der Türkei. Wenn man bedenkt, dass vor ihm die Beziehungen schon immer traditionell derartig eng und kooperativ waren, dass sogar die israelische Luftwaffe in der Türkei trainieren und üben konnte.

      Die AKP Regierung von Erdogan verliert immer mehr an vertrauen. Ich sehe und hoffe für die nächsten Wahlen einen wechsel.




    • Got it. Jedoch implizieren die kursiv gesetzten Sätze eine Gleichartigkeit von Terrorismus, die nicht gegeben ist. Soweit mir bekannt ist, propagieren die KurdInnen nicht die Vertreibung der türkischen und iranischen Mehrheiten ins Meer noch jeden Türken und Iraner, der sich hinter einem Stein oder Baum versreckt, zu töten: ganz im Gegenteil möchten sie friedlich zusammenleben im türkischen, iranischen, syrischen, irakischen Staat mit den Anderen – wenn die sie nur ließen und nicht konstant versuchten, sie, außer im Irak und einigermaßen wohl auch Syrien, mit eiserner Faust zu assimilieren. Was Türkei und Iran beschönigend „Terrorismusbekämpfung“ nennen, besonders, wenn die vormals von der Türkei als „Bergtürken“ Bezeichneten sich das nicht gefallen lassen wollen.
      .
      http://de.wikipedia.org/wiki/Bergtürken
      .
      Letzter Satz daraus:
      .
      „Das Kurdische ist heute nicht mehr verboten. Und es gibt mittlerweile einen staatlich finanzierten kurdischen Sender.“
      .
      Warum wohl? 3x darfst du raten, Es gibt türkische Menschen, die jammern: „hätten wir das doch bloß nicht gemacht: gibt man ihnen den Kleinen Finger, wollen sie die ganze Hand.“
      .
      Recht haben sie – nämlich die, die die ganze Hand, sprich „ein bisschen Frieden“ und eine die Omnipotenz der beiden Staaten etwas beschränkende Autonomie möchten.

  8. efem
    Hören Sie bitte auf die laizistische Demokratische Republik Türkei mit einem befremdenden Islamischen Gottestaat Iran zu vergleichen ,dass beißt sich ja schon beim lesen. Ich kenne persönlich einige Türken kurdischer Abstammung in der Türkei , die erfolgreich in der Karriere sowie im Privatleben sind und die nichts von all dem bestätigen würden ,was Sie beanstanden. Es gibt zahllose beispiele kurdischstämmiger in der Türkei, die Berühmtheiten von Showbiz, Unternehmertum, Politik bis hin zur erstklassigen Literaren sind. Ich selber bin deutscher Staatsbürger mit türkischer Abstammung. Natürlich gibt es auch hier Minderheiten die alles schlecht reden und sich an den rand gedrängt (haben) fühlen. Wie man aktuell mitbekommen hat ,gibt es auch in einer ,,Lupenreinen“ Demokratie wie der BRD probleme, wie die vertuschte Mordserie rechtsextremer gegen Minderheiten(unwort Dönermorde) zeigt.Sie sehen auch hier gibt es noch herausforderungen. Deswegen verallgemeinern Sie bitte alles nicht, es sei denn, Sie haben sowieso nur vor negative Propaganda zu betreiben..

    • Yael, danke für dein Lob für dies:

      „Der 15.02.1999 ist der Tag, an dem der Kopf eines der größten Terrororganisationen der Welt gefasst wurde, Der Terroristenführer Abullah Özcalan … “

      Als ob das Ganze, was ich zu erklären versuchte, an dir und ihm abgeperlt wäre. Na prima. Dass just während des Zwischenfalls vor Gaza, bei dem zwei Handvoll Menschen in einer schlecht geplanten Aktion total unnötig ihr Leben verloren und Erdogan sich nicht genug ereifern konnte über die blutrünstigen Israelis, dass genau exakt zur gleichen Zeit der Iran und die Türkei wohl vorbereitet unisono über ihre kurdischen Minderheiten herfielen, wobei es mehr Tote als vor Gaza gab, was da aber die Presse überhaupt nicht interessierte, weil ja der „kleine Satan“ mit falschen Mitteln agiert hatte, was herrliche Schlagzeilen lieferte, das ist euch natürlich entgangen.
      .
      Öcalan war despotisch, autoritär, hatte Menschenleben auf dem Gewissen (genau wie Erdogan, der ja schließlich zu jedem Einsatz, besonders auch, wenn er Armee + Luftwaffe mal wieder ohne in Baghdad nachzufragen auf irakisches Hoheitsgebiet vorstoßen lässt, um da – auch – Frauen und Kinder umbringen zu lassen „zur Abschreckung“, Grünes Licht geben muss), war aber andererseits eine einigende Figur für die diversen kurdischen Bewegungen und hätte sich nichts lieber gewünscht, als mit dem türkischen Staat in Verhandlungen über „mehr Luft“ für „seine“ Kurdinnen und Kurden zu treten. Statt dessen jagte man ihn, erzählte allen Staaten, die es hören wollten, er sei der Teufel persönlich.
      .
      Dabei machte er im Prinzip nichts anderes als Atatürk: er versuchte, angemessene Freiheiten zu erringen für die von ihm Vertretenen. Genau dafür, für Freiheit letztendlich stürzte Atatürk das Sultanat, und das war auch gut so für die Türkei.
      .
      Es kommt halt darauf an, von welcher Seite aus man urteilt. Freiheitskämpfer waren schon immer Terroristen, was sonst, und umgekehrt war für sie der jeweils sie unterdrückende Staat der Terrorist, ob nun bei der Französischen Revolution, der Oktoberrevolution in Russland oder sonstwo.
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      btw.: Sprachen nicht auch die Nazis, man erinnere sich an den gerade begangenen Jahrestag der Bombardierung Dresdens, vom angloamerikanischen Terror? Was war lange zuvor mit den Armeniern, wer terrorisierte und ermordete sie? Moment, Einspruch. Das war in Wirklichkeit ganz anders, die Geschichtsschreibung hat keine Ahnung, die verhungernden und abgeschlachteten Armenier waren die Terroristen, gegen sie musste man sich wehren, das weiß in der Türkei jedes Kind. Und auch, dass die PKK, die es so garnicht mehr gibt, eine Terrororganisation ist, aber klar doch!

  9. Jedes Land, dass sich mit dem Terrorismus auseinander setzen muss , weil es von innen oder auch von außen bedroht und geschädigt wird, muss sich wehren .. Ob Israel oder Türkei, beide haben schon immer damit zukämpfen gehabt und BEIDE haben auch nicht immer dass richtige getan. Mich regt es auch auf, wenn aus dem sicheren und ruhigen Mitteleuropa aus geurteit wird. Wir gehen ja.. wie selbstverständlich mit sicherem gefühl ins nächste Chaffee Restaurant und genießen unser Cappuccino.Doch zB. in Istanbul oder Tel Aviv ist es etwas anders, vor allem kurz nach einem anschlag.
    und noch was zu Herrn Schlickewitz, ja Atatürk wurde in seiner Zeit osmanischem Thessaloniki/Selanik geboren und man nannte es ach so. Die Jerusalem Post hatte eine Statistik veröffentlicht, dass es in der Türkei zu den ca 30.000 bürgern jüdischen Glaubens ,zusätzlich ca 13 Millionen gibt, die eine jüdische abstammung haben, viele wissen es nicht einmal. Das ist mehr als es in Israel praktizierende (7.7 Millionen) und den USA(5.1 Millionen) zusammen gibt. Auch einige weggefährten von Atatürk wahren Juden.
    Übrigens wird die Türkei dieses Jahr , in der Eurovision in Baku von einem jüdisch gläubigen Sänger namens Can Bonomo vertreten.
     

    • „Jedes Land, dass sich mit dem Terrorismus auseinander setzen muss , weil es von innen oder auch von außen bedroht und geschädigt wird, muss sich wehren .. “
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      Teilweise Zustimmung. Aber es besteht ein Unterschied, ob Angehörige einer Minderheit sich gegen eine über Jahrzehnte, ja Jahrhunderte andauernde und durchaus als Staatsterrorismus zu bezeichnende Unterdrückung wie im Iran und in der Türkei wehren. Einen staatlichen Terrorismus, der gewaltsam und mit überlegenen militärischen Mitteln durchsetzen will, dass jede harmlose Autonomie verhindert und Repression klaglos ertragen und Assimiliation auf Biegen und Brechen durchgesetzt wird. 
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      Oder ob landfremde Organisationen wie etwa Al Kaida oder im Fall Israel z.B. Hisbollah dasselbe Land angreifen. Oder eine Gruppierung im eigenen Land, wie etwa in Afghanistan, eine andere Staatsform herbeibomben möchte. 
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      Im ersten Fall wird das sich-dagegen-Wehren zwar als Terrorismus bezeichnet durch die gleichen Länder, die ihren staatlichen Terror – was sonst – gegenüber Teilen der eigenen Bevölkerung durchzusetzen versuchen. Aber sie verkennen geflissentlich dabei, dass sie das selbst am Kochen halten durch ihre Weigerung zu Zugeständnissen. Der Irak macht es vor, wie einfach es gehen würde, und seine Minderheit ists zufrieden zum beiderseitigen Nutzen – aber Nein, das darf ja auf keinen Fall Schule machen.  Die Kurden, von denen ich die ganze Zeit spreche, sollen stolze, fügsame Iraner und stolze, fügsame Türken sein und sonst nichts – nix von wegen kurdische, bestehende Staatsgrenzen durchaus anerkennende, sonst aber weitgehend eigenständige Ethnie – und wollen sie das nicht, werden wir es ihnen schon zeigen, wer das Sagen hat.

  10. Der Iran ist da nicht allein, in der Türkei ist es ähnlich, in Syrien nicht so schlimme, nur der Irak machts anders: was? Na, den vorbildhaften Umgang mit einer bestimmten Minderheit. Die Türkei hat da eine griffige Formel für, von dem Vater der Türken (der ganz unstreitige Verdienste hat, keine Frage) höchstselbst erfunden: diese Minderheit gibt es nicht, sagte er.
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    Die Minderheit sah und sieht das anders, wehrte sich, wehrt sich bis heute, genau wie im Iran (aber wer nimmt den, anders als die demokratische Türkei, schon für voll in Bezug auf Menschen- und Minderheitenrechte, allerdings hat die Türkei keine Probleme damit, zeitgleich mit einigem Militär der Ayatollas „Befriedungsaktionen“ gegen diese in mehreren Lämdern existierende Minderheit durchzuziehen).
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    Demgegenüber geht es der 20%igen Minderheit in Israel glänzend, unvergleichbar. Halt so gut oder so schlecht wie den anderen 80% der Israelis.
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    Was soll also die provokante Bemerkung? Wenn damit indirekt an gestern vor 13 Jahren, an den 15.02.1999 erinnern werden soll, den Trauertag der Minderheit, an dem die Türkei der Welt triumphierend mal wieder bewies, was sie von den Rechten ihrer größten Minderheit und dessen Vertretern hält, wobei sich der Iran die Hände rieb, so ist das mehr als zynisch, ist menschenverachtend, „Ali Baba“.

    • efem
      Der 15.02.1999 ist der Tag, an dem der Kopf eines der größten Terrororganisationen der Welt gefasst wurde, Der Terroristenführer Abullah Özcalan wurde dank Mossads unterstützung gefasst. Die PKK ist international als Terrororganisation annerkannt und Sie machen aus Ihm schon fast einen heiligen, der nur gutes will..

  11. ,Ein Land zeigt seinen Charakter, indem es zeigt, wie es mit Minderheiten umgeht“
    das haben sie sehr schön gesagt, Israel zeigt täglich wie es mit der palästinensichen Minderheit umgeht, ein sehr schöner Charakter den Israel hat!!!!

  12. Wieder einer der weit von Europa oder dem nahen Osten enfernt ist. Er stellt den Nato Partner und offiziellen Eu Aufnahmekandidat Türkei mit Saudi Arabien und Emirate in einem Satz gleich.Traurig.. wenn das Atatürk mitbekommen hätte. Als Europa noch im Antisemitismus Irsinn-Wahn wahr ,nahm die Republik Türkei viele jüdisch Gläubige auf (zb Ernst Reuter ), aber dass hat schon Tradition , selbst noch im Osmanischen Reich, als die Sepharden aus Spanien gerettet wurden, jedenfalls ziehen sich die Türken schon immer zum jüdischen Volk hingezogen. Auch wenn zur Zeit eine teilweise anders denkende Regierungspartei in der Türkei Regiert.Regierungen kommen und gehen…. Zum schluss ein Zitat von Atatürk
    ,,Die Juden werden in der Türkei Ihr Glück finden…Mustafa Kemal Atatürk

    • Und wo wurde der „Vater der Türken“, Atatürk, geboren? –
      Natürlich im „Jerusalem des Balkans“, in Thessaloniki.

  13. Israel soll keinen Krieg führen . Israel ist selber Atomacht seit 1967 und
    weigert sich das einzugestehen. Was wollen sie erreichen  damit ?
    Etwa Israelis Ruf verbessern . Ich denke die Mehrheit der Isralelis will diesen Krieg
    nicht und das iranische Volk hat schon einen mörderischen Krieg erlebt (1980-88).
    Israel sollte keinen Krieg führen , dass kann nur der falsche Weg sein .
    Aber wenn  sie das unbedingt tun müssen . Dann sollen sie ncht wundern
    das dieser Schritt auf Ablehung treffen wird.
     

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