Ist jetzt alles wieder gut? Die Schlussstrichforderung

„Ein nach 1945 geborener Deutscher ist aber […] weder schuldig an diesen Verbrechen noch dafür verantwortlich, denn Verantwortung übernimmt nur, wer sich freiwillig in eine Position begibt. (Süddeutsche Zeitung 14.10.2019) Seit Kriegsende gibt es den Wunsch der nichtjüdischen, deutschen Bevölkerung, einen Schlussstrich unter die Schuld des Nationalsozialismus zu ziehen. Ist es auch heute, da die Shoah viele Jahrzehnte zurück liegt, noch ein antisemitisches Ressentiment, zu fordern, dass Schluss ist oder hat der Leserbriefschreiber Recht: kein nach 1945 geborener Deutscher ist schuldig oder verantwortlich? 

Mehr …

Zum 130. Geburtstag von Franz Werfel

Geboren am 10. September 1890 in Prag gehörte Franz Werfel zu den bedeutendsten Vertretern des lyrischen Expressionismus. Nach dem „Anschluss“ Österreichs kehrte Werfel nicht mehr nach Wien zurück, wo er seit zwei Jahrzehnten lebte. Er ließ sich zuerst in Südfrankreich nieder und floh von dort aus nach Portugal und weiter in die USA. Er starb 1945 in Los Angeles an einem Herzinfarkt. Die folgenden Worte schrieb Franz Werfel 1932. Sie könnten heute nicht aktueller sein…

Mehr …

Halle ist überall – Stimmen jüdischer Frauen

Im Berliner Lichtig-Verlag der in vielerlei Hinsicht allein kämpfenden Nea Weissberg ist ein bemerkenswertes und – durch Gestaltung und Fotografien zugleich ästhetisch sehr ansprechendes – Buch herausgekommen. Das Thema freilich ist eher erschreckend: 20 jüdische Frauen beschreiben, was sie denken und empfinden, seit der schlimme Angriff an Jom Kippur in Halle „passierte“…

Mehr …

Konsequent latent

Zu Recht warnen Antisemitismusforscher, Jüdinnen und Juden sowie politisch Engagierte nicht nur vor offenem Judenhass, sondern auch vor unterschwelligen, latenten Formen der Judenfeindschaft. Doch was heißt latent? Bei der derzeitigen Judenfeindschaft ist es nötig, mindestens drei Phänomene zu unterscheiden…

Mehr …

Über den verdrängten „Jud´“

Als ich 2002 bei Lübbe meinen Roman „Trümmerkind“ veröffentlichte, bekam ich von der deutschsprachigen Presse solch begeisterte Kritiken, dass mir das Herz aufging. Angefangen hatte es mit einer regelrechten Hymne des ehemaligen SPD-Generalsekretärs Dr. Peter Glotz im Zürcher Tagesanzeiger, – eines der brillantesten Intellektuellen, die diese inzwischen nur noch seltsame Partei jemals hatte. Es folgten Rundfunk- und TV-Interviews, und Europas größte jüdische Website „hagalil“ feierte das Buch ebenfalls begeistert. In meiner Heimatstadt Fürstenfeldbruck allerdings war man nicht ganz so angetan: Nach 30 Jahren Bonn wieder frisch zugezogen, wurde ich mit einer Hetzkampagne der Lokalmedien begrüßt…

Mehr …