Antisemitismusbericht: Expertenkommission beklagt schlichtes Unwissen über Juden und Judentum

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Während in den letzten Jahren viele Initiativen und Organisationen, die sich mit Antisemitismus und Antizionismus auseinandersetzen, ihre Achtsamkeit vor allem auf Linke und Migranten gelegt haben, ist, so der aktuelle Bericht einer staatlich beauftragten Expertenkommission, das rechte Lager noch immer – mit weitem Abstand – Hauptträger des Antisemitismus in Deutschland.
Trotzdem befasst sich auch der nun vorliegende Bericht vornehmlich mit muslimischen und linken Antisemiten.
In der Evaluation von Initiativen und Organisationen, die sich mit Abwehr und Prävention von Antisemitismus befassen, finden im Bericht nur staatlich geförderte Maßnahmen Berücksichtigung. Dass es auch ein nicht vom deutschen Staat alimentiertes Engagement geben könnte, das die staatlich geförderten Programme an Effektivität schon oft genug in den Schatten gestellt hat, scheint niemandem im hochdotierten Expertenkreis bekannt zu sein…

Ob es sich hier um ein absichtliches Totschweigen vermeintlicher „Konkurrenz“ handelt, sei erst einmal nicht angenommen, es könnte auch schieres Unwissen sein.
Doch nun zum Bericht:

Wichtigster politischer Träger des Antisemitismus in Deutschland ist der Rechtsextremismus

Das rechtsextremistische Lager erweist sich nach wie vor als der wichtigste politische Träger des manifesten Antisemitismus in Deutschland. Dieser Befund wird u. a. durch die Tatsache unterstrichen, dass mehr als 90 Prozent aller antisemitischen Straftaten durch Täter begangen werden, die dem rechten Spektrum zugehörig sind. Der Antisemitismus fungiert als bedeutendes Bindeglied in der Ideologie des keineswegs homogenen Rechtsextremismus und hat schon von daher besondere Bedeutung für die Mobilisierung der aktiven Anhängerschaft.

Delegitimierung des Existenzrechts Israels: Islamismus

Als gefährlicher Träger von Antisemitismus wurde speziell der Islamismus, der eine extremistische Interpretation des Islam propagiert, beobachtet. Im Bereich der von Migranten verübten politisch motivierten Kriminalität („PMK Ausländer“) nimmt diese neuzeitliche extremistische politische Ideologie, die sich im Nahen und Mittleren Osten wie auch in Europa findet, eine wichtige Rolle ein. Der Islamismus versteht den Islam nicht allein als eine Religion, sondern als ein Herrschaftssystem und als eine Gesellschaftsordnung.
Diese Ideologie wird in Deutschland von einschlägigen Organisationen beziehungsweise Gruppen verbreitet. Für sämtliche der vom Verfassungsschutz mit 29 Einzelorganisationen und 37.400 Anhängern bezifferten islamistischen Gruppen in Deutschland ist Ant isemit ismus ein konstitutiver Bestandteil ihrer Ideologie. Erweitert um häufig pseudoreligiös begründete Stereotype finden sich bei Islamisten sämtliche Ausprägungen des religiösen, politischen und sozialen Antisemitismus sowie des sekundären Antisemitismus in Form der Holocaustleugnung.
Im Zentrum der antisemitischen Agenden islamistischer Organisationen steht vor allem die Delegitimierung des Existenzrechts Israels. Entsprechend propagieren fast sämtliche Gruppen Gewaltanwendung gegen Israel und seine Staatsbürger und verlangen die Auslöschung des jüdischen Staates. Eine in Deutschland inzwischen verbotene arabische Organisation (HuT) sowie das Terrornetzwerk „al-Qa’ida“ fordern darüber hinaus, Juden weltweit zu bekämpfen und zu töten.
Die weitgehend nicht offen agierenden islamistischen Gruppen in Deutschland wirken hauptsächlich im Ideologietransfer, der vor allem über moderne Kommunikationsmittel erfolgt. Verschiedene Ereignisse der letzten Jahre zeigen, dass dieser islamistische Antisemitismus insbesondere arabisch- und türkischstämmige Jugendliche zu mobilisieren vermag und in einigen Fällen Radikalisierungen befördert. Aussagen darüber, inwieweit der islamistische Antisemitismus unter nichtextremistisch gesinnten „Muslimen“ generell verbreitet ist, werden hier allerdings nicht getroffen und sollen aufgrund unzureichender empirischer Untersuchungen auch nicht Gegenstand von Spekulationen sein, wie dies in der Medienberichterstattung häufig geschieht.
Als wichtige Basis eines islamistisch geprägten Antisemitismus ist schließlich die „Islamische Republik Iran“ zu nennen. In ihr gilt die gegen Israel gerichtete Judenfeindschaft als Staatsdoktrin, was die Leugnung des Existenzrechts Israels sowie eindeutige Aufforderungen zur Zerstörung des jüdischen Staates einschließt. Der Iran unterstützt wiederum finanziell und militärisch sowohl die HAMAS wie die „HizbAllah“, die ebenfalls die Vernichtung Israels propagieren.
Der Iran organisiert einschlägige antisemitische Veranstaltungen und Holocaustleugnungskonferenzen, unterstützt weltweit Demonstrationen zum Al-Quds-Tag (auf dem die Zerstörung Israels propagiert wird) und verbreitet antisemitische Propaganda nach Deutschland (Klischees, Vorurteile, Ressentiments und Stereotypisierungen).
Inwieweit solche Bestrebungen dazu führen, dass unter den in Deutschland lebenden Muslimen ein islamistisch geprägter Antisemitismus Verbreitung findet, lässt sich aufgrund fehlender empirischer Untersuchungen jedoch zur Zeit nicht abschätzen. Der Expertenkreis hält solche Untersuchungen für dringend geboten.

Antisemitismus als Sozialismus der Dummen

Obwohl der Antisemitismus nicht zum konstitutiven Bestandteil der im Linksextremismus vertretenen Ideologien gehört, existieren bei einzelnen Personen dieses Lagers antisemitische Tendenzen, die häufig als Israelkritik verbrämt werden. Häufig erfolgt hier eine einseitige Verurteilung des jüdischen Staates, wobei die legitimen Sicherheitsinteressen nicht berücksichtigt werden. Eine leichtfertige Infragestellung der Existenzberechtigung Israels bei gleichzeitigen Vergleichen der Besatzungspolitik mit dem Nationalsozialismus stellt die Realitäten gerne auf den Kopf.
Zwar leiten sich solche Einstellungen primär aus dem linksextremistischen Verständnis von Antiimperialismus und Antikapitalismus ab, doch ergeben sich durchaus Anknüpfungspunkte für Antisemiten.
Der Umgang der globalisierungskritischen Bewegung und des Netzwerks „Attac“ mit Antisemitismusvorwürfen wurde hier beispielhaft thematisiert, um einerseits auf die Gefahren einer bedenklichen Form der Kapitalismuskritik aufmerksam zu machen, andererseits um die letztlich erfolgreichen Abwehrstrategien führender Persönlichkeiten in diesem heterogenen Netzwerk hervorzuheben.

Politisch motivierte Kriminalität und Gewaltpotential

Nachdem die antisemitischen Straftaten, die als politisch motivierte Kriminalität (PMK) erfasst wurden, in den Jahren 2005 – 2009 einen relativ hohen Stand erreicht hatten (2010: 1.268, gegenüber 1.559 und 1.809 Straftaten von 2005 bis 2009). Dabei entfielen wie in den meisten vorangegangenen Jahren mehr als 90 Prozent aller antisemitischen Straftaten auf den Bereich „PMK rechts“.
Es handelt sich in erster Linie um Propaganda- und Volksverhetzungsdelikte. Die antisemitischen Gewalttaten sanken auf insgesamt 37 ab, wobei auch hier wiederum die „rechts“ motivierte Kriminalität eindeutig dominierte. In den Bereich „PMK Ausländer“ fielen 2010 insgesamt 6 antisemitische Gewalttaten, im Gesamtzeitraum seit 2001 waren es insgesamt 47, im Bereich „PMK Links“ seit 2006 war es eine einzige.

Weit verbreitete Vorurteile und tief verwurzelte Klischees – Alarmierendes Unwissen über Juden und Judentum

Der Bericht weist nach, dass in der deutschen Mehrheitsgesellschaft in erheblichem Umfang antisemitische Einstellungen in unterschiedlichen inhaltlichen Ausprägungen vorhanden sind. Sie basieren auf weit verbreiteten Vorurteilen und tief verwurzelten Klischees bzw. auf schlichtem Unwissen über Juden und Judentum. Die durch den Expertenkreis ausgewerteten demoskopischen Untersuchungen geben übereinstimmend eine Größenordnung von etwa 20 Prozent latentem Antisemitismus an.

Die Umfragen verdeutlichen zum einen, dass die „klassischen“ antisemitischen Bezichtigungen – Juden seien geldgierig und besäßen zu viel Einfluss (Verschwörungsvorwurf) oder seien wegen ihres eigenen Verhaltens selbst „schuld“ an ihrer Verfolgung – weiterhin kolportiert werden. Die Umfragen verdeutlichen zum anderen die Dominanz von Ressentiments und Vorwürfen gegen Juden, die sich erst als Reaktion auf den Holocaust und die Existenz des Staates Israel herausgebildet haben.

Das Internet ist Hauptmedium antisemitischer Propaganda

Angesichts moderner Kommunikationsformen, wie sie insbesondere im Internet bestehen, ist eine Verbreitung dieses Gedankenguts kaum zu unterbinden. Die weitgehende Tabuisierung des Antisemitismus im öffentlichen Diskurs, die bisher für die Bundesrepublik kennzeichnend war, droht damit entscheidend an Wirksamkeit zu verlieren. Ein besonderes Gefahrenpotential ergibt sich dadurch, dass der weit in die gesellschaftliche Mitte reichende und nicht hinreichend geächtete Antisemitismus Anschlusspotentiale für rechtsextremistisches Gedankengut bietet. Nicht zuletzt angesichts der verheerenden historischen Auswirkungen des nationalsozialistischen Antisemitismus ist entschlossenen Gegenmaßnahmen eine hohe Priorität einzuräumen.

Präventionsmaßnahmen verbesserungswürdig

Die tiefe Verwurzelung von Negativklischees über Juden und antisemitischen Einstellungen in der deutschen Kultur und Gesellschaft wird sich nur langfristig und mit nachhaltigen Maßnahmen verändern lassen. Dieser Befund macht die Erarbeitung einer umfassenden Abwehrstrategie notwendig, die das in Wissenschaft, Pädagogik und zivilgesellschaftlichen Initiativen vorhandene Potenzial systematisch nutzen muss.

Eine erste Bestandsaufnahme, die der Expertenkreis auf diesem Gebiet unternommen hat, zeigte, dass die gegen den Antisemitismus unternommenen Maßnahmen je nach Trägerorganisation weitgehend uneinheitlich und unkoordiniert erfolgen. Sie gehen von unterschiedlichen Vorstellungen aus, was unter Antisemitismus zu verstehen ist und wie er zu bekämpfen sei. Sie erfassen ihn häufig in zu geringem Maße als ein eigenständiges Phänomen. Eine umfassende Strategie zur Bekämpfung des Antisemitismus in Deutschland existiert nicht.

Soweit einige Punkte aus dem Bericht der Kommission aus Wissenschaftlern und Praktikern, die in regelmäßigen Abständen einen Bericht zum Antisemitismus in Deutschland erstellen und Empfehlungen zur Entwicklung sowie Weiterentwicklung von Programmen zur Antisemitismusbekämpfung formulieren sollte.  Der damalige Bundesinnenminister Dr. Wolfgang Schäuble unterrichtete am 5. August 2009 das Bundeskabinett über die bevorstehende Arbeitsaufnahme und Zusammensetzung des Expertenkreises aus Wissenschaft und Praxis. Die konstituierende Sitzung fand am 9. September 2009 statt. Mitglieder
des Expertenkreises sind: Aycan Demirel, Dr. Olaf Farschid, Elke Gryglewski, Prof. Dr. Johannes Heil, Prof. Dr. Peter Longerich (Koordinator), Prof. Dr. Armin Pfahl‐Traughber, Dr. Martin Salm (Ende 2010 aus gesundheitlichen Gründen ausgeschieden), Prof. Dr. Julius H. Schoeps, Dr. Wahied Wahdat‐Hagh, Dr. Juliane Wetzel (Koordinatorin). Mit dem ersten Bericht „Antisemitismus in Deutschland“ liegt nun das Ergebnis der zweijährigen Arbeit des unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus vor.

antisemitismus.net

20 Kommentare

  1. @ Robert Schlickewitz: Der Antisemitismusbericht hat sehr wohl auch den Antisemitismus im Bereich der Kirchen untersucht und zur Evangelischen und Katholischen Kirche jeweils eine eigene Expertise in Auftrag gegeben. Eine Zusammenfassung über dieser Befunde findet sich auf der (zur Ev. Kirche in Württemberg gehörenden) Website http://www.agwege.de/fileadmin/mediapool/einrichtungen/E_pfarramt_christen_juden/Oelbaum_online/55-111128.pdf, die Expertise zur Ev. Kirche unter http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Themen/Politik_Gesellschaft/EXpertenkreis_Antisemmitismus/scherr.pdf;jsessionid=7505E2AB014F7331FC6649A61CFA23DC.2_cid239?__blob=publicationFile. 

  2. @pmn
     
    So, die CDU war „schon lange“ keine Hundertprozentatompartei?
     
    Warum wurden dann noch bis kurz vor dem Umschwenken alle Atomgegner der Opposition in Grund und Boden verdammt und andere Atomgegner mit Anarchisten und Terroristen auf eine Stufe gestellt?
     
    Die CDU ist genau die ‚richtige‘ Partei für ein an Katastrophenängsten leidendes Volk. Sie ist ebenso real wie irreal und somit typisch deutsch.
     
    Kein Land ist dem Bioboom derart rasch und nachhaltig ‚verfallen‘ wie wir. Ganze Industrien, weltweit, kreierte die deutsche Bio-Katastrophenangst.
     
    Die „Sorglosigkeit“ in Bezug auf Nikiotin müssen Sie gesamtwirtschaftlich und gesamtgesellschaftlich sehen.
    Da gibt es die einflussreiche Tabaklobby, da gibt es die Warnungen der Ärzte und Gesundheitsorganisationen, da gibt es den sog. erwünschten Betriebsfrieden innerhalb deutscher Unternehmen und in der Gesellschaft generell, da gibt es die schwankende (verunsicherte) Mehrheitsmeinung in der Bev. und es gibt den Pragmatismus der Politiker, die nichts so sehr lieben wie ihre Macht und das schöne, schöne Geld. All das spielt zusammen, schürt Ängste, jedoch noch nicht ausreichend, um Katastrophenängste zu gebären.

  3. @ Robert Schlickewitz
    „TIME weekly news magazine konnte schon vor Jahrzehnten titeln “The German Angst”.
    Time? Ist das nicht ein Magazin aus dem Land, in dem liberale Kulturschaffende aus an Hysterie grenzender Angst vor kommunistischer Unterwanderung bespitzelt, verhört, schikaniert und inhaftiert wurden?
    Ja, so eine Angst kann eine Gesellschaft durchaus in eine falsche Richtung drängen, völlig unabhängig davon, in welchem Land die Ängstlichen auch wohnen.
    Gruß,
    Bluesmaker

  4. „Das heute jemand hasst weil er Jude ist ist Quatsch. Das gibt es nicht.“
    Ich bitte Sie, fahren Sie einfach einmal um 14:00 Bahn oder gehen Sie über den Schulhof einer beliebigen deutschen, weiterführenden Schule und zählen Sie, wie oft „du Jude“ als Schimpfwort benutzt wird.
    Meine Schulzeit liegt nicht allzuweit zurück, dennoch ist meine, natürlich rein subjektive, Beobachtung, dass dieser latente und alltägliche Antisemitismus sehr wohl zugenommen hat- und zwar bei Jugendlichen jeder Coleur.

  5. „… Die weitgehende Tabuisierung des Antisemitismus im öffentlichen Diskurs, die bisher für die Bundesrepublik kennzeichnend war, droht damit entscheidend an Wirksamkeit zu verlieren.“

    „… Ein besonderes Gefahrenpotential ergibt sich dadurch, dass der weit in die gesellschaftliche Mitte reichende und nicht hinreichend geächtete Antisemitismus…“
     
    ………………………
     
    Ja was denn nun…mehr als Tabuisierung geht ja nich…Noch mehr ächten? Noch mehr tabuisieren???
    Hat irgendwann irgendjemand schon mal ein Argument durch totschweigen gewonnen???
     
     
     

  6. Ich glaub nicht, dass die Katastrophenängste typisch deutsch sind.

    Die CDU war  schon lange keine hundertprozentige Atompartei mehr. Sie wollten sich mit dem Ausstieg nur lediglich etwas mehr Zeit lassen und schwenkte nach Fukushima um. Kann man auch Opportunismus nennen.

    Beim Boom von Bioprodukten fällt mir als erstes Orthorexie nervosa ein, also die krankhafte Sucht sich möglichst gesund zu ernähren. Das ist auch kein Deutsches Phänomen. Das Krankheitsbild wurde zuerst von einem amerikanischen Arzt beschrieben.

    Es lassen sich auch ohne grosse Mühe Beispiele für  einer besonderen deutschen Sorglosigkeit finden. Dem Nikotin haben die angelsächsichen Länder z. B. schon viel früher den Kampf angesagt.

    • Sehe ich auch so.
      Das was andere als Angst benennen ist Vorsicht, bisher fährt Deutschland sehr gut damit, zudem, mit North Stream hat Deutschland sich energietechnisch billig und vollständig abgesichert.
      Machen wir uns nixs vor, Problem ist heute nicht Energiebeschaffung sondern die ökologischen Folgen von schmutzigen Energien. Weiter ist es so das die neuen Energien die Zukunft darstellen, das wird ein Billionen schwerer Markt werden, praktisch ist das aufgeteilt.

      Das mit bösen Nikotin ist Unfug, grober Unfug.
      Saufen und Rauchen sind auch uraltes Kulturgut.
      Unsere Probleme sind nicht Zigaretten und Suff.
      Schau in die Länder mit strengen Nichtrauchergesetzen, Irland, Italien, Spanien und USA, den Menschen da geht es sicher nicht besser sondern oft sind sie voll am Arsch.
      Das mit Nikotin usw. haben sich Politik und Medien doch nur ausgedacht um von den wertigen gesellschaftlichen Problemen abzulenken.

  7. Deutsche… anfällig … Katastrophenängste…niemals untersucht
     
    TIME weekly news magazine konnte schon vor Jahrzehnten titeln „The German Angst“.
     
     Die deutschen Katastrophenängste verleiteten immerhin vor gar nicht langer Zeit eine hundertprozentige Atompartei dazu, ihr bisheriges Konzept vollkommen aufzugeben, wegen eines Ereignisses, 20 000 km entfernt.
     
    Deutsche Katastrophenängste veranlassten zu Aufkäufen von Hunderttausenden von Serumampullen gegen Vogelgrippeviren (die jetzt alle vernichtet werden müssen).
     
    Deutsche Katastrophenängste machten BIO (-obst, -gemüse, schokolade etc.) erst möglich, schufen ganze Industrien…
     
    Deutsche Katastrophenängste begegnen einem in allen deutschen Familien, in sämtlichen Haushalten, Ehen, Kindergärten… einfach überall in Germany.

    Sind deutsche Katastrophenängste irreal?
    Jein, auf jeden Fall sind sie typisch deutsch.
     

  8. @willow

    „In Deutschland? Jaja, dieses Massenelend ist furchtbar – wenn ich an die hunderttausenden Hungertoten denke …“

    Bei Hunderttausenden von Hungertoten wären Katastrophenängste durchaus begründet, denn dann wäre die Katastrophe ja da.

    „“Die wenigsten Katholiken wissen zum Beispiel, worum es sich bei der “Unbefleckten Empfängnis” handelt.”
     
    Das soll vermutlich bedeuten, daß sie wenig über den Katholizismus wissen und von sich auf Andere schließen “

    wer ist sie?
    Die wenigsten Katholiken?
    Oder bin etwa ich gemeint?

    Dann bitte Sie großschreiben, damit ich weiß, dass ich gemeint bin.

    Auch Rumpöpeln will gelernt sein.

    • Armut in Deutschland ist releativ, man kann das z.B. nicht mit Somalia oder Nordkorea vergleichen.
      Doch Deutschland ist das wirtschaftlich erfolgreichste Land in der wirtschaftlich erfolgreichsten Zone der Welt.
      In Deutschland leben in Summe die meisten Millionäre und Milliardäre von der EU.
      In dem Zusammenhang muss man Armut in Deutschland betrachten.

      Es gibt in Deutschland eine soziale Unwucht.
      Ist in Israel doch auch nicht anders.
      Schau auf die Miet- und Immobilienpreise in Israel.
      Die Ärzte streiken für Mindestlohn von 10 Euro/H, gleichzeitig kostet eine Wohnung mit vernünftigen Standard über 1000 Euro in Tel Aviv.
      Der normale AN in IL ist auch arm!

  9. „Das letzte Jahrzehnt war geprägt duch eine Verarmung weiter Bevölkerungsschichten“
     
    In Deutschland? Jaja, dieses Massenelend ist furchtbar – wenn ich an die hunderttausenden Hungertoten denke …
     
    „Die wenigsten Katholiken wissen zum Beispiel, worum es sich bei der “Unbefleckten Empfängnis” handelt.“
     
    Das soll vermutlich bedeuten, daß sie wenig über den Katholizismus wissen und von sich auf Andere schließen 😉

  10. Zum Titel des Artikels. Schlichtes Unwissen über Juden und Judentum ist sicher zu beklagen, aber auch nicht weiter verwunderlich.

    Selbst über das Christentum ist in Deutschland Unwissen weit verbreitet. Die wenigsten Katholiken wissen zum Beispiel, worum es sich bei der „Unbefleckten Empfängnis“ handelt.

  11. Das letzte Jahrzehnt war geprägt duch eine Verarmung weiter Bevölkerungsschichten, die  Schere zwischen Arm und Reich geht auseineander, zumehmende Ängste gerade in der Mittelschicht. Einführung von Hartz4 usw. . Die Deutschen, wären sie für Katastrophenängste besonders anfällig, hätten dann eher immer antisemitscher werden müssen. Genau das Gegenteil ist der Fall, nach der Studie von Heytmeier.

    Solche Aussagen, nach denen die Deutschen zum Beispiel besonders anfällig für Katastrophenängste sein sollen, werden selbst von Wissenschaftlern einfach so behauptet und niemals untersucht. Sie sind ein klassisches Beispiel für ein Ressentiment, dass leider immer wieder auf fruchtbaren Boden fällt.

  12. Das heute jemand hasst weil er Jude ist ist Quatsch. Das gibt es nicht.
     
    „Die Deutschen sind für Katastrophenängste aller Art besonders anfällig. Wenn sich die Ansicht verfestigt, Israel – also auch „die Juden“ – sei der bösartige Störenfried, der den Weltfrieden und damit auch uns bedroht, so rückt das schon in die Nähe der alten These „Die Juden sind unser Unglück“.“
    Ernst Eichengrün in „Hass auf die Juden“ auf http://www.bwv-bayern.org

  13. Nun hat Heitmeyer den neuten Band von seiner Langzeitstudie „Deutsche Zustände“ veröffentlicht. Danach sind antisemitische Einstellungen in Deutschland im letzten Jahrzehnt stark gesunken.

    Das deckt sich auch mit meinen persönlichen Erfahrungen.

    • So ist es.
      Echten Antisemitismus gibt es bei Deutschen kaum, auf der religiösen Ebene sieht das schon anders aus, bloss viele Deutsche lehnen ominöse religiöse Dogmen sowieso ab, das betrifft alle Religionen, selbst die Christlichen. Kirchen und Moscheen werfen sie auch mal die Scheibe ein oder was Unangehmes vor die Tür, nen Schweinekopf oder was.
      Dann gibt es noch den Antizionismus und den echten Antisemitismus den man als Antizionismus tarnt.
      Im allgemeinen gibt es eher ein positives Judenbild wenn es sich um mitteleuropäische Juden handelt. Bloss so ist das eben, die christlichen Kurden und Russen sind doch vielen in Deutschland schon suspekt.
      Es hängt an der Religion und der damit verbundenen Sozialisation der Menschen.
      Man darf auch nicht unterschätzen welches Bild von Israel oder auch sehr religiösen Juden oft vermittelt wird. Doch die Leute trennen das schon noch von den realen Menschen.
      Das heute jemand hasst weil er Jude ist ist Quatsch. Das gibt es nicht.

  14. Die tiefe Verwurzelung von Negativklischees über Juden und antisemitische Einstellungen in der deutschen Kultur und Gesellschaft wird sich nur langfristig und mit nachhaltigen Maßnahmen verändern lassen.
    Eine durchaus realistische Einschätzung.
     
    Bedauerlicherweise, und das erscheint typisch für solche „Antisemitismusberichte“, wird mit keinem Wort, man möchte selbstverständlich niemandem zu nahe treten, das gewaltige ‚Antisemitismuspotential‘ der beiden Staatskirchen angesprochen.
     
    Denn vor allem für katholische Landesteile gilt, je katholischer, desto mehr Vorurteile gegen Juden.
    Man lebe einmal z.B. in Niederbayern (Katholikenanteil bis zu 90%) und rede mit den Menschen, was sie so meinen und denken: „Die Judn, de san doch selber schuid! Seght’s doch selber, wos de dean (tun) in Israel!“, „Unsa Pfarrer hod gsogt, da Jud braucht uns nix vorwerfn, bal der sejba (selber) ned nua an Herrgott aufm Gwissn hod.“, “ Des san soichane Deifin (Teufel), de Judn, woasst scho.“, „Wo da Jud is, gibt’s a Gaudi.“, „Wos seids es, Juuudn….?“…
     
    Es gibt katholische Pfarrer, die in ihrer Pfarrei Reisen ins „Heilige Land“ anbieten, sich ‚gut‘ vorbereiten und dann ihren Gruppen Israel ‚erklären‘.
    Aber wie!
    Man spiele einmal Mäuschen und höre zu, oder schließe sich so einer Führung ganz offen an.
    Sehr bald wird man feststellen, dass hier nicht Vorurteile abgebaut, sondern dass diese verfestigt werden, dass hier nicht Offenheit und Verständnis für fremde Kulturen gelehrt, sondern dass u.a. Rechtfertigungen für das Verhalten der Eltern- und Großelterngenerationen herbeigefaselt werden.
     
    Bei den Evangelen läuft es subtiler und nur scheinbar ‚intelligenter‘, aber mit der gleichen Tendenz, ab. Kristallisationspunkt bzw. ‚Hauptaufreger‘ ist und bleibt Israel und sein Umgang mit den Palästinensern.
    Man begebe sich einmal zu einer der in Jerusalem beheimateten protestantischen Einrichtungen und höre, was da so die Runde macht (!). Abbau von Vorurteilen haben sich diese Herrschaften jedenfalls nicht auf die Fahnen geschrieben.
     
    Wenn es deutsche „Antisemitismusberichte“ ernst meinen würden, würden sie eines der Hauptübel, den inoffiziellen und vorgelebten Antisemitismus der Kirchen, namentlich ansprechen und nicht Rücksichten nehmen.

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