Sukkot und Simchat Torah im Spiegel der deutsch-jüdischen Presse vor 1938

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Weiter geht es mit unserem neuen Projekt. Es versammelt Originaltexte aus der deutsch-jüdischen Presse vor 1938, die sich mit den jüdischen Feiertagen befassen. Blätter wie die „Jüdische Rundschau“, „Ost und West“, „Menora“ oder das „Israelitische Familienblatt“ zeigen, wie Pessach, Rosch haSchana, Jom Kippur, Sukkot, Chanukka oder Purim im Alltag deutscher Juden begangen, gedeutet und diskutiert wurden. Die Auswahl eröffnet nicht nur Einblicke in religiöse, kulturelle und gesellschaftliche Perspektiven jener Zeit, sondern kann auch Anregungen für heute geben.

Zu Sukkot und Simchat Torah veröffentlichen wir diese vier Texte:

-> Sukkot
Der vorliegende Beitrag wurde 1925 in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung veröffentlicht. Autor ist der unter dem Pseudonym Amitai schreibende Journalist und Zionist Leo Herrmann. Herrmann, der 1888 in Böhmen geboren wurde, gehörte in Prag der zionistischen Bar Kochba Vereinigung an. 1920 gehörte er mit Berthold Feiwel zu den Gründern des Keren haYesod. 1926 zog Herrmann nach Jerusalem, wo er die Ideen des Brit Shalom für einen binationalen Staat von Juden und Araber vertrat. Leo Herrmann starb 1951 in Jerusalem. In diesem kurzen Beitrag zu Sukkot mahnt Herrmann besonders, dass im Judentum „jeder wahrhaft Gerechte Teil hat an der künftigen Seligkeit“, egal welcher Nation er angehört.

-> Succoth
Der vorliegende Beitrag erschien in der Zeitschrift „Die Welt“, dem Zentralorgan der Zionistischen Bewegung. Autor Bernhard Fuchs deutet Sukkot als Erinnerungsfest an die Wüstenwanderung, das im alten Israel zur Freude wurde, weil die Erinnerung an einstige Unsicherheit aus der Perspektive von Sesshaftigkeit und Ernteglück erlebt wurde. Heute würden die Juden Sukkot „als Fest der Erinnerung an eine Armut, in welche wir nach einem kurzen Intermezzo von Glück und Wohlstand zurückversunken sind“ feiern. Ein solches Fest kann seinem Verständnis nach keine Freude stiften. Sein zionistisches Fazit lautet, dass das Fest seinen ursprünglichen Sinn erst zurückgewinnen kann, wenn Juden wieder ein eigenes Land besitzen: „Unsere Succah muss in unserem Lande stehen. Dann ist das Succoth der Väter wieder unser!“

-> Gesetzesfreude
Der vorliegende Beitrag erschien am 1. Oktober 1926 in der „Jüdisch-liberalen Zeitung“, dem Organ der Vereinigung für das liberale Judentum. Der Autor Dr. Hugo Chanoch Fuchs, der seit 1907 Rabbiner der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Chemnitz war, beklagt darin den Bedeutungsverlust von Simchat Tora im liberalen Judentum und plädiert dafür, dieses Fest wieder mit echter „Gesetzesfreude“ zu füllen, da die Tora als von Gott kommende Offenbarung die notwendige Ergänzung zu den Versöhnungstagen darstelle. Zugleich schlägt er vor, Simchat Tora inhaltlich aufzuwerten, „Simchath Tora müßte der Geburtstag des Judentums wie Schowuoth der des Monotheismus werden!“

-> Jeruschalajim tanzt
Der vorliegende Text stammt aus der Feder Schalom Ben-Chorins und erschien am 13.10.1938 in der „Central-Verein-Zeitung“, dem Organ des Central-Vereins Deutscher Staatsbürger Jüdischen Glaubens. Der Beitrag, der nur drei Wochen vor dem Novemberpogrom veröffentlicht wurde, soll dem Vorwort der Redaktion nach „ein Bild von der ungebrochenen Lebenskraft der jüdischen Menschen in Palästina“ geben. In der Rückschau und im Wissen um die weitere Entwicklung erscheint er besonders tragisch, gab es doch für die deutschen Juden fast keine Möglichkeiten mehr zu fliehen.