Chanukka sameach

Chanukka ist das Fest der Freiheit, der Freiheit, unsere Religion und Tradition zu leben, unsere Identität wahren zu können. Die Finsternis, den Hass in der Welt und auch die Traurigkeit vertreiben wir mit Licht, dem Licht unserer Liebe zum Leben.

Das „jüdische Lichterfest“ Chanukka erinnert an den Sieg der Makkabäer und die Wiedereinweihung des Tempels im Jahr 164 v.d.Z. Eine der zahlreichen Chanukka-Legenden erzählt von einem einzigen Fläschchen mit reinem Öl, das die Griechen nicht entweiht hatten und das, obwohl die Menge nur für einen Tag ausreichte, durch ein Wunder acht Tage brannte. In Erinnerung daran zünden wir acht Chanukka-Kerzen, jeden Tag eine mehr. Chag Chanukka sameach!

Unsere Gedanken sind in diesem Jahr bei den jüdischen Gemeinden in der Ukraine, denen das Licht der Chanukkia Halt und Mut geben muss.

Anleitungen und Ansichten

Rabbiner Meir Lau:
Das Chanukkafest dauert acht Tage
Eines der großartigsten Wunder in der Geschichte des Volkes Israel ist das Wunder des Sieges der Makkabäer – wie im Gebet „Über die Wunder“ erklärt, das wir bei der Amida und beim Segensspruch über Speisen während der Festtage sprechen.

Unsere Weisen erklären:
Was bedeutet Chanukka?
Mit dem fünfundzwanzigsten Kislew beginnen acht Tage. An diesen werden keine Trauerreden gehalten und es wird auch nicht an ihnen gefastet. Denn als die Griechen in das Heiligtum eintraten, verunreinigten sie die Öle. Als dann die Hasmonäer siegten und in das Bet Hamikdasch kamen, suchten sie und fanden nur einen einzigen Krug mit Öl, der noch mit dem Siegel des Hohepriesters versehen war. Obwohl dieser nur soviel Öl enthielt, um damit den , Leuchter für einen Tag anzuzünden, geschah ein Wunder, und das Öl brannte acht Tage lang…

Rabbiner Ehrenberg bei einer Chanukka-Feier in Berlin, © Margrit Schmidt

Gedanken

Licht und Wasser:
Der Monat Kislew
Kislew ist der babylonische Name des Monats. Sein Sternzeichen, der Bogen, gleicht dem Regenbogen. Auch der erste Regenbogen, der nach der Sintflut erschien, wurde im Kislew erblickt.

Takt und Liebe:
Waren die Makkabäer Fundamentalisten?
Die jüdische Religion ist ein Glaube, der nicht nur dem Einzelnen gilt. Die Gemeinschaft ist wichtig und jeder ist für den anderen mit verantwortlich. Die Torah geht sogar so weit, dass sie uns vorschreibt, unseren Nächsten zurecht zu weisen, wenn wir sehen, dass er eine Sünde begeht. Ist das nicht Fundamentalismus?

Eine liberale Betrachtung von Rabbiner W. Rothschild:
Zwischen Befreiung und Freiheit
Chanukka ist eigentlich ein Fest von geringerer Bedeutung. Es ist aus nachbiblischer Zeit und hat keinen Bezug zum landwirtschaftlichen Jahr und seinem Ablauf…

Die Chanukka-Geschichte hat sich in abgewandelter Form häufig wiederholt:
Aus einem Brief des Lubavitcher Rebbe zu Chanukka
Viele Diktatoren und Gewaltherrscher versuchten uns wegen unseres Glaubens zu vernichten. Manchmal zielten ihre vergifteten Pfeile auf unsere Körper, manchmal eher auf unsere Seelen.

Geschichte und Quellen

Ein historisches Ereignis:
Geschichtlicher Hintergrund
Die Chanukkah-Geschichte aus der Perspektive der Historiker (H. Ben-Sasson und M. Stern)

Aus der Septuaginta:
Das Erste Buch der Makkabäer
Ursprünglich wohl in Judäa auf hebräisch verfasst, blieben über die Septuaginta, nur die griechischen Übersetzungen. Die geschilderten Ereignisse sind Grundlage des Festes der Chanukath haMisbeach, der Altarweihe. Die Ausrufung des Festes wird in 1 Makk 4, 52-59 geschildert.

Aus der Septuaginta:
Das Zweite Buch der Makkabäer
Diese Buch ist keine Fortsetzung des ersten Buches. Es stammt von einem anderen Autor und behandelt einen Teil der selben Ereignisse mit zusätzlichen Aspekten und Korrekturen.

Lesen an Chanukkah:
Das Dritte Buch der Makkabäer
Ptolemäus kommt in den Tempel von Jerusalem.

Praktisches

haBrachot:
Die Segenssprüche zu Chanukah
Vor dem Anzünden der Chanucka-Lichter sagt man…

Eine Anleitung von Chabad:
Das Licht Israels wird immer leuchten
Ihre Chanukkia mag schlicht aussehen, aber richtig benutzt hat sie die Macht, ein enorm starkes, übernatürliches Licht ins Universum zu strahlen und dadurch Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit und Güte in der Welt zu steigern und die Kraft der Finsternis erheblich zu schwächen…

Krapfen, Berliner, Ölküchlein:
Sufganioth
Seit das Wunder mit dem Öl geschah, essen wir an Chanukka  ölige Speisen, zum Beispiel Krapfen und Kartoffel-Latkes. Das Wunder ist, dass wir sie acht Tage lang essen und überleben…

Spiele und Geschichten für Kinder

Chanukkah:
Für Kinder erklärt
Eines der schönsten Feste für Kinder.

Zum Ausschneiden und Kleben:
Bastele Dir einen Dreidel
Du brauchst einen dünnen Karton, eine Schere und Farben.

Channukkah ist gerettet:
Levi liebt Lattkes
Wenn Levi mit seiner Familie zu Ellinghoffs geht, läuft ihm schon Tage vorher das Wasser im Munde zusammen. Zu Ellinghoffs gehen sie nämlich nur einmal im Jahr, und zwar immer am fünften Channukkah-Abend. Und jedes Jahr backt Judith, das ist die Mama von Ellinghoffs, Lattkes für alle…

Buch-Tipp:
Ein Pferd zu Chanukka
Die wunderschön illustrierte Geschichte erzählt von Hannah, die sich schon seit langem ein Pferd wünscht. Am ersten Chanukka-Abend geht ihr Wunsch in Erfüllung – was an den kommenden Abenden für allerlei Turbulenzen sorgen wird…

Der weibliche Aspekt

Eine andere Geschichte:
Chanukka-Heldinnen
Im Chanukkaspiel meiner Schulzeit war ich der Drejdl. Das Kostüm war aus einer Kühlschrankverpackung hergestellt und ich musste ziemlich viel herumkreiseln. Diese Verkleidung schien passend für ein Mädchen zu sein…

Ein vergessener Midrasch zu Chanukka:
Was ist mit Channa?
Der Befreiungskampf der Makkabäer, der die Neuweihe des Tempels erst ermöglichte, wird in seiner Bedeutung eher heruntergespielt. Die Makkabäerbücher, die davon berichten, sind nicht Teil des Tenach geworden…

Licht bringen:
Die Judith des Nissim Ben-Ja’akow
Es geschah, dass ein König mit 40.000 Helden gegen Jerusalem kam und es viele Tage bedrängte. Und die Israeliten wurden eingeengt in Drangsal und Enge, und sie waren in großer Not. Es gab aber in Jerusalem eine junge Frau von den Töchtern der Propheten…

Historische Chanukka-Geschichten

Ner rischon:
Der makkabaeische Freiheitskampf
Zu Chanukka möchten wir unseren Lesern jeden Tag eine historische Chanukka-Geschichte vorstellen, die einerseits die Stimmung und Probleme der jeweiligen Zeit widerspiegeln und andererseits zeigen, dass viele Überlegungen und Probleme des deutschen Judentums von damals auch heute noch von erstaunlicher Aktualität sind. Die erste Geschichte ist eine Abhandlung von Nathan Birnbaum (veröffentlicht unter seinem Pseudonym) zu den Makkabäern, erschienen 1901 in der Zeitschrift „Ost und West“…

Ner scheni:
Das Chanukka-Wunder
Der zweite Text in unserer Reihe historischer Chanukka-Geschichten stammt von Ignaz Maybaum. Maybaum, 1897 in Wien geboren, studierte an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin und wurde 1926 zum Rabbiner ordiniert. 1939 konnte er nach England emigrieren, wo er nach Kriegsende unter anderem am Leo Baeck College lehrte. Seine kurze Überlegung über das Wunder von Chanukka erschien im Dezember 1933 in der Zeitschrift „Der Morgen“…

Ner schlischi:
Was ist Chanukka?
Die dritte historische Chanukka-Geschichte stammt von Mendele Mocher-Sforim („Mendele, der Buchhändler“), einer der wichtigsten Jiddischisten und Begründer der modernen jiddischen Literatur. Geboren 1835 mit bürgerlichem Namen Schalom Jakow Abramowitsch in Minsk, lebte viele Jahrzehnte in Odessa, einem bedeutenden Zentrum der jüdischen Aufklärung Haskala, wo er 1917 starb. Die deutsche Übersetzung dieser Chanukka-Geschichte erschien in den „Neuen jüdischen Monatsheften“, eine nationalliberale Zeitschrift, die zwischen 1916 und 1920 erschien und sich explizit auch an ein nichtjüdisches Publikum wandte, um der „Unkenntnis in jüdischen Dingen entgegenzuarbeiten“…

Ner rewi’i:
Chanuka in der „Welt“
Der vierte historische Chanukka-Text stammt aus dem Organ der Zionistischen Bewegung „Die Welt“ aus dem Jahr 1899 und zeigt den Konflikt zwischen den Generationen auf, der sich um die Feierlichkeiten von Chanukka entsponnen hat. Autor des Artikels ist Leon Kellner, ein österreichischer Zionist und einer der ersten Anhänger Herzls, der in der „Welt“ das Pseudonym Leo Rafaels gebrauchte…

Ner chamischi:
Eines jungen Schriftstellers Chanukafest
Die fünfte historische Chanukkageschichte ist eine Erzählung von Jizchak Leib Perez, der neben Mendele Mocher-Sforim und Scholem Alejchem zu den Gründern der modernen jiddischen Literatur zählt. Perez, 1852 in Zamość geboren, arbeitete zunächst als Rechtsanwalt, während er gleichzeitig in polnisch und hebräisch zu publizieren begann. Erst später schrieb er in jiddisch und wurde zu einem Wortführer der jiddischen Literatur, auch im politischen Bereich. Sein Haus in Warschau, wo Perez 1915 starb, wurde Mittelpunkt des kulturellen Lebens der Stadt und Treffpunkt junger Schriftsteller und Künstler. Die vorliegende Chanukka-Geschichte erschien in deutscher Übersetzung aus dem Jiddischen in der Zeitschrift „Ost und West“, die sich als „Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum“ verstand und im Kontext der „Jüdischen Renaissance“ dem westjüdischen Publikum die kulturellen Leistungen der sog. „Ostjuden“ vorstellte…

Ner schischi:
Das Chanukka-Fest
Der sechste historische Text zu Chanukka stammt von Dr. Simon Bernfeld, einem Literaturwissenschaftler, Historiker und Schriftsteller, der, 1860 in Galizien geboren, zu den Vertretern der ‚Wissenschaft des Judentums‘ gehörte. Heute ist er leider weitgehend in Vergessenheit geraten, und das trotz seines umfangreichen Schaffens, wie es zu seinem 60. Geburtstag in „Ost und West“ beschrieben wurde: „Wer ist Simon Bernfeld? Hier, in Berlin, wo er fast drei Jahrzehnte wohnt, wissen nicht allzu viele von seinem Können und Wirken. Die meisten deutschen Juden haben vielleicht von Bernfeld als jüdischem Publizisten, als Leiter des apologetischen Archivs des Verbandes der deutschen Juden, als Ausschußmitglied der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, allenfalls noch als ehemaligem Redakteur der auswärtigen Politik des „Berliner Börsen-Couriers“, in den letzten Jahren als Redakteur des Gemeindeblattes der Berliner Jüdischen Gemeinde etwas gehört, und wie eine Mär aus fernen Landen ist noch zu ihnen sein Ruf als hebräischer Schriftsteller gedrungen. Den Wenigsten von ihnen ist es klar, daß gerade in der hebräischen Literatur die Wurzeln seiner Kraft ruhen, daß auf diesem Gebiete sein Lebenswerk vollbracht ward und daneben sein sonstiges Schaffen vollends in den Schatten tritt.“ Im vorliegenden Text, der 1901 in „Ost und West“ erschien, beschreibt Bernfeld das Chanukka-Fest in Vergangenheit und Gegenwart…

Ner Schwi’i:
Chanuka in der Hintergasse
Die siebte Chanukka-Geschichte erschien im Dezember 1900 wiederum im zionistischen Organ „Die Welt“. Autor ist Philipp Menczel, ein Rechtsanwalt und Journalist aus Czernowitz. Menczel, 1872 geboren, war seit seiner Studienzeit Anhänger des Zionismus und gehörte zu den führenden Zionisten der Bukowina. Vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs konnte er in die USA emigrieren, wo er 1941 starb. Die vorliegende „kleine Ghettogeschichte“ zeichnet ein düsteres Bild vom Elend der jüdischen Bevölkerung in Osteuropa und stellt diesem den Zionismus gleich einem Chanukka-Wunder gegenüber…

Ner schmini:
Vom Recht der Wenigen
Der letzte Chanukka-Text stammt von Manfred Swarsensky. Swarsensky, geboren 1906, war promovierter Philosoph und Sprachwissenschaftler und wurde im Alter von 26 Jahren zum Rabbiner ordiniert. Damit war er 1932 der jüngste ordinierte Rabbiner im Amt. Nach 1933 entschloss er sich, seine Gemeinde in Berlin nicht im Stich zu lassen und bis zum letzten Moment, gleich seinem Vorbild und Lehrer Leo Baeck, auszuharren. Schließlich wurde er für drei Monate im KZ Sachsenhausen interniert. Nach seiner Freilassung kehrte er nach Berlin zurück, bis er schließlich 1940 über England in die USA emigrieren musste. Dort gründete er die Gemeinde Bet El in Madison, der er bis 1976 als Gemeinderabbiner vorstand. Rabbiner Manfred Swarsensky starb 1981 in Madison. Der vorliegende Text erschien im Dezember 1934 in der von Julius Goldstein gegründeten Zeitschrift „Der Morgen“ und ist ein eindringliches Dokument der Reaktionen des deutschen Judentums im Angesichts des aufsteigenden Nationalsozialismus …

Kommentar verfassen