MasrawY: Facebookseite gesperrt?

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Eine der größten Facebook-Seiten, die der ägyptischen Muslimbruderschaft “MasrawY”, ist seit heute nachmittag nicht mehr aufrufbar…

Nachdem die Seite tagelang zur Ermordung des Schriftstellers und Politologen Hamed Abdel-Samads aufgerufen hatte, der sich zur Zeit in Kairo aufhält. Während eines Vortrags setzte er sich kritisch mit der fundamentalistischen Islamauslegung auseinander.

Seit dem späten Nachmittag erhält man beim Verfolgen des Links “Masrawy page on Facebook” jedoch eine andere Meldung:

Dieser Inhalt ist derzeit nicht verfügbar.
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Ursache dürfte eine firmeninterne Entscheidung bei facebook gewesen sein. Nach anhaltenden Protesten zahlreicher Nutzer wurde der Tötungsaufruf entfernt.

Eine merkbare Reaktion seitens der deutschen oder ägyptischen Regierung hat es demnach nicht gegeben, dabei hätten beide gute Gründe gehabt, sich in dieser Sache einzumischen und zu positionieren. Auf der deutschen Seite, zB um Klarheit für Bundesbürger, die sich aus welchen Gründen auch immer in Ägypten aufhalten zu schaffen. Auch der ägyptische Staatspräsident Mohamed Mursi hätte hier eine hervorragende Gelegenheit gehabt das Ansehen des Islam in der Welt zu heben. So bleibt auch hier der Eindruck, Islamisten hätten keine Argumente zur Verteidigung ihrer Lehre, außer Mord und Totschlag, eingeleitet durch menschenverachtende Hetze. Dass solch würdeloser Terror nicht zur Ehre des Propheten beiträgt, sollte auch Staatspräsident Mursi, selbst ein Vertreter der Muslimbrüder, wissen. Als Staatspräsident hätte er die Pflicht alle Bürger fremder (zumal befreundeter) Staaten zu schützen, die Ägypten besuchen, auch wenn ihre Ansichten liberal sind, verglichen mit denen der Muslimbrüder.

Es scheint an der Bürgern zu liegen, diese Dinge zu bestimmen und sich selbst zu helfen und zu organisieren. Die Regierungen scheinen pflichtvergessen. Sie reden gerne von menschlichen Werten, von der Würde des Menschen oder der Ehre des Propheten Mohamed – und verraten sie dann als Erste. Egal ob in Berlin oder am Nil. Das ist auch eine Lehre aus diesen Ereignissen.

dg

4 Kommentare

  1. In Ägypten sind fünf Ausländer wegen Drogenschmuggels zum Tode verurteilt worden – unter ihnen ein Brite.
    Ein Gericht in dem Tourismusort Hurghada sprach die Angeklagten des Versuchs schuldig, Marihuana über das Rote Meer nach Ägypten zu schmuggeln. Das Urteil vom 7. April wurde am Montag bestätigt. Drei Angeklagte stammen laut ägyptischen Medien von den Seychellen, einer aus Pakistan.
    Die britische Botschaft in Kairo erklärte, die britische Regierung sei „äußerst besorgt“ über das Todesurteil.

  2. http://www.tagesschau.de/ausland/abdel-samad100.html

    Die Bundesregierung kritisierte den Mordaufruf von Islamisten gegen Abdel-Samad. Der öffentliche Aufruf zum Mord sei „durch nichts zu rechtfertigen“, sagte der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning, der „Süddeutschen Zeitung“. „Ich erwarte, dass sich die ägyptische Regierung deutlich und unmissverständlich davon distanziert.“ Zudem forderte Löning die Regierung in Kairo auf, die Sicherheit des Politologen zu gewährleisten.

    Abdel-Samad ist Autor mehrerer islamkritischer Bücher. Er lebt seit seinem 23. Lebensjahr in Deutschland, hat einen deutschen Pass und ist Mitglied der Deutschen Islamkonferenz des Bundesinnenministeriums…

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