Beyond Frenemies

Gemeinsame Erklärung zur Rücknahme unserer Beiträge aus dem Sammelband „Frenemies“

Am 12.10.2022 ist der von Meron Mendel, Saba-Nur Cheema und Sina Arnold herausgegebene Sammelband „Frenemies“ erschienen, der antisemitismus- und rassismuskritische Stimmen in einem Band versammeln will. Ursprünglich hatten wir, die Autor:innen, auf Anfrage ebenfalls Beiträge für diesen Sammelband eingereicht. Als uns einen Tag vor Einsendeschluss der Korrekturfahnen im Juni 2022 und nur durch einen Zufall bekannt wurde, dass die Autoren Kerem Schamberger und Ramsis Kilani in dem Sammelband ihre Pro-BDS-Position vertreten würden, haben wir uns entschieden, unsere Beiträge zurückzuziehen.

Wir haben uns dazu entschieden, weil wir es mit unseren wissenschaftlichen, politischen, zivilgesellschaftlichen und pädagogischen Überzeugungen für unvereinbar halten, mit diesen Autoren einen Sammelband zu teilen. Beide sind in der Vergangenheit als Unterstützer der antisemitischen BDS-Bewegung in Erscheinung getreten und haben islamistischen Terrorismus gegen den Staat Israel als legitimen Widerstand verharmlost. Kilani, Aktivist der Gruppe „Palästina Spricht“, war zudem zwei Mal Gast in der Radiosendung des Verschwörungsideologen Ken Jebsen (KenFM).

Unser Vertrauen wurde auch deshalb beschädigt, weil der Herausgabeprozess intransparent war. Bis zuletzt war uns vorenthalten worden, dass der Text von Kilani/Schamberger, der BDS als nicht antisemitisch einstuft, im Sammelband erscheinen würde. Auch im Lektoratsprozess wurde uns kein finales Inhaltsverzeichnis kommuniziert. Zwar wurde der Beitrag nach unserem Rückzug ebenfalls aus dem Band genommen; der Vorgang wurde jedoch nicht mit einer inhaltlichen Kritik an deren Positionen begründet, sondern mit dem instrumentellen Grund, unsere Beiträge zurückzugewinnen und das Gesamtprojekt nicht zu gefährden. Zu keinem Zeitpunkt haben wir von den Herausgeber:innen gefordert, den Beitrag von Schamberger und Kilani aus dem Band zu entfernen oder den Herausgeber:innen gedroht, unsere Beiträge zurückzunehmen.

Im Verlauf der Auseinandersetzung ist deutlich geworden, dass unsere Kritik nicht ernst genommen wurde. Im Vorfeld getätigte Versicherungen gegenüber jüdischen Autor:innen, dass der Band ihre Sorgen in Bezug auf die Verharmlosung von Antisemitismus ernst nimmt, wurden nicht eingehalten. Vielmehr ist der Eindruck entstanden, dass unsere Namen und kritisch-progressiven Stimmen dazu instrumentalisiert werden sollten, die gesellschaftlich omnipräsente Bagatellisierung des israelbezogenen Antisemitismus durch den gemeinsamen Auftritt mit BDS-Positionen in einem Sammelband noch weiter zu legitimieren.

Die Autor:innen

Wir dokumentieren im Folgenden die Beiträge der Autor:innen:

Gibt es eine allgemeingültige Definition für Antisemitismus? Ein Plädoyer für die Einnahme von Betroffenenperspektiven
Von Tanja Kinzel, Bianca Loy und Daniel Poensgen (Bundesverband RIAS)

Ist Kritik an Israel antisemitisch? Oder: gibt es israelbezogenen Antisemitismus?
Von Monika Schwarz-Friesel

Was ist wichtiger für den Rechtsextremismus – der Antisemitismus oder der Rassismus?
Von Anja Thiele

Hat Intersektionalität ein Problem mit Antisemitismus?
Von Karin Stögner

Was heißt „Singularität des Holocaust“ – und was nicht?
Von Steffen Klävers

Der moderne Antisemitismus in kapitalistischen Zeiten
Von Olaf Kistenmacher

Bild oben: Gegenprotest zum jährlichen Quds-Marsch in Berlin, 2018, © RechercheNetzwerk.Berlin

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