„Alle freuen sich, nur Israel nicht“

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Ein Haus in Kiryat Schmona, das durch eine Rakete der Hisbollah zerstört wurde, Foto: Alex Geiner / CC BY-SA 4.0

So titelte die Süddeutsche Zeitung einen Artikel zum Abkommen zwischen Iran und den USA. In allen Ländern des Nahen Ostens herrsche große Erleichterung, „dass der Krieg zwischen Iran und den USA mit der Einigung auf eine Absichtserklärung zumindest zwischenzeitlich pausiert“. Nur in Israel dominiere Entsetzen, so Bernd Dörries. Sowohl Ministerpräsident Netanjahu wie auch alle führenden Oppositionspolitiker „wollen weiterhin Krieg führen: gegen Iran, gegen die Hisbollah in Libanon, gegen Gaza und Syrien.“

Es bleibt einem die Spucke weg! Der Spielverderber Israel will sich nicht freuen und lieber weiter Krieg führen? Echt jetzt?

Diese Absichtserklärung ist das Papier nicht wert, auf dem sie unterschrieben wird. Ob Trump meint, dass die Welt tatsächlich so blöd ist, dass sie es nicht merkt? Die große Errungenschaft soll sein, dass die Straße von Hormus wieder frei befahren werden kann. Das war aber auch vor dem Krieg schon so! Das ist keine Errungenschaft! Die wirklich wichtigen Themen, allen voran das iranische Atomprogramm, sollen erst noch verhandelt werden. Bis dahin hat das Mullahregime einen großen Erfolg zu verbuchen und brüstet sich damit, die USA in die Knie gezwungen zu haben.  

Die anderen für Israel relevanten Themen, das iranische Raketenarsenal und die Unterstützung der Terror-Proxies in der Region, sind noch nicht einmal mehr im Gespräch! Von den Menschen im Iran, von den Protesten, den Zehntausenden Toten, spricht auch niemand mehr. Trump hat sie verraten und bezeichnet die aktuell herrschenden Mullahs als „rationalste Gruppe, mit der wir es bisher zu tun hatten.“ 

Die Tatsache, dass auch „alle führenden Oppositionspolitiker“ in Israel nichts von diesem Abkommen halten, könnte schon einen Hinweis darauf geben, dass es sich hier nicht um ein Thema handelt, das Netanyahu rein für den Wahlkampf nutzen will. Natürlich, die Wahlen stehen bevor, für Bibi ein Problem, denn von seinen großen Versprechungen ist nicht viel geblieben. Aber die Tatsachen bleiben, egal ob Wahlen oder nicht.

Und die Tatsachen sehen so aus: In Kiryat Schmona, Israels nördlichster Stadt, gab es 312-mal Raketen- und Drohnenalarm seit Beginn des Krieges am 28. Februar. Seit der „Waffenruhe“ im April waren es 99 Alarme. 312-mal mussten sich die in der Stadt verbliebenen Bewohner in die Schutzräume flüchten, haben dazu nur wenige Sekunden Zeit. Müssen um ihr Leben fürchten, leben in ununterbrochenem Dauerstress, wann der nächste Alarm kommt, schlafen keine Nacht durch, wissen nicht, wie sie ihre Kinder in die Schulen schicken können, versuchen, ihre Geschäfte weiter zu führen, gehen an dem Dauerbeschuss zugrunde. Viele weitere Orte in Grenznähe sind in der gleichen Lage.

Ja, es gibt Verhandlungen mit der libanesischen Regierung, aber auch die libanesische Regierung kann nichts gegen die von den Mullahs protegierte Terrormiliz Hisbollah ausrichten. Das wird ein Journalist, der in Beirut sitzt, ja wissen. Was ist also der Vorwurf? Dass Israel den Dauerbeschuss nicht einfach duldet, ein Abkommen, das keines ist, feiert und einen „Frieden“ akzeptiert, der den nächsten Überfall, wie am 7. Oktober, quasi vorprogrammiert? 

Auch mit diesen „rationalen“ Mullahs wird es keinen wirklichen Frieden in der Region geben. Das scheint in Israel jeder zu begreifen. In so manch deutscher Redaktion zieht man es vor, die Realität so lange zurechtzubiegen, bis sie ins eigene moralische Wohlfühl-Narrativ passt. (al)