Keine Trendwende bei antisemitischen Vorfällen

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Bild: RIAS

Der Bundesverband RIAS hat 2025 8725 antisemitische Vorfälle erfasst. Das heute veröffentlichte Lagebild zeigt: Seit dem 7. Oktober 2023 besteht ein hohes Vorfallniveau und schränkt das Leben von Jüdinnen:Juden weiter ein. Im Vergleich zu 2022 hat sich die Zahl der Vorfälle mehr als verdreifacht. Israelbezogener Antisemitismus wurde bei zwei Dritteln (68 %) aller Vorfälle dokumentiert.

Angriffe und Bedrohungen treffen Jüdinnen:Juden im Alltag

Jüdisches Leben und Engagement gegen Antisemitismus waren 2025 wiederholt Anlass für Bedrohungen und Angriffe. RIAS dokumentierte 178 Angriffe und 257 Bedrohungen – vielfach an alltäglichen Orten: In Kehl wurden vier Gemeindemitglieder vor einem jüdischen Gebetsraum beleidigt und bespuckt. In Hessen wurde ein Rabbiner in einem Supermarkt vor den Augen seiner Kinder gestoßen und ihm das Handy entrissen. Dabei wurden die Betroffenen für israelisches Handeln verantwortlich gemacht. Zudem wurden vier Fälle extremer Gewalt bekannt, darunter ein terroristischer Anschlag am Denkmal für die ermordeten Juden in Berlin. Vorfälle wie diese gefährden und verunsichern Jüdinnen:Juden.

Bedrohungen im digitalen Raum nehmen zu

Mehr als ein Viertel (27 %) aller antisemitischen Vorfälle ereignete sich online. Antisemitismus wird dort oft ungehemmt geäußert. Fast 43 % aller dokumentierten Bedrohungen fanden online statt, darunter auch Morddrohungen. So erhielt eine Jüdin bei Facebook wiederholt Drohungen, darunter ein Bild einer Zyklon-B-Dose mit dem Kommentar „Noch auf Lager“. Bedrohungen im Netz können dazu führen, dass sich Betroffene aus sozialen Medien zurückziehen und auch jenseits digitaler Räume weniger öffentlich auftreten.

Rechtsextreme antisemitische Vorfälle so hoch wie nie

RIAS erfasste 2025 807 rechtsextreme Vorfälle, den höchsten Wert seit Beginn der bundesweiten Erhebung 2020. Dokumentiert wurden Verschwörungsmythen, NS-Verherrlichung und Wünsche nach einer Wiederholung der Schoa. So rief eine rechtsextreme Gruppe in Mecklenburg-Vorpommern in einem Bus „Juden an die Wand“, verhöhnte die Schoa und bedrohte Geflüchtete sowie einschreitende Fahrgäste. Rechtsextremer Antisemitismus trat zuletzt nicht nur häufiger, sondern auch offen gewaltvoll auf.

Legitimation von antisemitischer Gewalt: Feindbild „Zionismus“

Das Feindbild „Zionismus“ spielte 2025 in Vorfällen gegen Jüdinnen:Juden und politische Gegner:innen eine zentrale Rolle. In Schmierereien wie „STILL KILL EVERY ZIONIST“ oder „Kill ZIONazis (sic!)“ verbinden sich Feindmarkierungen mit Gewaltaufrufen. RIAS dokumentierte dies auch in Übergriffen: In Kassel wurde ein Betroffener zuerst als „Zionistenschwein“ beleidigt und dann angegriffen. Solche Vorfälle legitimieren und normalisieren Anfeindungen und Gewalt.

–> Zum vollständigen Bericht

–> https://report-antisemitism.de/

Der Bundesverband RIAS e. V. ist der Dachverband der RIAS-Meldestellen und verfolgt das Ziel einer einheitlichen Dokumentation antisemitischer Vorfälle auf Grundlage der IHRA Arbeitsdefinition von Antisemitismus. Die RIAS-Meldestellen erfassen bundesweit antisemitische Vorfälle und vermitteln Unterstützung an Betroffene. In den Bericht flossen Vorfälle aus dem ganzen Bundesgebiet und von Meldestellen in zwölf Bundesländern ein.