„Nie wieder wehrlos“

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Zum 83. Jahrestag des Aufstands im Warschauer Ghetto (19. April 1943) und wenige Tage nach dem diesjährigen Jom haScho’a veröffentlicht das Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender e.V. (NJH) den Essay „Nie wieder wehrlos“ – Vom Aufstand im Warschauer Ghetto zum Jom haScho’a und zur Selbstbehauptung des jüdischen Staates.

Der Essay analysiert die Erinnerungskulturen in Israel, Polen und Deutschland und führt den Begriff des Nekrosemitismus ein – eine Form der erinnerungskulturellen Zuwendung zu den toten Juden, oft in ritualisierter Form, die ohne Bezug zu aktuellen Formen des Antisemitismus und ohne Interesse an gegenwärtigem jüdischem Leben bleibt und sich in der Bereitschaft äußert, der Toten zu gedenken, solange sie als wehrlose Opfer und Objekte erscheinen. Der bewaffnete Widerstand im Ghetto, das Konzept des Kiddusch ha-Chajim – Überleben als religiöse Pflicht – und die Gründung Israels als Ausdruck jüdischer Handlungsfähigkeit finden im deutschen Gedenken kaum Platz.

Anlass zur Veröffentlichung geben auch aktuelle Entwicklungen: In Polen wählte das POLIN-Museum einen Journalisten, der Israel des Genozids beschuldigt, als Botschafter seiner Narzissen-Kampagne. In Deutschland wies die KZ-Gedenkstätte Buchenwald die Intervention der israelischen Botschaft als „Instrumentalisierung“ zurück. Der Essay identifiziert in beiden Fällen denselben Mechanismus: Die Erinnerung wird für „universell“ erklärt – und Israel daraus ausgeschlossen.

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