„Trügerische Ruhe durch Zugeständnisse“

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In Manot, Foto: S. Harel

Vor gut zwei Wochen haben wir mit Silja Harel gesprochen. Sie lebt seit 16 Jahren in Manot, einem kleinen Moschaw im westlichen Galiläa, 5 km von der libanesischen Grenze. Seit drei Tagen gibt es auch an Israels Nordfront einen Waffenstillstand und wir haben bei ihr nachgefragt, wie sie die Situation einschätzt. „Ich möchte nicht pessimistisch sein, ich bemühe mich eigentlich immer, die positive Seite zu sehen, aber diesmal fällt es mir schwer“, sagt Silja dazu.

Sie hält es für eine reine Frage der Zeit, bis die Hisbollah das nächste Mal angreift. „Wir werden wieder mal von der internationalen Gemeinschaft gezwungen, uns mit halben Maßnahmen zufriedenzugeben, eine trügerische Ruhe durch Zugeständnisse zu erkaufen, und der bekannte Zyklus läuft weiter.“

„Im Iran werden die Menschen brutal exekutiert und die Welt schaut weg“, so Silja weiter. Die UN wähle diese Regierung von mörderischen Fanatikern in wichtige Gremien, auch mit Stimmen der deutschen Regierung. Was könne man dazu sagen? Und die Berichterstattung zu Nahost bezeichnet Silja als unterirdisch, von Jahr zu Jahr werde es schlimmer. Dass es überhaupt noch Menschen gebe, die in diesem Sumpf von Lügen, Verdrehungen und Halbwahrheiten die Wahrheit sehen, sei eine Art Wunder. „Ich habe manchmal das Gefühl, in apokalyptischen Zeiten zu leben“, sagt sie.

Ein positiver Aspekt sei ihr doch noch eingefallen, hakt Silja im Gespräch später nach. Die libanesische Regierung habe sich deutlich gegen die Hisbollah positioniert. „Damit ist auch klar, für die, die es sehen können, dass Israel die ganze Zeit Recht hatte – das Problem ist die Hisbollah, nicht der Libanon als solcher.“ Und dass Israel nicht gegen den Libanon kämpfe, sondern FÜR den Libanon. So wie Israel auch nicht gegen den Iran kämpfe, sondern gegen das Regime, das die Iraner unterdrückt, und damit FÜR den Iran. „Im Nahen Osten scheint das vielen Menschen klarer zu sein als in westlichen Ländern, Regierungen und Redaktionen.“

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