Seit einigen Tagen eskaliert die Situation im Norden Israels zunehmend. Die Hisbollah Terrormiliz hat ihre Angriffe mit Kamikaze-Drohnen deutlich verstärkt. Täglich gibt es Zwischenfälle, bei denen israelische Stellungen angegriffen werden, auch auf israelischem Boden. Mit tragischem Ausgang, seit Beginn der sog. Waffenruhe starben 12 israelische Soldaten und ein ziviler Mitarbeiter der Armee durch Drohnenbeschuss der Hisbollah. Offensichtlich verfügt die Hisbollah auch über Drohnen, die nachts fliegen können, eine noch größere Gefahr für die Truppen. Und längst auch hat die Hisbollah zivile Ziele im Visier. Die letzte Woche war in den Orten im Norden von anhaltendem Raketen- und Drohnenalarm geprägt.
Israel reagierte zurückhaltend auf die wachsende Bedrohung. Zwar ist die Armee weiter nördlich in den Libanon voran gerückt, aber drastischere Maßnahmen wurden bisher nicht ergriffen. In Israel wurde daher die Kritik immer lauter. Wie können die Menschen in Dahieh, dem „Hisbollah-Viertel“ in Beirut, ruhig schlafen, während der Norden Israels unter Dauerbeschuss ist? Das ist die Frage, die immer lauter wurde. Gestern kam dann tatsächlich die Ankündigung, dass Israel einen Angriff plane, die Einwohner der Dahieh flohen aus dem Viertel.
Einen Angriff gab es trotzdem nicht, am Abend dafür die überraschende Ankündigung von Präsident Trump. „Es werden keine Truppen nach Beirut entsandt, und alle Truppen, die auf dem Weg sind, sind bereits umgekehrt“. Er habe ein konstruktives Gespräch mit Premier Netanyahu geführt und auch die Hisbollah habe einem Waffenstillstand zugestimmt. Natürlich heulten in der Nacht trotzdem erneut die Sirenen in israelischen Orten.
Tatsächlich scheint das Telefonat auch etwas hitziger gewesen zu sein. Israelische Medien berichteten davon, dass Trump Netanyahu im Gespräch scharf angegangen habe. Ein US-Beamte wird mit den Worten zitiert: „Du bist total verrückt. Ohne mich wärst du im Gefängnis. Ich rette dir den Arsch.“ Gegenüber Axios erklärten US-Beamte, Trump sei der Meinung, dass Israel in den letzten Tagen unverhältnismäßig reagiere und damit die Bemühungen um eine Verlängerung des Waffenstillstands mit dem Iran gefährde.
Damit ist es wohl offiziell, Präsident Trump hat nicht vor, den Krieg im Iran weiterzuführen. Aus Teheran kam die Drohung, Israel anzugreifen, wenn die IDF weiter gegen die Hisbollah vorgeht. Wie viel kann man den Mullahs noch Aufwind geben? Sie diktieren nicht nur die Verhandlungen rund um die Meerenge von Hormus, wo uns verkauft werden soll, dass es ein großer Erfolg ist, dass die Schiffspassage dort geöffnet wird, als ob das nicht vor dem Krieg genau so gewesen ist. Sie diktieren jetzt auch Israels Vorgehen gegen die Hisbollah.
Damit lässt Trump Israel im Stich, und Netanyahu knickt ein. Die Leidtragenden sind wie immer die Menschen – die Menschen im Norden Israels, die weiter mit der Bedrohungen durch die Hisbollah leben müssen, die Menschen im Libanon, die den Staat im Staat nicht loswerden, und vor allem die Menschen im Iran, über die niemand mehr spricht, die verzweifelt davon berichten, dass die Unterdrückung durch das Regime heute noch viel brutaler ist als vor dem Krieg. Von Trump fühlen sie sich verraten, die Hoffnung auf einen Wandel ist dahin. Trumps Verhandlungen sind ein Kniefall vor dem Terrorregime. Wer glaubt, dass dadurch im Nahen Osten Ruhe einkehrt, ignoriert die Realitäten. Die Sirenen im Norden Israels letzte Nacht zeugen davon. (al)



