Hinter den Kulissen der Jewrovision

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Foto: show&tell productions

2013 bin ich zum ersten Mal nicht nur als einfacher Teilnehmer auf die Jewrovision gefahren, sondern hatte eine Aufgabe und durfte einen kleinen Beitrag zur Organisation leisten. Damals hätte ich mir nicht annähernd vorstellen können, dass ich eines Tages als ehrenamtlicher Produzent für den Zentralrat der Juden in Deutschland Verantwortung für den größten jüdischen Gesang- und Tanzwettbewerb Europas übernehmen würde.

Von Michael Movchin

Seit 2023 organisieren mein Team und ich Technik und Abläufe. Genauso sind wir dafür zuständig, dass aus der monatelangen Vorbereitung aller Jugendzentren am Ende jene wenigen Stunden entstehen, die dieses Jahr für 1.350 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene unvergesslich machen. Ihre monatelange Vorbereitung prägt in dieser Zeit das gesamte Gemeindeleben und wir sorgen dafür, dass aus einem einzelnen Moment auf der Bühne Erinnerungen für ein ganzes Leben werden. Nach der diesjährigen Jewrovision im internationalen Congresscenter Stuttgart bleibt vor allem ein Gedanke: Diese Veranstaltung ist weit mehr als ein Wettkampf der Jugendzentren.

Foto: show&tell productions

Von außen sieht man Licht, Musik, Choreografien und die perfekte Inszenierung. Hinter den Kulissen aber greift ein Zahnrad minutiös ins nächste. Technik, Kameras, Bühnenumbauten, Licht, Ton, Regie, Madrichim und Acts – alles muss präzise auf einander abgestimmt sein, damit am Ende ein reibungsloser Ablauf entsteht. Fällt ein Zahnrad aus, gerät das gesamte System ins Stocken. Genau hier zeigt sich die besondere Stärke der “Jewro”: Niemand arbeitet hier nur für sich selbst. Jeder trägt Verantwortung für das große Ganze.

Besonders in diesem Jahr war spürbar, warum diese Veranstaltung so wichtig für eine positive Jüdischkeit ist. Während unsere Lebensrealitäten außerhalb der geschützten Messehalle von antisemitischen Bedrohungen in Schule, Universität oder Beruf geprägt sind, entsteht bei der Jewrovision ein geschützter Raum. Ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche ihre jüdische Identität offen, stolz und laut leben können. All das ohne Angst, sich erklären oder rechtfertigen zu müssen.

Zurück hinter die Kulissen: Im Backstage braucht es volle Konzentration auf die leuchtenden Bildschirme und piependen Handfunkgeräte. Es darf keine Ablenkung geben. Und doch muss ich sagen, dass ich dieses Jahr an den 2020 verstorbenen britischen Oberrabbiner Lord Jonathan Sacks denken musste. Seine Worte durchbrechen meine Fokussierung für einen Moment: “Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass Juden die Hoffnung am Leben hielten und die Hoffnung das jüdische Volk am Leben hielt.“ Wenn ich dann meinen Blick vom technischen Equipment hebe und in die Gesichter der Teilnehmenden blicke, sieht man keine Schlagzeilen oder keine politischen Debatten. Man schaut in funkelnde Augen, hört fröhliches Lachen und erlebt Jugendliche, die Gemeinschaft, Freundschaft und Zugehörigkeit feiern. Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung dieses Wochenendes. Die jüdische Jugend ist unsere “Voice of Hope“, die Stimme einer Generation, die hoffentlich einmal selbstverständlich und ohne Angst jüdisch in Deutschland sein kann.

Am Ende bleiben nicht nur Konfetti und Applaus. Es bleibt das Gefühl, Teil von etwas gewesen zu sein, das weit über einige Stunden Bühnenshow hinausgeht. Die Jewrovision ist identitätsstiftend für jung und alt, während dem Wochenende oder auf der Rückfahrt – Sie beweist jedes Jahr aufs Neue, wie lebendig, kreativ und stark das jüdische Leben in Deutschland ist. Genau deshalb lohnt sich jedes einzelne Zahnrad, das sich dafür bewegt.

–> „Voices of Hope“ – Starke, selbstbewusste Generation feiert Europas größtes jüdisches Jugendevent

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