Trotz des stürmischen Wetters versammelten sich am Freitag Nachmittag Hunderte im Foyer der Beit-Ariela-Bibliothek neben dem Platz der Entführten in Tel Aviv zum wöchentlichen Kabbalat-Schabbat-Gottesdienst zu Ehren von Ran Gvili. Der Gottesdienst wurde diesmal vom Kibbuz Alumim geleitet. Ran war beim Kampf um die Verteidigung des Kibbuz Alumim gefallen. Mitglieder des Kibbuz standen Seite an Seite mit Familienangehörigen von bereits freigelassenen Geiseln, Bewohnern der Grenzgemeinden zum Gazastreifen und Unterstützern aus dem ganzen Land und forderten Rans Rückkehr.
Bar Kuperstein, der vom Nova-Musikfestival entführt und im Oktober frei kam, wandte sich an die Menge: „In der Gefangenschaft war der Schabbat das Einzige, was mir Halt gab. Es gab kein Zeitgefühl, keinen Tag und keine Nacht, aber der Schabbat gab mir Halt. Ich konnte nicht laut beten, also betete ich still, für mich allein. Es war der einzige Moment, an dem ich mich frei fühlte. Glaube und Schabbat verpflichten uns, füreinander da zu sein. Deshalb bin ich hier – um den Kampf für Ranis Rückkehr fortzusetzen. Er zog verwundet für uns alle in den Kampf. Jetzt müssen wir für ihn und seine Familie da sein.“

Rans Eltern, Talik und Itzik Gvili, kamen direkt vom Tiberias-Marathon, der Rans Rückkehr gewidmet war. Sie brachten ihre aufrichtige Dankbarkeit für die große Beteiligung und die anhaltende Solidarität der Öffentlichkeit zum Ausdruck. „Rani mag das vielleicht nicht wissen, aber er hat einen ganzen Kibbuz gerettet und uns damit eine neue Familie geschenkt“, sagte Itzik Gvili, Rans Vater. „Die Gemeinden an der Grenze zum Gazastreifen erholen sich langsam, aber ein wirklicher Wiederaufbau ist erst möglich, wenn Rani wieder zu Hause ist. Rani wusste genau, was er tat. Stünde er noch einmal vor derselben Situation – selbst in Gefangenschaft –, ich bin mir sicher, er würde es genauso wieder tun. So ist er eben.“

Talik Gvili, Rans Mutter, sprach über Zusammenhalt und gemeinsame Stärke: „Wenn Rani uns jetzt hören könnte, würde er sagen: ‚Bitte behandelt mich nicht, als wäre ich der einzige Held.‘ Es gab 255 Geiseln. 254 sind zurückgekehrt, und viele ihrer Familien stehen uns jede Woche zur Seite. Der Kibbuz Alumim ist zu unserer Familie geworden, die Familien der Geiseln sind unsere Familie, und auch die engagierten Freiwilligen des Familienforums. Dieser Zusammenhalt gibt uns Kraft. Wir hoffen, dass dies der letzte Schabbat ist, den wir aus diesem Grund hier verbringen, aber falls nicht, kommt bitte nächste Woche wieder. Wir brauchen Euch.“
Shai Wenkert, Vater von Omer Wenkert, der im letzten Februar freikam, versicherte, dass Familie Gvili nicht allein sein wird und dass die Familien der 254 freigelassenen Geiseln weiterhin an ihrer Seite stehen werden, bis Ran zurückkehrt.
Weitere Worte sprach Sarah Evron, Geschäftsführerin der Religiösen Kibbuzbewegung; Rabbi Amit Kula, Rabbiner des Kibbuz Alumim, sprach ein Gebet für Rans Rückkehr; Esther Marcus, Leiterin der Abteilung für Resilienz in Sha’ar HaNegev, und Tamir Idan, Vorsitzender des Regionalrats von Sha’ar HaNegev, betonten, dass der Wiederaufbau nicht abgeschlossen sein könne, solange Ran in Gefangenschaft ist.
Der Gottesdienst schloss, wie immer, mit der israelischen Hymne, der Hatikva, Rans Eltern standen mit Mitgliedern der Notfalltruppe des Kibbuz Alumim teilnahmen, die am 7. Oktober an Rans Seite gekämpft und viele Leben gerettet hatte.




