Tal der Wölfe: Eine Reinkarnation von Veit Harlan?

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Ab dem 27. Januar soll der türkische Film „Tal der Wölfe – Palästina“ in über zwanzig Ländern im Kino gezeigt werden. Es handelt sich hier primär um einen antisemitischen Propaganda-Film, worin Israel und die israelischen Verteidigungskräfte als blutrünstig und verbrecherisch dargestellt werden. Das lässt sich im Trailer des Films (s.u.) bereits erkennen…

Der Drehbuchautor Bahadir Özdener kündigt an: „Die Zuschauer werden nach dem Kinobesuch sagen: Ja, ich verstehe das tragische Elend der Palästinenser. Ich kenne die Schuldigen. Das ist ein Regime, das seine Hände im Blut wäscht; ein System, das blind ist und die zionistische Ideologie verkörpert.“ Die manichäistische Machart des Films evoziert beim Zuschauer die absolute Identifizierung mit dem Türkentum und der sogenannten palästinensischen Volksbefreiung. Zugleich findet eine Delegitimierung und Dämonisierung Israels statt.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=8wA80khv6ns[/youtube]

Tal der Wölfe: Türken kommen nach Israel

Das Szenario des Action-Films ist der Wunsch nach einem Rachefeldzug im medialen Propagandakrieg gegen Israel. In der Türkei dürfte dieser Wunsch eine majoritäre Stellung genießen. Die Ereignisse auf der Mavi Marmara am 31. Mai 2010 repräsentieren die Kulisse für den Film. Der Film inszeniert eine fiktive Fortsetzung eines tatsächlichen Ereignisses. Die Free-Gaza-Bewegung – eine bunte Mischung aus türkischen Faschisten, Islamisten, Gutmenschen und Prominenz – wurde von der israelischen Marine nach mehrmaligen Aufforderungen, die Route zu verändern, gewaltsam daran gehindert,die Blockade des Gaza-Streifens zu durchbrechen. Auf der Mavi Marmara befanden sich Terroristen, die ihren Märtyrertod vorher angekündigt hatten. Neun Türken starben im Kampf. Hauptdarsteller des Films ist Necati Sasmaz. Er spielt den türkischen Agenten Polat Almedar, der in europäischen Berichterstattung oft beschwichtigend mit Rambo oder James Bond verglichen wird, und genießt in der Türkei Starkult. Sein persönlicher Standpunkt deckt sich mit dem des von ihm gespielten Agenten: „Wir sprechen Dinge an, die keiner hören will. So machen wir denen Angst, die schuldig sind.“ Die story-line ist schnell erzählt: Das Aufsuchen und Eliminieren desjenigen Kommandanten, der für das militärische Eingreifen der israelischen Marine verantwortlich ist.

Als sei der Film selbst noch nicht ausreichend scheußlich, ist der Kinostart auf den 27. Januar gelegt worden. Diese Geschmacklosigkeit wird in antizionistischen Kreisen Wohlgefallen auslösen, herrscht dort doch Konsens über die antisemitische Phantasmagorie, wonach der Gaza-Streifen das gegenwärtige Auschwitz sei.

Es wäre konsequent und aufrichtig gewesen, den bundesweiten Release-Termin für den Film „Tal der Wölfe – Palästina“ auf den 20. Januar zu legen. Dann stünde der Kinostart in einem wesentlich angemesseneren historischen Kontext. Dieses Datum verweist auf den Tag im Jahre 1942, an dem die Wannseekonferenz abgehalten worden war. Auch der 30. Januar wäre ein angemessener Termin. Dieses Datum markiert bekanntlich den Tag der deutschen NS-Revolution im Jahre 1933. Zudem hat dieser Tag auch eine filmgeschichtliche Bedeutung: Veit Harlans Film „Kolberg“ wurde genau zwölf Jahre nach der NS-Revolution uraufgeführt.

Es gilt, das Fortbestehen des Antisemitismus im Antizionismus zu kritisieren. Dieser Film dämonisiert den jüdischen Staat dafür, dass er seine Bürger verteidigt.

14 Kommentare

  1. .
    In der  linksorientierten Medienplattform Indymedia Deutschland ist auf
    Türkisch ein Text veröffentlicht, der den Film aus einer anders differenzierten  Perspektive betrachtet:
    .
    http://de.indymedia.org/2011/01/299036.shtml
    .
    Eine zeitgleiche  Veröffentlichung samt Übersetzung ins Deutsche ist hier auf der website der Georg-Weerth-Gesellschaft zu finden:
    .
    http://www.gwg-koeln.org/
    .
    bzw. hier als PDF herunterladbar:
    .
    http://www.gwg-koeln.org/texte/20110128.pdf
    .
    Es wird  darin u.a. die Frage gestellt, warum wohl  vor allem jüngere TürkInnen sich das Machwerk ansehen und überraschend beantwortet.
    .
    Zitate:
    .
    „Unter den zahlreichen Zusammenrottungen von Einsamen ist jene mit der Selbstbezeichnung „Türke“ eines der erbärmlichsten, bedauernswertesten, aber deshalb nicht weniger gefährlichen Identitätsangebote – dies gilt insbesondere bei Menschen, die sich in Deutschland aufhalten“
    .
    Das ist allerdings starker Tobak und sollte vielleicht nicht ganz so gelesen werden, wie es mit heißer Feder geschrieben wurde.
    .
    „Während die Massen durch inszenierte antiisraelische Sensationen wie die Mavi Marmara in Stimmung gebracht werden, verschwinden in Ankara und anderswo die letzten kemalistischen Widerstände, die Armeeführung wird ausgetauscht und die Staatsanwaltschaften werden mit ErdoÄŸans Freunden besetzt.
    .
    Der Hass auf die Juden und ihren Staat ist nicht nur ein Manipulationsmittel, um den ewigen Konflikt mit Kurden und Aleviten durch die Verlagerung auf einen gemeinsamen Feind ruhigzustellen.“
    .
    Es fiel ja schon auf, dass gerade um die Zeit, als die Mavi Marmara sich auf die Reise machte, um einen nicht gwinnbaren Wettlauf mit der israelischen Marine zu starten,  die Türkei, aber auch der Iran, massiv gegen KurdInnen vorgingen und das aber im Mediengetümmel um das geenterte Schiff und dessen bedauernswerten Opfer erfolgreich fast unbeachtet blieb. Scheint also was dranzusein an den Thesen.
    .
    efem

  2. Der Film ist Hetze und Lüge, er wird/würde die Muslime in Europa zu Gewalt aufstacheln, schürt den Antisemitismus und hilft nur denen, die einen Grund brauchen um andere Menschen zu verletzen und zu ermorden.
    Das ist die Qualität von „Stürmer“-Hetze und nur ein weiterer Schritt zu erneutem Nazi-Schrecken. Ob dieser dann ein „pseudo-religiöses“ oder „grauwölfisches“ Gewand trägt, ist dabei komplett Nebensache.
     
    Die Ignornaz, der Zynismus von Sebaldius, htrst und Bill ist widerwärtig…
    Kinder und Familie kennen die wohl nicht, diese „Sorglosen“.
    Was ist denen übles geschehen?

  3.  
     
    Wer solch einen Müll verbreitet, der sollte doch einmal das Wort „Öcalan oder PKK“ in den Mund nehmen.
    Rede nicht über Sachen, die du nicht selbst erlebt hast. Ich rede ja auch nicht über die armen ermordeten Kurden und türkischen Armeeeinsätzen in diesen Gebieten, da ich es nicht selbst gesehen habe.
    Yom tov  Braun

  4. Der Film Läuft wie erwartet seit 27. Januar auch in deutschen Kinos. 
    Ein Verbot wäre in einem Information- und internetzeitalter sowieso ein Quatsch.
    Und ich denke, bevor man diesen Film kritisiert, sollte man in erste Linie über die Arroganz des zionistischen States und deren Missachtung alle internationalen Abkommen und Menschenrechte reden.
    Es kann nicht sein, dass dieses Volk mit ihren „war mal Opfer“ Geschichten die Welt  vor ihren Terror, Unterdrückung und NS-Praktiken zum Schweigen bringen will.
    Solange dieser Staat von USA und Europa weiterhin verwöhnt wird,   werden sie sich von allmöglichen Greul taten und Fehlern nicht zurück schrecken.
    Eine von diesen Fehlern war die Türkei als „Feind“ zu gewinnen.
    Die Türkei, die viele Juden vor europäische Verfolgung gerettet hat.

  5. @htrs
    Dummes Arguent!
    Lies dir doch mal die ausländische Presse zu diesem Thema durch.
    Wer so:

    „Das ist ein Regime, das seine Hände im Blut wäscht; ein System, das blind ist und die zionistische Ideologie verkörpert.“

    und die Verleihfirma in Köln, wohl auch mit Türkischem Geschäftsführer den Starttermin auf den 27.01 legen wollte ankündigt, der braucht sich nicht zu wundern, dass es in Europa zu einen Aufschrei der gerechten gekommen ist.

    Dieser Film wird viele wachrütteln, da hat der Drehbuchautor wohl recht, nur in einer anderen Richtung, die er erhofft hatte.

    Hätte man wenigstens den Film in der jeweiligen Landessprache synchronisiert, bevor man ihn in die einzelnen Länder zur Aufführung bringt.
    Ihn in türkisch in Deutschland aufzuführen wird diejenigen aufrufen, die der Buchautor mit Sicherheit nicht rufen wollte.

    Die Geister die ich reif!

    Übrigens, türkischem Geschäftsführer und türkische Familie hat der Unterzeichner aus der Presse in Österreich erfahren.  

    Braun

  6. Gääähhhn. Ein bööser bööser Film.
    Bei den Millionen Filmen, in denen US Amerikaner als Helden um die Welt ziehen und böse Terroristen, meist arabischer, vietnamesischer, manchmal russischer und südamerikanischer Herkunft umnieten regt sich doch auch keiner auf. Ist doch lachhaft hier ketzt eine Skandal zu suchen.

  7. @Sebaldius
     
    Sie können vermutlich auch nicht verstehen, warum Filme wie „Jud Süß“ nicht gelegentlich mal im Fernsehen laufen… zumindest nicht bei uns. Vermutlich beneiden sie die freien Türken, die sich problemlos über die Inhalte von „Mein Kampf“ und die „Protokolle“ informieren dürfen.
    „die türkischen humanitären Helfer“ … darauf muß man erst mal kommen – aber vielleicht waren es ja auch kaukasische humanitäre Helfer, die gerade auf dem Moskauer Flughafen Sterbehilfe geleistet haben.
     

  8. >>>> Der Drehbuchautor Bahadir Özdener kündigt an: „Die Zuschauer werden nach dem Kinobesuch sagen: Ja, ich verstehe das tragische Elend der Palästinenser. Ich kenne die Schuldigen. Das ist ein Regime, das seine Hände im Blut wäscht; ein System, das blind ist und die zionistische Ideologie verkörpert.“ Die manichäistische Machart des Films evoziert beim Zuschauer die absolute Identifizierung mit dem Türkentum und der sogenannten palästinensischen Volksbefreiung. Zugleich findet eine Delegitimierung und Dämonisierung Israels statt.>>>>>
     
    Fragt sich nur, wann dieser Hetzfilm Deutschland erreichen wird und wie er von den hier lebenden Bürgern (und jeder kann vermuten, wen ich da mit Mitbürgern meine) aufgenommen wird?
    Ich hatte schon lange vor derartigen Import- Antisemitismus gewarnt und wurde dafür belächelt.
    Ich schlage für die Uraufführung dieses Filmes den 12. September vor,
    Die Schlacht am Kahlenberg am 12. September 1683

  9.  
    Wie albern soll das denn eigentlich noch werden mit dem K(r)ampf gegen Antisemitismus. Das ist doch alles nur noch in der Rubrik „Psychopathologie“ einzuordnen.
     
    Fakt ist: In jedem x-beliebigen Action-Film gibt es die Rolle des Schurken. Ein Action-Film ohne Schurke ist wie Kino ohne Film. Aber jetzt heisst es plötzlich, der Schurke in einem Action-Film dürfe zwar jede x-beliebige Nationalität, Volks- oder Religionszugehörigkeit haben, aber niemals nie und nimmer dürfe er ein Jude sein. Weil das schliesslich nur Anstiftung zum Rassenhass und Volksverhetzung gegen die Juden sei.
     
    Hollywood zum Beispiel hat absolut kein Problem damit, unzählig viele Filme zu drehen, in denen US-Amerikaner die Bösewichte sind. Also, was folgt daraus, betreibt Hollywood jetzt Anti-Amerikanismus und Volksverhetzung gegen Amerikaner aus rein rassistischen Gründen, oder gar aus rein masochistischen Gründen, weil das zu einem Völkermord an den Amerikanern führen könne? Wer sowas glaubt, ist dumm.
     
    Warum also darf in einem Film der Bösewicht kein Jude sein? Können Juden grundsätzlich nichts Böses tun? Stehen die Juden ethisch und moralisch gesehen vielleicht höher als der Rest der Menschheit? Wer täglich die Zeitungen liest, und die Berichterstattung über Israel und Nahost, der wird ganz schnell eines Besseren belehrt. Keine Fiktion, die israelische Armee IDF hat _wirklich_ die türkischen humanitären Helfer getötet.
     
    Besonders schlimm ist das natürlich wieder einmal in Deutschland, ausgerechnet. Es wurde hier mal ein Kriminalfilm aus der ARD-Serie Tatort gedreht, mit einem Juden als Täter. Der verschwand sofort wieder im Giftschrank und wird nie wieder gesendet werden. Andere Filme, wie z.B. die Dokumentation  „Jenin, Jenin“ des israelischen Regisseurs Bakri sollte mal (auf ARTE) gesendet werden, wurde aber auf Betreiben der französischen jüdischen Organisation abgesetzt. Bakri wurde in Israel vor Gericht gestellt, weil er diesen Film gedreht hatte.
     
    Tatsache ist: Wenn alle diese selbsternannten „Kämpfer gegen Antisemitismus“ glauben, mit ihren Aktionen gegen missliebige Filme könnten sie den Antisemitismus bekämpfen und den Philosemitismus fördern, dann liegen sie definitiv falsch mit ihrer Einschätzung. Das Gegenteil wird der Fall sein.
     

    • «… Aber jetzt heisst es plötzlich, der Schurke in einem Action-Film dürfe zwar jede x-beliebige Nationalität, Volks- oder Religionszugehörigkeit haben, aber niemals nie und nimmer dürfe er ein Jude sein.…»

      Können Sie ihre Behauptung belegen? Wo steht das? Wer soll das gesagt, gar festgelegt haben? Ich kann das nirgends sehen.

      Bleibt nur Ihre unbelegte Behauptung einer „psychopathologischen“ Antisemitismuskeule („K(r)ampf gegen Antisemitismus“), was als „Argument“ immer dann eingesetzt wird, wenn man genau das nicht hat: Argumente.

  10. […] “Es wäre konsequent und aufrichtig gewesen, den bundesweiten Release-Termin für den Film „Tal der Wölfe – Palästina“ auf den 20. Januar zu legen. Dann stünde der Kinostart in einem wesentlich angemesseneren historischen Kontext. Dieses Datum verweist auf den Tag im Jahre 1942, an dem die Wannseekonferenz abgehalten worden war. Auch der 30. Januar wäre ein angemessener Termin. Dieses Datum markiert bekanntlich den Tag der deutschen NS-Revolution im Jahre 1933. Zudem hat dieser Tag auch eine filmgeschichtliche Bedeutung: Veit Harlans Film „Kolberg“ wurde genau zwölf Jahre nach der NS-Revolution uraufgeführt. Es gilt, das Fortbestehen des Antisemitismus im Antizionismus zu kritisieren. Dieser Film dämonisiert den jüdischen Staat dafür, dass er seine Bürger verteidigt”, schreibt hagalil.com. […]

  11. Der Krug geht solang zu Wasser, bis er bricht. Die Türken hätten sich nicht mit der Gaza-Bevölkerung solidarisieren sollen. Dann müssen sie sich nicht wundern, wenn Israel seine Feinde tötet. Soll Israel warten und den Triumf den Feind überlassen?

  12. Man sollte sich beschweren. Als das antisemitische Machwerk „KADOSH“ lief, gab es wenigstens noch Schandwachen vor den Kinos. Wo ist der Protest der Israelsolidarität heute?

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