Von Andrea Livnat
Den Morgen des 7. Oktober 2023 werde ich nie vergessen. Nicht den Raketenalarm, der ist auch in Tel Aviv längst ein Teil des Lebens geworden, der alle paar Jahre den Alltag durchbricht. Aber schon die ersten Bilder von weißen Pickups in den Straßen von Sderot, vermummte Terroristen auf der Ladefläche, waren ein Zeichen dafür, dass etwas ganz anderes passiert. Und dann die Bilder vom Nova-Festival, Hunderte junge Leute, die über einen Acker um ihr Leben rennen. Und dann die Stimme von Ella, einer jungen Frau aus dem Kibbutz Beeri, die sich in ihrer Verzweiflung an die Medien wandte. Ihr Vater sei entführt worden. Was? Wieso sie das glaube, so die Nachfrage des Journalisten. Sie habe einen Film auf Telegram gesehen, ihr Vater in Unterhosen in Gaza…
Nie werde ich die ersten Tage nach dem 7. Oktober vergessen, als das ganze Ausmaß so langsam bewusst wurde. Die vielen Tote. Hunderte. Über Tausend. Geiseln in Gaza. Vielleicht Dutzende. Am Ende waren es 250 Entführte. Die Bilder in der Kaplan Straße, an der Mauer der Kirija, dem Hauptquartier der Armee. Gesichter, die über die kommenden Wochen, Monate und Jahre nur allzu bekannt werden sollten.
Seitdem sind 1000 Tage vergangen. Es gibt keine Geiseln mehr in Gaza. Geblieben ist der Schmerz der Familien der Ermordeten und das Gefühl, dass Staat und Armee versagt haben, sie im Stich gelassen haben. Dass die moralischen Grundwerte des Landes für politische Interessen verraten wurden.
1000 Tage sind vergangen. 1000 Tage, in denen das Land bis zum Zerreißen angespannt war, über die Frage wie die Geiseln zurückzuholen sind, was das moralisch richtige ist. 1000 Tage, in denen sich sehr viele Verantwortliche gedrückt haben, alles mögliche geredet und versprochen haben, aber bis heute keine Verantwortung übernommen haben.
1000 Tage sind vergangen und noch immer gibt es keine Untersuchungskommission, die das Versagen, das zum größten Massaker in der Geschichte des Landes führte, untersucht. Am heutigen Tag stehe ich wieder mit den Familien und ihrer Forderung nach Gerechtigkeit. Eine Untersuchungskommission ist keine politische Frage – sie ist das Mindeste, das wir den Opfern und ihren Familien schulden. Und solange es keine wirklichen Antworten gibt, bleibt der 7. Oktober Gegenwart, auch nach 1000 Tagen.




Liebe Andrea,
vielen Dank!
„Den Morgen des 7. Oktober 2023 werde ich nie vergessen.“
Genauso empfinde ich!
War Anfang der 80` als Volunteer in Nirim . Da dort das Schwimmbad im Winter geschlossen war, bin ich Samstags nach NirOz gelaufen, um diesen Mangel auszugleichen. Zurück dann einmal am Zaun zu Gaza entlang …. nach gefühlt 10 Minuten kam ein IDF Jeep, deren Insassen mir die Begründung des wunderbar geharkten Sandes lieferten… war wohl eher nicht zu meiner Erquickung. Habe die gesehenen Bilder 2023 eingebrannt und teilweise nicht verstanden!
Glaube nicht, daß ich mich zur israelischen Innenpolitik äußern sollte oder will, bin mir aber sicher, daß der demokratische
Ablauf – zwar langsam, aber sicher- funktioniert.
nochmals Danke!
ente, der Seibert klasse fand!
„Eine Untersuchungskommission ist keine politische Frage – sie ist das Mindeste, das wir den Opfern und ihren Familien schulden.“
Ich denke, die haben etwas Furchtbares zu verbergen, deshalb gibt es keine Kommission. Es gab ja ausreichend Warnungen im Vorfeld.
Kommentarfunktion ist geschlossen.