Wie ein Damoklesschwert hing die Möglichkeit einer neuen militärischen Auseinandersetzung mit dem Iran in den letzten Wochen in der Luft. Jetzt scheint es wieder soweit zu sein. Gestern Abend schoss der Iran 10 Raketen auf den Norden Israels. Kurz zuvor hatte das israelische Heimatschutzkommando die Sicherheitsbestimmungen für ganz Israel verschärft, der Schulunterricht für heute wurde ausgesetzt.
Israels Luftwaffe griff daraufhin in der Nacht militärische Ziele im Iran an, darunter Luftverteidigungssysteme, Radaranlagen und Raketenabschussrampen. Der Iran griff daraufhin eigenen Angaben nach zwei israelische Luftwaffenstützpunkte an, was Raketenalarm in weiten Teilen des Landes auslöste. Millionen Israelis mussten um kurz vor 6 Uhr die Schutzräume aufsuchen. Weitere Alarme folgten. Die Luftabwehr fing auch eine von den Huthis aus dem Jemen auf das Landesinnere abgefeuerte Rakete ab.
„Auslöser“ für den Beschuss war das israelische Vorgehen im Libanon. Nachdem der Norden Israels seit Wochen von permanentem Raketen- und Drohnenbeschuss überzogen wird, griff Israel gestern eine Hisbollah-Zentrale im Dahieh Viertel in Beirut an. Der Iran hatte mehrfach gedroht, dass ein Angriff auf Beirut eine iranische Reaktion zur Folge haben würde.
Israels größtes Problem ist allerdings nicht der erneute Beschuss aus dem Iran, sondern US-Präsident Trump. Es scheint, dass er auf keinen Fall die Kampfhandlungen erneuern will und weiterhin auf einen „Deal“ hofft, den er nun in Gefahr sieht. Der Versuch Trumps, den Nahen Osten wie ein New Yorker Immobilienprojekt zu regeln, bei dem man sich am Ende in der Mitte trifft, kann nur schlecht enden, vor allem für Israel. Trump scheint nicht einsehen zu wollen, dass Kompromissbereitschaft im Nahen Osten als fundamentale Schwäche ausgelegt wird. Die Erwartung, dass Israel sich weiter zurückhält, wird am Ende die Sicherheit Israels gefährden. Für einen Deal wohlgemerkt, der die fundamentalen Probleme, Irans Uran-Anreicherung, die Raketen-Bedrohung und die Unterstützung Teherans von Terror-Proxies in der Region, gar nicht anspricht. (al)



