Bonner Exil-Iraner träumen mit Bonner Juden von Frieden und Demokratie
Von Eva M. Grünewald
Ein Kopfschütteln und hin und wieder einmal ein dezentes Tippen an die Schläfe können die versammelten Demonstrierenden denjenigen entlocken, die sich am Freitagabend durch die Sicherheitspforte der Vereinten Nationen in Bonn nach draußen stehlen und ihren Weg in den Feierabend antreten. Eine Gruppe von etwa 50 Personen, aufgerufen von iranisch-israelisch-jüdischen Gruppierungen, hat sich zusammengefunden, um vor dem Gelände der Vereinten Nationen ihre Unterstützung von Demokratie und Freiheit für Iran und den Nahen Osten zu bekunden.
Nicht nur das Mullah-Regime wird kritisiert, auch mit der Haltung der europäischen Gesellschaft und Politik geht die Kundgebung ins Gericht. „Dasselbe Denken, das in internationale Institutionen eingedrungen ist und durch anti-menschenrechtliche Staaten viele Mechanismen der Weltgemeinschaft blockiert hat, spricht heute auch in Europa im Namen der Rechte der Völker“, erklärt ein Exil-Iraner. „Doch oft spricht es durch Aktivisten und Journalisten, die die öffentliche Bühne besetzt haben und bestimmen wollen, welche Stimmen gehört werden dürfen und welche nicht. Wir sind hier, um etwas sehr Einfaches zu sagen: Wir respektieren die Zusammenarbeit zwischen der Zivilgesellschaft Irans und Israels. Wir danken dem Staat Israel und den Vereinigten Staaten von Amerika.“
Applaus unterstützt seinen Dank. Menschen, die iranische, israelische, deutsche und amerikanische Fahnen halten, blicken auf Fotos zahlreicher Menschen, die in den Protesten gegen das Mullah-Regime getötet wurden. Symbolisch liegen diese auf dem Platz der Vereinten Nationen, von Blumen und Kerzen gerahmt. „Wir danken und wir gedenken derjenigen, die ihr Leben verloren haben im Kampf gegen das islamistische Regime, das unser Land seit Jahrzehnten besetzt hält.“ Manchen Anwesenden treten Tränen in die Augen, währen die iranische Nationalhymne und die Hatikvah gespielt werden.

Ein weiterer Redner betont, die Entscheidung über die politische Zukunft Irans solle dem iranischen Volk überlassen werden. Viele hoffen auf den Sohn des Schahs, Reza Pahlavi. Einig sind die Anwesenden sich in der Forderung nach demokratischen Wahlen.
Seit über zwei Jahren, so berichtet ein Redner des Bonner Bündnis gegen Antisemitismus, versuche er regelmäßig auf der Straße „der Terrorverherrlichung“ der Pro-Palästina-Demonstrationen etwas entgegenzusetzen und habe in diesen Jahren allein von den Iranerinnen und Iranern Rückhalt bekommen. „Als Deutscher, als Nachfahre derer, die vor 80 Jahren versucht haben, erst die europäischen Juden und dann die Juden weltweit auszulöschen“ stehe er nun an der Seite der Iranerinnen und Iraner und sehe mit Entsetzen die Menschen, die auf deutschen Straßen „Terrorparolen kreischen und den Staat Israel von der Landkarte tilgen möchten“. Es seien diese selben Menschen, die nun plötzlich sagten: „Aber was ist denn mit dem Völkerrecht?“ Als Israel am 7.10. von der Hamas, dem palästinensischen islamischen Djihad und Teilen der palästinensischen Zivilbevölkerung „ekelhaft und bestialisch“ angegriffen wurde, sei nichts zu hören gewesen von den „sogenannten Progressiven“ – „kein Wort“. Einen Tag später hätten sie Israel einen Genozid vorgeworfen und das Völkerrecht eingefordert. „Dieselbe Leier“ spiele sich nun ab. Zehntausende Tote durch das Mullah-Regime interessierten diese Völkerrechts-Verliebten nicht. Wenn indes das Mullah-Regime gestürzt werde, „dann stehen diese Menschen auf der Straße und schreien etwas von Völkerrecht“ – „ekelhafter kann es nicht sein.“
Er adressiert auch die Vereinten Nationen, dessen Repräsentant Antonio Guterres, während das Mullah-Regime Zehntausende massakriert hat, „ihren Sponsoren“ sogar noch zum Geburtstag der islamischen Revolution gratulierte. „Von diesen Vereinten Nationen hätten wir nichts erwarten können. Danke Israel! Danke USA!“
Ebenso wie von den UN, sei er von den deutschen Mitbürgern enttäuscht, die diese Terrorverherrlichung mit auf die Straßen tragen, und diese Vertreter gewählt haben, die wie beispielsweise Steinmeier ebenfalls den Mullahs gratulierten und weiterhin ihre Geschäfte mit Iran betrieben. „Wir vergessen nicht, wer die Waffen geliefert hat; (…) wir vergessen nicht, dass es Olaf Scholz war, der sich dafür eingesetzt hat, das islamische Zentrum, den deutschen Ableger der Mullahs, hier in Deutschland aufrecht zu erhalten.“ Er fordert, dass man sich konsequent gegen die Terrorverherrlichung einsetze und auf die Exil-Iranerinnen und -Iraner höre, die seit Jahren sagen: „Wenn wir nicht aufpassen, wenn wir zulassen, dass weiterhin der Palästina-Mob durch unsere Straßen läuft, dass sie ihr Kalifat fordern, dass sie auf unseren Straßen beten, dann brauchen wir uns über das Mullah-Regime nicht aufzuregen, denn das haben wir bald hier.“
Er ruft auf, sich gegen die Islamisierung aufzulehnen und die Demokratie zu erhalten. Die Anwesenden jubeln. Sie versprechen sich, nächstes Jahr in Teheran und Tel Aviv gemeinsam beim Kaffee in der Sonne zu sitzen.

In Bonn ist es inzwischen dunkel geworden, die Demonstrierenden schwenken ihre Fahnen. Sie drehen die Musik auf und tanzen.
Wenige Lichter im Hochhaus der Vereinten Nationen leuchten noch, das Sicherheitspersonal sitzt gleichgültig in seinem Pavillon. Die lokale und regionale Presse hat sich nicht sehen lassen.



