„Stolz auf ihren Weg“

0
233
Major R., Foto: IDF Spokesperson

Am heutigen Donnerstag wird mit Major R. erstmals eine Frau als Kommandantin eines Raketenschiffs eingesetzt. Das Raketenschiff, das R. künftig kommandieren wird, spielte eine wesentliche Rolle im Krieg und nahm an komplexen operativen Einsätzen teil. Vizeadmiral David Saar Salama, Befehlshaber der Marine, sagte während der offiziellen Übergabe: „Die Entscheidung für dich ist eine rein fachliche Wahl, die Exzellenz, Führung, Verantwortung und Tapferkeit widerspiegelt – Qualitäten, die du immer wieder auf stürmischer See unter Beweis gestellt hast. Die Marine, die IDF und das Volk Israel sind stolz auf dich.“ Diese Ernennung kommt zu einer Zeit, in der über die Beteiligung von Frauen in der Armee, insbesondere in kämpfenden Einheiten, teils kontrovers gestritten wird. 

Frauen dienen in der Armee seit der Gründung des Staates. Der Wehrdienst ist, mit bestimmten Ausnahmen, auch für Frauen verpflichtend und dauert 24 Monate. In den letzten Jahren hat sich der Anteil von Frauen in Kampfeinheiten deutlich erhöht. 2025 dienten 8.500 Frauen in Kampfeinheiten, mehr als doppelt so viele wie noch vor fünf Jahren. Frauen, die sich für Kampfeinheiten entscheiden, verpflichten sich überwiegend für die gleiche Dauer wie Männer und leisten auch Reserveübungen. Frauen dienen dabei in Einheiten wie dem Caracal-Bataillon, einer gemischte Infanterie-Truppe, aber auch in der Artillerie, der Luftabwehr, bei den Grenzsicherungstruppen und weiteren Einheiten.

Frauen haben sich seit dem 7. Oktober 2023 in der Armee, aber auch in den sonstigen Sicherheitskräften bewiesen, an vorderster Front gedient und dabei auch neue Aufgabenbereiche übernommen. Trotzdem kocht gerade wieder einmal eine gesellschaftliche Debatte über Frauen in der Armee hoch, angeheizt vor allem durch den Fernsehsender Channel 14.

Der rechts-konservative private Sender, der als Sprachrohr Netanyahus verstanden werden muss, hat in den vergangenen zwei Jahren deutlich mehr Zuschauer gewonnen. In der täglichen Talkshow „Die Patrioten“ sagte Moderator Ynon Magal kürzlich, er sei gegen Frauen in der Armee im allgemeinen, eine Aussage, die zu vielen kontroversen Reaktionen führte. Ende Februar strahlte der Sender einen Dokumentarfilm aus, der die Effizienz von Frauen in kämpfenden Einheiten anzweifelt. IDF-Sprecher Effie Defrin veröffentlichte daraufhin ein Bild von sich mit seiner Tochter Ella, die als Kampfsoldatin bei der Marine dient. Er sei „stolz auf ihren Weg, ihren Einsatz, ihren Wunsch, dem Land zu dienen, und auf die operativen Tätigkeiten während ihrer gesamten Dienstzeit.“

Kritik kommt nun auch aus dem nationalreligiösen Lager. Finanzminister Bezalel Smotrich sagte vor einigen Tagen, er würde seiner Tochter raten, nicht in der israelischen Armee zu dienen. Gemischte Truppen hält er für „unprofessionell“ oder ungeeignet. Viele junge Frauen aus dem nationalreligiösen Lager leisten einen Zivildienst anstatt sich zur Armee zu melden.

Führende national-religiöse Rabbiner formulierten nun einen scharfen Brief an Premier Netanyahu, in dem sie sich gegen den zunehmenden Einsatz von Frauen in gemischten Kampfeinheiten, insbesondere im Panzer-Korps, wenden. Die Rabbiner argumentieren, dass das „Mischen der Geschlechter“ mit den religiösen Vorschriften unvereinbar sei und warnen auch vor einer Gefahr für die Einheit und den Zusammenhalt der Truppen. Religiöse Soldaten würden zwischen ihrem Glauben und ihrem Militärdienst in Widerspruch geraten.

Auch im Jahr 2025, und trotz der vielen heldenhaften Einsätze von Frauen seit dem 7. Oktober sind diese Diskussionen weiter an der Tagesordnung. Eine Diskussion, die erneut die Spaltung in der israelischen Gesellschaft deutlich macht. (al)