Der US-Sondergesandte Steve Witkoff kündigte gestern im Namen von Präsident Trump den Übergang zur zweiten Phase des Friedensplans in Gaza an. Dabei werde man vom Waffenstillstand zu „Entmilitarisierung, einer technokratischen Verwaltung und dem Wiederaufbau“ übergehen.
In Phase zwei werde eine palästinensische Übergangsverwaltung in Gaza eingerichtet, so Witkoff. Gleichzeitig werde die vollständige Entmilitarisierung und der Wiederaufbau Gazas beginnen, in erster Linie die „Entwaffnung aller nicht autorisierten Personen“. Die USA erwarten von der Hamas die uneingeschränkte Erfüllung ihrer Verpflichtungen, betonte Witkoff, „einschließlich der sofortigen Rückführung der letzten getöteten Geisel“. Andernfalls würden schwerwiegende Konsequenzen drohen.
Hamas hat die letzte Geisel, Ran Gvili, auch drei Monate nach Inkrafttreten der Waffenruhe noch nicht zurückgegeben. Ran, ein Polizist, war am 7. Oktober krankgeschrieben und wartete auf eine Schulter-OP. Er zögerte jedoch nicht, zog die Uniform an und kämpfte gegen Hamas-Terroristen, die das Land überfallen hatten. Um 10:50 Uhr schickte Ran eine letzte Nachricht an seine Freunde, in der er ihnen mitteilte, dass er angeschossen worden war. Ran starb bei der Verteidigung des Kibbuz Alumim. Hamas-Terroristen entführten seinen Leichnam.
Rans Eltern, Talik und Itzik Gvili, veröffentlichten nach der Bekanntgabe von Witkoff und einem Telefonat mit Premier Netanyahu gestern Abend noch eine Stellungnahme. Netanyahu habe versichert, dass die Heimkehr von Rani für ihn oberste Priorität habe. Die Ankündigung der zweiten Phase konzentriere sich auf die Forderung nach der Entwaffnung der Hamas und der Entmilitarisierung des Gazastreifens. Die IDF werde sich erst zurückziehen, wenn die Hamas vollständig entwaffnet sei, so Netanyahu. Der Grenzübergang Rafah bleibe trotz des Drucks weiterhin geschlossen.
Nach der Ankündigung Witkoffs wurden auch die Namen der Mitglieder des Technokraten-Komitees bekannt, das Gaza administrativ verwalten soll. Entgegen den Versprechen Netanyahus, dass weder Hamas noch die Palästinensische Autonomiebehörde daran beteiligt sein würden, sieht die nun präsentierte Zusammensetzung anders aus. Als Vorsitzender des Komitees wird Ali Shaath eingesetzt, der zuvor offizielle Positionen in der Palästinensischen Autonomiebehörde innehatte. Die weiteren Mitglieder sind: Abdel Karim Ashour, Direktor des Landwirtschaftlichen Hilfsverbandes im Gazastreifen; A’id Ya’i, Direktor des Medizinischen Hilfsverbandes in Gaza; A’id Abu Ramadan, Direktor der Handelskammer von Gaza; Jaber al-Da’ur, Präsident der Universität in Gaza; Bashir al-Rais, Ingenieursberater; Ingenieur Omar Shamali, Direktor der palästinensischen Kommunikationsbehörde im Gazastreifen; Ali Barhoum, Ingenieur und Berater der Stadtverwaltung von Rafah; Rechtsanwältin Hanaa Tarzi, die erste christliche Anwältin im Gazastreifen; Muhammad Beissau, Inhaber einer der größten Anwaltskanzleien im Gazastreifen; Muhammad Khalas, ein pensionierter hoher Beamter der Palästinensischen Autonomiebehörde; Muhammad Nasman, pensionierter Leiter des Sicherheitsbereichs in Gaza; Ourabi Abu Shaaban, der für das Ressort Landbehörde zuständig sein wird; Adnan Abu Warda, Richter am Obersten Verfassungsgericht der Palästinensischen Autonomiebehörde; Osama al-Saadawi, Ingenieur und Unternehmer, der Minister in Ramallah war.

Israel hat offensichtlich alle 15 Mitglieder bestätigt, nachdem zuvor einige andere Kandidaten abgelehnt wurden. Shin-Bet-Leiter David Zini hatte erklärt, dass alle 15 Mitglieder weder der Hamas noch der (aktuellen) Palästinensischen Autonomiebehörde angehören.
Offen bleibt weiterhin, wie genau man Hamas entwaffnen will. Während die Terrororganisation zwar der Übergabe der Verwaltung des Gazastreifens an dieses technokratische Komitee zustimmt, ist eine Abgabe der Waffen nicht in Sicht. Dazu machte auch Steve Witkoff keine genaueren Angaben. Offenbar bereitet sich die IDF in Übereinkunft mit den USA auf ein erneutes militärisches Eingreifen vor.



