Geisel-Deal oder Rafah?

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Israelische Panzer in Rafah, Screenshot IDF Spokesperson

Nachdem gestern in einer Eilmeldung berichtet wurde, dass Hamas endlich einem Abkommen zugestimmt habe, folgte in Israel schnell die Ernüchterung. Hamas hat nicht dem eigentlichen Vorschlag zugestimmt, sondern diesen weiter überarbeitet. Die begonnene Offensive in Rafah wird daher fortgeführt.

Gestern hatte Israel mit Telefonanrufen und Flugblättern Palästinenser im Osten von Rafah zur Evakuierung aufgerufen und eine sichere Zone ausgewiesen. Am Morgen gab das Militär bekannt, dass der auf Gaza-Seite liegende Teil des Grenzübergangs Rafah nun von Israel kontrolliert sei. Dort war es vorgestern zu einem folgenschweren Zwischenfall gekommen. Hamas feuerte mit Mörsergranaten aus Rafah auf israelische Panzereinheiten auf israelischem Boden. Dabei wurden vier Soldaten getötet: 

Michael Rusal, 18 Jahre, aus Rischon leZion, Ruben Marc, 19 Jahre, aus Ra’anana, Ido Testa, 19 Jahre, aus Jerusalem und Tal Shavit, 21 Jahre, aus Kfar Giladi.

Die Offensive in Rafah ist, wie Verteidigungsminister Galant betonte, in Stufen angelegt, so dass bei einem möglichen Abkommen eingehalten werden könne. Die Offensive wird sich wohl vor allem auf die Philadelphi Route konzentrieren.

Nach Bekanntwerden der angeblichen Zustimmung von Hamas feierten die Menschen gestern im Gazastreifen. In Israel gab es an verschiedenen Orten, vor allem in Tel Aviv, Demonstrationen der Familien der Entführten mit breiter Unterstützung, die die Regierung aufriefen, den Vorschlag anzunehmen. Die Vermittlergespräche werden morgen in Kairo weitergeführt.

Um nur zwei Beispiele zu nennen, welche Änderungen Hamas im Abkommen vorgenommen hat: Hamas verpflichtet sich für die erste Phase, 33 Geiseln freizulassen, allerdings nicht 33 lebende Geiseln, wie selbstverständlich von Israel gefordert, sondern lebende und bereits tote. Hamas fordert außerdem mehr palästinensische Gefangene im Austausch für jede Geisel und will das bisher festgeschriebene Vetorecht Israels streichen. Damit könnte Hamas zum Beispiel auch die Freilassung von Marwan Barghuthi fordern, was im Geiseldeal von 2011, bei dem Gilad Shalit freikam, nicht gelang. 

Hamas erhöht auch den psychologischen Druck und veröffentlichte in der Nacht ein Video mit unerträglichen Bildern von bereits toten Geiseln, in dem es heißt, dass es allein an Israel liege, ob die Geiseln lebend oder in Särgen nach Hause kommen.