„Da hast immer gekämpft wie eine wahre Heldin“

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Ein Nachruf auf den Tod von Ingrid Strobl

Von Roland Kaufhold
Zuerst erschienen bei: Ruhrbarone.de

Als sich Liran, Enkelin der jüdischen Heldin und Widerstandskämpferin Renia Kukielka, im August 2014 von ihrer Oma verabschiedete, machte sie dies mit den Worten „Da hast immer gekämpft wie eine wahre Heldin“. Die 1925 im polnischen Jedrzejówski geborene Zionistin Renia Kukielka hatte bereits als Jugendliche als Kurierin der Widerstandsgruppe Freiheit (DROR) in Bedzin gekämpft. Sie schloss sich der Untergrundbewegung gegen die Deutschen an und schmuggelte, unter täglicher Todesgefahr, Waffen und Medizin in das Ghetto. 1944 wurde sie von den Deutschen gefasst und gefoltert. Renia Kukielka gelang die Flucht und sie ging nach Palästina. 1945 verfasste Renia in Palästina auf polnisch unter dem Namen Renia K. einen Erinnerungs-Zeitzeugentext. 1945 erschien dieser unter dem Titel Bindudim Uvamachteret: 1939–1943 B’Polin auf Hebräisch in einem Zeitzeuginnen-Sammelband. Dieser gilt als einer der ersten Zeitzeuginnenberichte überhaupt. Er blieb weitgehend vergessen, der Nachname der Autorin blieb unbekannt. 1989 erschienen Renia Kukielkas Erinnerungen auf englisch unter dem Titel Underground Wanderings. Bei „Ein Herod“. Ohne ihr Überleben wäre ihre Enkelin Liran nicht geboren worden.

Ein Foto von Renia Kukielka aus dem Jahr 1944, da war sie in Budapest, ist das Titelbild von Judy Batalions (2021) berührender literarischer Erinnerung an die Heldinnen des Widerstandes Sag nie es gäbe nur den Tod für uns.

Dass es überhaupt ein solches Wissen über den jüdischen Widerstand in Deutschland gibt, das ist vor allem das Verdienst der in Köln lebenden Journalistin Ingrid Strobl. Ingrid Strobl ist vor wenigen Tagen, am 25.1., im Alter von 71 Jahren verstorben. Die Nachricht, die nicht öffentlich wurde, verursachte einen kleinen Schreck in mir.

Schreiben im Hochsicherheitsgefängnis

Als Ingrid Strobl mit den Arbeiten zum jüdischen Widerstand begann saß sie in einem Hochsicherheitsgefängnis. Sie wurde beschuldigt, linksradikale Attentate durch den Kauf eines Weckers unterstützt zu haben.

Die 1952 in Innsbruck geborene Ingrid Strobl studierte in Innsbruck und Wien Germanistik und Kunstgeschichte. Ihre Promotion zu dem Thema „Rhetorik im Dritten Reich“, 1978 in Wien abgeschlossen, ließ bereits einen Schwerpunkt ihrer zukünftigen Interessen erkennen.

Sie engagierte sich in der Frauenbewegung, arbeitete beim ORF, ging dann aber schon 1979 nach Köln. Dort arbeitete sie sieben Jahre lang, bis 1986, bei einem Magazin, dessen Herausgeberin heute faktisch, gemeinsam mit Wagenknecht, eine maßgebliche Sympathisantin und Unterstützerin von Putins Vernichtungskrieg gegen die Ukraine und gegen die ukrainischen Frauen und Kinder ist. Diese sollte im Laufe der Jahrzehnte immer wieder versuchen, die Antifaschistin und Feministin Strobl zu schädigen.

Ab 1986 und bis zu ihrem Lebensende arbeitete Ingrid Strobl als freie Journalistin u.a. für den WDR.

Im Kontext ihrer Sympathien für linksradikale und feministische Bewegungen wurde Strobl 1987 vom BKA im Kontext der Fahndungsmaßnahmen zu Attentaten der „Revolutionären Zellen“ – diesen „Feierabendterroristen“ wurden seit 1973 von den deutschen Behörden etwa 100 Brand- und Sprengstoffanschläge zugeordnet – auf einem Video als die Käuferin eines Weckers vermutet. Dieser war vom BKA präpariert worden.

Im Juni 1989 wurde Ingrid Strobl zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt, blieb dann noch bis zum Mai 1990 in Isolationshaft – insbesondere für empfindsame, ideologisch nicht vollständig zugemauerte Menschen eine schwer traumatische Erfahrung. Im Mai 1990 wurde das Urteil revidiert, die Haftstrafe auf drei Jahre reduziert – und die inzwischen 38-jährige Ingrid Strobl kam frei.

Während ihrer Haft hatte es mehrere starke linke Solidaritätskundgebungen für sie gegeben. In Köln und Essen demonstrierten jeweils 10.000 Menschen für ihre Freilassung. Die Mehrzahl von ihnen hielten Strobl wohl für unschuldig. Dies dürfte in ihr, wie ich vermute, ein Schuldgefühl hinterlassen haben.

In ihrem 2020 erschienenen Buch „Vermessene Zeit“, aus dem sie in einer Youtube-Aufnahme in sehr heiterer, abgeklärter Weise vorgetragen hat, hat sie ihre damaligen „linken“ Motive und die damalige politische Situation eindrücklich reflektiert. Ein wirklicher Verstehens- und Aufklärungsprozess.

Geschichte, Irrwege, an denen man teilgenommen, die man teilweise selbst geprägt hat, ist veränderbar. Das könnte überraschen…

Der selbstgefällige linke Antisemitismus: Vermessene Zeit

Gewisse selbstgefällige Linksradikale, die terroristischen Maßnahmen mental nicht fernstehen dürften, gefallen sich, teils bis heute, in der Pose des Schweigens und der vorgeblichen „Solidarität“ – also vor allem der Unfähigkeit und Unwilligkeit, Unrecht beim Namen zu nennen. Über 30 Jahre nach den Aktivitäten der Revolutionären Zellen und von deren breiterem Umfeld mochte Ingrid Strobl nicht mehr schweigen. In ihrem Buch „Vermessene Zeit“ räumt sie den Weckerkauf ein; ein Freund habe sie darum gebeten. Näheres habe sie darüber nicht wissen wollen. Sie beschreibt in diesem Buch auch ihre Haftzeit, ihre damaligen Gefühle und Motive, die ihr heute fremd geworden sind. Die Rolle des Antizionismus insbesondere innerhalb der RAF und deren Umfeldes, der nur Insidern vertrauten Debatten auch innerhalb der „Revolutionären Zellen“ über die Selektion von Juden bei der terroristischen Entführung von Landshut sowie die Ermordung von Gerd Albartus im Jahr 1987 in Damaskus durch die palästinensische Gruppe Carlos – siehe meine Darstellung zu einem Vortrag des in Israel lehrenden Filmwissenschaftlers Tobias Ebbrecht-Hartmann in der Kölner Traumathek – spielt hierbei als Hintergrundmatrix die zentrale Rolle. Die Aktivistin Ingrid Strobl war, von einer eher randständigen Position aus, hierin involviert, vor allem seelisch und intellektuell. Das Thema des linken Antisemitismus bzw. linken Antizionismus, mit dem sie in den Jahren vor ihrer Festnahme verbunden war, ließ sie nie wieder los. Ingrid Strobl gehört zu den Wenigen, die diesen bis heute ungehemmt fortwirkenden eliminatorischen linken Antisemitismus in hellsichtiger, aufrichtiger Weise reflektiert hat. Hierfür kann ihr nicht genug gedankt werden. Ihre Texte hierzu sind eine besondere Form der Aufklärung.

Anna und Anderle. Eine Recherche

Vollzogen hat sie diese Auseinandersetzung über den linken Antisemitismus in Österreich und Deutschland vor allem in ihrer 1995 als Fischer Taschenbuch erschienenen literarisch-historischen Recherche Anna und Anderle. Eine Recherche. In sehr direkter und doch ambivalenter Weise sinnt sie, die früher als Aktivistin eine verbohrte linke Antizionistin war, hierin, und in einigen weiteren Texten, darüber nach, wie sie als Österreicherin und Feministin eine derartig antisemitische Suada öffentlich vertreten konnte – sie, die „nicht für die Sicherheit der Menschen in Israel garantieren konnte und trotzdem den gerechten Kampf der Palästinenser unterstützte“ und hierbei „die mögliche Vernichtung Israels“ in Kauf genommen hätte, wie sie im Vorwort ihres Buches schreibt.

Strobl schreibt in Anna und Anderle über die „Volksgemeinschaft der Linken“, über „den Abgrund unserer Dummheit“, als diese und auch sie selbst kenntnislos und in offenkundiger Identifikation mit den Nazieltern erklärten, die Juden seien ja „wie Lämmer zur Schlachtbank gegangen.“

Strobl schreibt, im öffentlichen Ringen mit ihrer früheren mentalen Täterschaft:

„Wie konnten wir hier gegen den Antisemitismus zu Felde ziehen und zugleich den Feldzug gegen Israel unterstützen? Wie konnten wir Antifaschisten sein, ohne an der Shoa zu verzweifeln? Wir haben Brecht gelesen und Seghers und was wir in die Finger bekamen an Berichten über die Kämpfe, das Heldentum in Madrid und Lyon, an der Front vor Moskau. Wir haben die alten Frauen und Männer verehrt, die, Spaniens Himmel, uns von ihrem Leben erzählten und vom Tod der Genossinnen und Genossen in den Zuchthäusern und Lagern der Nazis. Wir haben aber unsere Herzen verschlossen vor der jüdischen Krankenschwester, die ihre Patienten zu schützen versuchte, als die Mordkommandos auf alles schossen, was da lag auf den Betten und Pritschen, auf Frischoperierte und Fiebernde, auf den Säugling im Arm seiner Mutter. Wir haben nicht gefragt nach den Frauen und Männern, die in den Städten und Wäldern kämpften, als Juden noch hundertmal mehr gefährdet und ausgeliefert als alle anderen Partisanen.

Wir haben schon gar nichts wissen wollen von denen, die, sei es aus Not, sei es aus Überzeugung, nach Palästina emigrierten, nach Erez Israel. Dabei gab es in unserem Freundeskreis durchaus Leute, die Verwandte hatten in Haifa und Tel Aviv, wir haben nur nie mit ihnen darüber gesprochen. Es waren unter unseren Freundinnen und unsern Genossen mehrere Jüdinnen und Juden, doch wir haben das seltsamerweise fast vollständig ignoriert, waren nur interessiert, wenn es um Antifaschismus ging und Exil.“ Wenig später schreibt sie, über ihr individuelles und kollektives Inneres reflektierend:

„Seit einiger Zeit schon hege ich die böse Vermutung, es könne eine Verbindung geben zwischen der Tirolerin, die ich bin, und der Antizionistin, die ich wurde. Es gibt einen Strang, vielleicht auch nur einen Faden, der das eine mit dem andern verbindet, das Alte mit dem Neuen, das Rechte mit dem Linken, den Antisemitismus der aufrechten Tiroler mit meinem Antizionismus. Sie sehen sich auf den ersten Blick, und auch auf den zweiten, nicht ähnlich, und doch muß dieses eine der Wurzeln für jenes sein.

Was habe ich, was haben wir, die linken Antizionisten in Österreich und Deutschland, alles verbunden mit dem Wort Zionismus, was haben wir hineinphantasiert und hatten doch keine Ahnung von dem, was Zionismus alles bedeutet hat, früher, und heute bedeutet.

Ich konnte damals den Vorwurf, ich sei eine Antisemitin, gar nicht begreifen, wie konnte ich etwas sein, das ich doch ehrlich bekämpfte, als Antifaschistin? Und waren die Palästinenser nicht historisch im Recht? Wie konnte ich, marxistisch geschult, die Wahrheit verleugnen, nur weil sie gegen Israel sprach? Ich fühlte mich im Recht wie sonst selten. Ich sah nur Schwarz und Weiß, nur Gut und Böse, und war in meinen Augen die eine Seite im Recht, konnte die andre nur unrecht haben.“

Ingrid Strobl stand sich selbst und dem, dessen sie sich bereits in Österreich mehr als nahe gefühlt hatte, nun, wenige Jahre später, mit Fassungslosigkeit gegenüber. Innerlich, so möchte ich vermuten, entwickelte sie Gefühle einer tiefen Beschämung und einer existentiellen Verwunderung. Sie vermochte die „jüngere“ Ingrid nicht mehr zu verstehen, mochte nicht glauben, was sie wenige Jahre zuvor tönend und selbstverliebt verkündet und politisch organisiert hatte, innerhalb ihrer „Szene“.

Unter neuen Vokabeln und Gruppennamen lebt dieser linke, mörderische Antizionismus, dieser deutsche und österreichische Judenhass, dieser Hass gegen den winzigen jüdischen Staat, auch 35 Jahre später, bis heute fort. Selbst nach dem mörderischen, über Jahre sorgfältig geplantem Pogrom der Hamas vom 7.10.2023. Ingrid Strobl, deren Lebenspartner, ein psychotherapeutisch ausgebildeter Sozialarbeiter, einen linken jüdisch-französischen Hintergrund hat, dürfte dies in ihren letzten Wochen mit Schmerzen erlebt haben. Vielleicht war sie auch so voller existentieller Verzweiflung angesichts der verstörenden Bilder auch auf deutschen Straßen, dass dies ihrer Gesundheit nicht gut tat.

Es lohnt sich, Ingrid Strobls altes Büchlein noch einmal in die Hand zu nehmen. Alles was sie danach tat und schrieb ist von diesem Lernprozess geprägt. Mit großer Ungläubigkeit erlebte sie bis zu ihrem Lebensende ihre früheren antisemitischen Äußerungen und ihr antizionistisches Agieren gegen Israel.

Bücher über den heldenhaften jüdischen Widerstand

Zurück in die 1980er Jahre: Noch während ihrer zweieinhalb Haftjahre erhielt Ingrid Strobl ein Privileg: Sie, die der Mittäterschaft an terroristischen Anschlägen angeklagt war und in einem Hochsicherheitszelle saß, erhielt in ihrer Zelle wissenschaftliche Publikationen. Sie vermochte ihre Studien über den jüdischen Widerstand fortzusetzen.

Noch in der Haft, 1989, schloss sie ihr Buch „Sag nie, du gehst den letzten Weg.“ Frauen im bewaffneten Widerstand gegen Faschismus und deutsche Besatzung (1989) ab.

In mehreren Buchkapiteln – Widerstand in Westeuropa sowie Jüdischer Widerstand in Osteuropa – trug sie zahlreiche Lebensgeschichten von Partisaninnen, Jüdinnen und Kommunistinnen im militanten Widerstand zusammen. Diese hatten in der hiesigen Geschichtsschreibung nahezu absolut keine Aufarbeitung und Berücksichtigung gefunden. Es widerlegte den törichten, schuldabwehrenden Mythos, dass Juden sich „wie Schafe zur Schlachtbank“ hätten führen lassen. Das erwähnte Werk von Batalion hat diese Spurensuche 20 Jahre später auf eindrückliche Weise fortgeführt . Mehrere der von Batalion portraitierten Frauen hatte Ingrid Strobl in ihren Büchern, so in ihrer 1998 erschienen Studie Die Angst kam erst danach, über jüdische Frauen im Widerstand zwischen 1939 und 1945 wissenschaftlich aufgearbeitet.

Chaika Grossmans Die Untergrundarmee. Der jüdische Widerstand in Bialystok

Ingrid Strobls vielleicht bedeutsamste Leistung ist die Übersetzung von Chaika Grossmans Werk Die UntergrundarmeeDer jüdische Widerstand in Bialystok. Das großartige Buch Grossmans  erschien 1993 auf deutsch, mit einem Vorwort von Ingrid Strobl.

Bis an ihr Lebensende unvergessen blieb Ingrid Strobl ihr erste Reise nach Israel: Sie, die erst kürzlich aus der Haft Entlassene, wurde von der früheren Untergrundkämpferin und in Israel hoch angesehenen liberalen Knessetabgeordneten Chaika Grossman persönlich am Flughafen abgeholt. Sie wurde keiner strengen Leibesvisitation unterzogen. Grossman machte Strobl in Israel auch mit weiteren, noch lebenden Heldinnen des jüdischen Widerstandes bekannt. Auch deren Lebenswerk arbeitete Strobl in ihren Büchern und Filmen auf.

Sie ergänzte ihre Bücher – was zum Lebensunterholt zwingend notwendig war – durch zahlreiche Radiofeature, darunter  Eine Hommage an Chaika Grossmann (2018) sowie den eindrücklichen Dokumentarfilm „Mir zeynen do!“. Der Ghettoaufstand und die Partisaninnen von Bialystok (1992) 

Diese eindrückliche Filmdokumentation, in der wir Chaika Grossman gemeinsam mit Ingrid Strobl erleben können, steht bis heute im Netz:

Im gleichen Jahr wie Chaika Grossmans Erinnerungen „Die Untergrundarmee“ (2003) erschien auf deutsch auch Marek Edelmans den Auschwitzer Aufstand (Mai 1943) erinnernde und dokumentierende Studie „Das Ghetto kämpft. Warschau 1941-43“, mit einem Vorwort von Ingrid Strobl.

Marek Edelman (1919-2009) hatte sich am Aufstand des Warschauer Ghettos beteiligt. Edelman gehörte zu den letzten überlebenden jüdischen Kämpfern, denen es am 10. Mai 1943 gelang, durch die Kanalisation des Ghettos zu fliehen und in Warschau unterzutauchen. Edelman blieb in Polen, arbeitete als Kardiologe in Lodz und publizierte auf Polnisch, Jiddisch und Englisch mehrere Studien und Zeitzeugenberichte über den Aufstand im Warschauer Ghetto. Daniel Cohn-Bendit sagte über ihn, er sei „ein Vorbild. Meine Begeisterung für Widerstand, Revolten und Revolutionen hat auch damit zu tun.“

In den Jahren danach arbeitete Ingrid Strobl weiter als Autorin, schrieb auch in Köln sowie im Drogenmilieu angesiedelte Krimis.

Ich bin Ingrid Strobl im Laufe der Jahrzehnte oft begegnet, bei einschlägigen Buch- und Filmvorstellungen. Teils wurde ich von Freunden auch gefragt, sie meldete sich immer wieder lebhaft bei Diskussionen, wer diese Frau denn sei. Ich habe Ingrid Strobl nicht angesprochen. Ich wollte das nicht.

Als ich in den letzten Jahren verstärkt, auch für eine kleine Widerstandsreihe der „Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, zahlreiche Beiträge über jüdische Heldinnnen des Widerstandes veröffentlichte – die meisten stehen auf haGalil, nahm ich einige Male per Mail Kontakt mit Ingrid Strobl auf. Ich wollte wissen, welche dieser jüdischen Widerständlerinnen sie getroffen bzw. über welche sie intensiver gearbeitet hatte. Sie antwortete freundlich, über einige von ihnen hatte sie gearbeitet, über andere nicht.

Peter Finkelgruen erzählt mir am Telefon, dass sie zu ihm noch in ihrer antizionistischen Kölner Phase mehrfach Kontakt aufnahm, vor dem Hintergrund ihrer antizionistischen Motivationen und ihres törichten Eifers.

In den vergangenen Jahren und Monaten habe ich Ingrid Strobl, immer zusammen mit ihrem Lebensgefährten, verschiedentlich auf U-Bahn-Stationen getroffen. Auch in diesen Situationen, wir hatten Mailaustausch, habe ich sie niemals angesprochen. Das liegt mir nicht, und ich wollte es auch nicht.

Die Nachricht von ihrem Dahingehen hat mich getroffen.

Möge die Erde Dir leicht sein!

Bild oben: Ingrid Strobl Foto: Screenshot von Strobls Youtube-Kanal

Literatur
Ingrid Strobl (2018): Ikone des jüdischen Widerstands. Eine Hommage an Chaika Grossman, SWR 2, 13.4.2018 (23 Minuten).
Ingrid Strobl: Dokumentarfilm „Mir zeynen do!“. Der Ghettoaufstand und die Partisaninnen von Bialystok  https://www.youtube.com/watch?v=XEKnFjns5YU
Ingrid Strobl (1989): „Sag nie, du gehst den letzten Weg.“ Frauen im bewaffneten Widerstand gegen Faschismus und deutsche Besatzung.
Ingrid Strobl (2008): Partisanas. Women in the Armed Resistance to Fascism and German Occupation (1936-1945), AK Press, Edinburgh.
Ingrid Strobl (1989): Frausein allein ist kein Programm. Kore Verlag, Freiburg i. Breisgau.
Ingrid Strobl (1995): Anna und das Anderle. Eine Recherche. (Fiktionale Darstellung) Fischer, Frankfurt am Main.
Ingrid Strobl (1998): Die Angst kam erst danach. Jüdische Frauen im Widerstand 1939 – 1945. Frankfurt am Main.
Ingrid Strobl (2004): „Ich hätte sie gerne noch vieles gefragt“. Töchter und der Tod der Mutter. Fischer, Frankfurt.
Ingrid Strobl (2010): Endstation Nippes. Emons Verlag, Köln (Köln-Krimi)
Ingrid Strobl (2010): Respekt: Anders miteinander umgehen! Pattloch. München.
Ingrid Strobl (2020): Vermessene Zeit. Der Wecker, der Knast und ich. Edition Nautilus, Hamburg.
Ingrid Strobl (2003): Geschichte wird von Menschen gemacht, http://www.schoah.org/ghetto/zeugen-1.htm
Marek Edelman (1993): Das Ghetto kämpft. Mit einem Vorwort („Es ging um die Art zu sterben“) von Ingrid Strobl. Berlin: Harald Kater Verlag.
Grossman, C. (1993): Die Untergrundarmee. Der jüdische Widerstand in Bialystok. Frankfurt a.M. Übersetzt und mit einem Vorwort versehen von Ingrid Strobl.
Kaufhold, R. (2021): „Schwestern, Vergeltung!“ Eine literarische Erinnerung an vergessene jüdischen Heldinnen des Widerstandes, haGalil, 2021: https://www.hagalil.com/2021/08/judy-batalion/
Kaufhold, R. und Hristeva G. (2022): Vergessene Heldinnen des Widerstandes. Judy Batalion, psychosozial 45. Jg., Heft II (Nr. 168), 2022, S. 94-97.
Kaufhold, R. (2023): „Lasst uns nach einem heldenhaften Tod streben“ Vor 80 Jahren starb die Partisanin und Heldin des jüdischen Widerstandes Frumka Plotnicka im Kampf, haGalil, 2023: https://www.hagalil.com/2023/08/frumka-plotnicka/
Kaufhold, R. (2023): Die jüdische Widerständlerin Esther „Mara“ Ovadia (1922 – 1944), haGalil, 2023: https://www.hagalil.com/2023/08/esther-mara-ovadia/
Kaufhold, R. (2024): „Der am Rand des Grabes steht, bin ich…“ Aufzeichnungen von jüdischen Mitgliedern der Sonderkommandos von Auschwitz, haGalil, 2024: https://www.hagalil.com/2024/01/sonderkommando-3/