„Schwestern, Vergeltung!“

Eine literarische Erinnerung an vergessene jüdischen Heldinnen des Widerstandes

Von Roland Kaufhold

„Du hast immer gekämpft wie eine wahre Heldin“ (S. 502). Mit diesen Worten verabschiedete sich Liran, Enkel der weitgehend unbekannt gebliebenen Widerständlerin Renia Kulkielka, im August 2014 auf einem Friedhof in Haifa von seiner Großmutter.

Die 1925 im polnischen Jedrzejów geborene Widerständlerin Renia Kukielka, Kurierin der Widerstandsgruppe Freiheit (DROR) in Bedzin, ist die Protagonistin der von Judy Batalion verfassten eindrücklichen literarischen Nach-Erzählung Sag nie, es gäbe nur den Tod für uns. Parallel hierzu erzählt Batalion die Geschichten von 19 weiteren Frauen, die während der Zeit der deutschen Verfolgung in heldenhafter, konkret handelnder Weise im Kampf gegen die organisierte Vernichtung engagiert waren – im sicheren Wissen darum, dass dieser ihnen höchst wahrscheinlich das Leben kosten werde. Die Mehrzahl von ihnen, sie waren alle etwa gleich alt, standen in freundschaftlicher, mit-kämpferischer Beziehung zu Renia.

Die Geschichte des jüdischen Widerstandes, der Aufstände in Auschwitz und zahlreicher weiterer Konzentrationslagern, ist in den vergangenen Jahren vielfach nacherzählt worden (vgl. Lustiger 1994, Edelman 2007, Gradowski 2019, Polian 2019, vgl. Kaufhold 2020). Der starke Anteil von Frauen, wie etwa von Renia Kukielka und Chaika Grossman, wurde hierbei nie angemessen gewürdigt. 

Die amerikanische Kolumnistin Batalion, die selbst aus einer Überlebendenfamilie stammt, hat nun die Geschichte dieser unbekannt gebliebenen Frauen des heldenhaften Widerstandes – von denen einige von den Deutschen ermordet wurden – nacherzählt. Begonnen hatte sie mit ihrer Arbeit 2007. Den Auslöser bildete die Lektüre der bereits 1946 in New York erschienenen Anthologie Freuen in di Ghettos (Spizman 1946), in der Dutzende junger Frauen ihre Widerstandsaktionen beschrieben: Sie bestachen Gestapo-Wachleute, versteckten Brotlaibe in Broten, halfen beim Bau unterirdischer Bunker, verteilten gefälschte Papiere oder übten Sprengstoffanschläge auf Bahngleise aus. Der Herausgeber dieser zahlreichen Erinnerungen, Leib Spizman, hatte aus dem besetzten Polen nach Japan zu entkommen vermocht und von dort aus nach New York, wo er ein Historiker des Arbeiterzionismus wurde: „Diese Geschichten versetzten mich nicht nur in Erstaunen“, hebt Batalion hervor, „sie berührten mich ganz persönlich und stellten mein Verständnis von meiner eigenen Geschichte auf den Kopf.“ (S. 15)

Unter den Autorinnen des frühen Zeitzeugen-Sammelbandes war auch Renia Kukielka. Sie wurde als Kurieren des Widerstandes beschrieben und trat in dieser frühen Anthologie des Widerstandes als Renia K. auf. Diese hatte ihren Augenzeugenbericht auf Polnisch verfasst; 1945 erschien dieser auf Hebräisch, er gilt als einer der ersten Zeitzeuginnenberichte überhaupt – und blieb weitestgehend vergessen (vgl. Hantze and Rumka 1945; Spizman 1946).

Das vorliegende Buch kreist primär und immer wieder um Renia, aber vor allem auch um das Freundschaftsgeflecht von jungen, vor allem polnisch-jüdischen Widerständerinnen, in das sie eingebunden war.

Frumka Plotnicka

Kristallisationspunkt des in diesem Band rekonstruierten und literarisch nacherzählten Widerstandes war die säkular-sozialistische Widerstandsgruppe Freiheit. Neben Renia Kukielka war Frumka Plotnicka ein weiteres zentrales Mitglied. Diese als fleißig, aufopfernd und bescheiden (S. 62) beschriebene, 1914 geborene Frau war mit 17 Jahren der Freiheit beigetreten – gemeinsam mit ihrer jüngeren, gleichfalls im Buch beschriebenen Schwester Hantze – und erlangte dort wegen ihrer „moralischen Tatkraft“ und zum Handeln auffordernden „messerscharfen Analysen“ (S. 63) sehr rasch eine zentrale Funktion. Kurz darauf leitete sie die Kampforganisation im polnischen Bedzin. Wenn sie schon sterben müssten dann „lasst uns nach einem heldenhaften Tod streben“, forderte Frumka ihre Mitkämpferinnen auf (S. 29). Als Nichtjüdin verkleidet fuhr sie als Kurierin nach Lódz, Bedzin und Warschau, um Informationen zu sammeln und Fluchtrouten auszuarbeiten.

Frumka, die Suppenküchen für täglich 600 Juden organisierte, pädagogisch tätig war und eine jüdische Polizeitruppe aufbaute, wurde Zeugin mörderischer deutscher Liquidationen. Gemeinsam mit Renia, ihrer Schwester Hantze, Frumka und Zvi versteckte sie sich immer wieder vor den Deutschen, und sie wurde hierbei fortgesetzt von Albträumen verfolgt. Dennoch kämpfte sie weiter: „Unser Wunsch zu leben war stärker als alle Qualen“, schrieb Renia später über diese Zeit der Bedrohung (S. 190). Die Alija nach Palästina verschob sie im Interesse des antifaschistischen Kampfes mehrfach, am 3.8.1943 verstarb sie bei einem Aufstandsversuch in einem Bunker von Bedzin auf grausamste Weise; die Schilderung ihrer Ermordung ist so fürchterlich und unerträglich (s. S. 357-361), dass ich nur einen kurzen Ausschnitt zitieren mag: Die Nazis „„fielen über sie her wie Hyänen über Aasfleisch“, bis ihre Gesichter – Frumkas und mehrerer weiterer Frauen – ein „klebriger, roter Brei aus Blut und Fleisch“ waren und ihre Körper „blaue, blutige, zerschmetterte Fetzen von Menschen“. Am folgenden Tag wurde das, was von Frumka noch übrig war, nach Auschwitz verfrachtet, um dort verbrannt zu werden.“ (S. 359)[i]

Viele dieser konkreten Widerstand gegen die Deutschen leistenden Frauen – die Mehrzahl von ihnen emigrierte nach Kriegsende nach Palästina – hatten teils bereits während der Verfolgung bzw. nach Niederschlagung des Faschismus Zeitzeugenberichte verfasst, wie Renia. Andere schrieben ihre Erinnerungen im hohen Alter nieder, um zumindest ihren Enkeln von ihrem Erbe, ihrer heldenhaften Tat des rebellischen Stolzes, zu berichten. Dennoch sind sie weitestgehend vergessen geblieben. Die Autorin Judy Batalion gibt ihnen eine literarische Stimme, arbeitet auch viele von deren niedergeschriebenen Erinnerungen in ihre Nacherzählung ein.[ii]

Gemeinsam ist diesen mehrheitlich eng miteinander befreundeten jungen Frauen – die Autorin bezeichnet sie bewusst aus „Ghetto-Mädchen“ – ihr unbedingter Wunsch, den deutschen Mördern Widerstand entgegen zu setzen, im sicheren Wissen darum, dass die Deutschen sie ermorden werden: Sie arbeiteten, wie im Buch detailreich beschrieben wird, als Kuriere, schmuggelten Waffen in die Ghettos und KZs, arbeiteten mit falschen Pässen und Identitäten als Kuriere und ließen sich im Kampf mit der Waffe ausbilden. „Für viele war das Ziel, Juden zu retten, für andere, in Würde zu sterben und so in Erinnerung zu bleiben.“ (S. 17)

In dichter Weise wird die Härte des Überlebens, der Vernichtungseifer der Deutschen  nacherzählt. Renia schrieb über die „jungen, gesunden Deutsche, denen ein Menschenleben nichts bedeutete“: „Sie waren immer blutrünstig“, für sie „war es leichter, einen Menschen zu töten als eine Zigarette zu rauchen.“ (S. 85)

Chajka Klinger

Chajka Klinger, mit Renia bei den Jungen Wächtern eng befreundet, zeichnete sich durch ganz außergewöhnlichen Mut und Entschlossenheit aus. 1943, dem Tode nahe, schrieb sie Tagebuch, um die Verbrechen zu dokumentieren. Sie war verzweifelt über die geringe Unterstützung aus dem Ausland. Und sie und ihre Mitkämpferinnen fürchteten, „die letzten Juden zu sein.“ (S. 344). In einem Versteck beschwor sie ihre Mitkämpfer, nicht zu resignieren. Ihre Eingeschlossenheit war die Hölle, notierte sie der Nachwelt, „egal ob man sie vom Hörensagen kannte oder von einem Gemälde!“ (S. 344)

Chajka, die die Ausweglosigkeit ihrer Lebenssituation erkannte und doch hiergegen aufgebehrte, übernahm „instinktiv das Kommando“ beim Kampf gegen die Deutschen, sollte sie später schreiben. „“Ich setzte meine Hoffnung auf eins: ihre Trägheit. Und ich wurde nicht enttäuscht.“ Die Deutschen zogen ab.“ (S. 344)

Die Möglichkeit zur Rache gegenüber auch nur einem Deutschen – die einige im Buch beschriebenen Widerständlerinnen wie Vitka Kempner, ihr späterer Ehemann Abba Kovner sowie Ruzka Korcak unter dem Namen Nokmim („Rächer“) in die Tat umsetzten (S. 495-499) (vgl. Tobias & Zinke, 2000) – verlieh ihr die Kraft, ihren Lebensmut nicht aufzugeben. „Man würde sie entdecken. Sie würden hier unten sterben“, lässt Batalion sie sagen. Sie wird, wie viele der Protagonisten des Buches, von den Deutschen schwer gefoltert, wird Zeuge unendlich vieler sadistischer Misshandlungen, die sie schreibend dokumentiert. Nach der Befreiung schaffte auch sie es nach Palästina. Teile ihres Tagebuches wurden publiziert, jedoch nur in einer zensierten Version. Dies erlebte Chajka als einen Verrat – diesmal jedoch durch die eigenen Leute. Seelisch vermochte sie sich von den Traumata und Enttäuschungen nicht mehr zu erholen. Im April 1958, am 15. Jahrestag des Aufstandes  im Warschauer Ghetto, erhängt sich Chajka Klinger, „nicht weit entfernt von dem Kibbuzkindergarten, in dem ihre drei Söhne spielten.“ (S. 484). Ihr Tagebuch erschien erst 2017, 58 Jahre nach ihrem Tod, auf Hebräisch. Ein Jahr später wurde es auf Englisch unter dem Titel I am Writing These Words to You: The Original Diaries, Bedzin 1943 publiziert (Klinger 2017).

Bedeutung der Bildung

Es wird in Batalions Werk auch viel erzählt von der Bedeutung der Bildung innerhalb der jüdischen Widerstandsgruppen. Sie bauten eigene Büchereien auf, kultivierten das Jiddische, gaben Untergrundzeitungen auf Jiddisch und Polnisch heraus. Gemeinsam war diesen jungen, todesmutigen Frauen, dass sie an „einen liberalen Humanismus“ glaubten, „der nun in Trümmern lag.“ (S. 93) Ihr Schreiben über ihren Widerstandskampf, an dem sich viele linke Bundisten beteiligten, war ein Versuch, Zeugnis über die Verbrechen abzulegen; aber auch, weiterhin noch etwas Kontrolle über das Leben zu bewahren, der sinnlosen, zerstörerischen Brutalität zumindest schreibend entgegen zu treten. Es war ein Versuch, ihre Würde als Jüdinnen zu verteidigen und die Botschaft des heldenhaften Aufstandes der Nachwelt zu übermitteln: Es gab jüdischen Widerstand, sogar in Auschwitz (vgl. Lustiger 1994, Greif 1995).

Chasia Bielicka und Chaika Grossman

Chasia Bielicka und Chaika Grossman wirkten gemeinsam als Kurierinnen der Jungen Wächter, die zu einem Ring antifaschistischer Agenten in Bialystok gehörten.

Das Markenzeichen der 1921 in Grodno, Polen, geborenen Chasia Bielicka war ihre Selbstsicherheit. Sie, die sich bereits mit zwölf Jahren der Jugendbewegung des Hashomer Hatza´ir angeschlossen hatte und später einer von deren Leitungspersönlichkeiten wurde, schloss sich mit Beginn der Verfolgung der Untergrundbewegung an. Sie lebte mit falschen Papieren als vorgebliche Polin auf der „arischen“ Seite und beschwerte sich sogar bei der Gestapo, wenn sie zu lange auf ihre gefälschten Papiere warten musste. Sie schmuggelte Medizin, Nahrung und Sprengstoff zu den Partisanen. Gemeinsam mit ihren Freundinnen organisierte sie Waffen, brachten diese unter Einsatz ihres Lebens in die Ghettos, informierte als Kurierin den Wiederstand. Wenn sie schon sterben mussten so wollte sie wenigstens möglichst viele Deutsche töten. Ihr gemeinsamer Aufstand war ein Fanal des jüdischen Mutes. Hierüber schrieben sie in ihren Tagebüchern und in ihren späteren Zeitzeugenberichten. Sie mussten davon ausgehen, dass sie bei ihrem Aufstand die letzten noch lebenden Juden waren.

Der heldenhafte Aufstand der Sonderkommandos in Auschwitz, der am 7.10.1944 begann, gehört zu den wohl wenigen Kapiteln des Widerstandes, der auch in der Bundesrepublik eine gewisse Bekanntheit erlangt hat (vgl. Greif 1995, Polian 2019, Gradowski 2019, Kaufhold 2020). Der Aufstand war über Monate geplant worden, musste immer wieder verschoben und dann am 7.10.1944 wegen einer bekannt gewordenen, unmittelbar bevorstehenden  Liquidation von 300 der insgesamt ca. 2000 Sonderkommandohäftlinge überhastet begonnen werden: Chaim Neuhoff schlug einen SS-Mann mit einem Hammer nieder, viele Häftlinge schlossen sich dem Aufstand an, der brutal niedergeschlagen wurde. Drei SS-Männer starben. Die Botschaft des Stolzes ist als historisches Signal lebendig geblieben.[iii] Neben Renia beteiligte sich auch die erst 14-jährige Anna Heilman (1928-2011, im Buch S. 405-415) an den Vorbereitungen des Aufstandes: Weibliche Gefangene nahmen Sabotagen an der Munition einer Waffenfabrik vor, in denen sie arbeiteten, es wurde Sand statt Schießpulver in Waffenteile getan. Ein Netzwerk von etwa 30 weiblichen jungen Gefangenen, darunter Anna, schmuggelten Sprengstoff in Streichholzschachteln, an ihren Brüsten, in Knoten ihrer Haare und unter ihren Fingernägeln in das Lager. Sie entwendeten  Schießpulver aus einer Waffenfabrik, mit diesem wurde das Krematorium IV am 7.10.1944 teilweise zerstört.

Anna Heilman musste der öffentlichen Hinrichtung von vier Frauen, darunter ihrer Schwester Esther, am 6.1.1945 – als Sanktion – beiwohnen; die Hinrichtung wird im Buch (S. 415) beschrieben. Eine der Hingerichteten war Róza: „Mit ihrem letzten Atemzug, bevor sich die Schlinge um ihren Hals zog, rief Róza auf Polnisch aus: „Schwestern, Vergeltung!““ (S. 415)

Anna wurde am 2.5.1945 durch die Rote Armee im KZ Neustadt-Glewe befreit, emigrierte nach Palästina, wo sie Sozialarbeiterin wurde.[iv] Sie hatte in Auschwitz ein Tagebuch geschrieben, das jedoch von der SS gefunden und vernichtet wurde. 1945 schrieb sie es aus dem Gedächtnis neu auf. Es erschien erst 2001 (Heilman 2001) unter dem Titel Never Far Away: The Auschwitz Chronicles of Anna Heilman. In dem Dokumentarfilm Unlikely Heroes (2003) wurde auch Anna Heilmans Geschichte nacherzählt.

Chasia Bielicka (später: Bornstein-Bielicka), die waagemutige Kurierin und eine der Anführerinnen des Aufstandes in Bialystok, überlebte wie durch ein Wunder. Danach arbeitete sie für einen deutschenfeindlichen Polen. Sie baute nach der Niederlage der Deutschen in Lodz autodidaktisch ein Waisenhaus für jüdische Waisenkinder auf; 1947 gelangte sie auf Irrwegen mit einigen der von ihr betreuten jüdischen Waisenkinder nach Israel, heiratete den 1920 in Basel geborenen Heini Bornstein[v], mit dem sie gemeinsam in den in Nordisrael gelegenen Kibbutz Lehavot Habashan übersiedelte.

Über ihre Jahre der Verfolgung vermochte sie, die nachts nie Schlaf fand, ihren drei Kindern nichts zu erzählen; wohl aber Jahrzehnte später ihren Enkeln. 2003, da war Chasia 82, erschienen ihre Erinnerungen auf Hebräisch (vgl. Izhar 2009), 2008 erschien die deutsche Version unter dem Titel Mein Weg als Widerstandskämpferin. 2006 übernahm sie bei einer Yad Vashem Gedenkveranstaltung eine zentrale Rolle[vi], Chasia Bielicka verstarb 2012 im Alter von 91 Jahren.

Chasia Bielickas Kampfgefährtin Chaika Grossman nimmt in Batalions Buch gleichfalls eine zentrale Position ein. 1919 in Bialystok geboren hatte sie beim polnischen Hashomer Hatzair bereits in ihrer Schulzeit eine zentrale Position inne. Sie wurde im Bialystoker Ghetto inhaftiert, vermochte zu entkommen und nahm zur Tarnung die „polnische“ Identität einer Halina Woranowicz an. Unter diesem Namen wirkte sie als Kurierin mehrerer jüdischer Widerstandsgruppen. Ab 1942 arbeitete sie klandestin wieder im Ghetto Bialystok. Nach der Niederschlagung des Aufstandes, an dem sie maßgeblich beteiligt war, setzte sie ihr antifaschistisches Engagement bei Partisanenaktionen gegen die deutschen Besatzer fort. Hierfür wurde sie nach Kriegsende sogar vom polnischen Staat geehrt.

Chaika Grossman überlebte, organisierte als Mitglied des Zentralkomitees der Juden in Polen die illegale Einwanderung überlebender Juden nach Palästina, wohin sie 1948 selbst ging. In Israel wurde sie ab 1969 als Kibbuznik als eine angesehene liberale Knessetabgeordnete berühmt.[vii] Sie empfing die Kölner Journalistin Ingrid Strobl, die 1993 ihre Erinnerungen über den jüdischen Widerstand als Buch auf Deutsch veröffentlichte (Strobl 1993) und weitere Beiträge über sie publizierte.[viii] Im gleichen Jahr verstarb Chaika Grossman nach einem schweren Unfall.[ix]

Zivia Lubetkin

Zivia Lubetkin, 1914 in Byten im russischen Kaiserreich als Tochter eines Lebensmittelhändlers geboren, schloss sich früh der Widerstandsgruppe Freiheit an.[x] In Warschau arbeitete sie als Funktionärin für die jüdischen Jugendorganisationen Hechaluz und Habonim Dror. 1939 war sie Delegierte beim 21. Zionistenkongress in Genf.

Nach der Besetzung Polens half die 25-Jährige polnischen Juden bei der Emigration nach Wilna, 1940 ging sie im Auftrag ihres Verbandes nach Warschau. Als sie das Ausmaß der deutschen Vernichtungen erkannte beendete sie ihre jüdische Kulturarbeit und wurde 1942 Mitbegründerin der – von Batalion im vorliegenden Buch aufgearbeiteten – Widerstandsgruppe Jüdische Kampforganisation (ZOB). Unter Anleitung von Mordechaj  Anielewicz[xi] führte ZOB ab Anfang 1943 bewaffnete Widerstandsaktionen gegen die Deportationen durch; auch Lubetkins späterer Ehemann Jitzhak Zuckermann (1915 – 1981)[xii] kämpfte beim ZOB.

Im April 1943 war sie eine der wichtigsten Organisatorinnen des Aufstandes im Warschauer Ghetto. Nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes gelang Zivia am 12.5.1943 mit einer Gruppe Widerstandskämpfern die Flucht durch die Warschauer Kanalisation in den arischen Stadtteil Warschaus; sie war eine der wenigen Überlebenden des Aufstandes. 15 Monate später beteiligte sie sich am Warschauer Aufstand der Polen gegen die deutsche Besatzung.

Exkurs: Zivia Lubetkins Erinnerungen

Lubetkins Augenzeugenbericht erschien 1947 bei En charod auf Hebräisch und 1948 auch auf Deutsch (bei „Neue Auslese“ sowie 1949 beim VVN-Verlag); 2019 erschien eine Neuauflage, die im auch im Netz kostenlos zur Verfügung gestellt wurde (Lubetkin 2019).

Lubetkins detailreiche, literarische Erinnerung an den Aufstand in Auschwitz und den Ausbruch ihrer kleinen Gruppe entschlossener Widerstandskämpfer ist so anspruchsvoll, dass eine ausführliche Wiedergabe dieses Schlüsseltextes – der in Batalions Buch in radikal gekürzter Form eingeflossen ist – lohnt. Ihr 48-stündiger Ausbruchsversuch durch die Warschauer Kanalisation am 12.5.1943 in den arischen Teil Warschaus wurde durch drei Juden und einen Polen, sowie unterstützt durch die polnisch-kommunistische Untergrundorganisation Armina Ludowa, ermöglicht. Lubetkin erinnerte sich vier Jahre später:

„In der Nacht, in der das große Feuer ausbrach, rannte ich aus meinem Versteck weg. Der grelle Feuerschein machte mich ganz benommen. Überall um mich herum hörte ich das Prasseln des Feuers, das Krachen einstürzender Mauern. Außerhalb des Gettos war es Frühling. Wir schlängelten uns durch die Ruinen hindurch, umgingen die Flammen, gelangten durch Löcher in den Mauern von einem Dachgeschoß zum andern und, wenn die Häuser bis auf den Grund heruntergebrannt waren, von einem Keller zum andern. Die Deutschen schossen dabei auf alles, was sich bewegte.“ (Lubetkin 2019, S. 7)

Wenig später fährt Lubetkin in dieser Weise fort:

„Hier saßen wir nun, unsere nutzlosen Waffen neben uns, umringt von den Tausenden, die voller Spannung auf ein Wort der Hoffnung warteten, von uns, den letzten verzweifelten jüdischen Kämpfern. Es war klar, daß wir es ohne Lebensmittel, Wasser und Löschgerät nicht lange inmitten des tobenden Flammenmeers würden aushalten können. Irgendein Ausweg mußte gefunden werden, aber wo und wie? Ein junger Bursche erzählte uns, er wisse einen Weg, der durch die unterirdischen Abzugskanäle aus dem Getto in den nichtjüdischen Teil der Stadt führe. Einen Augenblick lang wirkte diese Zuversicht ansteckend. Aber was sollte das nutzen? Da es draußen niemanden gab, der uns aufnehmen würde, war das der sichere Tod. Man kam einfach aus dem einen Feuer in ein anderes. Dennoch beschlossen wir nach einer langen Diskussion, einen Versuch zu wagen.“ (ebd., S. 7)

Die Flucht aus dem Ghetto nach der Niederschlagung des Aufstandes konnte nur durch wenige entschlossene Kämpfer erfolgen: „Der Gedanke eines Massenauszugs mußte fallen gelassen werden. Zunächst einmal lag unsere einzige Hoffnung innerhalb des brennenden Gettos. Ein Appell für die Kämpfer wurde abgehalten, und es ergingen Weisungen, wir sollten uns in den vor dem Feuer sicheren Bunkern und in den von den Flammen noch nicht verzehrten Ruinen verschanzen. Viele, die keinen anderen Unterschlupf finden konnten, gingen in die Abwässerkanäle hinunter, um dort den nächsten Tag abzuwarten. Vorläufig schlug noch der Puls des jüdischen Lebens tief unter der Erde in Bunkern und Kanälen.“ (ebd., S. 8)

Dem Tode näher als dem Leben, vom Hunger und Kampf geschwächt, wurden die geringen Möglichkeiten einer Flucht abgewogen, die sie, so hofften sie alle, irgendwann vielleicht doch nach Palästina bringen würde:

„Seit Beginn des Aufstands waren nun drei Wochen verstrichen. Wir hungerten und konnten keinen Nachschub erhalten. Die Zeit verging in endlosen Gesprächen — wir redeten über den Hunger, sprachen immer wieder von Einzelheiten der Schlacht mit den Deutschen und ständig von Palästina, das keiner von uns hatte erreichen können. Wir saßen in einer Falle, und die einzige Aussicht, die wir hatten, war die auf einen langsamen Hungertod. Was konnten wir tun? Die Verbindung mit der Stadt war völlig abgeschnitten.“ (ebd., S. 9)

Gemeinsam mit dem Bund-Kommandanten Marek Edelman (vgl. Batalion, S. 252ff, S. 284ff; Edelman 2007) – (der in der vorliegenden Buchversion irrtümlich als Edelstein bezeichnet wird) – , erkundete Lubetkin die konkrete Möglichkeit einer Flucht durch die Warschauer Kanalisation:

„Unfähig, unsere Erschöpfung zu überwinden, verbrachten wir den ganzen Tag im Bunker. Einmal im Laufe des Tages kam von der Wache eine Schreckensbotschaft: Die Deutschen kommen! Unsere Nerven waren zum Zerreißen gespannt, und die Angst vor den Deutschen war größer geworden als die Furcht vor dem Tod. Aber die Deutschen kamen nicht. In dieser Nacht machten wir, nämlich Chaim P. Marek Edelstein (Edelman, RK) und ich, uns auf den Weg zurück zu unserem Bunker.“ (…) Von den 21 Entkommenen waren 18 Mitglieder des Kampfbundes. Einige von ihnen waren infolge Selbstmordversuchs verwundet, andere litten an Gasvergiftung. Jetzt fühlten wir, daß uns allen der sichere Tod bevorstand. Aber obwohl wir das Ende herbeisehnten, versuchten wir noch, die aufgehäuften Steine zu entfernen, die den Eingang zu unserem Bunker verrammelten.“ (ebd., S. 13f.)

Mit Lubetkin und Edelstein an der Spitze stieg die kleine Gruppe der Widerstandskämpfer „schweren Herzens“ (ebd., S. 16) in die Kanalisationsanlage:

„Es war ein Abgrund von Dunkelheit, und ich fühlte, wie das Wasser um mich herum aufspritzte, als ich hinuntersprang. (…) Am nächsten Morgen erreichten wir in der Frühe eine Stelle unter der Frostastraße außerhalb des Gettos. Hier machten wir halt, um zu rasten. Kazhik und sein polnischer Gefährte hoben den Kanaldeckel in die Höhe und verschwanden. Wir saßen im Wasser und warteten. An jenem Tage hörten wir nichts mehr von ihnen.“ (ebd., S. 17)

Als sie sich selbst bei Tageseinbruch sahen waren sie „dennoch“ erschrocken:

„Jetzt, da wir einander bei Tag sahen — schmutzig, in Lumpen gewickelt, mit dem Unrat der Kanäle beschmiert, mit ausgemergelten Gesichtern, während die Knie vor Müdigkeit schlotterten —, überwältigte uns das Entsetzen. Nur unsere fiebernden Augen verrieten, daß wir noch lebendige Menschen waren. Wir legten uns alle auf den Boden des Lastwagens, um von der Straße nicht gesehen zu werden, und jeder hatte seine Waffe neben sich liegen. In dieser Weise fuhr ein Lastwagen voll bewaffneter jüdischer Kämpfer am 12. Mai 1943 mitten durch das von den Nazis besetzte Warschau. (…) Wir, die wir am Boden lagen, wurden durch seinen Gesichtsausdruck beruhigt. Wir wußten weder, wohin es ging, noch, durch welche Straßen wir fuhren. Wir sprachen nicht.“ (ebd., S. 19f)

Die Einsamkeit der Überlebenden, die die Kämpfer nun spürten, war niederdrückend. Und doch wollten sie leben, nach Palästina gelangen:

„In jener Nacht saßen wir alle um das in einer Vertiefung brennende Lagerfeuer und fühlten in unseren Herzen, daß wir die letzten Überlebenden des Warschauer Gettos waren, das man ausgerottet hatte. Wir wußten nicht, was sich überall in Polen abspielte, aber wir fühlten, daß für unser Volk das Ende gekommen war und daß wir Überbleibsel waren, rauchende und verglimmende Aschenreste . . . Unsere Zukunft war in Dunkel gehüllt, und wir, die Geretteten, empfanden uns als überflüssig und vereinsamt, verlassen von Gott und den Menschen. Was gab es, das noch getan werden konnte, was wir nicht getan hätten? Wir lagen am Boden, aber wir konnten keinen Schlaf finden. Wir dachten an das Mysterium der Welt und des Menschen, und wir erinnerten uns des Mordes, der an unserem Volke begangen worden war, und der geliebten toten Kameraden, die Asche waren von der Asche unserer verbrannten Seelen. Wir grübelten und fragten, grübelten und fragten, aber es gab keine Antwort.“ (Lubetkin 2019, S. 21)

Zivia Lubetkins Neuanfang in Palästina

Der größte Teil von Lubetkins Familie, auch ihre Eltern, wurden Opfer der Shoah. Nach Kriegsende organisierte sie mit der jüdischen Untergrundorganisation Bricha (vgl. Ben-Nathan & Urban 2005) die Auswanderung der überlebenden Juden Osteuropas nach Palästina; im Juni 1946 gelang ihr selbst die Einwanderung nach Palästina. 1946 war sie Delegierte beim 22. Zionistischen Kongress in Basel.[xiii]

In Israel war sie gemeinsam mit ihrem Mann maßgeblich am Aufbau des 1949 gegründeten, im westlichen Galiläa gelegenen, Kibbuz der GhettokämpferLochamej haGeta’ot – beteiligt, der zu einem zentralen Träger der Erinnerungskultur in Israel wurde.[xiv] Sie arbeitete bei der Jewish Agency als Leiterin der Abteilung für Integration. Im 2001 erschienenen amerikanischen Film Uprising wurde ihre Biografie nacherzählt. Im Eichmann-Prozess (1961) sagte sie als Zeitzeugin aus.[xv] 1978 verstarb Zivia im Kibbuz Lochamej.

1979, ein Jahr nach Zivia Lubetkins Tod, erschienen ihre Erinnerungen auf Hebräisch, zwei Jahre später auf englisch unter dem Titel In the Days of Destruction and Revolt. 2014 legte die israelische Historikerin und Publizistin Bella Guttermann – Fighting for the People: Zivia Lubetkin 1914-1978 – eine erinnernde Lebensbiografie über Lubetkin auf englisch vor.

Vladka Meed

Vladka Meed, 1921 in Warschau geboren, arbeitete ebenfalls als Kurierin in Warschau. 1935 schloss sie sich der Jugendorganisation des Allgemeinen jüdischen Arbeiterbundes[xvi] an, 1940 wurde sie mit ihrer Familie ins Warschauer Ghetto verschleppt, durfte dieses als Zwangsarbeiterin – in einer Schneiderei – jedoch zeitweise verlassen. Meeds Mutter und Bruder wurden im Konzentrationslager Treblinka ermordet.

Sie beteiligte sich an Literaturkursen, was sie im Rückblick als Vorbereitung des Widerstandes interpretierte. Danach schloss sie sich dem bewaffneten jüdischen Widerstand an, was für sie nach der Ermordung ihrer Familie eine Selbstverständlichkeit war. Als Kurierin – sie hatte blonde Haare, sprach fließend Polnisch, weshalb sie nicht als Jüdin erkennbar war – brachte Vladka Waffen und Geld in das Ghetto hinein, wodurch sie maßgeblich dazu beitrug, den Aufstand im Warschauer Ghetto zu ermöglichen. Sie selbst beobachtete den Aufstand von Außerhalb der Ghettomauern. Weiterhin schmuggelte Meed Kinder aus dem Ghetto und versteckte diese bei polnischen Familien.

Im Juli 1942 verschärfte sich die Situation im Ghetto, und die Panik unter den Häftlingen erreichte einen weiteren Höhepunkt. In ihrer Autobiografie erinnerte Vladka sich sechs Jahre später in dieser Weise hieran: „Die Furcht vor dem, was uns erwartete, dämpfte unsere Fähigkeit, über irgend etwas außer unsere eigene Rettung nachzudenken.“ (S. 109) Sie lernte den Historiker Emanuel Ringelblum, den – am 7.3.1944 ermordeten – großen Chronisten des Ghettos[xvii], kennen. Die Deportationen in den Tod nahmen immer weiter zu, und Vladka gelang es, sich gefälschte Arbeitspapiere zu besorgen. Sie sah, wie Freunde, Kinder, in den Tod geführt wurden, Zehntausende wurden binnen weniger Wochen ermordet. Im Dezember 1942 erhielt sie die geheime Nachricht, das Ghetto mit einem Arbeitskommando zu verlassen „und die jüngste Untergrundverlautbarung des Bunds mitzunehmen, in der eine detaillierte Karte von Treblinka abgedruckt war.“ (S. 182)

Später gelang es Vladka Meed, mittels Bestechung von polnischen Wachmännern Metallteile und dann ihre erste Pistole in das Ghetto zu schmuggeln (S. 271). Als im Juli 1943 die Liquidierung des Ghettos unmittelbar bevorstand schmuggelte sie immer wieder Kinder – die dem Terror der Deutschen besonders ausgesetzt waren – unter Einsatz ihres Lebens aus dem Ghetto. Diese Kinder erhielten einen neuen, polnischen Namen, mussten sich auch ihre neue Identität einprägen, wenn sie überleben wollten. Immer wieder fand sie neue polnische Gastfamilien, musste Kinder teils mehrfach neu vermitteln, wenn die Schwierigkeiten dort zu massiv wurden. Ermöglicht wurde diese Rettungsaktion auch durch Geldüberweisungen aus dem Ausland, so vom US Jewish Labor Committee (JLC) (S. 311). „Geschätzt 20000 bis 30000 Juden lebten im Raum Warschau im Verborgenen, und Vladkas Aktivitäten sprachen sich herum. Juden machten sie über gemeinsame Bekannte ausfindig und sprachen sie auf gut Glück auf der Straße an.“ (S. 313) Sie spürte Geflüchtete auf, die im Wald bis auf die Knochen abgemagert waren, und brachte ihnen regelmäßig Bargeld, Kleidung und Medikamente; und sie half auch Juden in Zwangsarbeitslagern. Vladkas Mut, ihre konspirativen Fähigkeiten und ihre Geschicklichkeit überstiegen jedes Vorstellungsvermögen. Mehrfach musste sie ihre Wohnung wechseln, wenn Nachbarn zu misstrauisch wurden, und sie demonstrierte bewusst eine ultrapolnische Grundhaltung. Schätzungsweise 30.000 Juden entgingen so „als Nichtjuden“ der Vernichtung, wie auch Vladka selbst.

1946 wanderte Vladka Meed mit ihrem Ehemann in die USA aus und ließ sich dort nieder. Das Jewish Labor Committee (JLC) (s.o.) wurde auf sie aufmerksam und schickte sie auf Vortragsreisen durch die USA, um die Wahrheit über die deutschen Verbrechen zu verbreiten. Gemeinsam mit ihrem Ehemann  engagierte sie – die doch selbst schwer traumatisiert war – sich intensiv in den Aufbau von Organisationen von Holocaustüberlebenden und stellte Ausstellungen über den Aufstand im Warschauer Ghetto zusammen.

1948, da war Vladka 27, verfasste sie ihre autobiografischen Erinnerungen über die zurückliegenden Jahre auf Jiddisch. 1972 erschien ihr Werk unter dem Titel On Both Sides of the Wall auf Englisch und 1999 unter dem Titel Deckname Vladka. Eine Widerstandskämpferin im Warschauer Ghetto auf Deutsch. Yad Vashem publizierte 2007 eine Kurzbiografie über sie.[xviii] Ihr Engagement zur Erinnerung an den heldenhaften jüdischen Aufstand und über die Verbrechen der Deutschen behielt sie über Jahrzehnte in den USA aufrecht, wodurch sie einen Ruf als hoch angesehene Expertin erlangte. Wöchentlich sprach sie auf Jiddisch beim WEVD, dem jiddischen Sender New Yorks. Ihre Erinnerungen als Zeitzeugin wurden mehrfach in Videofilmen dokumentiert.[xix]

2012 verstarb Vladka Meed im Alter von 90 Jahren in Arizona.

Bela Hazan

Eine weitere zentrale Frau in Batalions erzählerischer Studie ist Bela Hazan (in der Literatur auch benannt als Bela Ya`ari-Hazan). 1922 in Polen geboren schloss sie sich als Jugendliche der zionistischen Jugendgruppe DOR an. Ihre Mutter war eine religiöse Zionistin und unterstützte sie nachdrücklich. Renia Kukielka wurde eine enge Freundin von ihr. Belas Schwester Haya emigrierte 1933 nach Israel.

Batalion beschreibt Belas Ausbildung zur Widerstandskämpferin ausführlich (u.a. S. 218-230, S. 378-388). 1939, da war Bela 17, wählte die örtliche DOR-Führung sie zur Teilnahme an einem Selbstverteidigungskurs aus, als Vorbereitung auf ein Leben in Palästina: „Bela lernte dort mit Waffen umzugehen – mit Feuerwaffen ebenso wie mit Stöcken und Steinen – und sie besuchte Vorträge, wobei sie besonders von Frumkas und Zivias Auftritten beeindruckt war. Aufgrund ihrer exzellenten Abschlussnoten wurde sie zur Verteidigungsausbilderin im Freiheit-Kibbuz in Bedzin bestimmt.“ (S. 219) Kurz danach, 1939, nach dem Einmarsch der Deutschen, entkam Bela in das 2000 km entfernt gelegene Vilna, arbeitete dort mit gefälschten Papieren als Schmugglerin für DOR.

Nach der deutschen Okkupation Vilnas arbeitete sie unter einem polnisch-christlichen Pseudonym (Bronislawa Limanowska; abgekürzt Bronia) als Kurierin des Widerstandes. Ihr Mut bei zahlreichen Kuriertätigkeiten war bewundernswert: „Belas Aufgabe war es, Wilna, Grodno und Bialystok miteinander zu verbinden und Mitteilungen, Geld sowie Waffen zu schmuggeln. Sie wurde angewiesen, ein sicheres Haus für Kuriere in Grodno zu suchen und einen Stützpunkt einzurichten.“ (S. 221) Sie war sogar so todesmutig eine Stelle bei der Grodnoer Gestapo anzunehmen und besorgte sich ein offizielles Schreiben, dass sie für die Gestapo arbeite. Sie erhielt auf diesem Wege sogar eine Sondergenehmigung zum Betreten des Ghettos von Wilna. Sie arbeitete in mehreren Ghettos, baute ihr Agentennetz aus, feierte mit zwei Freundinnen sogar zur Tarnung Weihnachten mit SS-Männern und war mehrere Monate lang als Kurierin unterwegs; hierbei entkam sie mehrfach mit Glück Liquidationen. Als sie zu einem Besuch nach Hause kam fand sie in ihrem Elternhaus Ukrainer vor und erfuhr, dass alle Juden ihrer Heimatstadt ermordet worden waren:

„Bela lief hinaus und schaffte es gerade noch außer Hörweite, bevor sie laut zu weinen anfing. Da wurde ihr klar, dass sie nur weiterleben konnte, wenn sie ab jetzt Vergeltung zu ihrem Lebensinhalt machte.“ (S. 227) Als ihre Freundin Lonka Kozibrodska im Frühjahr 1942 mit vier Revolvern auf einen Einsatz nach Warschau geschickt wurde und man kurz danach nichts mehr von ihr hörte meldete Bela sich freiwillig, nach ihr zu suchen. Ihr Freund Hanoch, der als Widerständler den Nazis Waffen gestohlen hatte, gab ihr zwei Pistolen mit auf den Weg, die sie in ihren Manteltaschen verbarg. In ihren Zopf hatte sie eine Hebräische Untergrundvereinbarung  eingeflochten: „Auf dem Weg nach Warschau fühlte sie sich zuversichtlich und bewältigte mit ihren falschen Papieren alle Kontrollen.“ (S. 227)

Im Juni 1942 wurde Bela Hazan von der Gestapo inhaftiert und schwer gefoltert, wobei es ihr gelang, ihre jüdische Identität weiterhin geheim zu behalten: „Auschwitz-Birkenau war überwältigend für die beiden Neuankömmlinge.[xx]  (…) Jetzt wurden Bela und Lonka von den Juden getrennt und angewiesen, entlang einem Stacheldraht an Hunderten von Frauen in gestreiften Kleidern vorüberzuziehen, die sie, schreiend, krank und geprügelt, beobachteten. (..) Bela quälte es zutiefst, dass sie ihre wahre Identität vor ihrem eigenen Volk verbergen musste.“ (S. 382f.) Sie wurde mehrfach schwer misshandelt, und gab sich doch nie auf. Ihr Wunsch nach Rache und Widerstand war unbesiegbar. „“Ich muss sehr stark gewesen sein“, überlegte sie im Nachhinein. „Meine Mutter gab mir das Rüstzeug mit, um diese Art von Folter zu überstehen.““ (S. 384) Bela muss erleben, wie ihre Freundin Lonka Kozibrodska 1943 in Auschwitz an Typhus verstarb – sie starb vorgeblich als Christin, ihre Tarnidentität musste auch nach ihrem Tode gewahrt werden: „Bela war es zutiefst zuwider, ihre Freundin als Christin sterben zu sehen. Mit all ihrer Energie biss sie sich auf die Zunge. (…) Dann fiel ihr wieder ein, dass Lonka gesagt hatte, sie solle weitermachen. „In all den Jahren danach“, würde Bela später schreiben, „begleitete mich Lonka  auf Schritt und Tritt.“ Doch in diesem Leben stand Bela jetzt allein da.“ (S. 388) In Birkenau, Auschwitz, Ravensbrück, Malchow und schließlich in Leipzig arbeitete sie als Krankenschwester.[xxi]

Nach ihrer Befreiung kam Bela Hazan in ein jüdisches DP-Camp, ging für einige Monate nach Paris und Italien und arbeitete als Lehrerin und Betreuerin mit einer Gruppe jüdischer Jugendlicher, die überlebt hatte. Ihre Gruppe benannt sie nach der ermordeten Widerständlerin Frumka Plotnicka (s.o.). Im November 1945 gelang ihr die Einwanderung nach Palästina.
In ihrem neuen Leben in Israel musste Bela, die zwei Kinder bekam und weiterhin eine Einzelkämpferin blieb, ihre Erinnerungen zum Selbstschutz und zum Schutz ihrer Familie für sich behalten. Sie, die als sehr bescheiden beschrieben wird, wurde von Schuldgefühlen über die Ermordung ihrer Eltern gequält. Sie arbeitete mit Blinden und in Krankenhäusern, sich selbst zurücknehmend und hierdurch doch neue soziale Kontakte knüpfend. 1990, da war sie 68, lehnte sie die Bitte des Hauses der Ghettokämpfer, ihre gut 45 Jahre alten Erinnerungen an die Jahre des Widerstandes und der Selbstbehauptung aufzuschreiben, noch ab, aus Angst vor der Übermacht der zerstörerischen Erinnerungen. Kurz darauf tat sie es denn doch, auch „weil Lonka sie auf ihrem Sterbebett darum gebeten hatte.“ (S. 493)

Bei einem Aufenthalt im Kibbuz Givat Brenner schrieb Bela Hazan ihre Erinnerungen nieder. 1991, da war Bela 69, erschien ihre Autobiografie Bronislawa Was My Name auf Hebräisch. Hierin bemerkte sie, ihren lebenslangen Weg des Widerstandes, der seelisch-familiären Neustrukturierung und der Wiedererinnerung im Alter reflektierend, in den Worten der Autorin Batalion: „Sie behielt ihre Erinnerungen größtenteils für sich, während sie sich ein neues Leben aufbaute. „Ich habe meine Kinder großgezogen und bin ins Alltagsleben eingetaucht. Ich habe mich bemüht, meine Erinnerung unter dem Deckel zu halten. (…) Ich wollte nicht, dass meine Kinder im Schatten des Holocaust aufwachsen.“ Nichtsdestotrotz blieb ihre Vergangenheit „in mir mit derselben Kraft lebendig.““ (S. 491) Bela Hazan verstarb 2004 in Israel.[xxii]

Ihr Sohn Yoel Ya´ari, ein Neurobiologe, fand erst nach ihrem Tod ihr Häftlingsfoto aus Auschwitz und forschte daraufhin über Jahre über ihre Vergangenheit: „Mehrere Jahre forschte und schrieb er über sie und überlieferte so ihr hehres Vermächtnis.“ (S. 494)

Faye Schulman

Eine gewisse Sonderstellung in der Gruppe der widerständigen Frauen nahm die 1919 in Polen geborene Fotografin Faye Schulman ein: Nach einem Massenmord der Wehrmacht im Ghetto von Lenin, dem auch ein Großteil ihrer Familie zum Opfer fiel, musste sie sie für die Nazis Fotos der Ermordeten machen. Faye wollte Selbstmord begehen. Sie entschied sich dann doch für den Kampf und die fotografische Dokumentation der organisierten Massenverbrechen, machte heimlich Kopien der Fotos. Sie floh in letzter Minute aus dem Ghetto, schloss sich einer Partisanengruppe – der Molotova Brigade (diese bestand zum größten Teil aus Deserteuren der Roten Armee) – in den Wäldern an und „bestand darauf, an Kampfhandlungen teilzunehmen (…) um so Rache zu nehmen.“ (S. 289) Von September 1942 bis Juli 1944 lebte und kämpfte sie bei den Partisanen in den Wäldern, arbeitete als Krankenschwester, ohne medizinische Ausbildung. Sie war die einzige Jüdin unter den russischen Soldaten; wegen des Antisemitismus vieler Russen verheimlichte sie, dass sie Jüdin war, so dass ihre Gefühle der Nichtzugehörigkeit, der Vereinzelung wohl unerträglich für sie wurden.

Die Befreiung erlebte Faye deshalb als den „Tiefpunkt meines Lebens. … Nie im Leben war ich so einsam, so traurig; nie hatte ich solches  Verlangen nach den Eltern, der Familie und jenen Freunden gespürt, die ich niemals wiedersehen würde.“ (S. 469f.) Faye Schulman hatte nach der Ermordung nichts mehr, noch nicht einmal Papiere, noch nicht einmal eine Staatsangehörigkeit. Ihr blieb nur noch den Zusammenhalt der Partisanen und ein gemeinsames Ziel: „Überleben und Vergeltung.“ (S. 470)

In ihrer Autobiografie (Schulman 1998) schildert sie ihre Heimatlosigkeit, ihre Verlorenheit eindrücklich und ungeschminkt:

„Wenn der Krieg vorbei war, würde ich dann einen Platz haben, wo ich hingehörte? Wer würde mich am Bahnhof abholen? Wer würde die Befreiung mit mir feiern? Für mich würde es keine Paraden bei der Heimkehr geben, es würde nicht einmal Zeit sein, die Toten zu betrauern. Wenn ich wirklich überlebte, wohin würde ich zurückkehren? Mein Zuhause und meine Stadt waren dem Erdboden gleichgemacht, ihre Bewohner getötet worden.  Meine Lage war eine andere als die der Kameraden, die mit mir dasaßen. Ich war eine Frau, eine Jüdin.“ (S. 470)

Faye erhielt einen Orden von der Sowjetregierung und trat – „ohne ein Gefühl von Schutz oder Identität“ (S. 470) – in die sowjetische Armee ein, um in Jugoslawien weiterzukämpfen. Kurz darauf wurde sie Regierungsfotografin in Pinsk. Sie freundete sich mit dem Partisanenführer Morris Schulman an, der später ihr Ehemann wurde. Bald darauf schlossen sie sich der Bricha an.

1948 ging Faye Schulman mit ihrem Mann nach Kanada. Ihre Erinnerungen an die von ihr dokumentierten und bezeugten Verbrechen – Die Schreie meines Volkes in mir – erschienen 1995 auf englisch und 1998 auch auf Deutsch; die englische Originalausgabe trug den Titel A partisan Memoir. Woman of the Holocaust.

Faye Schulman verstarb am 24.4.2021 in Toronto. Wenige Wochen später erschien in den USA eine filmische Hommage einer Erinnerungsveranstaltung über ihr Wirken.[xxiii]

Judy Batalion hat ein trotz seiner inhaltlichen Schwere überraschend leicht lesbares, aufrüttelndes Werk zum jüdischen Widerstand von Frauen vorgelegt.

Judy Batalion: Sag nie, es gäbe nur den Tod für uns. Die vergessene Geschichte jüdischer Freiheitskämpferinnen. München: Piper, 622 S., 25 Euro, Bestellen?

 

Literatur

Ben-Natan, A. & S. Urban (2005): Die Bricha – Aus dem Terror nach Eretz Israel. Ein Fluchthelfer erinnert sich. Düsseldorf: Droste 2005.
Bornstein-Bielicka, C. (2008): Mein Weg als Widerstandskämpferin, München: dtv.
Davidson Draenger, G. (1999): Das Tagebuch der Partisanen Justyna, hrsg. Von J. Kast, B. Siegler und P. Zinke. Berlin.
Dror, Z. (1983): The dream, the revolt, and the vow: the biography of Zivia Lubetkin-Zuckerman (1914–1978). International Dept., Diaspora Section, General Federation of Labor: Lochamei Hagettaot Institute for „Rememberence of the Holocaust and Revolt“, Israel 1983. Original: Dror, Zvika, interviewed and edited. Testimonies of Survival: Ninety-Six Personal Interviews from Kibbutz Lochamei ha-Getta’ot (Hebrew). Tel Aviv 1984, S. 328–345.
Edelman, M. (2007): Das Ghetto kämpft. Berlin.
Gradowski, S. (2019): „Die Zertrennung. Aufzeichnungen eines Mitglieds des Sonderkommandos“. Herausgegeben von Aurélia Kalisky unter Mitarbeit von Andreas Kilian. Berlin: Suhrkamp 2019.
Greif, G. (1995): „Wir weinten tränenlos…“ Augenzeugenberichte des jüdischen „Sonderkommandos“ in Auschwitz. Köln: Böhlau.
Grossman, C. (1993): Die Untergrundarmee. Der jüdische Widerstand in Bialystok. Frankfurt a.M.
Guttermann, B. (2014): Fighting for the People: Zivia Lubetkin 1914-1978, übers. von Ora Cummings. Jerusalem.
Heilman, A. (2001): Never Far Away: The Auschwitz Chronicles of Anna Heilman. Calgari.
Hantze and Rumka (1945): Letters and Reminiscences. Tel Aviv (Hebräisch).
Izhar, N. (2009): Chasia Bornstein-Bielicka, One of the Few: A Resistance Fighter and Educator, 1939-1947, übers. Von Naftali Greenwood. Jerusalem.
Katz, E. & J. M. Ringelheim (Hg., 1983):Proceedings of the Conference of Women Surviving the Holocaust. New York.
Kaufhold, R. (2012): Der Holocaust im Bewusstsein Israels und Deutschlands. Interview mit Gideon Greif. In: R. Kaufhold & B. Nitzschke (Hg.): Jüdische Identitäten in Deutschland nach dem Holocaust, in: Psychoanalyse. Texte zur Sozialforschung 16. Jg., Nr.  28, 2012, S. 9–21. Internet: https://www.hagalil.com/2019/03/greif/
Kaufhold, R. (2020): „Der letzte Trost dahin“. Mitglieder der „Sonderkommandos“ von Auschwitz haben erschütternde Dokumente hinterlassen, Jüdische Allgemeine, 25.6.2020:  https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/der-letzte-trost-dahin/
Klinger, C. (2017): I am Writing These Words to You: The Original Diaries, Bedzin 1943, übers. Von Anna Brzostowska and Jerzy Giebultowski. Jerusalem (Original 2016 auf Hebräisch).
Kukielka, R. ( 1989): Underground Wanderings. Ein Herod (Hebräisch).
Laudowicz, E. (2019): Widerstand der Frauen im Warschauer Ghetto, in: Lubetkin (2019), S. 44-63.
Lubetkin, Z. (1957) :The Last Ones on the Wall (Hebrew). Ein Harod.
Lubetkin, Z. (1981): In the Days of Destruction and Revolt. Übers. von Ishai Tubbin und Debby Garber, hrsg. von Yehiel Yanay. Tel Aviv (Original 1979 auf Hebräisch).
Lubetkin, Z. (2019): Die letzten Tage des Warschauer Gettos. Erweiterte Neuauflage: Berlin: Verlag Autonomie und Chaos. Internetversion: https://autonomie-und-chaos.de/images/pdf/auc-122-zivia-lubetkin.pdf
Laudowicz, L (2019): Widerstand der Frauen im Warschauer Ghetto, in: Lubetkin (2019): https://autonomie-und-chaos.de/images/pdf/auc-122-zivia-lubetkin.pdf
Lustiger, A. (1994): Zum Kampf auf Leben und Tod! Das Buch vom Widerstand der Juden 1933–1945. Köln: Kiepenheuer & Witsch.
Meed, V. (1999): Deckname Vladka. Eine Widerstandskämpferin im Warschauer Ghetto. Hamburg (Original 1948 auf Jiddisch).
Polian, P. (2019): „Briefe aus der Hölle. Die Aufzeichnungen des jüdischen Sonderkommandos Auschwitz“. Darmstadt: Wbg Theiss.
Schulman, F. (1998): Die Schreie meines Volkes in mir. Wie ich als jüdische Partisanin den Holocaust überlebte. München.
Spizman, L. (1946): Freuen in di Ghettos (Woman in the Ghettos)., New York (Jiddisch).
Tobias, J. G. & P. Zinke (2000): Jüdische Rache an Tätern: Hamburg: Konkret Literaturverlag.
Ya`ari-Hazan (1991): Bronislawa Was My Name. Tel Aviv (Hebräisch).
Zuckerman, Y. „Antek“ (1993): A Surplus of Memory: Chronicle of the Warsaw Ghetto Uprising, übers. Von Barbara Harshav. Berkley.

 

Anmerkungen

[i] Ghetto Fighters House Archives: Frumka Plotnicka:   https://www.infocenters.co.il/gfh/notebook_ext.asp?book=28981&lang=eng&site=gfh

[ii] Siehe die Literaturliste am Ende dieser Studie.

[iii] Siehe: Andreas Kilian (2004): Der Sonderkommando-Aufstand in Auschwitz-Birkenau. Internet: https://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/der-sonderkommando-aufstand-in-auschwitz-birkenau/

[iv] Siehe als Video: USC Shoah Foundation: Jewish Survivor Anna Heilman on Resistance (2016): https://www.youtube.com/watch?v=8TvGAX2SxbA

[v] Siehe: Heini Bornstein (2015): Von Basel bis zum Kibbuz Lehavot Habaschan. Der Lebensweg eines sozialistischen Zionisten. Autobiografie. Köln/Weimar/Wien: Böhlau.

[vi] Vgl.: Chasia Bornstein (Bielicka): Yad Vashem. Internet: https://www.yadvashem.org/remembrance/archive/torchlighters/bornstein.html

[vii] Siehe die Website der Knesset: https://www.knesset.gov.il/mk/eng/mk_eng.asp?mk_individual_id_t=347

[viii] Ingrid Stobl (2018): Ikone des jüdischen Widerstands. Eine Hommage an Chaika Grossman, SWR 2, 13.4.2018 (23 Minuten): https://www.swr.de/swr2/leben-und-gesellschaft/aexavarticle-swr-51192.html

[ix] Siehe die Filmdokumentation von Yad Vashem (2021): Women in Resistance – Fierce Females:  https://www.youtube.com/watch?v=YpgIubwJSEA; in ihr werden mehrere der in dieser Studie portraitierten Frauen filmisch gewürdigt, darunter auch Grossman.

[x] Siehe vertiefend diesen Internetartikel: The Shali/Hyman Encyclopedia of Jewish Woman: Zivia Lubetkin:  https://jwa.org/encyclopedia/article/lubetkin-zivia

[xi] Siehe: Gedenkstätte Deutscher Widerstand: Mordechai Anielewicz (1919 – 8. Mai 1943): https://www.gdw-berlin.de/vertiefung/biografien/personenverzeichnis/biografie/view-bio/mordechai-anielewicz/?no_cache=1

[xii] Im Mai 1961 trat Gutman als Zeitzeuge beim Eichmann-Prozess auf. Vertiefend zu Gutman: Gutman, I. (1982): The Jews of Warsaw, 1939–1943: ghetto, underground, revolt. Brighton, Sussex: Harvester Press; Gutman, I. (1990): Zuckerman, Yitzhak. In: Encyclopedia of the Holocaust. Band IV, 1990, S. 1740–1743. Gedenkstätte Deutscher Widerstand: Icchak Cukierman: https://www.gdw-berlin.de/vertiefung/biografien/personenverzeichnis/biografie/view-bio/icchak-cukierman/

[xiii] Siehe: Zionistenkongress von 1946 – „Ein trauriges und deprimierendes Treffen“, Basler Zeitung, 20.12.2016. Internet: Audiatur online: https://www.audiatur-online.ch/2016/12/20/zionistenkongress-von-1946-ein-trauriges-und-deprimierendes-treffen/

[xiv] Siehe Oliver Vrankovic (2018): Das Haus der Ghettokämpfer, jungle world 9.5.2018. Internet: https://jungle.world/artikel/2018/19/das-haus-der-ghettokaempfer

[xv] In dieser Filmdokumentation –  „Eichmann trial“ – ist Lubetkins Zeitzeugenaussage dokumentiert: https://www.youtube.com/watch?v=qmlVtanKDGQ; siehe auch den Kurzfilm:  Heroes of the Warsaw Ghetto Uprising: Zivia Lubetkin https://www.youtube.com/watch?v=8zdRm0wlRg4

[xvi] Der Allgemeine jüdische Arbeiterbund in Litauen, Polen und Russland war eine von 1897 – 1935 in mehreren osteuropäischen Ländern tätige Arbeiterpartei. Sie war die Keimzelle des späteren Bundes; er hatte Kontakte u.a. zu Lenin, Otto Bauer und Rosa Luxemburg. Siehe: John Bunzl (1975): Klassenkampf in der Diaspora : zur Geschichte der jüdischen Arbeiterbewegung.  Wien: Europa-Verlag 1975. Gertrud Pickhan (2001): „Gegen den Strom“. Der Allgemeine Jüdische Arbeiterbund „Bund“ in Polen 1918-1939. Schriften des Simon-Dubnow-Instituts Leipzig, Band I. Leipzig

[xvii] Siehe: Samuel D. Kassow (2010): Ringelblums Vermächtnis: Das geheime Archiv des Warschauer Ghettos. Karl Heinz Siber (Übersetzer). Reinbek: Rowohlt. Bernd Ulrich (2019): Die Ermordung des polnischen Historikers Emanuel Ringelblum, Deutschlandfunk, 7.3.2019: https://www.deutschlandfunk.de/vor-75-jahren-die-ermordung-des-polnischen-historikers.871.de.html?dram:article_id=442748

[xviii] Yad Vashem: https://iwitness.usc.edu/sfi/Data/EchoesData/EchoesBios/PDF/Meed.Vladka.pdf

[xix] USC Shoah Foundation (2009): Holocaust Survivor Vladka Meed Testimony: https://www.youtube.com/watch?v=nKLeGBfyrJA; Holocaust Memorial & Tolerance Center of Nassau County (2021): Vladka Meed – A Resistance Fighter: https://www.youtube.com/watch?v=I59FZXnZTYg

[xx] Die zweite Frau war ihre Freundin Lonka Kozibrodska (1916-1943); diese arbeitete unter zwei Pseudonymen als Kurierin für die sozialistisch-zionistische Bewegung. Lonka verstarb 1943 an Typhus in Auschwitz (vgl. Batalion, S. 223-230, S. 378-388). Vgl. auch Yad Vashem: Weibliche Kuriere: https://www.yadvashem.org/yv/de/exhibitions/female-couriers/index.asp

[xxi] Siehe auch: The Shali/Hyman Encyclopedia of Jewish Woman: Bela Ya´ari Hazan (1922 – 2004). Internet: https://jwa.org/encyclopedia/article/hazan-bela-yaari

[xxii] Das Jewish Women´s Archive hat 2004 eine bebilderte Erinnerung an Bela, Lonka und Tema Sznajderman publiziert, verbunden mit einer Kurzbiografie von Bela Ya´ari Hazan (1922- January 18, 2004): https://jwa.org/encyclopedia/article/hazan-bela-yaari

[xxiii] Jewish Partisan Educational Foundation (JPEF): Faye Schulman, Partisan and Photographer, 9.5.2021: https://www.youtube.com/watch?v=et-HOm3kfHY; JPEF: Pictures of Resistance: The Wartime Photography of Jewish Partisan Faye Schulman: https://www.jewishpartisans.org/pictures-of-resistance; Faye Schulman – Faye with her camera (2013): https://www.youtube.com/watch?v=LzwaFXqaMvc

Ein Kommentar zu “„Schwestern, Vergeltung!“

  1. Danke.
    Ich kann das Buch aber nicht lesen. Ich hatte mir „Fun letstn churbn“ gekauft und es kaum verkraftet. Zu der Zeit hatte ich auch den Erschießungsplatz sowjetischer Soldaten bei Hebertshausen besucht, was mich heute noch verfolgt. Diese Grausamkeit.

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