Ohne Hemden und mit einer weißen Fahne

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„Wir haben versagt. Sie haben alles getan, damit wir verstehen…“. Mit diesen Worten kommentierte Generalstabschef Halevi den schrecklichen Vorfall im Stadtteil Shejaiya in Gaza-Stadt, bei dem drei israelische Geiseln irrtümlicherweise von Soldaten der IDF erschossen wurden. Eine unfassbare Tragödie. Yotam Haim, Samar Talalka und Alon Shamriz überstanden 70 Tage Geiselhaft. Am Ende konnten sie fliehen und wurden doch getötet.

Ein hochrangiger Offizier berichtete von der ersten Untersuchung des Vorfalls, wonach ein in einem Gebäude stationierter Soldat drei verdächtige Personen identifiziert hatte, die das Gebäude gegenüber verließen. Den Ermittlungen zufolge trugen alle drei kein Hemd, und eine der Gestalten trug einen Stock mit einer improvisierten weißen Fahne. Der Soldat, der glaubte, dass die Männer, die auf ihn zukamen, ein Versuch der Hamas waren, IDF-Soldaten in eine Falle zu locken, eröffnete sofort das Feuer und tötete zwei der Männer, während der dritte, der getroffen und verwundet wurde, zurück in das Gebäude floh, aus dem er kam. Von dort rief er auf Hebräisch um Hilfe, aber auch er wurde von Soldaten, die mittlerweile zu Hilfe kamen, erschossen. Der Fehler wurde schnell klar, die Leichen zur Identifizierung nach Israel gebracht.

Die Details dieser ersten Untersuchung sind schwer zu ertragen. Sie zeigen, dass es offensichtlich eine ganze Reihe von Fehlentscheidungen gab, die die drei Männer das Leben kosteten. Die Schützen handelten zudem eindeutig gegen das Protokoll. Generalstabschef Halevi versuchte gestern, die schwierige Situation des Häuserkampfes in Shejaiya zu erklären. Die einzigen Menschen, die dort derzeit Zivilkleidung tragen, seien Hamas-Terroristen. Sie kämpfen, in dem sie zurückgelassene Waffen einsammeln, das Feuer auf die Truppen eröffnen und dann unbewaffnet erneut in ein anderes Gebäude flüchten. Zudem ist die Armee in Shejaiya auch auf mehrere scheinbar unbewaffnete Zivilisten gestoßen, die sich später als Selbstmordattentäter der Hamas herausstellten.

Einer der thailändischen Geiseln, der mittlerweile freigelassen wurde, hatte in einem Interview berichtet, dass er mit den drei Männern zusammen in Gefangenschaft war. Er hatte erzählt, dass sie nicht misshandelt wurden und sich über Samer, der selbst Beduine war, auch verständigen konnten. 70 Tage Geiselhaft, mit viel Hoffnung auf die Freilassung – und ein tragisches Ende.