„Vorbilder und Bücher können ganz wichtige Impulse setzen“

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Die Filmemacherin, Verlegerin und Journalistin Myriam Halberstam gründete 2010 den Ariella Verlag für jüdische Kinderbücher. Heute verlegt sie auch Bücher für Erwachsene über jüdische Berliner Rebell*innen oder Cartoons gegen Antisemitismus.

Das Interview mit Myriam Halberstam führte Sharon Adler für das Deutschland Archiv / BpB.
Foto: © Sharon Adler/PIXELMEER, 2023

Sharon Adler: 2020 hast du in deinem Ariella Verlag die Cartoon-Anthologie mit satirischen Texten „#Antisemitismus für Anfänger“ [1] herausgegeben und Autor*innen und Cartoonist*innen aus Deutschland, Israel und den USA eingeladen, etwas beizutragen. Was hat dich dazu veranlasst, dieses wirklich nicht komische Thema von der humoristischen Seite zu zeigen ?

Myriam Halberstam: Nun ja, kurz nach dem Attentat in Halle und mit Beginn der Corona-Pandemie flammte der Antisemitismus auf ganz üble Art und Weise wieder verstärkt auf. Die Juden sollten an der Pandemie schuld sein, sie sollten sich am Impfstoff-Verkauf bereichert haben; der geldgeile Jude, die Weltverschwörung – und dass man diesen Corona-Virus in die Welt gesetzt haben sollte. Das hat mich – wieder einmal – sehr geärgert.

Die Auseinandersetzung mit dem Antisemitismus findet in Deutschland hauptsächlich in den Feuilletons und durch Wissenschaftler*innen auf Konferenzen statt. An der Basis passiert leider nicht so viel. Auch in den Schulen gibt es zwar vereinzelt wohlmeinende Lehrer*innen, aber generell kein Curriculum zum Antisemitismus. Mich hat es beschäftigt, wie man das ändern kann. Ich wollte mich nicht mehr ärgern, und wenn man sich nicht mehr ärgern will, dann muss man lachen. Das ist auch die Basis des jüdischen Witzes. Der berühmte jüdische Humor. Und so an eine Situation heranzugehen, ist eine Entschärfung einer schwierigen Situation. Man dreht den Spieß um und wird zum Agierenden und nicht mehr zum Opfer.

„#Antisemitismus für Anfänger“ ist ein Buch, das gerade Juden und Jüdinnen unendlich viel Spaß macht. Wir sind jetzt in der dritten Auflage und haben Ausstellungen zu dem Thema. Wir haben keine einzige negative Kritik erhalten und nur begeisterte Rückmeldungen bekommen. Das liegt natürlich auch an dem Ansatz und an meiner Auswahl der Cartoons. Als ich die Ausstellung und das Buch kuratierte, habe ich zum Beispiel ganz bewusst politische Karikaturen nicht mit reingenommen. Ich wollte Beiträge und Geschichten mit einer Pointe machen, keine metaphorische Darstellung des Status quo, die politische Karikatur ja ist. Ich wollte, dass man dieses Buch gerne zur Hand nimmt, es sollte unterhalten. Aber es hat auch Mut gebraucht, dieses Buch herauszubringen.

Sharon Adler: Wie, denkst du, kann es gelingen, auch Menschen zu erreichen, die sich mit dem Thema Antisemitismus bisher noch nicht beschäftigt haben?

Myriam Halberstam: Ich habe dieses Thema, und da bin ich ganz stolz drauf, zum Party-Thema machen können und aus dieser intellektuellen Ecke rausgeholt. Durch die Hilfe von diesen besonderen Cartoonist*innen und Autor*innen entstand eine humorvolle, perfide Entblößung des Antisemitismus, sodass auch der Durchschnittsbürger und die Durchschnittsbürgerin nachvollziehen können, was Antisemitismus ist, und so auch eigene Positionen oder Vorurteile kritisch zu hinterfragen lernen – beziehungsweise das, was er oder sie von anderen gehört hat.

Es ist sicherlich wichtig, soziologische Erkenntnisse zu erforschen, aber das machen wir seit weit über vierzig Jahren, und es hat uns nicht weitergebracht. Es muss etwas in der breiten Bevölkerung passieren. Man muss die Menschen erreichen, die eigentlich gar keine Lust haben, auf so ein „ödes“ Thema. Ich glaube, das Buch und die Ausstellung, die auch durch viele Kleinstädte tourt, bewegen sehr viel.

Sharon Adler: Mit dem Ariella Verlag hast du im Mai 2010 einen Verlag für jüdische Kinderbücher gegründet – den ersten jüdischen Verlag seit der Shoah. Was war dein Anliegen, deine Motivation für die Gründung, was waren die Ziele, und wie entwickelte es sich?

Myriam Halberstam: Damals waren meine beiden Töchter noch sehr klein, und es gab keine modernen, unterhaltsamen Bücher zum Judentum, um ihnen die eigene Tradition und Kultur zu vermitteln. Wenn man sich in den Buchläden umgeschaut hat, so gab es „Lillifee feiert Weihnachten“ oder „Conny feiert Ostern“.

Ich selbst bin mit amerikanischen, jüdischen Jugendbüchern, aber nicht mit jüdischen Kinderbüchern aufgewachsen. Die sind alle in den USA erschienen. Da entstand der Gedanke, dass ich selbst etwas schreiben müsste. Ich verfasste eine Pessach-Geschichte, die ich an den Carlsen Verlag schickte. Daraus wurde auf meinen Vorschlag hin die neunbändige Reihe „Alle Kinder dieser Welt“. Es sollte nicht ausschließlich um jüdische Themen gehen, sondern um unterschiedliche Feste von Minderheiten in Deutschland. Unter anderem schrieb ich auch ein Buch über einen türkisch-muslimischen Jungen, der das Zuckerfest feiert. Das war eines der ersten Male, dass ein türkisches Kind in einem deutschen Kinderbuch eine Hauptrolle gespielt hat. Und es gab ein Buch, in dem ein syrisches Mädchen im Mittelpunkt steht. Das war noch lange vor dem syrischen Bürgerkrieg und der Flüchtlingswelle, die von dort kam. Das stieß auf einen Zeitgeist, und wir haben die Reihe mit Unterstützung der Deutschen Bahn in alle Kindergärten Deutschlands gebracht. Das war meine Vision.

Mittlerweile hat sich viel in Bezug auf Diversität im Kinderbuch verändert, aber wir waren die Vorreiter. Doch um ein riesiges Schiff wie den Carlsen Verlag zu navigieren, dauern die Prozesse einfach sehr lange. Ich dachte ganz naiv, dass ich nicht noch mal drei Jahre warten wollte, bis das nächste jüdische Kinderbuch für meine Kinder erscheint, und gründete darum den Ariella Verlag.

Sharon Adler: Was möchtest du über die ersten Bücher erzählen, die im Ariella Verlag erschienen sind? Wie waren die Anfänge?

Myriam Halberstam: Das erste Buch war „Ein Pferd zu Chanukka“. Das hat alle Elemente, die ich wichtig finde. Kinder einer Minderheit in einer Mehrheitsgesellschaft erleben ihre eigene Kultur nicht, wenn sie die Bücher der Mehrheitsgesellschaft lesen. Ich wollte eine Geschichte erzählen, die vor dem Hintergrund der eigenen Kultur stattfindet, der jüdischen Kultur. So erzählte ich die Geschichte von Hannah, die sich zu Chanukka ein Pferd wünscht, und es auch bekommt. Aber wie nicht anders zu erwarten, bricht dann natürlich das Chaos aus. Dieses Buch ist zum Longseller geworden, es ist immer noch super beliebt und aktuell. In der Nachauflage ist es eine Feiertags-Auflage geworden, die mit den angesagten, glitzernden und sehr verlockenden Buchangeboten standhalten kann.

Danach kam ein Klassiker der israelischen Kinderbuch-Literatur, nämlich Lea Goldbergs „Zimmer frei im Haus der Tiere“. [2] Ein sehr wichtiges Buch, das für Toleranz und Respekt im Umgang mit anderen wirbt und auf humorvolle Weise Zivilcourage zum Ausdruck bringt. Es dreht sich um vier Tiere, die für das fünfte Zimmer in ihrem Haus eine*n Mitbewohner*in suchen. Es kommen ganz unterschiedliche Tiere, und am Ende zieht die kleine Taube ein. Die amerikanische Künstlerin Nancy Cote, mit der ich „Ein Pferd zu Chanukka“ realisierte, hat auch dieses Buch illustriert. Es war mir sehr wichtig, etwas sehr Warmes, sehr Aufgehobenes, Spielerisches und Kreatives in den Illustrationen zu haben. Jeder liebt die Illustrationen; sie sind wunderbar, Mut machend, freundlich und einfach perfekt.

Sharon Adler: Wer war Lea Goldberg, und warum ist sie in Israel so bekannt?

Myriam Halberstam: Lea Goldberg [3] war die Grande Dame der Literatur und Kinderliteratur in Israel. Sie ist in Königsberg (heute Kaliningrad) aufgewachsen und hat 1933 in Bonn über semitische Sprachen promoviert, als sie 22 Jahre alt war. 1935 ging sie ins Exil und wanderte ins damalige Palästina aus. Dort hat sie die Abteilung für vergleichende Literatur an der Hebrew University in Jerusalem mitgegründet. Sie zählte zu Israels angesehensten Dichterinnen und Philosophinnen und hat über fünfzig Bücher geschrieben. „Zimmer frei im Haus der Tiere“ war 2011 ihr erstes Kinderbuch welches auf Deutsch erschien.

Mit dieser Tier-Parabel auf das friedliche und respektvolle Zusammenleben unterschiedlichster Kulturen ist jedes israelische Kind aufgewachsen. Was mir ganz wichtig ist: Die große Mirjam Pressler hat die deutsche Übersetzung aus dem Hebräischen verfasst. Das war für mich eine sehr große Unterstützung, diese berühmte Schriftstellerin und Übersetzerin mit an Bord zu haben.

Sharon Adler: Vom israelischen Kinderbuchklassiker Es war einmal ein Töpfchen“ von Alona Frankel aus dem Jahr 1975, über „Jaffa und Fatima – Schalom, Salaam“ [4] bis zur Purim-Geschichte „Bella und das Mädchen aus dem Schtetl“ [5] von der in L‘viv geborenen Marina B. Neubert: Über den erzählenden und unterhaltenden Charakter hinaus haben diese Publikationen für Kinder und Jugendliche einen hohen pädagogischen Anspruch. Was ist der Gedanke dahinter und was ist dein persönlicher und verlegerischer Anspruch?

Myriam Halberstam: Ich möchte intelligente Bücher machen, die die Lesenden fesseln und ihnen die jüdische Kultur als selbstverständlichen Orientierungspunkt, als Kulisse, vor dem die Handlung stattfindet, näherbringen. Aber anders als in manchen Mainstream-Büchern nicht unbedingt didaktisch. Mein Verlagsprogramm hat eine hohe literarische Qualität mit einer inhaltlich modernen Herangehensweise an das Judentum. In der Tradition verwurzelt, aber dennoch modern. „Jaffa und Fatima – Schalom, Salaam“ ist eine berührende Geschichte über eine Jüdin und eine Muslima, deren Freundschaft über Probleme hinaus besteht. Sie kümmern sich gegenseitig auf außergewöhnliche Art und Weise umeinander. Sie wirbt für gegenseitige Toleranz und will ein Zeichen für ein zukünftiges Zusammenleben beider Völker in Frieden setzen.

Sharon Adler: Mit der im Ariella Verlag erschienenen Publikation „Erzähl es Deinen Kindern – Die Torah in fünf Bänden“ [6] gab es 50 Jahre nach dem Ende der Shoah zum ersten Mal wieder eine jüdische Kinderbibel in Deutschland. Wer war an der Produktion und an der Übersetzung des hebräischen Originaltexts beteiligt? Warum ist es dir wichtig, auch den religiösen Aspekt im Verlagsprogramm abzubilden?

Myriam Halberstam: Ja, das ist wirklich ein Meilenstein! Professorin Hanna Liss von der Hochschule für Torah-Studien in Heidelberg und Bruno Landthaler haben diese Übersetzung, die sehr nah am Original ist, verfasst und mit Auslegungen und Kommentaren versehen. Es ist eine moderne Übersetzung ins Deutsche. Die Illustrationen hat der israelische Künstler Darius Gilmont gemacht, die wirklich wunderbar, sehr farbenfroh, mit Ornamentalistik spielen. Und die das Bilderverbot, das es im Judentum gibt oder gab, sehr spielerisch aufgreifen und mit Mustern Bilder entwerfen.

Ich finde, die Weitergabe der jüdischen Identität kann nicht auf die Torah verzichten. Ob man nun an die Torah glaubt oder nicht, das sind die Geschichten unserer Kultur. Diese Geschichten sind der Ursprung. Darauf basiert unsere jüdische Kultur. Ich finde es wichtig, dass man auch in einem ansprechenden Format diese Geschichten den Kindern nahebringt. Die meisten Bibeltexte werden im Christentum für die Kinder als Geschichten herausgegeben. Im Judentum haben wir aber den Parascha-Rhythmus: So, wie in der Synagoge jede Woche abschnittsweise die Torah gelesen wird, so erscheinen abschnittsweise auch die Text-Paraschiot,[7] die Torah-Abschnitte, hintereinander. Die sind nicht unbedingt nach Geschichten geordnet. Insofern kann man diese Torah auch begleitend zum Gottesdienst oder außerhalb der Synagoge lesen. Auch viele Religionslehrer*innen kaufen sie.

Aber auch Erwachsenen, die eine etwas modernere Übersetzung haben möchten, mit Fußnoten und Kommentaren, die den Text zeitgemäß einordnen, eröffnet diese Torah die Basis des Judentums. Ich finde, dass es auch für uns moderne Menschen und für unsere Identität unheimlich wichtig ist, die Möglichkeit zu haben, darin nachzuschlagen.

Sharon Adler: Auch schwerere Themen, wie Antisemitismus und NS werden in der Publikation „Selma und Anton“[8] und in der begleitenden „Handreichung für pädagogische Fachkräfte in Kindertagesstätten und Lehrkräfte an öffentlichen Grundschulen“ vermittelt. Worum geht es dabei, und wer sind die darin abgebildeten Protagonist*innen?

Myriam Halberstam: „Selma und Anton“ ist eine Geschichte für die Jüngsten, eine Erstbegegnung mit dem Thema Antisemitismus für das Kindergartenalter. Es geht um Selma, die Jüdin ist, und Anton, ihr bester Freund aus Kindertagen, der schon damals im Rollstuhl saß. Ausgegrenzt wurden beide während des Nationalsozialismus. Das wird auch rückblickend gezeigt, aber nicht auf verstörende Art und Weise. Selma und Anton treffen sich zu ihrem runden Geburtstag im Altersheim wieder. Ihre Party steht bevor, und sie zeigt ihrer Enkelin Miri und Antons Enkel das Foto-Album, welches ihr Vater aufgenommen hatte, als sie Kinder waren. Dann wird der Bogen geschlagen zur Diversität und Ausgrenzung von heute, und es wird darüber gesprochen, was das mit Menschen macht.

Sharon Adler: Von wem wird das Angebot angenommen, und wie wird es umgesetzt?

Myriam Halberstam: Es ist ein Buch für Multiplikator*innen, zum Vorlesen in der Kita, aber auch für Eltern. Die Handreichung ist noch nicht gedruckt, kommt aber 2023 heraus. Sie ist sehr textfundiert, nimmt die pädagogischen Fachkräfte an die Hand und erklärt ihnen die unterschiedlichsten Arten von Antisemitismus und Verschwörungsfantasien. Sie gibt ihnen Formulierungshilfen, um schwierige Zusammenhänge in einfacher Sprache sachgerecht den Kleinsten zu vermitteln. Es gibt Liedertexte, einen Überblick über jüdische Feste und ist der Behindertenrechtskonvention gerecht gemacht, weil wir dieses Thema auch mit hineinnehmen wollten. Behinderung und Ausgrenzung von Juden. Es ist eine sehr behutsame und pädagogisch sehr durchdachte Geschichte von Nina Kölsch-Bunzen. Sie ist Professorin für Kinderpädagogik im Vorschulalter an der Hochschule Esslingen. Das Buch ist von der Bundeszentrale für politische Bildung 2022 in deren Publikationsprogramm aufgenommen worden und bereits vergriffen.

Sharon Adler: Welche Erwartungen verbindest du mit dieser Publikation, was kann sie bewirken?

Myriam Halberstam: Unsere Hoffnung ist, dass die Kultusministerkonferenz beschließt, diese Handreichung für alle pädagogischen Fachkräfte in Kindertagesstätten und Lehrkräfte an Grundschulen in den Lehrplan aufzunehmen. Denn es ist eine Geschichte, die Mut und Neuanfang als wichtige Pfeiler nimmt und über Ausgrenzung und Stärke erzählt. Es ist ein wichtiges Thema, und wir sollten so früh wie möglich damit anfangen, von Diversität, Toleranz und gemeinsamem Zusammenleben zu sprechen und gegen Antisemitismus zu arbeiten. Diese Handreichung ist auch ein Augenöffner und eine wirkliche Hilfestellung für die pädagogischen Fachkräfte, sich selbst in Bezug auf Antisemitismus weiterzubilden. Es ist noch eher selten, dass die pädagogischen Fachkräfte von Kitas eine Weiterbildung zum Thema Antisemitismus machen. Es wäre mein Wunsch, dass dies in der Ausbildung verpflichtend wäre.

Sharon Adler: Denkst du, dass die Gattung Kinder- und Jugendbuch ausreichend Aufmerksamkeit in der Verlagswelt und vonseiten der Politik erhält? Wie wichtig ist es, in das Genre zu „investieren“? Wie lautet deine Empfehlung?

Myriam : Leider werden Kinderbücher noch nicht so respektiert oder für wichtig empfunden, wie es eigentlich sein sollte. Vonseiten der Politik und von der männlich geprägten Gesellschaft. Die Kinder sind unsere Zukunft, sie sind noch formbar, auch außerhalb ihres Elternhauses. Sie sind offen für Impulse, verstehen Forderungen nach Gerechtigkeit und sehnen sich selbst nach Gerechtigkeit auf der Welt. Nach Frieden und einem fairen gemeinsamen Auskommen.

Erziehung zu einer besseren Welt ist durch Bücher für Kinder nicht nur möglich, sondern von immanenter Wichtigkeit. Denn diese Kinder sind es ja, die in einigen Jahren die Zukunft und auch die Politik in unserem Land gestalten werden. Kinderbücher werden immer noch als „Frauenkram“ abgetan. Besonders in der Politik. Das empört mich maßlos, denn es ist ein Wegschauen. Ein Kind kommt mit sechs Jahren in die Schule, dann vergehen zehn Jahre, und es ist entweder ein renitenter Jugendlicher geworden oder ist jemand, der oder die sich aktiv und positiv für unsere Gesellschaft einsetzt. Zwischen den zehn Jahren liegen Lehrer*innen, die fördern, oder Lehrer, die blockieren. Und auch die Gesellschaft fördert entweder oder blockiert. Man muss Impulse geben. Vorbilder und Bücher können ganz wichtige Impulse setzen.

Leider höre ich immer wieder von veralteten Schullektüren, die antisemitische Klischees weitergeben und dennoch seit dreißig Jahren im Unterricht eingesetzt werden. Ich denke, es sollten neue Bücher in die Schulen kommen. Und nicht erst in zehn Jahren, sondern kurzfristiger und schneller. Man könnte dazu auch jüdische Expert*innen zu Rate ziehen.

Sharon Adler: Neben der Verlagsarbeit führst du gemeinsam mit einem Kollegen mit einem muslimischen Hintergrund Schreibworkshops für Jugendliche an Brennpunktschulen in Berlin durch. Zu welchen Themen und mit welchen Werkzeugen arbeitet ihr?

Myriam Halberstam: Unser Konzept ist, dass wir eine vorgelebte gute Zusammenarbeit, eine „islamisch-jüdische Partnerschaft“ als Modell zeigen. Manchmal benutzen wir unser Buch „Jaffa und Fatima – Schalom, Salaam“ als Basis. Durch die Hintertür arbeiten wir auch gegen Antisemitismus. Wir gehen ins Jüdische Museum und sprechen mit den Kindern über das Judentum, aber auch ins Museum für Islamische Kunst, um ihnen den Islam von der kulturellen Seite nahe zu bringen. Die meisten Kinder haben den Islam als kulturellen und religiösen Hintergrund, aber wissen nicht so viel darüber.

Hauptsächlich machen wir Schreib- und Leseworkshops: Wir lesen ihnen vor und arbeiten mit ihnen als heranwachsende Autor*innen. Das Schreiben ist für unsere Gesellschaft eine wichtige Grundfähigkeit. Je mehr man sich damit anfreundet, desto bessere Chancen hat man auch. Und wir machen Schreibspiele. Um die Kreativität im Umgang mit Sprache zu vermitteln, um weg von dieser Angst vor dem Deutschunterricht oder der Schwellenangst zu kommen. Um zu lernen, wie man sich in Sprache ausdrückt, und warum diese so wichtig ist.

Sharon Adler: Was wissen die Jugendlichen über die Lebensrealitäten von Jüdinnen und Juden in Deutschland? 

Myriam Halberstam: Das fragen wir nicht ab. Aber vor Kurzem habe ich als Info-Veranstaltung zu einem Workshop an einer Schule ein Kapitel aus dem Buch „Und frei bist Du noch lange nicht“ von Adriana Stern [9] vorgelesen. Darin geht es um den IS, der eine Mutter tötet. Daraufhin meldete sich ein Junge aus Palästina und fragte, ob das Juden waren, die die Mutter umgebracht haben. Da trifft diese ganze Wucht des Nahost-Konfliktes auch auf uns. Damit muss man dann umgehen und versuchen, das zu entkräften und zu erklären. Ich habe ihm gesagt, dass er generell unterscheiden müsse zwischen Israelis und Juden. Dass das nicht das gleiche sei. Und dass ich Jüdin und nicht böse sei. Und dass er in den Workshop kommen könne, damit wir weiter darüber sprechen könnten. Man muss einzeln auf die Kinder eingehen. Natürlich wissen sie alle, dass ich Jüdin bin.

Sharon Adler: Du hast in New York bei Spielfilm- und Off-Theaterproduktionen gearbeitet und später in Köln Film- und Fernsehregie studiert. Als Filmemacherin hast du zahlreiche zeitgenössische Dokus realisiert, darunter „Vernarbte Wunden – Vom Erinnern und Vergessen in Deutschland“ und „Wäre Leah alt geworden?“ Könntest du bitte den Inhalt skizzieren?

Myriam Halberstam: „Vernarbte Wunden“ ist ein Essay-Film, der das Datum des 9. November als politisches Datum in Deutschland in den Blick nimmt. Er visualisiert, was Erinnern und Vergessen bedeuten, und wieso wir den 9. November als historisches Datum nicht nur vereinzelt für die einzelnen Gedenktage erinnern und feiern sollten, sondern ihn in seiner Gesamtheit mit den unterschiedlichsten Assoziationen gedenken müssen. Der Film ist sehr bewegend und mit sehr großem Erfolg bei 3sat gesendet worden.

„Wäre Leah alt geworden?“ ist ein sehr persönlicher Kurzfilm von sieben Minuten, der meine Gedanken offenlegt, als ich meine zehn Monate alte Tochter im Arm halte und mich an die Geschichte eines Shoah-Überlebenden erinnere, den ich vor dreißig Jahren interviewt habe. Er war mit mehreren Menschen im Versteck und musste sein Kind ersticken, damit die Gruppe nicht von den Nazis entdeckt würde. Eine sehr traumatische Geschichte.

Sharon Adler: Siehst du eine Verantwortung in der Darstellung, der Sichtbarmachung jüdischer Themen im Film? Wie wichtig ist es dir, mit deinen Arbeiten jüdische Realitäten zu zeigen, die unbequem für die nicht-jüdischen deutschen Zuschauer*innen sind?

Myriam Halberstam: Absolut. „Wäre Lea alt geworden“ ist ganz unbequem. Für mich ist es wichtig, dass die deutsche Mehrheitsgesellschaft die Positionen der Juden und Jüdinnen in diesem Land kennt. Und um den Schmerz und das Trauma der Shoah weiß. Diese Schlussstrich-Debatte war ja schon immer da, aber Schlussstrich worunter? Wenn wirklich eine Auseinandersetzung stattgefunden hätte, dann würden diese Rufe nach einem Schlussstrich nicht kommen. Dann würde eine Form der Katharsis kommen. Ich würde mir das jedenfalls erhoffen.

Die negativen Reaktionen auf diesen Film haben mich leider so erschüttert, dass ich lange Zeit keine Filme mehr gemacht habe. Erst vor kurzem habe ich wieder damit begonnen.

Sharon Adler: Seit 2018 verlegst du auch Bücher für Erwachsene. Eine der aktuellen Veröffentlichungen ist „Berliner Rebell*innen. Wie junge Jüdinnen & Juden die Geschichte Berlins prägten“ [10] von Ronen Altman-Kaydar. Welche Formen von Rebellion und Resilienz werden sichtbar gemacht ?

Myriam Halberstam: Wir wollen durch die jahrhundertealte Geschichte Berlins zeigen, wie prominent auch Juden an der politischen und kulturellen Entwicklung beteiligt waren. Viele wissen gar nicht, wer von den großen Namen der Geschichte auch jüdisch war. Da geht es zum Beispiel um Ferdinand Lassalle, der im Alter von 19 bis 23 Jahren Teil der Revolutionärs-Bewegung von 1848 war. Er gründete eine sozialistische Vereinigung und inspirierte die Revolutionäre in Berlin und Düsseldorf.

Es geht im Buch auch um die kulturelle und feministische Rebellion und Jüdinnen wie zum Beispiel Fanny Mendelssohn,[11] die auch mit Blick auf den Feminismus wichtig war. Sie war eine der ersten wirklich bekannten Musikerinnen, konnte aber leider lange nur unter dem Namen ihres Bruders publizieren. Oder Henriette Herz, [12] die mit sechzehn Jahren einen literarischen Salon gründete, was zu dieser Zeit etwas vollkommen Neues war, denn hauptsächlich trafen sich in den Kreisen der bürgerlichen Gesellschaft die Männer und besprachen die neuesten Ideen oder wissenschaftlichen Errungenschaften. Henriette Herz hat das parallel für die Frauen umgesetzt. Sie war in ihrem Rahmen feministisch tätig und wurde zu einer wichtigen Geistesgröße der Zeit.

Sharon Adler: Was bewunderst du persönlich an der im Buch porträtierten Salonière Henriette Herz?

Myriam Halberstam: Das Machen. Damit identifiziere ich mich. Ich bin keine Bedenkenträgerin und finde, man muss Sachen anpacken, aktiv werden und Initiative zeigen. Das hat Henriette Herz getan. Sie hat sich nicht von der männlichen Perspektive und den Regeln der männlichen Gesellschaft unterkriegen lassen, die sie als Frau einschränken sollten. Sie hat das umgesetzt, was ihr wichtig war. Sie war natürlich nicht so feministisch, wie wir es heute sein können, aber in ihrem Rahmen war sie eine feministische Vorreiterin und aktiv.

Sharon Adler: Wie sichtbar sind die jüdischen Rebell*innen denn heute noch?

Myriam Halberstam: Ich bin eine große Liebhaberin der Berliner Plaketten, diesen weißen Emaille-Tafeln, die an Häusern hängen und auf jüdische Menschen hinweisen, auf Schauspieler, Komponisten oder Politiker, die dort früher gelebt haben. In Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es sehr viele. Wie es in den vielen anderen Stadtteilen aussieht, kann ich nicht sagen. Ich denke, man könnte einfach mehr darauf hinweisen, dass Juden in allen politischen Zeiten des Umbruchs auch an vorderster Front mitgekämpft haben. Dass sie in Berlin Politik gemacht haben und Teil der Gesellschaft waren, bevor sie 1933 vom Nationalsozialismus unter Hitler ausgegrenzt wurden. Im Buch gibt es für jede Person eine Stadtteilkarte und einen Rundgang, der zeigt, welche Punkte für deren Wirken wichtig waren.

Sharon Adler: Du bist in New York geboren, bist im Rhein-Main-Gebiet aufgewachsen, hast in den USA und in Israel gelebt, studiert und gearbeitet. Seit 1993 lebst du wieder in Deutschland, zuerst in Köln, heute in Berlin. Ist deiner Meinung nach das Judentum heute ein selbstverständlicher und sichtbarer Teil des deutschen Alltags? Was müsste sich ändern, damit es das wird?

Myriam Halberstam: Es ist sicherlich sichtbarer, als es vor dreißig Jahren war. Das Jahr 2021 mit den Veranstaltungen anlässlich „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ hat für etwas Sichtbarkeit gesorgt, allerdings nicht in solch einem Umfang, wie man es sich wünschen würde. Damit die jüdische Kultur ein selbstverständlicher Teil des deutschen Alltags wird, müssten zuerst einmal keine Klassenarbeiten oder Hochschulklausuren an Hohen jüdischen Feiertagen terminiert werden. Denn das bedeutet, dass man sich zwischen seinem Judentum und seinem Alltag in der deutschen Gesellschaft entscheiden muss. Das fordere ich übrigens nicht nur für die jüdischen Feiertage, sondern auch für die islamischen Feiertage ein. Es sind ja nicht so viele Tage, als dass man die nicht mit einbeziehen und festlegen könnte. Das wäre ein erster Schritt. Und dann wäre es auch wichtig, dass an den Schulen nicht nur katholische und evangelische Religion unterrichtet wird, sondern dass es zusätzlich für alle bundesweit einen gemeinsamen Ethik-Unterricht gibt, nicht nur für die Schüler und Schülerinnen, die keine Christen sind. Vieles fängt in den Schulen an. Uns nützen „Kranz-Abwürfe“ nicht viel, aber was hilft, sind Weiterbildungen von Lehrer*innen oder Israel-Reisen und Israel-Austausche. Das wäre ein essenzieller Punkt. Es gibt auch Lehrer, die Antisemitismus weitertransportieren. Wenn wir da keine Maßstäbe setzen, wie eine Best-Practice-Erziehung auszusehen hat, dann werden wir es nicht schaffen, eine Veränderung herbeizuführen.

Sharon Adler: Im November 2022 hast du mit „Antwort an Albert … eine jüdische Familienchronik zwischen Deutschland und Chile“ eine Familiengeschichte veröffentlicht, die auch entfernt mit deiner verbunden ist. Wie kam es zu diesem Buch, und was bedeutet die Veröffentlichung für dich persönlich?

Myriam Halberstam: Ende 2021 wurde ich von einem Verlagskunden angeschrieben, ob ich mit einer Lore Hepner Halberstam verwandt sei, die 92-jährig in Chile lebt. Ich schrieb zurück, dass alle Halberstams verwandt seien. Es stellte sich heraus, dass Lore 1938 oder 1939 als Siebenjährige mit ihren Eltern Berlin hat verlassen müssen. Über einen langen, verschlungenen Weg ist diese Familie des Rechtsanwaltes, der ihr Vater war, in letzter Sekunde vor den Nazis nach Chile gekommen, wo sie im Exil ein neues Leben aufzubauen versuchten.

Lore habe ich dann über E-Mails kennengelernt und ihre Memoiren gelesen, die chilenische Original-Ausgabe „Respuesta a Albert… una crónica Familiar”, die diesen spannenden Weg, von der Assimilation in Deutschland, von der behüteten Kindheit in einer im Wohlstand in Berlin lebenden Familie über ihre Flucht aus Nazi-Deutschland bis zum Neuanfang im südamerikanischen Exil, zeigt. Die haben wir ins Deutsche übersetzt, mit zahlreichen Fotos und Texten erweitert und veröffentlicht. Lore hat uns dafür noch ein Kapitel geschrieben, wie es im Leben nach der Ankunft weiterging, weil das für Deutsche von Interesse ist. Es ist ein wunderschönes Buch mit zahlreichen historischen Bildern geworden.

Für mich sehr besonders ist, dass ich mehrere Jahre lang jeden 9. November in der Rankestraße auf die Stolpersteine ihrer Großeltern Blumen gelegt und Kerzen gezündet hatte, bevor ich sie kennengelernt habe. Da hat sich ein Kreis geschlossen.

Ich glaube, dass es keine Zufälle gibt, sondern es kommt darauf an, was man aus Dingen, die einem zufallen, macht und dass man Antennen für Zusammenhänge hat. Antennen zu haben ist für mich ein wichtiges Lebensmotto.

Sharon Adler: Wofür, denkst du, steht diese Familienchronik auf einer übergeordneten Ebene?

Myriam Halberstam: Lores Buch erzählt eine Geschichte vom Ausgegrenztwerden, und sie steht damit für viele Schicksale. Lore erzählt sehr plastisch und ordnet es auch in die Zeitgeschichte ein. Es ist zum Teil ein kindlicher Blick, denn sie war damals sieben Jahre alt. Ihre Erinnerungen stammen aus dieser Zeit. Wie sie mit der Großmutter, die später in Auschwitz umgekommen ist, angstvoll wartete, als die SS-Schergen die Wohnung nach dem Vater durchsucht haben. Wie sie Chile erlebt hat. Das sind kleine Vignetten, die uns das Leben ganz konkret vor dem Auge entstehen lassen. Das ist das Besondere an diesem Buch. Es geht einem ans Herz. Auch der persönliche Bezug macht es nochmal plastischer.

Sharon Adler: Was möchtest du über deine Vorfahren, die Halberstams, erzählen?

Myriam Halberstam: Mein Großvater väterlicherseits war ein chassidischer [13] Rabbiner und alle vor ihm auch. Er ist zu unser aller Glück 1926 mit der ganzen Familie nach Amerika ausgewandert. Aber mein Urgroßvater und meine Urgroßmutter, mein Großonkel und Cousinen und Cousins meines Vaters sind ermordet worden oder haben in Konzentrationslagern überlebt.

1976 hat der Forscher Neil Rosenstein ein Stammbaum-Buch über berühmte jüdische Familien zusammengetragen: „The Unbroken Chain“ [14] beinhaltet unter anderem die gesamte Genealogie der Familie von Helena Rubinstein, der Katzenellenbogen-Familie, der Mendelssohn-Familie, sowie der Halberstam-Familie. Anhand dieses Buches kann ich nachschauen, wie Lore und ich genau verwandt sind. Ihre Familie ist 1880 aus Polen nach Deutschland gekommen und war schon sehr früh nicht religiös, wobei meine Familie bis in die 1950er-Jahre orthodox war. Es ist eine sehr weitverzweigte Familiengeschichte. Ich war mir der Geschichte meiner Familie schon als Kind sehr bewusst. Auch mein persönliches Erbe der rabbinischen und chassidischen Wurzeln war mir immer wichtig, auch das Bewahren und Dokumentieren. Darum liebe ich es, Archivmaterial zu recherchieren und Verbindungen herzustellen. Früher ist das in meine filmische Leidenschaft des Dokumentarfilmmachens eingeflossen. Geschichte festzuhalten ist mir sehr wichtig. Man muss wissen, woher man kommt, um zu wissen, wohin man geht. Das ist mein Credo.

Zur Vita von Myriam Halberstam

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz „CC BY-NC-ND 3.0 DE – Namensnennung – Nicht-kommerziell – Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland“ veröffentlicht. Autoren/-innen: Myriam Halberstam, Sharon Adler für bpb.de

Fußnoten
[1] https://ariella-verlag.de/antisemitismus-fuer-anfaenger/, zuletzt aufgerufen am 19.4.2023.
[2] https://ariella-verlag.de/zimmer-frei-im-haus-der-tiere/, zuletzt aufgerufen am 27.3.2023.
[3] https://jwa.org/encyclopedia/article/goldberg-lea, zuletzt aufgerufen am 27.3.2023.
[4] https://ariella-verlag.de/jaffa-und-fatima-schalom-salaam/, zuletzt aufgerufen am 19.4.2023.
[5] https://ariella-verlag.de/bella-und-das-maedchen-aus-dem-schtetl/, zuletzt aufgerufen am 19.4.2023.
[6] https://ariella-verlag.de/erzaehl-es-deinen-kindern-die-torah-in-fuenf-baenden-gesamtedition/, zuletzt aufgerufen am 17.4.2023.
[7] Paraschiot oder Paraschot (Singular: Parascha) bezeichnen den Zyklus der wöchentlich in der Synagoge gelesenen Abschnitte aus der Torah.
[8] https://ariella-verlag.de/selma-und-anton/, zuletzt aufgerufen am 19.4.2023.
[9] Adriana Stern, 1960 geboren, veröffentlicht seit 1992 Aufsätze in Anthologien, darunter zum jüdischen Coming Out in der Lesbenszene. Ihr erster Jugendroman „Hannah und die Anderen“ erschien 2001, ihr zweiter Roman, „Pias Labyrinth“, ein lesbischer Entwicklungsroman, 2003. „Und frei bist Du noch lange nicht“ erschien 2016 im Ariella Verlag. http://www.adriana-stern.de/und_frei_bist_du_noch_lange_nicht.html, zuletzt aufgerufen am 27.2.2023.
[10] https://ariella-verlag.de/berliner-rebellinnen/, zuletzt aufgerufen am 27.2.2023.
[11] Fanny Zippora Mendelssohn, verheiratete Hensel, wurde 1805 in Hamburg geboren. Sie war Komponistin und Pianistin und die ältere Schwester von Felix Mendelssohn. 1847 starb sie in Berlin.
[12] Henriette Julie de Lemos verheiratete Herz, geboren am 5.9.1764 in Berlin, war die erste Berliner jüdische Salonière. Am 22.10.1847 starb sie in Berlin.
[13] Chassidim bedeutet „die Frommen“. Der Chassidismus bezeichnet in der Neuzeit eine mystisch-religiöse Bewegung in Osteuropa. Die Chassidim unterstellen sich einem charismatischen Oberhaupt, dem Zaddik (Gerechten), und zeigen ihre religiöse Ergebenheit und Gottesgläubigkeit in tiefer Ergriffenheit und ekstatischer Freude im Gottesdienst. https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/izpb/juedisches-leben-in-deutschland-304/7705/glossar/, zuletzt aufgerufen am 27.4.2023. 
[14] Neil Rosenstein, The Unbroken Chain, https://www.geni.com/projects/The-Unbroken-Chain-by-Dr-Neil-Rosenstein/4064, zuletzt aufgerufen am 19.4.2023.