Flucht und Engagement – Jüdische und muslimische Perspektiven

Die neu formierte „Denkfabrik Schalom Aleikum“ des Zentralrats der Juden in Deutschland präsentierte vergangene Woche in Berlin ihren ersten Buchband: „Flucht und Engagement. Jüdische und muslimische Perspektiven“, (Hentrich & Hentrich). Das Buch versammelt Akteurinnen und Akteure, die sich wissenschaftlich oder praktisch mit dem Thema Engagement jüdischer und muslimischer Gemeinschaften für Geflüchtete auseinandersetzen, und formuliert hieraus erste relevante Impulse für Gesellschaft und Politik.

In seiner Begrüßung unterstrich der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und Vorstandsvorsitzender der Zentralwohlfahrtsstelle, Abraham Lehrer, die Relevanz des Themas Flucht und Engagement für den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt. Das Thema sei in seiner Tragweite und Komplexität einer Denkfabrik würdig. Die Zentralwohlfahrtsstelle und die jüdischen Gemeinden hätten im Bereich der Integration Geflüchteter jahrzehntelange Erfahrungen, die sich insbesondere in der jetzigen Krisensituation als gesellschaftlich unverzichtbar erweisen – gleiches gelte für die muslimische Gemeinschaft.

Dr. Nora Pester, Verlegerin von Hentrich & Hentrich, die die Entstehungsgeschichte des Buchs aus Verlagsperspektive schilderte, konstatierte, dass das jüdisches und muslimisches Engagement zwar überdurchschnittlich hoch, der Öffentlichkeit jedoch weitgehend unbekannt sei.

Dieser Befund wurde ebenfalls auf dem auf dem Podium, bestehend aus Protagonistinnen und Protagonisten des Buchs, diskutiert. Die Gesprächsteilnehmerinnen und Teilnehmer betonten einstimmig, dass die Ehrenamtlichen ihr Engagement in der Öffentlichkeit stärker thematisierten sollten. Entsprechend könnten auch von staatlicher Seite Strukturen geschaffen werden, welche die Arbeit der jüdischen und muslimischen Gemeinden kanalisieren und stärker unterstützen können.

Ein zentrales Diskussionsthema war zudem die Motivation der Helfenden. Diese speise sich, so Meltem Kulacatan, Vertretungsprofessorin für „Sozialpädagogik in der Migrationsgesellschaft“ an der Universität Oldenburg und Rahid Amjahad, Projektleiter im Vorstand der „Wohlfahrtsstelle Malikitische Gemeinde Deutschland e.V.“, zum einen aus religiös-spirituellen Motiven, die sich sowohl im Judentum wie im Islam finden ließen. Ausschlaggebend sei vor allem jedoch, hierin stimmten auch Sami Alkomi, Mitgründer des Vereins „Demokratielotsen“ und Julia Filimonova, Selbstständige Sozialarbeiterin ein, dass man vorhandenes Wissen weitergeben und so selbst gemachte Erfahrungen den neu Ankommenden erspare. wolle. Es sei zentrales Anliegen, diesen Menschen hierdurch gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Dieser Prozess könne jedoch erst beginnen, wenn Grundbedürfnisse erfüllt seien. Hierbei leisteten die jüdischen und muslimischen Gemeinden mit ihrem Engagement entscheidende Vorarbeit über die gesprochen und die anerkannt und gewürdigt werden müsse.

Zentralrat der Juden in Deutschland (Hg.): Flucht und Engagement. Jüdische und muslimische Perspektiven, Hentrich & Hentrich 2022, 144 S., 13 Abb., 12,90 €, Bestellen?

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