Aus dem Nürnberger Videoarchiv der Erinnerung

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Hertha Gosser kam am 22. Okto­ber 1923 als Tochter eines jüdischen Va­ters und einer christlichen Mutter zur Welt. Wenn sie auch als »Halbjüdin« anfänglich noch nicht der unverhohlenen Diskriminierung ausgesetzt war, warf die Naziherrschaft doch Schatten auf ihre Kindheit und Jugend…

Am Labenwolf-Lyzeum, das Hertha besuchte, herrschte ein zunehmend kälteres Klima, weshalb sie an die katholische Schule der Englischen Fräulein wechselte, die aber bald nach der Pogromnacht ihre Pforten schließen musste.

Hertha Gosser als Jugendliche (ca. um 1940),  Repro: © jgt/nurinst-archiv
Hertha Gosser als Jugendliche (ca. um 1940),  Repro: © jgt/nurinst-archiv

Mit viel Glück und Verschweigen ihrer Identität gelang es Hertha, ihren Ausbildungsweg fortzusetzen. Konsequent weigerte sie sich, selbst nach einer Vorladung auf die Gestapo 1940, ihre jüdische Kennkarte mitzuführen und Dokumente mit Hertha »Sara« zu unterschreiben. Auch den »Judenstern« legte sie nicht an – ein Verhalten, das, so gefährlich es auch war, ihr doch ein gewisses Leben in der Öffentlichkeit zusicherte.

Oft hingen ihr Leben und das ihrer zunehmend schikanierten und gedemütigten Eltern am seidenen Faden. Als die Familie im August 1942 in eine sogenannte Judenwohnung um­ziehen musste, schien eine baldige Deportation absehbar, zumal ab Mitte 1943 nur noch wenige Juden in Nürnberg lebten. Die Bombardierung Nürnbergs, im Frühjahr 1945, verhinderte letztlich die geplante Deportation der verbleibenden Juden: Familie Gosser überlebte.

Ihr Überleben schildert Hertha Grosser für das Nürnberger Videoarchiv der Erinnerung:
http://www.nuernberger-videoarchiv.de/Video.php?Video=72497127

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6 Kommentare

  1. Nach dem bedrückenden Bericht von Hertha Gosser kann man hier nachlesen und nachhören, wie es die Dänen gemacht haben „Gott mehr zu gehorchen als dem Menschen“:
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/tagfuertag/2293771/

    Und hier kann man nachlesen wie es manche Deutsche noch heute machen, die Einen kurz, knapp und völlig schmerzfrei, die Anderen mit einem Wortwurst ohnegleichen:

    http://www.dokumentation.landtag-mv.de/parldok/Cache/6E61AEA8762505B093C6912C.pdf
    LANDTAG MECKLENBURG-VORPOMMERN Drucksache 6/1351 6.Wahlperiode 21.11..2012

    http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/133/1713339.pdf
    Deutscher Bundestag Drucksache 17/13339 17. Wahlperiode 29. 04. 2013

    • Was mich beim zweiten Link vor allem beschäftigt: Welche psychischen, sozialen und politischen Prozesse bewirken, dass man, von einer ehemals „kritischen“ Ausgangsposition herkommend, sich für eine „Kauft-nicht-bei-Juden“-light-Kampagne hergeben kann?

      P.S.: der erste Link geht ins leere.

      • …eine gute Frage nussknacker56.
        Volker Beck hat sich übrigens ausdrücklich von der Anfrage distanziert, bzw. von vornherein die Anfrage nicht unterstützt.

      • Mit Verlaub, der „psychische“ Faktor gehört logisch in diesen Fragesatz nicht rein und streng genommen, der „soziale“ ebenfalls nicht. Zu den kauft-nicht bei Juden angesprochenen, bitte den zweiten Abschnitt nachlesen.

      • @ Sebastian

        Stimmt. Volker Beck hat die Sache nicht unterstützt. Das habe ich ihm auch hoch angerechnet.

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