Kurt Tucholsky mit i geschrieben

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Ich entdeckte Kurt Tucholsky erst nach meiner Rückkehr Ende 1951 nach Österreich. Damals publizierte der Rohwolt Verlag einige seiner Bücher im preiswerten rororo Taschenbuchformat. Nach der Lektüre der ersten beiden rororo-Taschenbücher von Tucholsky wußte ich wie verlogen das damals allgemein vorgebrachte Argument war, „uns hat ja niemand gewarnt“, „wir konnten ja nicht wissen“ was auf uns zukommt…

Von Karl Pfeifer

Doch die meisten Deutschen (und Österreicher) wollten nicht auf linke, »jüdisch-zersetzende« Schreiber der Zeitschrift »Die Weltbühne« hören. Selbst Thomas Mann, wahrlich kein Linker, sprach 1931 deutlich aus, daß Deutschland »stündlich bereit« sei, wieder in den Krieg zu ziehen, »und zwar in einen, der an geistiger Verworfenheit den vorigen notwendig bei weitem übertreffen, den keine Tragik mehr entschuldigen und verschönen würde, sondern der nichts wäre als wissentliche Lasterhaftigkeit und der Zynismus des Untergangs«.

Tucholsky ließ sich zwar irgendwann mal taufen, aber er wurde trotzdem von den Rechten als Jude und Linker geschmäht. Nach seiner Flucht nach Schweden mußte er erkennen, dass die meisten Deutschen mit dem „Dritten Reich“ gut leben konnten. Vor 75 Jahren am 21. Dezember 1935 starb Kurt Tucholsky in Schweden unter bis heute nicht geklärten Umständen.

Hätte mir jemand gesagt, dass ich wegen Kurt Tucholsky 60 Jahre nach seinem Tod in österreichischen Gerichten als Angeklagter stehen würde, dann hätte ich das nicht geglaubt, doch es geschah trotzdem. Als ich 1995 kurz vor meiner Pensionierung als Redakteur der offiziellen Zeitschrift der IKG Wien einen nichteinmal zwei Spalten Raum in der Zeitschrift füllen mußte, kam mir die Idee dort eine Rezension des von Andreas Mölzer, Lothar Höbelt und Brigitte Sob redigierten Freiheitliche Jahrbuch 1995 zu publizieren.

Ich blätterte den ca 850 Seiten umfassenden Sammelband durch und fand in einem 52seitigen Aufsatz des österreichischen Politikwissenschaftlers Dr. Werner Pfeifenberger den folgenden Absatz:

Auf der Gegenseite sah es ungefähr zur selben Zeit nicht anders aus. Der internationalistische Hasser, Kurt Tucholski meinte, den Menschen seines deutschen Gastlandes gesamthaft den Gastod wünschen zu müssen, weil sie ihm viel zu nationalistisch dachten: „Möge das Gas in die Spielstuben eurer Kinder schleichen. Mögen sie langsam umsinken, die Püppchen. Ich wünsche der Frau des Kirchenrats und des Chefredakteurs und der Mutter des Bildhauers und der Schwester des Bankiers, daß sie einen bitteren, qualvollen Tod finden, alle zusammen… Wer aber sein Vaterland im Stich läßt in dieser Stunde, der sei gesegnet.“3 Wie aus dem Text ersichtlich ist, ging es Tucholsky eigenartigerweise gar nicht so sehr darum, seine unmittelbaren Feinde vergast zu wissen, sondern deren nächste Angehörige. Es ist ein Kennzeichen ideologischer Hasser, daß sie ihr Feindbild nicht auf ihre Gegner beschränken, sondern großen Wert auf Sippenhaftung legen, die sich durchaus auch über nachwachsende Generationen erstrecken kann.

In meiner kurzen Rezension, die in der Gemeinde im Februar 1995 erschien schrieb ich dazu: „Der Autor lügt aufgrund von sinnwidrigen, aus dem Kontext gehobenen Zitaten: ”Der internationalistische Hasser, Kurt Tucholski (sic!) meinte, den Menschen seines deutschen Gastlandes gesamthaft den Gastod wünschen zu müssen, weil sie ihm viel zu nationalistisch dachten.” Das ist Nazidiktion. Die Nazis haben die Bücher des deutschen Schriftstellers Kurt Tucholsky verbrannt, sie haben behauptet Juden können keine Deutschen sein.“ Und wurde prompt von Dr. Pfeifenberger dem ich auch vorwarf, „die alte Nazi-Mär von der jüdischen Weltverschwörung langatmig“ aufzuwärmen wegen „übler Nachrede“ geklagt. Richter Dr. Werner Röggla meinte, man könne ihm nicht zumuten über Tucholsky Bescheid zu wissen und so wurde Univ.Prof. Dr. Rudolf Ardelt zum Experten bestimmt.

Dieser stellte in seinem 1997 vorgelegten gerichtlichen Gutachten zum Thema Kurt Tucholsky fest:

„2. Zur Frage der sinnwidrigen Zitierung von Kurt Tucholsky

Der PA [Privatankläger Dr. Werner Pfeifenberger] stellt auf den Seiten 520-521 zwei Zitate als „Aussagen zweier antagonistischer Hasser“ (S. 520) einander gegenüber – das eine aus Adolf Hitlers „Mein Kampf, das andere aus einem Artikel des Schriftstellers Kurt Tucholsky, „Dänische Felder“ aus der pazifistischen Zeitschrift „Die Weltbühne“ (1927, Nr. 30, S. 152f.).

Das zweite Zitat leitet der PA folgendermaßen ein:

„Der internationalistische Hasser, Kurt Tucholski meinte, den Menschen seines deutschen Gastlandes gesamthaft den Gastod wünschen zu müssen, weil sie ihm viel zu nationalistisch dachten.“ (S. 521)

Der Beklagte [Karl Pfeifer] stellt in seinem Artikel dazu fest:

„Der Autor lügt aufgrund von sinnwidrigen, aus dem Kontext gehobenen Zitaten.“

Tatsächlich gibt der PA den Kontext des Zitates sinnwidrig und aus dem Kontext herausgelöst wieder:

Erstens ist festzuhalten, daß Kurt Tucholsky als einer der schärfsten Kritiker der illegalen Wiederaufrüstung der Reichswehr war und gegen die militaristische Aufrüstungspropaganda in der Weimarer Republik neben anderen Autoren in der Zeitschrift „Weltbühne“ auftrat, weiters ist festzuhalten, daß Kurt Tucholsky einen radikal pazifistischen Standpunkt vertrat, der den Krieg in jeder Form ablehnte, vor allem aber das Grauen des Krieges auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkrieges – vor allem im Zusammenhang mit der Verwendung von Giftgas in der Kriegsführung – bewußt zu machen versuchte.

Der Artikel „Dänische Felder“ schildert eine dänische Landschaft in ihrer Idyllik, die auch während des Ersten Weltkrieges vom Krieg verschont geblieben war. Dem stellt er den Krieg gegenüber als „Mord“ – „ein von den Schmöcken, den Generälen und den Feldpredigem besungenes Pflichtereignis.“ Im folgenden geht Tucholsky darauf ein, daß das Ende des Krieges kein Ende eines bestimmten Denkens darstellte:

„Und so selbstverständlich wie die Mücken tanzen, so selbstverständlich ist den Mördern und ihren Kindern Untat Fortsetzung der Untat und Propagierung der Untat. Es geschieht so viel für die Erotik. Es gibt Anreiz, Mode und Tanz, bunte Farben und Pornographie. Es geschieht so wenig gegen den nächsten Krieg…“

Kurt Tucholsky wendet sich als nicht nur gegen die von ihm als militaristisch gesehene Propaganda der „Rechten“ der Weimarer Republik, sondern auch gegen den Mangel an Widerstand gegen diese Propaganda, gegen die Gleichgültigkeit gegenüber der Gefahr eines ..nächsten Krieges“. Um die nächsten Passagen zu verstehen, ist es wichtig im Auge zu behalten, daß die Bevölkerung des Deutschen Reiches während des Ersten Weltkrieges selbst nicht unter direkten Kriegseinwirkungen zu leiden hatte und daher auch keine Erfahrungen hinsichtlich der Realität eines „Krieges“ besaß.

Tucholsky setzt den letzten Satz folgendermaßen fort:

„Es geschieht so wenig gegen den nächsten Krieg, bei dem euch die Gedärme, so zu hoffen steht, auch in den Städten über die Stuhllehnen hängen werden. Es müßte jeden Abend in den Films (sic!) laufen, wie es gewesen ist das mit dem Sterben.“

Dann folgt die vom PA zitierte Passage bezüglich des Gases – analog der Verwendung von Giftgas an den Fronten des Ersten Weltkrieges.

Darauf fahrt Tucholsky fort (beim PA durch „…“ gekennzeichnet):

„…daß sie einen bittern qualvollen Tod finden, alle zusammen. Weil sie so wollen. ohne es zu wollen. Weil sie faul sind. Weil sie nicht hören und nicht sehen und nicht fühlen…. Wer aber sein Vaterland im Stich läßt in dieser Stunde, der sei gesegnet. Er habe seine schönsten Stunden in einer dänischen Landschaft“

Es handelt sich also hier um eine Polemik gegen die Gleichgültigkeit gegenüber der Propagierung eines „nächsten Krieges“, die mit äußerst drastischen Bildern arbeitet, die man geschmacklos bis verwerflich finden kann. D. h. er wünscht Menschen, die die Erfährung des Gaskrieges nicht gemacht haben, ihn aber propagieren oder gleichgültig gegenüber der erneuten Gefahr eines solchen Krieges sind, eben diese Erfährung. Dahinter steht aber sehr deutlich, daß erst ein solches Erleben dazu führt könnte, daß die Menschen „hören“, „sehen“ und „fühlen“. Daß Tucholsky jeweils die Angehörigen nennt, wird verständlich durch die vom PA ausgelassenen drei Sätze, da er auch eben diesen Menschen Gleichgültigkeit vorwirft – und sie daher an ihre Mitverantwortung erinnert.

Zusammenfassend ist daher festzuhalten, daß ohne Berücksichtigung der anderen Teile des Textes und ohne Berücksichtigung des historischen Kontextes der Ausführungen Kurt Tucholskys der „Sinn“ des Zitates vom PA entstellt wird.

Tatsachenwidrig ist die Behauptung des PA, daß Tucholsky in diesem Artikel „den Menschen seines deutschen Gastlandes gesamthaft den Gastod wünschen zu müssen“ meinte, d.h. also, daß Tucholsky allen Deutschen den Gastod gewünscht habe. Ein sicher dem PA unverdächtiger Autor wie Ernst Nolte schreibt (im Zusammenhang mit dem sogenannten „Historikerstreit“), daß Kurt Tucholsky „den Frauen und Kindern der deutschen Bildungsschicht in plastischen Wendungen des Gastod“ wünscht.
(Ernst Nolte, Die Sache auf den Kopf gestellt Gegen den negativen Nationalismus in der Geschichtsschreibung, in: „Historikerstreit*‘. Die Dokumentation der Kontroverse um die Einzigartigkeit der nationalsozialistischen Judenvernichtung, München-Zürich 1987, S. 228 Original in : Die Zeit, 31. 10.1986)

Nolte schränkt also den Adressatenkreis von Tucholskys Wunsch wesentlich ein. Nolte weist außerdem darauf hin, daß ihm die Äußerungen Tucholskys in der „rechtsradikalen Literatur“ begegnet seien und bemerkt dazu: „Allerdings sollten sie nicht in solcher Isolierung zitiert werden, wie es dort durchwegs geschieht, und darin würde eben der angemessene Unterschied zwischen den beiden Arten der Literatur evident werden.“ (Als zweite Art der Literatur meint Nolte die zeitgenössische völkische Presse und deren Sprache) Dieses Urteil trifft auch auf die Ausführungen des PA zu.

Der PA behauptet außerdem, daß es Tucholsky „eigenartigerweise gar nicht so sehr darum, seine unmittelbaren Feinde vergast zu wissen, sondern deren nächste Angehörige,“ gegangen sei. Auch dies ist eine tatsachenwidrige Behauptung, die durch den Text in keiner Weise zu belegen ist:

Tatsächlich schreibt Tucholsky in keinem Teil seines Artikels von „Vergasung“ – was eine eindeutige Assoziation zu den nationalsozialistischen Verbrechen im Rahmen des Tötungsprogrammes T4 gegen Behinderte sowie in den Vernichtungslagern gegen Juden, Roma und Sinti herstellt -, sondern ganz eindeutig vom Gastod in Form der Erfahrung des Gaskrieges. Es ist in keiner Weise gerechtfertigt, Kurt Tucholsky explizit oder implizit als Propagandisten einer „Vergasung“ von politischen Gegnern und ihren Angehörigen oder gar „der Menschen“ seines „Gastlandes“ „gesamthaft“ darzustellen.

Zusammenfassend ist daher festzustellen: Die Ausführungen des PA zu Kurt Tucholsky lösen die Ausführungen aus ihrem textlichen und historischen Kontext und geben sie daher sinnwidrig wieder. Darüber hinaus stellt der PA außerdem eindeutig tatsachenwidrige Behauptungen über die Äußerungen Kurt Tucholskys und dessen Intentionen auf, die durch den Text nicht zu belegen sind bzw. dem Text widersprechen. Von dem PA als Wissenschaftler ist jedoch zu erwarten, daß er entsprechend dem „wissenschaftlichen“ Anspruch seiner Ausführungen zumindest die von Ernst Nolte genannten Kriterien einhält.“

Soweit Univ¬.Prof. Dr. Rudolf Ardelt

1998 wurde ich vom Wiener Oberlandesgericht in letzter Instanz freigesprochen. Es sollte noch vier Prozesse wegen dieser Angelegenheit geben und ich mußte ein Verfahren gegen die Republik Österreich beim Europäischen Menschenrechtsgerichtshof [EMGR] einleiten. Am 15. Februar 2008 wurde das Urteil des EMGR zu meinen Gunsten rechtskräftig.

Wie man daraus ersehen kann, noch sechzig Jahre nach seinem Tod blieb Kurt Tucholsky auch in Österreich aktuell.

5 Kommentare

  1. Aus aktuellem Anlass:

    Biographische Angaben zu
    Andreas Mölzer

    Nach seinem erfolgreichen Vorzugsstimmenwahlkampf (Mölzer „allein gegen die Linke“ ») ist Andreas Mölzer freiheitlicher EU-Abgeordneter.

    geb. 1952
    Studium der Geschichte und Volkskunde in Graz
    Mitglied des Corps Vandalia in Graz

    1983-1990Schriftleitungsmitglied der rechtsextremen Zeitschrift Aula

    1984befürwortet in einem Artikel in der rechtsextremen Deutschen Wochen-Zeitung die Gründung von Otto Scrinzis National Freiheitlicher Aktion (NFA)

    1985 – Ende 1990Chefredakteur der FPÖ-Zeitung Kärntner Nachrichten (KN)

    1985Referent bei der 20. Politischen Akademie der rechtsextremen Arbeitsgemeinschaft für demokratische Politik (AFP) und beim neonazistischen, 1999 wegen NS-Wiederbetätigung aufgelösten Verein Dichterstein Offenhausen

    Interview in der rechtsextremen Deutschen National-Zeitung (47/1985)

    1986 und 1987Referent bei der deutschen rechtsextremen Gesellschaft für Freie Publizistik e. V.
    Mitglied des Autorenkollegiums der Deutschen Monatshefte (bis 1982 Klüter Blätter)

    1987In den Kärntner Nachrichten vom 24. 4. 1987 wird eine Rezension über das Buch „Die Diffamierten“ (Geschichte des Reichsarbeitsdienstes) veröffentlicht, deren Inhalt den Verdacht einer strafbaren Handlung nach § 3g Verbotsgesetz bzw. nach Art. IX Abs. 1 Z 7 EGVG begründete:
    „Nach Vernehmung des Chefredakteurs der ‚Kärntner Nachrichten‘, Andreas Mölzer, der sich als Alleinverantwortlicher bezeichnete, legt die Staatsanwaltschaft Klagenfurt die Anzeige wegen § 3 g Verbotsgesetz gem. § 90 StPO zurück.
    Im Zuge des von der Bundespolizeidirektion Klagenfurt gegen Andreas Mölzer eingeleiteten Verwaltungsstrafverfahrens wird dieser wegen Ãœbertretung nach Art. IX Abs. 1 Zi. 7 EGVG mit S 3.000,- rechtskräftig bestraft.“
    (Beantwortung der parlamentarischen Anfrage der Abgeordneten Anschober, Freunde und Freundinnen durch Bundesminister Dr. Franz Löschnak, 17. 4. 1992, Nr. II-5610 der Beilagen zu den Stenographischen Protokollen des Nationalrates, XVIII. Gesetzgebungsperiode.)

    1988,1990,1992Referent im als „rechtstendenziös“ eingestuften Neuen Klub

    1989Kandidat der FPÖ bei den Kärntner Landtagswahlen

    1990Herausgabe des Haider-Jubel-Buches „Jörg! Der Eisbrecher“

    Anfang 1991im Auftrag Jörg Haiders „Grundsatzreferent“ in der Bundesparteizentrale der FPÖ, gleichzeitig im Rahmen des Freiheitlichen Bildungswerkes Betreuer des historisch-ideologischen Schrifttums der FPÖ

    1991Verleihung des Joseph-Hieß-Gedenkpreises bei einer Tagung des neonazistischen Vereins Dichterstein Offenhausen

    Juni 1991Bundesrat

    Herbst 1991″auf persönlichen Wunsch Jörg Haiders“ Bestellung zum „politischen Gesamtverantwortlichen“ des Freiheitlichen Bildungswerkes (siehe dazu: Aula 11/1991)

    Februar 1992Referent bei einer Veranstaltung des Freiheitlichen Akademikerverbandes zum Thema „Nationale Identität und multikulturelle Gesellschaft“. Die Zeitung Der Standard (13. 2. 1992) berichtete dazu:
    „Mölzer befürchtet vielmehr, dass die deutsche Volks- und Kulturgemeinschaft in der BRD und in Österreich ‚erstmals in seiner tausendjährigen Geschichte‘ vor einer ‚Umvolkung‘ steht. Bisher sei die ‚biologische Potenz der Deutschen‘ immer stark gewesen, ‚um assimilierender Faktor zu bleiben‘. Jetzt aber sieht Aula-Mitarbeiter Mölzer einen ‚überalterten und schwächeren Volkskörper, der dynamischeren Zuwanderern gegenübersteht‘. Daher dürfe nicht eine ‚amorphe Masse‘ Aufnahme finden, die Menschen sollten ‚bereits im Ausland‘ überprüft werden. Sonst könnte ‚eine ethnische, kulturelle Umvolkung‘ erfolgen.“

    Herbst 1993nicht mehr Leiter, sondern nur mehr Vorsitzender des Kuratoriums des Freiheitlichen Bildungswerkes, Verlust des Bundesratssitzes

    1994gemeinsam mit Lothar Höbelt und Brigitte Sob Herausgeber eines „Jahrbuchs für politische Erneuerung 1995“ im Freiheitlichen Bildungswerk mit dem Titel „Freiheit und Verantwortung“. Zu dem darin enthaltenen Artikel von Werner Pfeifenberger („Internationalismus gegen Nationalismus – eine unendliche Todfeindschaft?“) wird in einem Gerichtsurteil der Einschätzung eines Journalisten, dieser Text enthalte „Nazitöne“, Recht gegeben.

    1995Rückzug aus der Aula

    1995-1997Chefredakteur der österreichischen Ausgabe der deutschen Wochenzeitung Junge Freiheit (JF). Der deutsche Verfassungsschutz attestiert der JF, sie trage zur „Erosion der Abgrenzung zwischen Demokraten und Extremisten […] bei. Sie bietet sowohl Demokraten als auch in- und ausländischen Rechtsextremisten ein publizistisches Forum.“ (Bundesministerium des Inneren (Hg.): Verfassungsschutzbericht 1997. Bonn 1998, S. 121)

    1996als Referent beim Treffen des vom rechtsextremen Langzeitfunktionär Dr. Otto Scrinzi gegründeten Kulturwerks Österreich – Landesgruppe Kärnten angekündigt.

    Seit 1997Chefredakteur der aus der Österreichausgabe der Jungen Freiheit hervorgegangenen Wochenzeitung Zur Zeit. („Österreich neu regieren“: Steuergeld für Vorfeldorgan des Rechtsextremismus »)

    1997In der Ausgabe 7/1997 (5.-11. Dezember) von Zur Zeit veröffentlicht der Theologe Robert Prantner einen Artikel, in dem es heißt:
    „Es wäre eine Verfälschung der Geschichte, etwa bestimmte Ritualmorde zu mittelalterlicher Zeit dem phantasiebestimmten ‚Haß des Nationalsozialismus‘ zuzuschreiben. Auch Verbrechen von jüdischen Menschen an Christen sind beklagenswerte Geschichte, an Kindern, wie etwa dem seligen Märtyrerkind Anderl von Rinn, wie an erwachsenen Menschen zu vorösterlicher Zeit.“
    Prantner macht in diesem Artikel die „Juden“ auch für den Tod Jesu verantwortlich und behauptet zudem eine Bringschuld der „Weltjudenheit“. Seiner Meinung nach weigere sich diese bis heute beharrlich, sich für „durch jüdische Hand“ begangene „Verbrechen“ zu entschuldigen.
    Unmittelbar nach Erscheinen des Artikels, den Mölzer nicht für antisemitisch hält, übermittelt das DÖW eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft und den Presserat. Während Letzterer Prantners antisemitische Ausfälle am 11. März 1998 verurteilt, sieht die Staatsanwaltschaft Wien hierin keine ausreichenden Gründe für die Aufnahme von Ermittlungen wegen des Verdachts der Verhetzung.

    Mai 1997Referent bei der Landtagsfraktion der vom deutschen Verfassungsschutz als „rechtsextrem“ eingestuften Partei Die Republikaner in Stuttgart. (Der Republikaner 6/1997, S. 4)

    1999In der Ausgabe Zur Zeit 23/1999 (4.-10. Juni 1999) erscheint ein Artikel, in dem die nationalsozialistischen Verbrechen grob verharmlost, die Schuld Nazi-Deutschlands am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges geleugnet, Adolf Hitler ein „großen Sozialrevolutionär“ und dessen Stellvertreter Rudolf Heß ein „kühner Idealist“ genannt und der Holocaust, der sich angeblich „nur mehr quasireligiös begründen“ lasse, als angebliches „Dogma“ bzw. als „Mythos“ in Zweifel gezogen werden. Außerdem behauptet der Autor die Unmöglichkeit der „Massenvergasungen mittels Zyklon-B“ in den nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslagern.
    Aufgrund einer Anzeige des DÖW wird der Autor des Artikels 2001 wegen NS-Wiederbetätigung verurteilt. Das gleichzeitig gegen Mölzer eingeleitete Verfahren wegen Verdachts des Verstoßes gegen das Verbotsgesetz wird im Jahr 2000 nach dem Abschluss der Vorerhebungen eingestellt. Laut einer parlamentarischen Anfragebeantwortung durch Justizminister Böhmdorfer sei es nicht gesichert gewesen, dass Mölzer den inkriminierten Artikel vor Drucklegung gelesen habe.

    17. 4. 1999Bei einem Treffen „deutscher“ Burschenschafter in Salzburg diskutieren unter der Leitung Mölzers u. a. der in der deutschen Neonazi-Szene aktive NPD-Ideologe Jürgen Schwab (aB! Thessalia zu Prag, Bayreuth und aB! Germania, Graz) und der Chef der deutschen rechtsextremen Partei Die Republikaner, Rolf Schlierer (aB! Germania, Gießen), über die Zukunft der Burschenschaften. (Kadertreffen in Salzburg »)

    1999 – 2001Kulturberater des Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider

    2001Referent beim Jahreskongress der rechtsextremen Deutschen Konservativen:
    „Andreas Mölzer, der Kulturbeauftragte Jörg Haiders, und Dr. Andreas Skorlanz, Fraktionsdirektor der FPÖ, haben den Kongressteilnehmern ein klares, sehr informatives Bild vorgezeichnet über ‚Die Entwicklung der FPÖ in Österreich. Beispiel für Deutschland und Europa?'“ (Berliner Brief 37/März 2001)

    Zur Zeit bekommt von der Bundesregierung aus Mitteln der Presseförderung für das Jahr 2001 eine Subvention von ca. 800.000 Schilling

    November 2001Aus Anlass des vierjährigen Bestehens von Zur Zeit versammeln sich unter dem Motto „Europas Rechtsparteien und die Medien“ auf Burg Kranichberg (Gloggnitz/NÖ) Vertreter mehrerer europäischer Rechtsaußenparteien. (Zur Zeit feierte Geburtstag » / Die Euro-Rechte pilgert nach Österreich »)
    Unter der Leitung Mölzers diskutieren:

    Bruno Mégret, Vorsitzender des rechtsextremen Mouvement National Republicain (MNR), einer Abspaltung von Le Pens Front National
    Filip Dewinter, Vorsitzender des rechtsextremen Vlaams Blok
    Alfred Mechtersheimer, Vorsitzender der Deutschland-Bewegung, der im Verfassungsschutzbericht 2003 des Landesamtes für Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen vorgeworfen wird, Positionen zu vertreten, die „Anhaltspunkte für den Verdacht des Vorliegens einer rechtsextremistischen Bestrebung begründen“
    István Csurka, Antisemit und Führer der ungarischen Partei der Gerechtigkeit und des Lebens (MIÉP)

    2002Referent bei einem Treffen der Jugendorganisation des rechtsextremen Vlaams Blok in Tirol

    Referent bei einer von Vertretern der deutschen rechtsextremen Gruppen Gesellschaft für Freie Publizistik (GfP), Deutsche Liga für Volk und Heimat und Nation&Europa-Freunde organisierten Veranstaltung.

    Aufgrund seiner Auftritte bei rechtsextremen Vereinigungen in Deutschland namentliche Erwähnung im Verfassungsschutzbericht 2002 des Landesamts für Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen unter der Rubrik Rechtsextremismus.

    Zur Zeit bekommt von der Bundesregierung aus Mitteln der Presseförderung für das Jahr 2002 eine Subvention von ca. 75.500 EUR

    Teilnahme an einem Treffen von rechtspopulistischen und rechtsextremen Parteien (u. a. Vlaams Blok) in Kärnten

    2003Zur Zeit bekommt von der Bundesregierung aus Mitteln der Presseförderung für das Jahr 2003 eine Subvention von ca. 64.000 EUR

    2004Interview in der vom Parteivorstand der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD), einer eng mit dem Neonazismus verknüpften Organisation, herausgegebenen Zeitschrift Deutsche Stimme (1/2004) zu den Themen „Drittes Lager, Globalisierung und europäische Zusammenarbeit“.

    Interview mit der rechtsextremen Zeitschrift Der Eckart ( 6/2004). Bezug nehmend auf die Frage nach der Rolle der Deutschen in der Europäischen Union sagt Mölzer u. a.:
    „Die europäische Integration war also in ihren Anfängen auch ein Sieger-Projekt der Alliierten, das davon ausging, dass man Deutschland auf Dauer machtpolitisch niederhalten müsste.“

    Ãœber eine Vorzugsstimmenkampagne (Mölzer „allein gegen die Linke“ ») schafft Mölzer bei der EU-Wahl am 13. Juni den Einzug ins Europäische Parlament (21.980 Stimmen). Dort beginnt er umgehend, seine Anstrengungen zur Einigung der Euro-Rechten zu intensivieren.

    2005Am 16. März wurde Mölzer aufgrund ständiger Angriffe auf die Parteispitze in Zur Zeit aus der FPÖ ausgeschlossen. In der Folge kommt es zum Aufstand des rechten, burschenschaftlich dominierten Parteiflügels, welcher im April mit der Abspaltung des BZÖ endet.

    Interview mit Mölzer in der rechtsextremen National-Zeitung (16/2005).

    Mitorganisator eines Treffens europäischer rechtsextremer bis neofaschistischer Parteien in Wien, 11.-13. November (Treffen der Euro-Rechten in Wien »). Neben der FPÖ-Spitze waren Vertreter folgender Parteien und Organisationen bei diesem Treffen anwesend:

    Filip Dewinter vom belgischen Vlaams Belang, die Nachfolgeorganisation des im Jahre 2004 aufgrund anhaltender Verstöße gegen das belgische Anti-Rassismusgesetz behördlich aufgelösten rechtsextremen Vlaams Blok (VB)
    Bruno Gollnisch, stellvertretender Parteivorsitzender des französische Front National (FN)
    Alessandra Mussolini von der Azione Sociale, einem Parteienbündnis, das sich aus drei neofaschistischen Organisationen zusammensetzt: Movimento SocialeFiamma Tricolore (MSFT), Forza Nuovo (FN) und Fronte Sociale Nazionale (FSN). Von der Azione Sociale haben an diesem Treffen noch Luca Romagnoli (Generalsekretär der MSFT) und Roberto Fiore (Mitbegründer der FN) teilgenommen
    Petre Popeanga, stellvertretender Vorsitzender der Großrumänienpartei (PRM)
    Volen Siderov, Vorsitzender der bulgarischen Partei Ataka
    Rafael Lopez, Vorsitzender der spanischen Alternativa Espanola (AES)

    2006Als Referent bei dem vom 28.-30. April stattfindenden Kongress der deutschen rechtsextremen Gesellschaft für Freie Publizistik e.V. (GFP) angekündigt.
    Seit 1983 Veröffentlichungen u. a. in folgenden rechtsextremen Blättern Deutschlands und Österreichs:
    Nation Europa, Deutsche Annalen, Die Kameradschaft, NHB-report (war die Zeitschrift des Nationaldemokratischen Hochschulbundes, einer Studentenorganisation der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands), Junge Freiheit, Staatsbriefe, Aula.

  2. Andreas Mölzer (* 2. Dezember 1952 in Leoben) ist ein österreichischer Publizist und Abgeordneter im Europäischen Parlament. Er wird dem deutschnationalen Flügel der FPÖ zugerechnet. Der frühere Chefideologe bezeichnet sich selbst als „nationalliberalen Kulturdeutschen„.
    .
    Einer größeren Öffentlichkeit wurde Mölzer bekannt, als er im Februar 1992 als Referent bei einer Veranstaltung des Freiheitlichen Akademikerverbandes zum Thema „Nationale Identität und multikulturelle Gesellschaft“ auftrat. Anlässlich seines Vortrages befürchtete er eine „Umvolkung„.
    In der Ausgabe der Tageszeitung Der Standard vom 13. Februar 1992 wird er wie folgt zitiert:
    „Mölzer befürchtet vielmehr, dass die deutsche Volks- und Kulturgemeinschaft in der BRD und in Österreich «erstmals in seiner tausendjährigen Geschichte» vor einer «Umvolkung» steht. Bisher sei die «biologische Potenz der Deutschen» immer stark gewesen, «um assimilierender Faktor zu bleiben». Jetzt aber sieht Aula-Mitarbeiter Mölzer einen «überalterten und schwächeren Volkskörper, der dynamischeren Zuwanderern gegenübersteht». Daher dürfe nicht eine «amorphe Masse» Aufnahme finden, die Menschen sollten «bereits im Ausland» überprüft werden. Sonst könnte «eine ethnische, kulturelle Umvolkung» erfolgen.“
    Dies führte für Mölzer zu einigen negativen Kritiken seitens der Medienberichterstatter, hatte aber innerhalb der FPÖ nur geringe Konsequenzen für ihn.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_M%C3%B6lzer

  3. APA0352 5 AI 0322 II                                  Di, 21.Dez 2010
    Österreich/Israel/Nahost/Parteien/FPÖ/Likud
    Israelischer Vizeminister Kara in Wien – Treffen mit FPÖ-Vertretern
    Utl.: Israelitische Kultusgemeinde fordert Rücktritt
    Wien (APA) – Der israelische Vizeminister Ayoob (Ayub) Kara hält sich zu einem Treffen mit FPÖ-Politikern in Wien auf. Für den heutigen Dienstagnachmittag ist ein Mediengespräch mit FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache und dem Europaabgeordneten Andreas Mölzer geplant, wie die FPÖ in einer Aussendung mitteilte. Der Besuch von Kara sei weder mit dem israelischen Außenministerium noch mit der Botschaft abgestimmt worden, wie die israelische Botschaft der APA auf Anfrage mitteilte. Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) reagierte in einer Aussendung „mit äußerstem Befremden“ auf das Pressegespräch des israelischen Vizeministers mit Vertretern der FPÖ.
    „Erst kürzlich bei einem Besuch einer europäischen Politikergruppe in Israel haben bestimmte Randfiguren der politischen Szene Israels politische Hygiene missen lassen. Dies ist unentschuldbar und sollte im aktuellen Fall die sofortige Entlassung des Ministers zur Folge haben“, hieß es in einer Aussendung des IKG-Generalsekretärs Raimund Fastenbauer. „Die ungerechtfertigte politische Isolation Israels in Europa kann keine Entschuldigung dafür sein, in einen geschichtslosen Opportunismus zu verfallen, die Gefühle von Shoah-Opfern und ihren Nachkommen mit Füssen zu treten und durch politische Kurzsichtigkeit Israel in ein politisches Eck zu manövrieren, in das es nicht gehört“, hieß es weiter.
    Parteichef Strache hatte Israel Anfang Dezember besucht. Während seines Besuches verabschiedete er zusammen mit Vertretern europäischer Rechtsaußenparteien eine „Jerusalemer Erklärung“, die gegen „den fundamentalistischen Islam“ gerichtet ist. Die Politiker besuchten zudem israelische Siedlungen im besetzten Westjordanland. Es hatte laut FPÖ-Pressedienst auch „Gespräche mit Abgeordneten wie etwa Rabbi Nissim Zeev“ von der religiösen Shas-Partei gegeben.
    IKG-Präsident Ariel Muzicant hatte zuvor erklärt, kein israelisches Parlamentsmitglied werde mit dem FPÖ-Chef sprechen, das habe ihm der israelische Botschafter in Wien versichert. An der Presseveranstaltung im FPÖ-Medienzentrum am heutigen Dienstag um 14.30 Uhr werden Kara, Strache und Mölzer teilnehmen.
    Der drusische Politiker Kara ist Knesset-Abgeordneter der rechtsgerichteten Regierungspartei Likud von Ministerpräsident Benjamin Netanyahu. Seit 2009 ist er Vizeminister für Entwicklung der Negev-Wüste und Galiläa.
    (Schluss) vib/ade/ak
    APA0352 2010-12-21/14:09
    211409 Dez 10

  4. Danke für das Kompliment.

    Es ist die Ironie des Schicksals, dass ausgerechnet heute die FPÖ und Andreas Mölzer – den ich oben erwähnte – und der mich straflos in Österreich verleumdete, erst der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte gab mir Recht – heute angeblich einen israelischen Vizeminister Ayoob Kara begrüßen konnten.
    Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich k….. möchte.
     

  5. Dafür, dass Tucholsky tatsächlich den Gastod ‚im Felde‘ meinte und nicht die industriemäßige Vergasung von Menschen durch Menschen, spricht auch seine eigen Biografie.
     
    Im Ersten Weltkrieg verbrachte er geraume Zeit als Armierungssoldat bei Stellungskämpfen, war also direkt in die Kriegshandlungen an der Front involviert. Ob er selbst einen Gasangriff miterlebte, so wie etwa gleichzeitig Hitler, ist mir nicht bekannt, aber auf die Schutzmaßnahmen gegen Gas wird er wohl wie jeder andere Soldat vorbereitet worden sein (vergleiche hierzu u.a. auch Erich Maria Remarque – Im Westen nichts Neues).
     
    Interessant ist der Wandel, der doppelte Wandel, den der Berliner Schriftsteller und Journalist Tucholsky in jungen Jahren durchmachte: Zu Beginn des Ersten Weltktrieges noch ganz gegen die Massenhysterie, die sich vehement für den Krieg aussprach, gewandt, brach bei ihm nach 1916 plötzlich wohl ein deutsch-patriotischer Gesinnungswandel durch und er machte militärische Karriere, stieg auf zum Vizefeldwebel und Feldpolizeikommissar. In diese Zeit fällt auch seine Konversion zum Protestanten.
    In der Epoche von Weimar folgte dann wieder der Hinschwenk zum Pazifisten, als den wir ihn eigentlich kennen.
     
    Danke Karl Pfeifer, dass Sie auf diese traurige Episode österreichischer Geistes- und Rechtsgeschichte aufmerksam gemacht haben!

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