Israels neue Aussenpolitik: Auferstehung und Revision

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Alon Li’el, der Generaldirektor des israelischen Außenministeriums konnte es nicht länger ertragen zuzusehen, wie die derzeitige Amtsführung Israel weltweit schweren Schaden zufügt. Und dies unter dem Beifall einer Horde fanatischer Rechtsaußen, die weltweit vorgeben Israel zu repräsentieren und jeden der ihnen nicht beipflichtet angreifen. Deshalb hat er inzwischen seinen Diplomatenpass „als Protest gegen den Stil Liebermanns“ zurückgegeben…

Die neuen Normen der Außenpolitik Israels machten ihm Angst um Israels Zukunft: „Es handelt sich hier um Normen, die in der westlichen Diplomatie überhaupt nicht existieren. Ghadaffi hat sich früher einmal so benommen, aber wir doch nicht.“

Solche und ähnliche Zitate füllen die israelische Presse zur Zeit seitenweise.

So erklärte Dr. Li’el im Gespräch mit Sherry Makorver-Polikov (M’ariw), Diplomatie sei ein Beruf. Als Liebermann ins Außenministerium kam, sprach er davon, dass die Diplomatie Israels aggressiver werden muss, berichtet Li’el. Seiner Meinung nach zog es Avigdor Liebermann vor, Politiker zu bleiben und kein Staatsmann zu werden: „Auch auf dem Stuhl des Außenministers blieb er der Chef seiner Partei – Israel Beitenu“.

Eines der letzten Ereignisse, die Li’els Entscheidung zu Rücktritt und öffentlichem Protest beeinflussten, war das skandalöse Verhalten dem türkischen Botschafter gegenüber: „Der türkische Botschafter rief mich aus eigener Initiative eine Woche nach dem Vorfall an, und ich war schockiert, wie getroffen und verletzt er war. Er erzählte mir, er habe erst aus den Medien erfahren, dass es klare Anweisungen gab, ihn zu erniedrigen, aber da er dies bei dem Treffen selbst nicht gewusst habe, habe er nicht reagieren können. ‚Und dafür hat man mich in der Türkei in Stücke gerissen und in den Staub getreten‘, sagte er zu mir.“ Doch schon vorher hätten ihm Politiker in aller Welt gesagt, sie könnten nicht begreifen, wie der Staat Israel es für richtig befinden konnte, einen Außenminister mit einem derart brutalen Stil zu ernennen.

Ganz im Gegensatz zum diplomatischen Generaldirektor gibt sich Liebermanns Vize-Außenminister, Danny Ayalon, ebenfalls Mitglied der sich selbst als Revisionisten bezeichnenden Partei „Israel Bejtenu“, begeistert und bejubelt die Auferstehung der Außenpolitik Israels.

Video: Vize-Aussenminister Danny Ayalon in Hebron

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Er ist stolz darauf an den Errungenschaften Liebermanns teilhaben zu dürfen: Israel ist Mitglied der OECD, hält gemeinsame Regierungssitzungen mit Frau Merkel, konnte neue Vertretungen eröffnen. Liebermann wurde überall freundlich empfangen. Und Liebermann wird den Kampf gegen den neuen Antisemitismus anführen. Kritik, so Ayalon ist nicht angebracht: „Außenpolitik ist nach Ergebnissen zu messen. Die Politik der ‚Null-Toleranz‘ für Antisemitismus und die De-Legitimation Israels, beweist sich bereits. Wir haben ganz neue Stoßrichtungen, neue Prioritäten und neue Verbündete. Diese neuen Koalitionen sind eine langfristige Investition, die sich schon jetzt bewährt. Endlich gibt es in Jerusalem wieder Außenpolitik!“

Um im Sinne dieser Politik fortfahren zu können, strebt seine Partei nun das Wahlrecht für im Ausland lebenden Israelis an. Man geht im Rechten Lager, egal ob nun ‚Israel Betenu‘ oder der ‚Likud‘ die ‚wahren Revisionisten‘ sind, davon aus, dass die Rechte unter den Israelis im Ausland stärker ist als im Inland.