Ankara – Jerusalem: Beziehung auf dem Prüfstand

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Die Anfänge der Show, die der türkische MP Erdogan in Davos abgezogen hat, muss man in den Tagen vor der Aktion in Gaza suchen. Ehud Olmert stattete seinem türkischen Amtskollegen einen Blitzbesuch ab, bei dem er ihn über die israelische Absicht informierte, den Angriffen auf den Süden Israels ein Ende zu setzten. Er bat ihn, seine Freude in der Hamas zu zügeln, denn ansonsten würde es ein bitteres Ende nehmen…

Jacky Hugi fragt sich in M’ariw ob nun alles zerbricht

Erdogan versuchte, seinen Gast von seiner Absicht, eine Militäraktion zu eröffnen, abzubringen, aber Olmert bestand auf seiner Pflicht, auf die Schreie der Kinder von Sderot zu hören. Die Aktion begann am Samstag, und Erdogan war beschämt. Obwohl sein Land ein strategischer Partner Israels ist, überrannten ihn die Israelis auf ihrem Weg nach Gaza. Die empörte türkische Öffentlichkeit und die schadenfrohe Opposition wussten, dass Erdogan über die Absichten Israels informiert war und sie nicht verhindern konnte.

Die ganze Welt wurde dann von den Gräuelbildern toter und verletzter palästinensischer Kinder überflutet. Die türkische Straße kochte vor Wut, und Erdogan, der ja sozusagen ein Freund Olmerts ist, wurde an die Wand gedrängt. Weil er seine Armee nicht gut nach Gaza entsenden konnte, um der Hamas zu helfen, nahm er einen altbewährten Trick zu Hilfe: Worte statt Flugzeuge. Und so bekamen wir einige ungewöhnlich scharfe Äußerungen zu hören, wobei der Höhepunkt wohl mit der Warnung à la Iran erreicht wurde, Israel werde aufhören zu existieren, falls es so weitermache.

Die Aktion in Gaza hat dem Image Erdogans nicht gut getan. Nicht nur wurde er als Freund des Aggressors betrachtet, sondern er wurde dann auch noch aus den Siegesfeiern ausgeschlossen. Anders als nach dem 2. Libanonkrieg, als die Türkei die Verhandlungen zwischen Syrien und Israel vorantrieb und als fairer Vermittler betrachtet wurde, bewirkte die Aktion in Gaza genau das Gegenteil. Mubarak und Suleiman, nicht Erdogan, brachten die Ruhe nach Gaza. Die hohen israelischen Vertreter pilgerten nach Kairo, nicht nach Ankara, und die Lobesworte der Hamas waren an Ägypten gerichtet, nicht an die Türkei, trotz der guten Beziehungen, die die Erdogan-Regierung so mühsam mit Haled Mashal pflegt.

Wenn also Frustration auf Hilflosigkeit trifft, und das ganze auch noch von Schuldgefühlen begleitet wird, geschieht das, was jedem Kindergartenkind passiert, das versucht, seine Ehre zurück zu gewinnen, die im Sandkasten verletzt wurde: Er zieht das Kind, das ihn geärgert hat, an den Haaren oder verpetzt es an die Kindergärtnerin. Erdogan hat die dritte Option gewählt: Er zerbricht alle Spielsachen und spielt nicht mehr mit.

5 Kommentare

  1. In der letzten Woche konnte man in der deutschen Presse sehr viele Artikel zum Thema Davos lesen,in der ausgedrückt wurde, dass die Türkei sich mit dem Fehlverhalten Erdogans als Vermittler aus dem Spiel gebracht habe, dass wegen antisemitischer Stimmungen in der Türkei 70 Prozent aller gebuchten Reisen von Israelis in die Türkei storniert wurden und dass die Türkei sich damit eben nicht als EU-Kandidat empfohlen habe. Das alles mag auf den ersten Blick stimmen.
    Auf den zweiten Blick gesehen ist jedoch Isreal der große Verlierer und die Türkei eben nicht. Der EU-Beitritt ist durch viele weitere Gründe wie der Zypernfrage, dem Vorbehalt aus Frankreich, Österreich und Deutschland ohnehin alles andere als sicher anzusehen. Den finanziellen Verlust durch israelische Touristen hat die Türkei schon längst durch die Investitionen aus den zustimmenden arabischen Staaten wett gemacht.
    Israel jedoch ist ohnehin von Feinden, nicht von Freunden umgeben. Die einzige islamische Ausnahme war die Türkei. Doch die israelische Regierung hat durch den Krieg in Gaza und ihre eben anders lautenden Aussagen kurz vor dem Krieg an die Türkei die Botschaft geben, dass sie Erdogan und der Türkei nicht vertrauen und dass sie wahrscheinlich auch keinen Wert auf Friedensverhandlungen mit Syrien gelegt haben, welche die Türkei vermitteln wollte. Israel sollte im Nahen Osten, wo sie wesensfremd mit ihrer Umgebung ist, lieber Kompromisse eingehen und Frieden machen, statt sich auf die USA, auf ihre Lobbies in Übersee und Europa und ihre militärische Stärke zu verlassen. All diese Dinge werden das Leben in Ruhe in Frieden nicht gewährleisten. Wenn Israel sich nun auch die Türkei zum Feind macht, die die sephardischen Juden aus der spanischen Inquisition gerettet und die Juden aus Europa während des Holocausts aufgenommen hat, wird es schlimmer für Isreal sein als für die Türkei.
    Die Türkei kann sich im Zweifelsfall einfach zurücklehnen und dabei zuschauen wie die Isrealis und Palästinenser sich gegenseitig töten und ihr Geld und ihre Ressourcen dazu verbrauchen. Und das vielleicht wieder für die nächsten 50 Jahre.  Klug war die Politik dieser israelischen Regierung nicht. Und auch der Westen, sowohl Europa als auch die USA, sind gut beraten, wenn sie endlich anfangen, die Türkei nicht als Handlanger des Westens zu betrachten. Dies ist die Türkei mitnichten.

  2. Judenhass in der Türkei?Nicht mal dazu wäre die türkische Politik in der Lage!Sie ist nicht fähig Stellung zu beziehen.Ich hätte beinahe was vergessen-ausser die eigene Bevölkerung zu unterdrücken,um zu bringen(z.B. die Kurden,Andersdenkende im untergegangen osman Reich,etc.).Ministerpräsident Erdogan sollte eigentlich das übrig gebliebene osman Reich auf keinen Fall verlassen.Dann könnten solche Peinlichkeiten uns erspart bleiben!Seine mit Blut besudelten Finger zeigen auf Israel-einfach Peinlich!

  3. lieber mit offenen Karten ehrlich spielen finde ich. Ein türkisches Sprichwort sagt: Ein wahrer Freund spricht bitter.

    Selbst wenn die Türken derzeit sehr aufgebracht sind, gibt es keine Tradition des Judenhasses in der Türkei. Im Gegenteil. Deshalb denke ich, dass kein dauerhafter Schaden entstehen wird. Dennoch muss sich Isreal endlich bewegen.

    Mag sein, dass die Hamas terroistisch ist. Sie ist aber der wichtigste Akteur auf palästinensicher Seite.

  4. Das ist schon eine verkehrte Welt wie die Medien alles umstellen.
    Die Volksverdummung geht weiter ohne skrupel.Soviele Menschen tot  nur weil die warheit verschwiegen wird von den Medien .Perwers

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