stern-Umfrage: Jeder zweite Deutsche hält Israel für ein „aggressives Land“

13
32

Die Deutschen haben ein zwiespältiges Bild von Israel. In einer Forsa-Umfrage für das Hamburger Magazin stern sagte fast jeder zweite Bundesbürger (49%), Israel sei ein aggressives Land. 59% erklärten, es verfolge seine Interessen ohne Rücksicht auf andere Länder. Nur 30% der Bürger sind überzeugt, dass die israelische Regierung die Menschenrechte achtet.

Andererseits bezeichnen 45 Prozent Israel als ein sympathisches Land. 13 Prozent stellen dagegen das Existenzrecht Israels infrage. Bei den Anhängern der Linkspartei tun dies sogar 28 Prozent – mehr als jeder Vierte.

Uneins sind die Deutschen in der Frage, wer an dem jüngsten Konflikt zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas im Gaza-Streifen die Hauptschuld trägt. 30 Prozent nannten in der stern-Umfrage die Hamas. Besonders die Älteren und die Anhänger der Union sehen das so. 13 Prozent geben Israel die Schuld – hier auch wieder überdurchschnittlich oft Jüngere und Anhänger der Linkspartei. Dass beide Seiten gleichermaßen verantwortlich sind, sagen 35 Prozent.

Video: [http://www.stern.de/video]
Gespräch mit Forsa-Chef Manfred Güllner

Die Frage, ob die Deutschen mehr als 60 Jahre nach dem Ende der Nazi-Diktatur noch eine besondere Verpflichtung gegenüber Israel haben, bejaht rund ein Drittel der Bürger (35 Prozent). Die große Mehrheit aber (60 Prozent) sieht keine außergewöhnliche Verpflichtung mehr. Besonders ausgeprägt ist diese Sichtweise bei Jüngeren (70 Prozent), Ostdeutschen (68 Prozent) und Anhängern der Linkspartei (72 Prozent). In einem Gespräch mit stern.de, der Online-Ausgabe des Hamburger Magazins, nannte Forsa-Chef Manfred Güllner es eine „gefährliche Entwicklung“, wenn unter den Jüngeren wieder das Gefühl vorherrsche, sie müssten einen Schlussstrich ziehen und sich nicht mehr mit dem beschäftigten, was in der Zeit des Nationalsozialismus passiert sei.

Datenbasis: 1000 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger am 8. Januar 2009. Statistische Fehlertoleranz: +/- 3 Prozentpunkte, Auftraggeber: stern. Quelle: Forsa-Institut, Berlin.

In der WAZ berichtet die Israelische Botschaft von antisemitischen Anfeindungen durch Deutsche

Die israelische Botschaft in Berlin erhält seit Ausbruch des Gaza-Krieges ein Vielfaches an antisemitischen Briefen und Telefonanrufen von deutschen Bürgern. Das berichtete der Gesandte Ilan Mor der in Essen erscheinenden Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ, Samstagausgabe). „,Schade, dass Hitler seine Arbeit nicht zu Ende gebracht hat‘ und solche Dinge. Auf Dauer ist das eine Belastung. Das ist leider unser Alltag, aber in den vergangenen drei Wochen hat es sich vervielfacht.“

Die aktuelle Forsa-Umfrage zum deutsch-israelischen Verhältnis rückte der Vize-Botschafter dennoch in die Nähe der Manipulation. „Ich glaube, so eine Umfrage zu machen, während Israel noch im Gaza-Streifen aktiv ist, grenzt schon fast an Manipulation. Auch das Timing ist doch wichtig. Man sollte die Frage noch einmal stellen, wenn Frieden und Stabilität wieder hergestellt sind“, sagte Mor. „Die deutsche Vorstellung von Aggressivität (49% der Befragten hielten Israel für einen „aggressiven Staat“) ist auch geprägt durch 60 Jahre Frieden, Wohlstand und Gemütlichkeit in Europa. Und jeder, der sich anders verhält, gilt schon als Aggressor,“ so Mor.

13 Kommentare

  1. pnm, das ist eine interessante Feststellung. “ die Formulierung, jemand versteckt seinen Antisemitismus hinter Antizionismus ist lächerlich – wie wenn sich ein Elefant hinter einer Maus versteckt“.

    Ich kann das auch bestätigen. Ich kenne mehr Antisemiten, also mehr Leute, die etwas gegen Juden haben, vor allem gegen Juden in Österreich, als Antizionisten, also Leute, die etwas gegen Israelis haben.
    Ich kennen sogar viele pro-zionistische Antisemiten, das sind Leute, die nicht verstehen, was „die Juden immernoch hier wollen“, jetzt wo sie doch endlich einen eigenen Staat haben.

  2. Ergebnisse der Umfrage:
    Die Schuld liegt bei der Hamas, jedenfalls sehen mehr Deutsche die Schuld bei der Hamas als bei Israel.
    13 % sprechen Israel das Existenzrecht ab, oder stellen es in Frage. Dies entspricht auch meinen Erfahrungen. Es gibt in Deutschland maximal 13% Antizionisten. (Deshalb finde ich die Formulierung, jemand versteckt seinen Antisemitismus hinter Antizionismus auch so lächerlich – wie wenn sich ein Elefant hinter einer Maus versteckt)

    Während eines aktuellen Krieges, anlässlich Bilder von getöteten Kinder in Gaza nach der Aggressivität Israels zu fragen, grenzt natürlich schon an Manipulation.

  3.  
    „Ich finde in Israel geht’s auch ganz schön ab“
    Was Sie nicht sagen, Frau Magdi.  Ihr Geschreibsel ist so interessant, wie man es im Forum gewohnt ist.
     

  4. Klar wird das Ergebnis nicht so eindeutig sein wie es aussieht. Die Tendenz (die man schon seit Jahren erlebt) wird aber sicher stimmen, zumal wenn man bedenkt, was in der letzten Zeit in Deutschland abgeht.

  5. Oumpf.
    Leute, lest Broder – dann wundert euch gar nichts mehr.
    Natürlich ist Israel der Aggressor, schließlich hocken die dortigen Bewohner ja nicht in ihrem Shtiblach und lernen Talmud. DAS ist nämlich das Bild des Juden in Deutschland, Hollywood und Giora Feidman sei Dank.
    @ Yael. Manipuliert ist vielleicht übertrieben, aber ganz Unrecht hat PlatoMoses nicht. Die Antwort hängt nicht selten von der Form der Fragen ab – und wen man fragt. Forsa ist bekannt für zweideutige Fragestellungen.

  6. Diese Forsa-Umfrage ist manipuliert und nicht wirklich aussagekräftig. Jeder vernünftige Mensch weiß, warum das Ergebnis so ausgefallen ist wie es ist und welche Menchen da das Kreuzchen an der „richtigen“ Stelle gemacht hat.

  7. Waffenstillstand? Hamas? Wann? In Dohar haben sie jegliche Verhandlungen mit Israel abgelehnt, im Gegenteil. Sie haben ihren baldigen Sieg über den „zionistischen Aggressor“ verkündet.
    Irgendwie erinnern mich die Aussagen der Hamas – Führung an die Aussagen des GröFaZ nach der Invasion der Allierten in der Normandie.
    Beiden sind die Menschen, die sie „vertreten“ völlig egal.
    Ob das die Welt, UNO vorneweg, auch mal kapieren?
    Cora

  8. Zitat Dr. Muriel Asseburg:

    „In erster Linie wollte die Hamas den Teil des Waffenstillstandsabkommens einfordern, der im Juni 2008 zugesagt, aber bisher nicht umgesetzt worden war.“

    Was für einen Hinderungsgrund gibt es, dies zu tun?

    Allein in der Unterlassung der Umsetzung von Zusagen ist in meinen eine indirekte Agression. Der Schuldige ist hier eindeutig derjenige, der die Umsetzung fahrlässig / vorsätzlich rechtswidrig verzögert.

    Tut doch endlich einmal das, was Ihr versprecht!

Kommentarfunktion ist geschlossen.