peacecamp 2017

Ein Blick hinter die Mauern des Vertrauten und des Fremden…

Vier Gruppen aus Konfliktregionen – jüdische und arabische Israelis, Schüler aus Ungarn und eine gemischte Gruppe aus Österreich – verbringen gemeinsame zehn Tage in der Abgeschiedenheit des Ötschergebirges  und lernen sich selbst und die jeweils anderen kennen. Der Blickwinkel ist ein subjektiver; mitgebrachte, tradierte oder vom Hörensagen entwickelte Bilder sollen durch das eigene Erleben, die eigene Wahrnehmung validiert, relativiert oder durch die in der realen Begegnung zustande gekommene eigene Wahrnehmung neu gezeichnet werden.

Die Gruppen bestehen aus 16- bis 18-jährigen Schülern; sie kommen aus Familien, in denen sie selbst oder ein naher Familienangehöriger Traumatisierung durch Terror, Krieg, Verfolgung, Flucht, Entwurzelung, Diskriminierung oder andere extreme Lebensbedingungen erfahren haben. Die Jugendlichen beider Gruppen aus Israel wachsen unter permanenter Bedrohung durch Krieg und Terror auf; die ungarischen Jugendlichen – zweite Generation nach dem Fall des Eisernen Vorhangs – sind mit einer Rückkehr zum Nationalismus und Formen der Diskriminierung konfrontiert. Diese Gruppe bringt „ungarische“ und Kinder aus Roma-Familien mit, die ihre jeweiligen Familien- und Lebenserfahrungen miteinander teilen werden. Die österreichische Delegation – eine um Schutzsuchende aus verschiedenen Ländern erweiterte Gruppe – wird ihren Jugendlichen Gelegenheit bieten aufzuzeigen, wie der euphemistisch verwendete Begriff „Migrationshintergrund“ auf unterschiedliche Stadien gelebten Traumas hinweist; demgemäß soll der Begriff „Integrationsbereitschaft“ als Aufforderung zu einer Realitätsbewältigung  unter erschwerten Bedingungen verstanden und analysiert werden.

Eine Expertengruppe – Künstler, Trauma-Therapeuten, Historiker, Lehrer – wird in Workshops folgende Themen einer Bearbeitung zugänglich machen:

  • In der von einem Experten angeleiteten täglichen „Large Group“ , an der alle anwesenden Jugendlichen wie Erwachsenen teilnehmen, werden die eigenen, bewussten, unbewussten, rationalen wie irrationalen Gefühle, angesprochen werden, die zur Bildung von Vorurteilen und Konflikten beitragen.  
  • Persönliche Verantwortung und möglicher Beitrag des Einzelnen zum „Frieden“/“Unfrieden“ in der eigenen Gesellschaft („4 questions concerning peace“ – siehe Anhang). Hierzu wird sich die Frage „Wie kann ich persönlich dazu beitragen, meine (Lebens-)Welt friedlicher zu machen?“ wie ein roter Faden durch das peacecamp ziehen.
  • Persönliche Biografie („My Life Story Book“)
  • “talks4peace”: Hier stellen alle Gruppen ihre jeweiligen sozio-politischen Themen vor und suchen nach Strategien der Mitgestaltung ihrer sozialen Umwelt.
  • Meine Kultur/Religion/Herkunft: Vier „culture evenings“, bei denen jede Gruppe in kreativ-lustvoller Weise Aspekte der eigenen Herkunft/ Religion/Kultur/Nation vorstellt.
  • Unter der Anleitung von zwei Künstlern werden sich die Jugendlichen mit diesen Themen in kreativer Weise auseinander setzen, um sie schließlich zu einem gemeinsamen, herzeigbaren Ergebnis zusammenzufassen und einem Publikum zu zeigen („show4peace“).
  • Im Rahmen eines offiziellen Schlussakts werden alle Teilnehmenden (Jugendliche und Erwachsene) zu Botschaftern des Friedens ernannt: Ein Dokument („Ambassador of Peace“-Zertifikat) soll sie daran erinnern, dass „Frieden“ für jeden von ihnen Ziel und Mission sein kann.

 

peacecamp besteht aus drei Phasen,

  • Vorbereitung im eigenen Land, unter Anleitung des jeweiligen Gruppenkoordinators.

Das diesjährige peacecamp beinhaltet eine besonders intensive gemeinsame Vorarbeit der beiden Gruppen aus Israel unter Anleitung ihrer beider Koordinatorinnen.

Des Weiteren hat die gemischte österreichische Gruppe im Vorfeld sehr intensiv an der Konsolidierung der „österreichischen“ und der „asylsuchenden“ Teilnehmer gearbeitet. Auch diese Gruppe wird nach dem peacecamp gemeinsam weiterarbeiten.

  • Zehntägige Begegnung in Österreich, bei der die Abgeschiedenheit des Ortes und ein sehr strukturiertes Arbeitsprogramm (siehe „Schedule“) ein der Bearbeitung des psychosozialen Gefüges dienliches Setting Während der Begegnung stehen pädagogisch-therapeutische Formen der Aufarbeitung psychosozialer Belastungsfaktoren und die Suche nach Formen und Möglichkeiten der Anpassung an die oft radikal veränderte neue Realität im Vordergrund.
  • Nachbereitung zur subjektiven wie objektivierbaren Evaluierung mittels Fragebögen, Erfahrungsberichten sowie eines begleitenden Forschungsprojekts durch einen externen Forscher.

In der dem peacecamp folgenden Phase werden die Jugendlichen dazu angeregt, sich weiterhin miteinander auszutauschen und in Kontakt zu bleiben. Entstandene Kontakte und Freundschaften  sollen weitergeführt und real oder virtuell (soziale Medien) gepflegt werden.

peacecamp 2017 ist das 15. peacecamp seiner Art.

Jedes peacecamp hat ein seinen aktuellen psychosozialen Themen entsprechendes Programm.

Mag. Evelyn Böhmer-Laufer, Mai 2017

https://peacecamptexts.blogger.de/
http://2017.peacecamp.net/

Bericht im Gemeinde Insider der IKG Wien

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