Die Dennochsportlerinnen

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„So hatten sich die Eltern der im Jahr 1933 zwölfjähriegen Marcenia Lyle „Toni“ Stone das Ergebnis ihrer Konsultation mit dem Priester ihrer Kirchengemeinde nicht vorgestellt. Statt dem Mädchen wie erhofft das Baseballspielen auszureden, stellte der Geistliche fest, dass sie eine sehr talentierte Pitcherin war und empfahl ihr beim katholischen Jungsteam vorzusprechen“, beginnt eine der vielen wunderbaren und gleichzeitig sehr deprimierenden Geschichten, die unter dem Titel „Erste Frauen -Pionierinnen des Sports“ von Alina Schwermer und Elke Wittich zusammengetragen wurden.

Rezension von Ramona Ambs

Erzählt werden die Geschichten von Frauen, die sich gegen Widerstände durchsetzten, um ihren jeweils geliebten Sport ausführen zu können. Schwermer und Wittich gehen dafür nicht nur quer durch die Zeit zurück, sondern schweifen auch geographisch in die Ferne. Von Pok ta Pok, dem 3000 Jahre alten Maya-Ballsport, über Boxerinnen in London im Jahre 1722, weiter zu indonesischen Motoradrennen bis hin zu so kurios anmutenden Sportarten wie Käserennen oder radikales Gehen. Wo immer sie eine talentierte und leidenschaftliche Frau entdeckten bekam diese eine Geschichte. Und selten kämpften diese Frauen nur für sich. Die Geschichte der Tennisspielerin Alice Marble zeigt beispielhaft, wie ungeheuer tapfer viele dieser Frauen waren. Marble brach bei einem French Open zusammen, weil sie an Tuberkulose erkrankt war. Statt jedoch aufzugeben kämpfte sie sich in den Profisport zurück und gewann nach zwei Jahren das Turnier in Wimbledon 1939. Die als „Garbo des Tennis“ benannte Marble setzte sich später für die schwarze Tennisspielerin Gibson ein, die sich für die Nationals nicht qualifizieren konnte, weil sie als schwarze Sportlerin an vielen Turnieren nicht teilnehmen durfte und auf diese Weise keine ausreichenden Punkte sammeln konnte.

Besonders schön sind auch die von Alina Schwermer verfassten Portraits aus Zirkus und Showsport wie zum Beispiel Sandwina, die stärkste Frau der Welt (mit wunderbarem Bild!), die als Lady Hercules durch die Welt tingelte.

Aber auch die historischen Schattenseiten werden thematisiert: Elke Wittich widmet sich dem fünfköpfigen weiblichen Turnteam der Niederlande bei den Olympischen Spielen 1928, von dem nur eine einzige jüdische Sportlerin den Nazis entging.

Insgesamt ist das Buch ein wunderbares Sammelsurium von Sportgeschichten, von femministischem Kampfgeist, von Frauensolidarität und der Lust an Bewegung. Lesen!

Alina Schwermer, Elke Wittich: Erste Frauen. Pionierinnen des Sports, Edition Einwurf 2026, 240 S., Paperback, illustriert, ISBN 978-3-89684-741-6, 22 Euro, Bestellen?