Update zur israelischen Wasserwirtschaft

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Entsalzungsanlage in Palmachim, Foto: Michael Jakobson

Israel ist eine „Water Tech Nation“. Doch selbst hier, wo es für alle Bereiche der Wasserwirtschaft Technologie-Innovationen gibt, die dem Land helfen, mit Dürre und Wasserknappheit zu haushalten, gibt es immer wieder auch neue Herausforderungen. Das hat ein klimabedingtes Umweltphänomen erst kürzlich gezeigt, das zur Abschaltung der meisten Entsalzungsanlagen des Landes führte.

Von Ari Lipinski

Die wichtigste Entwicklung: Die Krise bei der Meerwasserentsalzung ist noch nicht beendet.

Bei einer Sitzung des Ausschusses für Staatskontrolle der Knesset am 17. September wurde berichtet, dass die israelischen Meerwasserentsalzungsanlagen derzeit lediglich etwa 60 % ihrer üblichen täglichen Produktionsmenge erreichen. Die Anlage in Hadera arbeitet mit voller und sogar erhöhter Kapazität, während die fünf anderen großen Anlagen weiterhin nur eingeschränkt arbeiten. Hintergrund sind die außergewöhnliche Algenblüte und die starke Trübung des Meerwassers, die Ende August zu erheblichen Einschränkungen der Entsalzung geführt hatten.

Nach Angaben des Generaldirektors der israelischen Wasserbehörde, Yehezkel Lifshitz, bereitet sich die Behörde auf ein Szenario vor, bei dem die eingeschränkte Produktion bis Ende 2026 anhalten könnte.

(Quelle: Bericht über die Sitzung des Ausschusses für Staatskontrolle der Knesset vom 17.9.2026: Bericht über die Sitzung und die aktuelle Entsalzungsleistung)

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Der See Genezareth und die Brunnen dienen weiterhin als Sicherheitsreserve

Das durch die eingeschränkte Entsalzung entstandene Defizit wird derzeit durch eine verstärkte Wasserentnahme aus dem See Genezareth sowie aus Brunnen ausgeglichen. Nach den im Ausschuss vorgelegten Angaben liegt der Pegel des Sees Genezareth inzwischen etwa 0,41 Meter unterhalb der unteren roten Linie.

Gleichzeitig wurde von staatlicher Seite betont, dass die Wasserversorgung der Haushalte nicht unterbrochen wurde. Die verstärkte Nutzung natürlicher Wasserressourcen verdeutlicht jedoch deren Bedeutung als strategische Reserve für Situationen, in denen die Entsalzungsanlagen ihre normale Produktionsleistung nicht erreichen.

(Quelle: Sitzung des Ausschusses für Staatskontrolle, 17.9.2026: Angaben zur Entsalzung, zum See Genezareth und zu den Brunnen)

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Die Krise macht strukturelle Schwächen bei der langfristigen Planung erneut sichtbar

Der israelische Staatskontrolleur hatte bereits in seinem offiziellen Bericht über die Regulierung und Überwachung der Meerwasserentsalzungsanlagen festgestellt, dass die Wasserbehörde trotz eines entsprechenden Regierungsbeschlusses aus dem Jahr 2010 über mehr als 13 Jahre keinen vollständigen Masterplan für die Wasserwirtschaft fertiggestellt hatte.
Der Bericht dokumentiert außerdem 14 Fälle von Meerwasserverschmutzung zwischen 2007 und Ende 2023, die zur Unterbrechung der Produktion in Entsalzungsanlagen führten. Ursachen waren unter anderem mikrobielle Verunreinigungen, Kraftstoffe und Öle sowie eine erhöhte Trübung des Meerwassers. Die Produktionsunterbrechungen dauerten zwischen einigen Stunden und bis zu fünf Tagen.

„Quelle: Amt des israelischen Staatskontrolleurs: Die Berichte, die vor Gefahren für die israelische Wasserwirtschaft warnten, 6.9.2026, Regulierung und Überwachung der Meerwasserentsalzungsanlagen – Prüfbericht des Staatskontrolleurs“

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Auch die Qualität der natürlichen Wasserressourcen stellt eine strategische Schwachstelle dar

Der Staatskontrolleur dokumentierte für den Küstenaquifer eine deutliche Ausweitung der bekannten Grundwasserverunreinigungen. Das Volumen des als verunreinigt bekannten Wassers stieg von rund 1,8 Milliarden m³ im Jahr 2015 auf 2,3 Milliarden m³ im Jahr 2020. Damit erhöhte sich der Anteil von etwa 5,1 % auf 6,6 % des Gesamtvolumens des Küstenaquifers.

Auch die von Verunreinigungen betroffene Fläche nahm zu: von rund 73 km² im Jahr 2015 auf etwa 95 km² Mitte 2020. Nach Angaben des Berichts hängt ein erheblicher Teil der Belastungen mit industriellen Aktivitäten sowie Kraftstoffen zusammen.
Gerade die aktuelle Entsalzungskrise zeigt, weshalb die Erhaltung und Sanierung der natürlichen Grundwasserreserven strategisch wichtig ist: Sie müssen im Krisenfall einen Teil der fehlenden Entsalzungskapazität ausgleichen können.

„Quelle: Israelischer Staatskontrolleur, Bericht „Verhinderung der Verschmutzung und Versalzung von Wasserressourcen, Überwachung und Sanierung“: Bericht des Staatskontrolleurs über die Verschmutzung und Sanierung der Wasserressourcen)

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Landwirtschaft, gereinigtes Abwasser und Wasserwiederverwendung bleiben ein wichtiger Teil der Sicherheitsstrategie

Die israelische Wasserwirtschaft setzt in großem Umfang auf die Wiederverwendung von gereinigtem Abwasser für die Landwirtschaft. Das Ministerium für Energie und Infrastruktur bezeichnet die Wiederverwendung von Abwasser ausdrücklich als einen zentralen Bestandteil des israelischen Modells der Wasserwirtschaft, neben der nachhaltigen Nutzung natürlicher Wasserquellen und der Meerwasserentsalzung.

Bereits im Juli 2026 hatte das Landwirtschaftsministerium wegen der Dürre und der reduzierten Wasserzuteilungen zusätzliche Maßnahmen für die Landwirtschaft vorangetrieben. Dazu gehörte die Möglichkeit, unter bestimmten Voraussetzungen zusätzliche Mengen an Süßwasser bereitzustellen. Zugleich soll die Entwicklung wichtiger Projekte zur Wiederverwendung von gereinigtem Abwasser beschleunigt werden; deren Fortschritt soll dem Rat der Wasserbehörde halbjährlich vorgelegt werden.

Für zusätzliche Zuteilungen von gereinigtem Abwasser an landwirtschaftliche Betriebe können im Jahr 2026 weiterhin Anträge gestellt werden; die entsprechende Frist läuft bis zum 31. Oktober 2026.

(Quellen: Ministerium für Energie und Infrastruktur – Wasserwirtschaft, Landwirtschaftsministerium – zusätzliche Wassermengen für die Landwirtschaft 2026, Landwirtschaftsministerium – Wasserzuteilungen für landwirtschaftliche Betriebe)

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Fazit

Gegenüber dem vorherigen Wochen hat sich die Lage weiter präzisiert: Die Wasserversorgung der Bevölkerung bleibt gewährleistet, die Entsalzungskrise selbst ist jedoch noch nicht überwunden.

Besonders bemerkenswert ist, dass die Entsalzungsanlagen rund drei Wochen nach Beginn des außergewöhnlichen Ereignisses zusammen weiterhin nur etwa 60 % ihrer normalen Tagesproduktion erreichen und die Wasserbehörde sogar ein Szenario berücksichtigt, in dem die eingeschränkte Produktion bis Ende 2026 anhält.

Die Krise unterstreicht damit eine zentrale strategische Lehre für die israelische Wasserwirtschaft: Meerwasserentsalzung allein kann nicht die gesamte Versorgungssicherheit gewährleisten. Der See Genezareth, die Grundwasserleiter und Brunnen sowie die weit entwickelte Wiederverwendung von gereinigtem Abwasser müssen als funktionsfähige Reserven erhalten und weiterentwickelt werden.

Die bereits früher dokumentierten Probleme – fehlender vollständiger Masterplan, frühere Produktionsausfälle infolge von Meerwasserverschmutzungen sowie die Belastung des Küstenaquifers – erhalten durch die Ereignisse der vergangenen Wochen neue Aktualität.

-> Israel – Water Tech Nation