Rechtsextremer Beifall für linken ›Antizionismus‹

0
63
Rotes Rathaus Berlin, Foto: Duden-Dödel / CC BY-SA 4.0

Der grassierende linke ›Antizionismus‹ wird von Rechtsextremen wie Jürgen Elsässer als Anknüpfungspunkt für ihre ›Querfront‹-Bestrebungen aufgegriffen.

Von Thomas Tews

In einem am Tag nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin auf der Webseite des – vom Bundesamt für Verfassungsschutz als »gesichert rechtsextremistisch« eingestuften – Magazins Compact veröffentlichten Kommentar formuliert Compact-Chefredakteur Jürgen Elsässer »Lockerungsübungen nach der Berlin-Wahl«, mit denen er den angeblich »von Mitte-Rechts« gepflegten »Weltuntergangs- und Auswanderungsfantasien« entgegenwirken möchte.

In diesen Einwendungen attestiert Elsässer der Partei »Die Linke«, dass sie »[v]on allen Blockparteien […] den geringsten Schuldkult-Level« aufweise, weswegen er, wenn der Zentralrat der Juden sage, die Partei »Die Linke« dürfe nicht regieren, »aus Prinzip dafür« sei. Zudem sei es »richtig und notwendig«, dass die Partei »Die Linke« »antizionistisch« bleibe und nicht »wie die FPÖ und die übrige europäische Rechte« »prozionistisch« werde.

Elsässers Rekurs auf den rechtsextremen, geschichtsrevisionistischen Kampfbegriff »Schuldkult« lässt an die berüchtigte Dresdener Rede des – vom Bundesamt für Verfassungsschutz als Rechtsextremisten eingestuften – Thüringer AfD-Vorsitzenden Björn Höcke denken. Darin hatte dieser beklagt, dass die Deutschen »das einzige Volk der Welt« seien, »das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt« habe –gemeint war das Berliner Denkmal für die ermordeten Juden Europas –, und eine »erinnerungspolitische Wende um 180 Grad« gefordert.

Elsässers Goutieren des ›Antizionismus‹ der Partei »Die Linke« vermag vor dem Hintergrund, dass unlängst eine Sonderausgabe seines rechtsextremen Compact-Magazins unter dem Titel »Schurkenstaat. Geschichte und Gegenwart Israels« erschien, nicht zu verwundern. Diese Ausgabe breche, wie es in ihrer Vorstellung heißt, »ein großes Tabu in der BRD«, nämlich, dass »Israel, seit Merkel ›deutsche Staatsräson‹, […] nicht kritisiert werden« dürfe. In ihrer Vorstellung darf selbstverständlich der für antisemitische Verschwörungsmythen unentbehrliche Verweis auf »das Bankhaus Rothschild« nicht fehlen und sie gipfelt in der Behauptung, dass Israels »politisch-religiöse Führung ihre[n] alttestamentarischen Endzeitvisionen mit Atomkriegsplänen näher kommen« wolle.

Dass ›Antizionismus‹ oftmals nur eine moderne Metamorphose des jahrhundertealten antijüdischen Ressentiments darstellt, legte Nelly Eliasberg, Sprecherin des Vereines »WerteInitiative. jüdisch-deutsche Positionen«, in einem in der Jüdischen Allgemeinen vom 11. Juni dieses Jahres erschienenen Kommentar dar:

»Unsere Gesellschaft hat aus der Vergangenheit gelernt, aber nicht alle richtigen Schlüsse gezogen. Sie hat nicht gelernt, dass Judenhass ein mutierender Virus ist, der sich stets dem Zeitgeist anpasst und heute als Antizionismus grassiert.
Wir leben nicht mehr im Zeitalter des Antijudaismus. Und auch nicht mehr im Zeitalter des Antisemitismus. Wir leben im Zeitalter des Antizionismus, in dem alles Unheil dieser Welt auf Israel, den kollektiven Juden, projiziert und der Einzeljude zur Zielscheibe wird.«

Für Rechtsextreme wie Jürgen Elsässer bietet der grassierende linke ›Antizionismus‹ einen Anknüpfungspunkt für ihre ›Querfront‹-Bestrebungen. Letztere manifestieren sich beispielsweise in einem am 29. Mai dieses Jahres auf der Compact-Webseite erschienenen Beitrag, dessen Autorin, Valentina Schacht, eine aus »Rechte[n], Linke[n] und Querdenker[n]« gebildete »Querfront für Deutschland, die diesen Namen auch« verdiene, fordert.