Erinnerungszeichen für Anna Paroubek (1870 – 1943)

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Anna Paroubek mit Familie in München, Foto: privat

Am 15. September wird ein erstes Erinnerungszeichen in Hadern für Anna Paroubek (1870 – 1943) gesetzt. Bei der Gedenkveranstaltung im Kulturzentrum Guardini90 in Hadern verlesen ihre Angehörigen Christian und Toni Heilmaier ihre Biographie und erzählen über ihr Leben. Teilnehmen werden unter anderem Stadträtin Nimet Gökmenoğlu in Vertretung des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt München, Prof. Dr. Juliane B. Sagebiel (Liberale Jüdische Gemeinde München Beth Shalom) und Reinhard Weber (Geschichtsverein Hadern).

Anna Paroubek, geborene Graf, kam 1870 in Czellechowitz – heute Teil der tschechischen Stadt Stochov – zur Welt. Noch vor der Jahrhundertwende zog sie auf der Suche nach Arbeit nach München. Dort heiratete sie im Jahr 1900 den katholischen Herrenschneider Anton Paroubek. Anna Paroubek gehörte dem jüdischen Glauben an, praktizierte ihn aber nicht. Ihre Tochter Emilie, 1904 geboren, wurde katholisch erzogen. Anton Paroubek hatte in München eine gut gehende Schneiderei, Anna Paroubek arbeitete im Geschäft mit. 1921 zog die Familie in das damals noch eigenständige Großhadern. Dort lebte sich die Familie rasch ein. Nach dem Tod von Anton Paroubek 1932 gab Anna die Schneiderei auf und zog in eine kleinere Wohnung in der Heiglstraße 32. 

Mit Beginn der NS-Herrschaft begann sich das Leben von Anna Paroubek zu verengen. Obwohl ihre Tochter Emilie mit ihren drei Kindern direkt nebenan lebte, durfte sie sie nicht besuchen, denn der Vermieter duldete keine Jüdinnen und Juden im Haus. Als sie ab September 1941 in der Öffentlichkeit den Judenstern tragen sollte, verließ Anna Paroubek ihre Wohnung nicht mehr. Am 23. Juli 1942 deportierte sie die Gestapo zusammen mit 49 weiteren Menschen in das Ghetto Theresienstadt. Die Finanzbehörden zogen ihr gesamtes Vermögen ein und ließen das Inventar ihrer Wohnung versteigern. Emilie Paroubek kaufte bei der Auktion einen Zierschrank zurück, ein altes Erbstück, das noch heute in Familienbesitz ist. In Theresienstadt litt Anna Paroubek an Unterernährung und Isolation. Am 15. September 1943 starb sie dort im Alter von 73 Jahren an den unmenschlichen Lebensbedingungen.

Programm am Dienstag, 15. September 2026

17 Uhr
Gedenkveranstaltung 
Kulturzentrum Guardini90, Guardinistraße 90

Es sprechen: 

Antonia Heigl, Guardini90
Stadträtin Nimet Gökmenoğlu in Vertretung des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt München
Prof. Dr. Juliane B. Sagebiel, Liberale Jüdische Gemeinde München Beth Shalom e. V.
Christian Heilmaier, Angehöriger (Er verliest die Biografie von Anna Paroubek)
Reinhard Weber, Geschichtsverein Hadern, im Dialog mit dem Angehörigen Toni Heilmaier
Musik: Thomas Friese (Klavier) und Corinna Schröder (Violine)

18.15 Uhr 
Anbringung des Erinnerungszeichens am ehemaligen Wohnort
Großhaderner Straße 18 (früher Heiglstraße 32)

Es spricht: Gabriele Radeck, Bezirksausschuss 20 – Hadern

Zu den Erinnerungszeichen:

Erinnerungszeichen werden seit 2018 an Orten angebracht, an denen Menschen lebten, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Die Erinnerungszeichen bestehen aus gebürstetem Edelstahl und sind vergoldet. Es gibt sie als Wandtafeln an der Fassade und als Stelen auf öffentlichem Grund. Sie enthalten die wichtigsten Lebensdaten, Angaben zum Schicksal und – falls vorhanden – ein Bild.

Weitere Informationen: www.erinnerungszeichen.de