Mit Adorno für Israel

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Kritische Theorie gegen linken Antizionismus und islamogauchisme

Von Stephan Grigat
Erschienen in: Andreas Jacobs/Richard Ottinger (Hrsg.): Akademischer Antisemitismus. Wie Forschung und Lehre Judenhass begründen und verbreiten, Leipzig 2026 (Hentrich & Hentrich).

Antisemitismus in linken akademischen Milieus äußert sich in den letzten Jahren insbesondere in einem projektiven Antizionismus, der je nach politischer Orientierung und theoretischen Bezügen antiimperialistisch, antinational oder postkolonial „begründet“ wird. Immer häufiger stehen diese „Begründungen“ in einem unmittelbaren Zusammenhang mit einer Sicht auf den politischen Islam, die bei großen Teilen sowohl der akademischen als auch der aktivistischen Linken mal von Ignoranz und Unfähigkeit zur Kritik, mal von Verharmlosung oder Relativierung und immer öfter von offener Kooperation geprägt ist. Es wäre jedoch ein grober politischer Fehler und würde zu inadäquaten Zustandsbeschreibungen führen, die antisemitismuskritischen Teile der Linken auszublenden. Sowohl bei der Beurteilung des Zionismus und Israels als auch bei der Positionierung gegenüber den diversen islamistischen Strömungen und dem orthodox-konservativen Mehrheitsislam existieren linke Theorietraditionen, die sich gegen die derzeitige Hegemonie von Israelhass und Islamverklärung in großen Teilen der globalen Linken wenden ließen. Sowohl historisch als auch gegenwärtig gilt: die schärfsten Kritiker von Antisemitismus in der Linken, vermeintlich progressivem Israelhass und dem islamogauchisme[1] fühlen sich selbst linken Theorietraditionen verpflichtet – insbesondere der Kritik der politischen Ökonomie von Karl Marx und der klassischen Kritischen Theorie von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer.

Seit Anfang der 1990er-Jahre hat sich im deutschsprachigen Raum eine sowohl akademische als auch außerakademische theoretische und praktische Kritik entwickelt, in welcher der Marxismus mit Marx und die real existierende Linke mit der Kritischen Theorie und ihren ideologiekritischen Weiterentwicklungen ins Visier genommen wird. Auch in der Konstellation seit dem 7. Oktober 2023 sind es im aktivistischen Bereich maßgeblich Teile der linken Antifa, die sich den antiisraelischen Massenaufmärschen in deutschen Städten entgegenstellen; und im akademischen Bereich sind es vornehmlich aus der Linken stammende Autorinnen und Autoren, die dem Antisemitismus, seiner Verharmlosung und der Fraternisierung mit der Gegenaufklärung etwas entgegensetzen.[2] Das soll im Folgenden anhand der Antisemitismuskritik, des Verständnisses von Zionismus und israelischer Souveränität sowie des Verhältnisses zum politischen Islam exemplarisch illustriert werden.

I. Kritische Theorie des Antisemitismus

Die in der Kritik der politischen Ökonomie des 19. Jahrhunderts maßgeblich von Karl Marx entwickelte Kritik des Fetischismus und Mystizismus der modernen Gesellschaft ist von entscheidender Bedeutung für die Kritik der judenfeindlichen pathisch-projektiven Weltbetrachtung und liefert die Grundlage für eine Kritische Theorie des Antisemitismus, welche die Kritik antisemitischer Ressentiments in der Linken notwendigerweise beinhaltet: Die Begriffsschärfe der entfalteten Kritik der politischen Ökonomie ist notwendig, um das Umschlagen einer Ökonomiekritik in ein verfolgendes Ressentiment zu verunmöglichen oder zumindest entscheidend zu erschweren.[3]

Während die Mehrheit der linken Faschismusforscher den Antisemitismus lange Zeit als Herrschaftstechnik verharmlosten oder einfach dem Rassismus im Allgemeinen subsumiert haben, hat die Kritische Theorie die materialistische Antisemitismustheorie – das heißt, die Kritik des Antisemitismus als Gesellschaftskritik – begründet. Nach 1945 haben sich zentrale Vertreter der klassischen Kritischen Theorie zudem explizit mit Israel solidarisiert – anders als die Mehrheit der bei ihnen studierenden linken Aktivisten, die nach 1968 drei Jahrzehnte lang das akademische Klima in der Bundesrepublik entscheidend geprägt haben. Diese Solidarität der aus dem US-amerikanischen Exil nach Frankfurt zurückgekehrten Vordenker der Kritischen Theorie führte zwar nicht dazu, die Bedeutung des Zionismus in vollem Ausmaß zu erfassen,[4] aber sie implizierte die Solidarität mit Israel als Zufluchtsstätte für alle vom Antisemitismus Bedrohten. Genau deswegen geraten sie heute ins Visier der pro-Hamas-Demonstranten und der PFLP-Fans an deutschen Hochschulen: Im Protestcamp an der Frankfurter Goethe-Universität wurde 2024 auf einem Transparent gefordert, die „Frankfurter Schule“ der Kritischen Theorie durch eine „Palästinensische Schule“ zu ersetzen.[5]

Aber nicht allein der Prozionismus von Adorno und Horkheimer ist für die aktuellen antisemitischen Aktivisten im akademischen Milieu eine Provokation, sondern bereits die diesem Prozionismus zugrundeliegende Kritische Theorie des Antisemitismus. Eine entfaltete Kritik des Antisemitismus muss sich in Abgrenzung zu einem traditionellen Theorieverständnis stets dem Anspruch verpflichtet fühlen, ein – wie Horkheimer es früh für eine allgemeine kritische Theorie der Gesellschaft formuliert hat – „einziges entfaltetes Existenzialurteil zu sein“.[6] Anstatt Antisemitismus als simples Vorurteil zu verharmlosen, über das man allein durch bessere Information aufklären könne, sollte er als eine Kritik an der „antisemitischen Gesellschaft“ im Sinne von Adornos und Horkheimers „Dialektik der Aufklärung“ dechiffriert werden.[7] Der Hass auf Juden und das Judentum existiert zwar seit Jahrtausenden, aber Antisemitismus ist keine anthropologische Konstante, sondern eine je unterschiedliche wahnhaft-projektive Reaktion auf die jeweils historisch bestehenden Gesellschaften.[8]

In diesem Verständnis ist der Antisemitismus des 19., 20. und 21. Jahrhunderts die antiemanzipatorische Ideologie schlechthin: In ihm bündelt sich der Hass auf Aufklärung, Selbstreflexion und Freiheit – und der Antisemitismus in der Linken kann vor diesem Hintergrund als Paradebeispiel einer konformistischen Revolte dechiffriert werden: Einverständnis in Form von Pseudorebellion. Der moderne Antisemitismus reagiert auf die Widersprüche der modernen Gesellschaft. Alles als unangenehm und bedrohlich Wahrgenommene wird auf Juden, das Judentum und später auch auf den jüdischen Staat projiziert und dann bekämpft. Mit einer enormen Verschiebungsleistung werden im Antisemitismus Juden, das Judentum oder ein „jüdisches Prinzip“ für die Ambivalenzen und für sowohl gesellschaftliche als auch persönliche Krisen verantwortlich gemacht.

Antisemitismus ist wesentlich eine Reaktionsweise auf eine nicht begriffene, sich selbst mystifizierende Gesellschaft,[9] die sich „aus religiösen Motiven, triebökonomisch aus dem Grundgefühl der Ohnmacht und ideologisch aus der selektiven Aneignung der Fetischformen speist.“[10] Antisemitismus betreibt eine scheinbare Vereindeutigung, beruht auf Personalisierung und denkt in manichäischen Bildern. Auf die zunehmende Ablöse von unmittelbaren und persönlichen Herrschaftsverhältnissen durch sachlich vermittelte in der modernen Gesellschaft reagiert der Antisemitismus mit einer pathischen Projektion: der wahnhaften Konkretisierung der als Bedrohung und Zumutung wahrgenommenen Abstraktionen und Vermittlungen in Politik und Ökonomie. Der Antisemitismus ist eine regressive Revolte gegen das globale Prinzip scheinbar subjektloser Herrschaft, durch das sich Menschen „anonymen Mächten“ ausgesetzt sehen. So verstanden ist der Antisemitismus eine Basisideologie der modernen Gesellschaften, die im Sinne der „Dialektik der Aufklärung“ das Potenzial ihrer eigenen Negation im doppelten Sinne hervorbringen: im positiven hin zu einer allgemeinen Emanzipation von Ausbeutung und Herrschaft zum Zweck der Verwirklichung gesellschaftlicher und individueller Autonomie, im negativen in einem Umschlagen in antisemitische Barbarei.

Ein zentrales Moment des modernen Antisemitismus ist der Hass auf die abstrakte Seite ökonomischer Prozesse, die in den Juden biologisiert wird. Das Nicht-Greifbare wird so versucht dingfest zu machen.[11] Am deutlichsten wurde das bei der im Nationalsozialismus vorgenommenen Trennung in deutsches „schaffendes Kapital“ und jüdisches „raffendes Kapital“. Die Grundlage dieser Trennung ist aber keine Erfindung der nationalsozialistischen Ideologie, sondern der Unterscheidung in Arbeitsplätze schaffende, verantwortungsbewusste Industriekapitalisten einerseits und das unproduktive Kapital der Zirkulationssphäre andererseits inhärent. Die Unbegriffenheit der globalen Kapitalverwertung und die ressentimenthafte Kritik an ihren Erscheinungsformen sowie eine in zahlreichen politischen Lagern anzutreffende ideologische Herangehensweise, in der die Ökonomie in eine konkretistisch verklärte produktive einerseits und eine moralisch zu attackierende spekulative andererseits aufgespalten wird, führt mit einer gewissen Notwendigkeit zu einer ressentimenthaften Konkretisierung des als bedrohlich Empfundenen, das aus den unterschiedlichen religiösen Traditionen heraus und in jeweiligen historischen Kontexten mit Juden identifiziert wird. Allein schon dieser zentrale Aspekt des projektiven Wahns des Antisemitismus macht deutlich, dass die antisemitische ideologische Welterklärung nicht einfach mit anderen Formen von „Menschenfeindlichkeit“ oder Diskriminierungen auf eine Stufe gestellt oder lediglich als eine Unterform des Rassismus begriffen werden kann.

II. Linker Pro- und Antizionismus

Der Zionismus ist eine unmittelbare Reaktion auf den modernen Antisemitismus. Adorno, Horkheimer und auch Herbert Marcuse haben sich bei aller Kritik im Einzelnen ganz selbstverständlich mit dem Grundmotiv des Zionismus solidarisch erklärt.[12] Horkheimer war sich bereits im Klaren darüber, dass der Antizionismus als Platzhalter für den Antisemitismus dienen musste und sah die diesbezüglichen Überschneidungen zwischen staatssozialistischer und nationalsozialistischer Propaganda.[13] Er registrierte – auch wenn das in der öffentlichen Auseinandersetzung mit der Studentenbewegung kaum eine Rolle spielte – die Verbrüderung großer Teile der deutschen Linken mit der damals noch viel unumwundener auf Vernichtung setzenden palästinensischen Nationalbewegung.[14]

Am Tag des Ausbruchs des Sechs-Tage-Krieges 1967 schrieb Adorno an seine Wiener Freundin Lotte Tobisch:

„Wir machen uns schreckliche Sorgen wegen Israel. […] In einem Eck meines Bewußtseins habe ich mir immer vorgestellt, daß das auf die Dauer nicht gut gehen wird, aber daß sich das so rasch aktualisiert, hat mich doch völlig überrascht. Man kann nur hoffen, daß die Israelis einstweilen immer noch militärisch den Arabern soweit überlegen sind, daß sie die Situation halten können.“[15]

Einen Tag später sprach er öffentlich, als er sich zur Ermordung des Studenten Benno Ohnesorg in Berlin äußerte, auch von dem „Furchtbaren, das Israel, der Heimstätte zahlloser vor dem Grauen geflüchteter Juden, droht.“[16] Zwei Jahre später war Adorno vom Niederbrüllen des israelischen Botschafters in Frankfurt durch deutsche linke und arabisch-nationalistische Studenten dermaßen entsetzt, dass er in einem Brief an Marcuse gar von der Gefahr eines Umschlagens der Studentenbewegung in Faschismus sprach.[17]

Auch Marcuse, der für die regressiven Tendenzen in der Studentenbewegung weniger sensibilisiert war als Adorno und Horkheimer, erklärte sich mit dem Grundmotiv der zionistischen Bewegung solidarisch:

„Ich kann nicht vergessen, daß die Juden jahrhundertelang zu den Verfolgten und Unterdrückten gehörten, daß sechs Millionen von ihnen vor nicht allzu langer Zeit vernichtet worden sind. Das ist eine Tatsache. Wenn endlich für diese Menschen ein Bereich geschaffen wird, in dem sie vor Verfolgung und Unterdrückung keine Angst mehr zu haben brauchen, so ist das ein Ziel, mit dem ich mich identisch erklären muß.“[18]

In der Jerusalem Post, wo er 1972 seine Eindrücke von einer zweiwöchigen Israelreise zusammenfasste, schrieb er: „Ich glaube, daß der historische Zweck der Gründung des Staates Israel darin bestand, eine Wiederholung von Konzentrationslagern, Pogromen und anderen Formen der Verfolgung und Diskriminierung zu verhindern. Diesen Zweck […] unterstütze ich voll.“[19] Marcuse war sich bewusst darüber, dass dieser Zweck nicht in Form eines UN-Reservats für Jüdinnen und Juden oder durch andere paternalistische Maßnahmen jener Weltgemeinschaft erreicht werden kann, die sich von der Shoah kaum beeindruck gezeigt hat: „Unter den gegenwärtigen internationalen Bedingungen setzt die Verfolgung dieses Zwecks die Existenz eines souveränen Staates voraus, der verfolgte oder von Verfolgung bedrohte Juden aufnehmen und schützen kann.“[20]

Ähnlich wie Marcuse äußerte sich auch Leo Löwenthal, der in seiner Studentenzeit in Heidelberg Mitglied einer zionistischen Studentenorganisation war, sich später aber enttäuscht zeigte von der israelischen Realität. Löwenthal formulierte massive Kritik an der Art und Weise der zionistischen Siedlungspolitik und befürchtete, dass eine fehlende Aussöhnung mit der arabischen Bevölkerung zu „bösen Konflikten, wenn nicht zu Katastrophen“ führen könne, verbat sich aber gleichzeitig jeden Zweifel daran, dass er ein Unterstützter Israels sei.[21]

Horkheimer formulierte schon früh eine Kritik am linken antiimperialistischen Weltbild, das bis heute den antiliberalen Furor in Teilen der Linken ebenso befeuert wie den Völkerrechtsfetischismus, den man zuletzt in deutlicher Ausprägung bei den Reaktionen auf die israelischen Militärschläge gegen das iranische Regime und sein Nuklearwaffenprogramm beobachten konnte: „Die Souveränität eines Landes ist etwas anderes als die Freiheit derer, die in ihm leben.“[22] Insbesondere in Horkheimers Notizen finden sich immer wieder weitsichtige Ausführungen zu einem möglichen Bündnis zwischen einem von Deutschland dominierten Europa und den auf die Vernichtung Israels abzielenden arabischen Staaten. Ähnliche Befürchtungen formulierte auch Adorno. In „Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit“, ein Aufsatz, der in der universitären Linken der 1960er und 1970er Jahre stark rezipiert wurde, – ohne allerdings, dass die Warnungen vor einem regressiven trikontinentalen Antiimperialismus zu breiteren Diskussionen geführt hätten –, schreibt er:

„Das faschistische Wunschbild heute verschmilzt ohne Frage mit dem Nationalismus der sogenannten unterentwickelten Länder […]. Einverständnis mit denen, die in der imperialistischen Konkurrenz sich zu kurz gekommen fühlten, und selber an den Tisch wollen, drückte schon während des Krieges in den slogans von den westlichen Plutokratien und den proletarischen Nationen sich aus.“[23]

Es ist kein Zufall, dass gerade jene Intellektuelle, die sich so entscheidend vom gängigen Marxismus und der real-existierenden Linken abgrenzten, sich mit Israel solidarisch zeigten. Wenn eine Praxis, die auf allgemeine Emanzipation zielt, abgeschnitten ist und große Teil der real existierenden Linken nicht für etwas Besseres, sondern etwas Schlechteres als das Bestehende stehen, liegt es nahe, zumindest die Rudimente der wie auch immer beschränkten bürgerlichen Freiheit zu verteidigen. Horkheimer schrieb 1967 in einer Notiz über „Die Pseudoradikalen“, die nichts an Aktualität verloren hat: „Heute kommt es […] darauf an, zu retten, was von der persönlichen Freiheit noch übrig ist. Radikal sein heißt heute konservativ sein.“[24]

Auch wenn Autoren wie der auf antizionistischen Kongressen gerne gesehene ehemalige Leiter des Instituts für deutsche Geschichte an der Universität Tel Aviv, Moshe Zuckermann, postulieren, Zionismus und Kritische Theorie seien schlicht unvereinbar[25], ist der kritische Pessimismus Adornos und Horkheimer dem Zionismus durchaus verwandt. Der Mainstream-Marxismus hat sich selbst von der Shoah nicht von seinem optimistischen Geschichtsverständnis abbringen lassen. Für Zionismus und Kritische Theorie hingegen markiert der Nationalsozialismus den welthistorischen Bruch. Der Zionismus zog die praktischen Konsequenzen aus dem Scheitern sowohl aller Assimilierungsversuche als auch der bürgerlichen und sozialistischen Gleichheitsversprechen und misstraut seitdem völlig zu Recht jedem Versöhnungsangebot. Die Kritische Theorie zog die theoretischen Konsequenzen aus der Katastrophe für die materialistische Gesellschaftskritik, misstraut jedem linken Heilsversprechen und konfrontiert jede Gesellschaftskritik mit dem neuen kategorischen Imperativ, „im Stande der Unfreiheit“ jegliches „Denken und Handeln so einzurichten, daß Auschwitz nicht sich wiederhole, nichts ähnliches geschehe“.[26] Im Zionismus konstruiert sich Geschichte ähnlich wie in der Kritischen Theorie „nicht als Zu-sich-selbst-Kommen des Wesens, sondern als der historische Zusammenhang der Katastrophen und als Abwehr der kommenden. Die Zionisten handeln, als hätten sie sich der Bewahrheitung der ‚Geschichtsphilosophischen Thesen’ Walter Benjamins verschrieben.“[27]

Sowohl in der klassischen Kritischen Theorie als auch in späteren Bezugnahmen auf sie wird ein klarer Gegenentwurf zur Israelfeindschaft eines Großteils der historischen und der gegenwärtigen Linken formuliert. Womit man es in einem ideologiekritischen Sinn beim linken Hass auf Israel und den Zionismus zu tun hat, ist in den letzten 30 Jahren mehrfach herausgearbeitet worden: Die Existenz von antisemitischen Ressentiments in großen Teilen der Linken ist heute evident und angesichts der ausufernden Literatur, die sie wieder und wieder belegen,[28] kann ihr Leugnen schon lange nur mehr als eine ihrer Ausdrucksformen angesehen werden. In den meisten Spielarten des Antizionismus treten sie als eine spezifische Form des Antisemitismus nach Auschwitz auf. Einerseits aus Mangel an konkreten Hassobjekten, andererseits wegen der (seit dem 7. Oktober 2023 zunehmend löchrig werdenden) Tabuisierung von offener Judenfeindschaft in linken Kreisen, richten sie sich gegen den kollektiven Juden, den Staat Israel. Dass die im Antizionismus angelegten Vernichtungsfantasien und -versuche nicht Realität geworden sind, verdankt sich der israelischen Staatsgewalt.

Viel lässt sich dem heute nicht hinzufügen. Allerdings ist es notwendig, den konkreten Erscheinungsformen und den Transformationen des linken Antizionismus nachzuspüren. Seit Mitte der 1990er Jahre hat ein Wandel in den Begründungsmustern der antizionistischen Agitation stattgefunden: Während in den Jahrzehnten des Kalten Krieges ein antiimperialistischer, auf den Marxismus-Leninismus rekurrierender „Befreiungsnationalismus“ der zentrale Bezugspunkt war, hat sich in den letzten drei Dekaden ein abstrakter Antinationalismus und geschichtsloser Universalismus, wie er sich exemplarisch in den explizit antizionistischen Schriften Judith Butlers findet, zur maßgeblichen Legitimation des linken Antizionismus gemausert.[29]

Die Nazis unterstellten den Juden noch, sie seien zur Gründung eines echten Staates gar nicht in der Lage. Würden Juden ein staatsähnliches Gebilde erschaffen, so könne das nichts anderes sein als eine Art Universität für den jüdischen Zersetzungsgeist, der die „echten“, als natürlich und organisch gedachten Staaten ins Unglück stürze.[30] Diese Sicht auf den Zionismus fand sich in modifizierter Form nach dem Nationalsozialismus im autonom-anarchistischen und marxistisch-leninistischen, im arabisch-nationalistischen und im islamistischen Gerede von Israel als „künstlichem Gebilde“ wieder, bei dem sich schon immer die Frage aufdrängte, ob andere Staaten am Baum oder auf der Wiese gewachsen seien. Heute jedoch werfen Antizionisten den israelischen Juden vor, sie würden halsstarrig auf ihrem Nationalstaat beharren, obwohl die Weltgesellschaft sich doch schon längst im „postnationalen Zeitalter“ befände. Der Zionismus sei als Nationalismus heute nur mehr ein „Anachronismus“, wie Tony Judt es zu Zeiten der Zweiten Intifada Anfang der 2000er Jahre für die globale Linke ausbuchstabiert hat.[31]

III. Islam-Kritik und Islam-Apologie

Der Bedeutungsverlust marxistisch-leninistischer Bezüge und der Siegeszug poststrukturalistischer und postkolonialer Deutungsmuster an den Universitäten ist mit einer zunehmenden Fraternisierung mit islamistischen Bewegungen und einer Tabuisierung von Kritik am orthodox-konservativen Mehrheitsislam in der akademischen und in der aktivistischen Linken einhergegangen, während in den Zeiten des Kalten Krieges der autoritäre Staatssozialismus noch in relativer Gegnerschaft zum Islamismus stand. Ein Resultat dieses Prozesses im politischen Bereich ist die immer hemmungslosere Kooperation radikaler Linker mit offen djihadistischen Gruppierungen insbesondere in Frankreich und Großbritannien. Aber auch Deutschland ist davon nicht verschont geblieben, was sich nicht nur im akademischen und aktivistischen, sondern auch im politischen Bereich zeigt: Heidi Reichinnek, der neue Shooting-Star der Partei Die Linke, ist Ko-Autorin eines Beitrags aus dem Jahr 2016, in dem offen zur Kooperation mit der islamistischen Muslimbruderschaft aufgerufen wird,[32] wohingegen sich prominente Linke, die sich explizit kritisch zum politischen Islam und zum linken Antizionismus positioniert haben – wie beispielsweise der ehemalige Kultursenator von Berlin, Klaus Lederer –, der Partei seit dem 7. Oktober 2023 zunehmend den Rücken kehren.

An westlichen Universitäten wird seit über zwei Dekaden mit Kampfbegriffen wie „Islamophobie“, mit dem sich auch Vertreter des antisemitischen iranischen Terror-Regimes gegen Kritik zu immunisieren versuchen,[33] jeglicher Einwand gegen eine mit bestimmten Islam-Interpretationen begründete Menschenzurichtung mobil gemacht. Im Rahmen der Organisation für Islamische Zusammenarbeit, in der sich 56 islamisch geprägte Staaten zusammengeschlossen haben, wird selbst die Kritik an der Anwendung der Scharia mit dem Islamophobie-Begriff abgewehrt. Aber auch hier gilt: Ebenfalls seit zwei Jahrzehnten werden derartige Kampfbegriffe von Teilen der Linken kritisiert.[34] Und neben der langen Geschichte von Verharmlosung, Relativierung bis zur offenen Bewunderung des Antisemitismus und des antiliberalen Furors im Islamismus und im orthodox-konservativen Mehrheitsislam existieren in der Linken auch Traditionen einer radikalen Islamkritik – auf die sich in der gegenwärtigen Konstellation allerdings nur noch eine Minderheit in der Linken bezieht.

Schon Marx hatte über den Islam recht Deutliches zu sagen:

„Der Koran und die auf ihm fußende muselmanische Gesetzgebung reduzieren Geographie und Ethnographie der verschiedenen Völker auf die einfache und bequeme Zweiteilung in Gläubige und Ungläubige. Der Ungläubige ist ‚harby‘, d.h. der Feind. Der Islam ächtet die Nation der Ungläubigen und schafft einen Zustand permanenter Feindschaft zwischen Muselmanen und Ungläubigen.“[35]

Und über die Situation der Juden in Jerusalem schrieb Marx 1854 in der New York Daily Tribune:

„Die Muselmanen, die etwa ein Viertel der ganzen Bevölkerung bilden und aus Türken, Arabern und Mauren bestehen, sind selbstverständlich in jeder Hinsicht die Herren […]. Nichts gleicht aber dem Elend und den Leiden der Juden in Jerusalem, die den schmutzigsten Flecken der Stadt bewohnen […], sie sind unausgesetzt Gegenstand muselmanischer Unterdrückung und Unduldsamkeit […].“[36]

Horkheimer attestierte dem Islam einen ausgeprägten, in den Prinzipien der Religion angelegten Hang zu Gewalt und Eroberung und sah ihn deutlich weiter entfernt vom Gedanken einer allgemeinen sowohl gesellschaftlichen als auch individuellen Emanzipation als das Christentum und insbesondere das Judentum.[37] Selbst unter israelischen radikalen Antizionisten fanden sich Ausnahmen von der gängigen linken Islam-Verharmlosung: Der Matzpen-Aktivist Akiva Orr hob sich Anfang der 1990er Jahre durch eine dezidierte Kritik des politischen Islam von einer Vielzahl europäischer Antizionisten ab. Ausgehend von seinen Erfahrungen mit der Islamischen Revolution im Iran erklärte er: „Atheist silence on Islam implies surrender and a step down to religious executions.“[38] Die Situationistische Internationale (S. I.) in Frankreich, die maßgeblich zum Pariser Mai 1968 beigetragen hat, ging noch deutlich weiter und schickte Grußadressen an ihre irakischen Genossen, die „den Koran in den Straßen Bagdads verbrannt haben“.[39] Auch in anderen Schriften der S. I. findet sich eine scharfe und polemische Kritik am Islam, der als Todfeind jeglicher Emanzipation betrachtet wird.[40]

Während sich maßgebliche Teile des europäischen Linksradikalismus lange Illusionen über die Islamische Revolution im Iran von 1979 machten, erschienen in der Zeitschrift Khamsin, in der Aktivisten der israelischen Matzpen von 1974 bis 1987 mit linken arabischen Intellektuellen zusammengearbeitet haben, bald nach dem Siegeszug der Ajatollahs unter Ruholla Khomeini scharfe Kritiken an den Entwicklungen im Iran, insbesondere von Kanan Makiya und dessen Frau Afsaneh Najmabadi. In Khamsin, die von vielen heutigen linken Uni-Gruppen vermutlich boykottiert würde, kamen arabische Marxisten wie Sadik Al-Azm mit scharfer Kritik an Edward Saids Verteufelung des Westens zu Wort, oder Lafif Lakhdar, der „arabische Spinoza“, der eine konsequente Trennung von Politik und Religion in den arabischen Gesellschaften forderte, sich über „dieses Mittelalter, in dem wir immer noch leben“, empörte und explizit die Judenfeindschaft beispielsweise in Ägypten und Algerien thematisierte.[41]

Auch in diesen Fällen ließe sich die heutige Linke von und mit links kritisieren. Insbesondere zu einer materialistischen Islamkritik und zur Islamapologie großer Teile der Linken sind in den letzten 30 Jahren zahlreiche Beiträge ausgehend von einer Ideologiekritik in der Tradition der klassischen Kritischen Theorie erschienen, die sich mitunter selbst nicht mehr als „links“ verorten möchten, aber doch eindeutig in einer linken Theorietradition stehen.[42]

Für eine sinnvolle Auseinandersetzung mit akademischem Antisemitismus in der heutigen Zeit sollte man sich nicht der Versuchung hingeben, sie als Vorwand für eine wohlfeile Abrechnung mit linken Positionierungen zu verwenden – nicht wegen einer völlig unnötigen Ehrenrettung der Linken, die sich auch scharfe Kritik redlich verdient hat, sondern für eine adäquate Beschreibung der Situation einerseits; und andererseits zur Kenntnisnahme von potenziellen Bündnispartnern für eine liberal oder konservativ situierte Verteidigung einer über sich selbst aufgeklärten Aufklärung.

Andreas Jacobs/Richard Ottinger (Hrsg.): Akademischer Antisemitismus. Wie Forschung und Lehre Judenhass begründen und verbreiten, Leipzig 2026 (Hentrich & Hentrich), 192 S., Euro 23,00, Bestellen?

Leseprobe

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Wahdat-Hagh, Wahied, Der islamistische Totalitarismus. Über Antisemitismus, Anti-Bahaismus, Christenverfolgung und geschlechtsspezifische Apartheid in der „Islamischen Republik Iran“, Frankfurt am Main 2012.

Weiß, Volker, „‚Volksklassenkampf‘ – Die antizionistische Rezeption des Nahostkonflikts in der militanten Linken der BRD“, in: Moshe Zuckermann (Hrsg.), Antisemitismus – Antizionismus – Israelkritik, Göttingen 2005, S. 214–238.

Zuckermann, Moshe, „Kritische Theorie in Israel. Analyse einer Nichtrezeption“, in: Moshe Zuckermann (Hrsg.), Theodor W. Adorno. Philosoph des beschädigten Lebens, Göttingern 2004, S. 13–16.

  1. Der Begriff wird in Frankreich bereits seit Beginn der 2000er Jahre für die Kooperation von Linksradikalen und Islamisten verwendet, während im Englischen meistens von einer „red-green alliance“ die Rede ist.
  2. Exemplarisch Ingo Elbe, Antisemitismus und postkoloniale Theorie. Der „progressive“ Angriff auf Israel, Judentum und Holocausterinnerung, Berlin 2024; Stephan Grigat (Hrsg.), Kritik des Antisemitismus in der Gegenwart. Erscheinungsformen – Theorien – Bekämpfung, Baden-Baden 2023; Stephan Grigat, Vom Antijudaismus zum Hass auf Israel. Interventionen zur Kritik des Antisemitismus, Opladen 2025; Stephan Grigat u. a. (Hrsg.), Erinnern als höchste Form des Vergessens? (Um-)Deutungen des Holocaust und der „Historikerstreit 2.0“, Berlin 2023; Stephan Grigat / Karin Stögner (Hrsg.), Projektiver Antizionismus. Antisemitismus gegen Israel vor und nach dem 7. Oktober, Baden-Baden 2025; Lars Rensmann, Politischer Antisemitismus im postfaktischen Zeitalter. Formen und Ursachen in Demokratien des 21. Jahrhunderts, Baden-Baden 2025; Samuel Salzborn, Globaler Antisemitismus. Eine Spurensuche in den Abgründen der Moderne, Weinheim/Basel 2022.
  3. Vgl. Stephan Grigat, Fetisch und Freiheit. Über die Rezeption der Marxschen Fetischkritik, die Emanzipation von Staat und Kapital und die Kritik des Antisemitismus, Freiburg 2007, S. 273–281.
  4. Vgl. Gerhard Scheit, Suicide Attack. Zur Kritik der politischen Gewalt, Freiburg 2004, S. 322.
  5. Vgl. Thunder in Paradise, „Über die Unterwerfung im Studentenmilieu“, in: TIP – Thunder in Paradise, 18.06.2025, https://thunderinparadise.org/2024/06/18/uber-die-unterwerfung-im-studentenmilieu/ [Zugriff: 20.07.2025].
  6. Max Horkheimer, Traditionelle und kritische Theorie: Fünf Aufsätze, Frankfurt am Main 1995, S. 244.
  7. Max Horkheimer / Theodor W. Adorno, Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Frankfurt am Main 1997, S. 225.
  8. Vgl. Ulrich Enderwitz, Antisemitismus und Volksstaat. Zur Pathologie kapitalistischer Krisenbewältigung, Freiburg 2018.
  9. Vgl. Moishe Postone, Deutschland, die Linke und der Holocaust. Politische Interventionen, Freiburg 2005, S. 175–194.
  10. Sven Ellmers: „Was ist moderner Antisemitismus? Ein Erklärungsvorschlag auf Grundlage der Theorien von Freud, Fromm und Postone“, in: Working Papers 24, Centrum für Antisemitismus- und Rassismusstudien (CARS) an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen, Aachen, DOI: https://doi.org/10.17883/5308.
  11. Samuel Salzborn, Antisemitismus als negative Leitidee der Moderne. Sozialwissenschaftliche Theorien im Vergleich, Frankfurt am Main 2010, S. 157–168.
  12. Vgl. Jack Jacobs, The Frankfurt School, Jewish Lives, and Antisemitism, Cambridge 2014; Philipp Lenhard, „Reconstruction und Reeducation. Max Horkheimer und die deutsch-israelische Freundschaft, 1948–1973“, in: Naharaim. Zeitschrift für deutsch-jüdische Literatur und Kulturgeschichte, Bd. 11, Heft 1–2, 2017, DOI: https://doi.org/10.1515/naha-2017-0001.
  13. Max Horkheimer, Briefwechsel 1949–1973 (Gesammelte Schriften, Bd. 18), Frankfurt am Main 1996, S. 725.
  14. Max Horkheimer, Nachgelassene Schriften 1949–1969 (Gesammelte Schriften, Bd. 14), Frankfurt am Main 1988, S. 539.
  15. Theodor W. Adorno / Lotte Tobisch, Der private Briefwechsel, Graz/Wien 2003, S. 197.
  16. Zit. n. Wolfgang Kraushaar, Frankfurter Schule und Studentenbewegung. Von der Flaschenpost zum Molotowcocktail. 1946 bis 1995, Hamburg 1998, S. 241.
  17. Vgl. ebd., S. 652.
  18. Herbert Marcuse, Nachgelassene Schriften, Bd. 4: Die Studentenbewegung und ihre Folgen, Springe 2004, S. 142.
  19. Ebd., S. 147 f.
  20. Ebd.
  21. Leo Löwenthal, Judaica, Vorträge, Briefe (Schriften, Bd. 4), Frankfurt am Main 1990, S. 274.
  22. Horkheimer, Briefwechsel 1949–1973, S. 490. Zum Völkerrechtsfetischismus siehe Gerhard Scheit, Der Wahn vom Weltsouverän. Zur Kritik des Völkerrechts, Freiburg 2009.
  23. Theodor W. Adorno, „Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit“, in: Theodor W. Adorno, Kulturkritik und Gesellschaft II (Gesammelte Schriften, Bd. 10.2), Frankfurt am Main 1997, S. 565.
  24. Horkheimer, Nachgelassene Schriften 1949–1969, S. 413.
  25. Vgl. Moshe Zuckermann, „Kritische Theorie in Israel. Analyse einer Nichtrezeption“, in: Moshe Zuckermann (Hrsg.), Theodor W. Adorno. Philosoph des beschädigten Lebens, Göttingern 2004, S. 13–16.
  26. Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, (Gesammelte Schriften, Bd. 6). Frankfurt am Main 1997, S. 358.
  27. Initiative Sozialistisches Forum, Furchtbare Antisemiten, ehrbare Antizionisten. Über Israel und die linksdeutsche Ideologie, Freiburg 2002, S. 14.
  28. Vgl. exemplarisch Volker Weiß, „‚Volksklassenkampf ‘ – Die antizionistische Rezeption des Nahostkonflikts in der militanten Linken der BRD“, in, Moshe Zuckermann (Hrsg.), Antisemitismus – Antizionismus – Israelkritik, Göttingen 2005, S. 214–238; Wolfgang Kraushaar, „Abspaltung und Potenzierung. Zum Verhältnis von Antizionismus und Antisemitismus in der militanten Linken der Bundesrepublik“, in: Matthias Brosch u. a. (Hrsg.), Exklusive Solidarität. Linker Antisemitismus in Deutschland, Berlin, 2007, S. 325–346; Holger Knothe, Eine andere Welt ist möglich – ohne Antisemitismus? Antisemitismus und Globalisierungskritik bei Attac, Bielefeld 2009; Olaf Kistenmacher, Arbeit und „jüdisches Kapital“. Antisemitische Aussagen in der KPD-Tageszeitung Die Rote Fahne während der Weimarer Republik, Bremen 2016; Robert Fine / Philip Spencer, Antisemitism and the Left: The Recurrence of the Jewish Question, Manchester 2016; David Hirsh, Contemporary Left Antisemitism, London/New York 2018; Lars Rensmann, „The Peculiar Appeal of the ‘Jewish Question’: The Case of Left Antisemitism“, in: Antisemitism Studies, Vol. 3, No. 2, 2019, S. 343–371; Jeffrey Herf, Unerklärte Kriege gegen Israel. Die DDR und die westdeutsche radikale Linke 1967–1989, Göttingen 2019; Martin Kloke, „‚Beziehungsstatus: Es ist kompliziert‘: Die deutsche Linke und Israel“, in: Marin Jander / Anetta Kahane (Hrsg.), Gesichter der Antimoderne. Gefährdungen demokratischer Kultur in der Bundesrepublik Deutschland, Baden-Baden 2020, S. 157–178.
  29. Judith Butler, Am Scheideweg. Judentum und die Kritik am Zionismus, Frankfurt am Main 2013. Kritisch dazu Stephan Grigat, Die Einsamkeit Israels. Zionismus, die israelische Linke und die iranische Bedrohung, Hamburg 2014, S. 125–129.
  30. Vgl. Eberhard Jäckel / Axel Kuhn (Hrsg.): Adolf Hitler: Sämtliche Aufzeichnungen 1905–1924. Stuttgart 1980, S. 190.
  31. Tony Judt, „Israel. Die Alternative“, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Nr. 12, 2003, S. 1463–1479. Ganz ähnlich Micha Brumlik, der den Gedanken des Nationalstaats für „objektiv überholt“ hält: Wann, wenn nicht jetzt. Versuch über die Gegenwart des Judentums, Berlin 2016, S. 92.
  32. Ivesa Lübben / Heidi Reichinnek / Julius Dihstelhoff, „Mit Islamisten reden! Über die Notwendigkeit von kritischem Dialog und programmatischer Einbeziehung“, in: Peter Schäfer / Tanja Tabbara (Hrsg.), Dialog mit dem politischen Islam II (Materialien Nr. 17, hrsg. v. Rosa-Luxemburg-Stiftung), Berlin 2016, S. 10–23.
  33. Vgl. Wahied Wahdat-Hagh, Der islamistische Totalitarismus. Über Antisemitismus, Anti-Bahaismus, Christenverfolgung und geschlechtsspezifische Apartheid in der „Islamischen Republik Iran“, Frankfurt am Main 2012, S. 96.
  34. Vgl. exemplarisch Manuel Frischberg, „Das Konzept ‚Islamophobie‘ als Abwehr westlicher Zumutungen. Zur Genese eines Kampfbegriffs“, in: Stephan Grigat (Hrsg.), Feindaufklärung und Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus, Freiburg 2006, S. 155–172.
  35. Karl Marx: „Die Kriegserklärung – Zur Geschichte der orientalischen Frage“, in: Karl Marx / Friedrich Engels, Werke, Bd. 10, Berlin/DDR 1961, S. 170.
  36. Ebd., S. 175.
  37. Max Horkheimer, Vorträge und Aufzeichnungen1979–1973 (Gesammelte Schriften, Bd. 7.), Frankfurt am Main 1985, S. 141 f. und 156.
  38. Akiva Orr, Israel: Politics, Myths and Identity Crisis, London 1994, S. 158. Die Gruppe um die Zeitschrift Matzpen war die wichtigste Formation der Neuen Linken in Israel.
  39. Situationistische Internationale, „Adresse an die Revolutionäre Algeriens und aller Länder“, in: Situationistische Internationale, No. 10, 1965, https://www.si-revue.de/adresse-an-die-revolutionäre-algeriens-und-aller-länder/ [Zugriff: 20.07.2025].
  40. Vgl. Andreas Benl, „Debord lesen in Teheran. Die Situationistische Internationale, der Antisemitismus und die orientalische Ideologie“, in: sans phrase. Zeitschrift für Ideologiekritik, Heft 2, 2017, S. 206.
  41. Zit. n. Lutz Fiedler, Matzpen. Eine andere israelische Geschichte, Göttingen 2017, S. 284.
  42. Vgl. exemplarisch Matthias Küntzel, Djihad und Judenhass. Über den neuen antijüdischen Krieg, Freiburg 2002; Florian Markl, „‚Freiheit, Islam, Frieden‘: Ein Aufruf zum allgemeinen Krieg“, in: Stephan Grigat, Feindaufklärung und Reeducation. Kritische Theorie gegen Postnazismus und Islamismus, Freiburg 2006, S. 173–200; Karl-Heinz Lewed, „Erweckungserlebnis als letzter Schrei. Der Islamismus und die rational-irrationale Subjektivität der Warengesellschaft“, in: Krisis. Beiträge zur Kritik der Warengesellschaft, Heft 33, 2010, S. 16–57; Gerhard Scheit, „Völkischer und islamischer Behemoth. Die ‚Islamische Republik Iran‘ vor dem Hintergrund der Erfahrung des Nationalsozialismus und der kategorische Imperativ angesichts der Bedrohung Israels“, in: Stephan Grigat (Hrsg.), Iran – Israel – Deutschland. Antisemitismus, Außenhandel und Atomprogramm, Berlin 2017; Miriam Mettler, „Triebstruktur und Ehrbegriff. Elemente der autoritären Persönlichkeit im Islam“, in: sans phrase. Zeitschrift für Ideologiekritik, Heft 15, 2019, S. 13–31.