Lesungen in der Eberhard-Ossig-Stiftung

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Die Eberhard-Ossig-Stiftung fördert ein tieferes Verstehen des Judentums unter den Christen und des Christentums unter den Juden. Sie will dazu beitragen, dass Christinnen und Jüdinnen aufeinander hören und in vielfältiger Weise Glaubens- und Lebenserfahrungen miteinander teilen. Sie fördert also Begegnung und Dialog auf Augenhöhe.

Seit dem Sommer 2018 verfügt die Eberhard-Ossig-Stiftung über einen Veranstaltungsraum, schräg gegenüber vom jüdischen Museum Berlin. Hier werden in verschiedenen Formaten und Veranstaltungen Begegnung, Austausch, aufeinander hören, sich seiner selber vergewissern gefördert. 

Die kommenden Lesungen

Anmeldung jeweils per e-Mail erbeten! info@eberhard-ossig-stiftung.de.

ORT: Stiftungsraum, Markgrafenstraße 84, 10969 Berlin; schräg gegenüber vom Jüdischen Museum

Eintritt frei, Spenden gern.

23. Juli 2026 | 19.00 Uhr
Sara Klatt
Das Land, das ich dir zeigen will

Sara Klatt, 1990 geboren, ist in Hamburg aufgewachsen. Sie ist Enkelin eines nach Israel ausgewanderten Berliner Juden, ihr Vater flüchtete 1944 aus Königsberg. Im Alter von 21 zog sie erstmals für ein Jahr nach Tel Aviv und kehrte später immer wieder für längere Aufenthalte und zahlreiche fotografische Projekte zurück. In Hannover studierte sie Fotojournalismus & Dokumentarfotografie, in Potsdam und Haifa Jüdische Studien. Sie fotografierte in Jerusalem für eine israelische Presseagentur und betreute zuletzt ein Netzwerk für deutschsprachige Shoah-Überlebende aus Tel Aviv. Sara Klatt lebt in Berlin. »Das Land, das ich dir zeigen will« ist ihr erster Roman.

»Das Israel meines Großvaters von 1948 ist ein anderes, als das meines Vaters von 1961. Es ist wieder ein anderes, als das Israel meiner Kindheit oder das meiner Jugend und es ist ein anderes Israel, als das von heute.«

Sara Klatt zeigt uns ein Land, so vielschichtig wie seine Bewohner, und nimmt uns mit auf eine außergewöhnliche Reise durch das heutige und das vergangene Israel. Ein Land voller Lebendigkeit. Aber auch ein Land zwischen Traum und Trauma.

Israel – das Land, das sie als Kind oft besuchte, da ein Teil ihrer Familie hier vor Jahrzehnten Zuflucht fand. Es ist das Land der Menschen, die S. durch Erzählungen ihres Großvaters kennenlernte, und gleichzeitig der Menschen, denen sie heute beim Trampen zwischen Tel Aviv und Jerusalem begegnet. Früher, da gab es den Untergrundkämpfer Jitzchak, der Tomaten in der Wüste überleben lassen konnte. Es gab Eva und Zwi Goldberg, die ihre Sehnsucht nach der alten Heimat mit deutschen Rosen zu besänftigen versuchten. Heute ist da Mohammad, der in einem Techno-Club auflegt und nicht über seine jüdische Exfreundin hinwegkommt. Es gibt den Siedler Rafi und den Beduinen Abdallah, die wie Zwillingsbrüder aussehen, aber keine sind. Und es gibt den Cafébesitzer Lior, der davon träumt, mit seiner Tochter einen Roadtrip in einem himmelblauen VW-Bus zu machen. Und während S. immer mehr über das Leben dieser Menschen lernt, eröffnet sich ihr Stück für Stück die eigene Geschichte, die ihres Vaters, ihres Großvaters – und ihr eigener Platz in diesem Land.

Musik: Elke Jahn | Gitarre

 

27. August 2026 | 19.00 Uhr
Marina Chernivsky
Bruchzeiten – Leben nach dem 7. Oktober

Marina Chernivsky wurde 1976 im ukrainischen Lwiw geboren und ist in Israel aufgewachsen. 2001 kam sie nach Berlin, später gründete die Psychologin hier das Kompetenzzentrum für antisemitismuskritische Bildung und Forschung sowie den Verein OFEK e. V., eine Beratungsstelle bei antisemitischer Gewalt und Diskriminierung. Sie forscht u.a. zu Shoa und Antisemitismus in Bildung und Erziehung.

Der 7. Oktober hat grundlegende Fragen aufgeworfen – für die jüdische Diaspora, aber vor allem auch für Israel. Juden fragen: Wie verstehen wir uns als Gemeinschaft nach dem 7. Oktober? Wie lässt sich über das sprechen, was in Israel und Gaza geschieht? Aber auch: Warum gelingt es der deutschen Gesellschaft bis heute nicht, Juden wirklich als Teil ihrer selbst zu begreifen? Was trägt dazu bei, dass so viele Jahre öffentlicher Debatten nicht zu einer tieferen Auseinandersetzung mit dem Erbe des Nationalsozialismus geführt haben? Die jüdische Community hat nicht nur den 7. Oktober (nach)erlebt, sondern auch Veränderungen in ihrer Beziehung zur deutschen Gesellschaft erfahren. (taz)

Musik: Wassim Mukdad | Oud

 

24. September 2026 | 19.00 Uhr
Iryna Fingerova
Zugwind

Iryna Fingerova, geboren und aufgewachsen in Odesa, lebt heute in Deutschland und arbeitet als Ärztin, Journalistin und Schriftstellerin. Ihr Schreiben umfasst Erzählungen, Romane, Theaterstücke, Essays und Kinderbücher. Iryna Fingerova ist Gründerin und Kuratorin des in Odesa ansässigen Theaters der Ohren, das einen festen Platz in der Kulturszene der Stadt einnimmt.

Mira Zehmann ist Hausärztin, Mutter, Ehefrau. Sie stammt aus einer jüdischen Familie in Odesa, vor Jahren hat sie zusammen mit ihrem Mann die Ukraine verlassen, um in Deutschland ihr eigenes Leben zu leben – für sich und ihre kleine Tochter. Doch als in ihrer alten Heimat Bomben explodieren, gerät ihre Welt aus den Fugen, und ein erbarmungsloser Zugwind weht durch ihr Leben.

Musik: Andreas Eschen, Piano | Friederike Bauer-Eschen, Cello