Synagogen, Gemeindehäuser, Denkmale

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Jüdische Neubauten wurden nach 1945 meist als Teil einer „Wiedergutmachung“ verstanden, die den in Deutschland verbliebenen oder dort gestrandeten Jüdinnen und Juden einen Neuanfang ermöglichte. Wie schwierig ein „Jüdisches Bauen“ nach der Schoah tatsächlich war, zeigt die Architekturhistorikerin Alexandra Klei in ihrem neuen Buch „Synagogen, Gemeindehäuser, Denkmale“, das die „(Un-)Sichtbarkeit ‚Jüdischen Bauens‘ nach dem Holocaust in der BRD und in der DDR“ untersucht. Tatsächlich verfügten jüdische Gemeinden noch weit nach 1945 nur über äußerst beschränkte Möglichkeiten des Bauens, deren Realisierung stets von einem nichtjüdischen Umfeld abhängig war.

Alexandra Klei geht dabei nicht chronologisch vor, sondern gliedert ihr Werk vielmehr in drei große Kapitel. Sie untersucht zunächst den Umgang mit (ehemaligen) Synagogen, ihren Grundstücken und der Erinnerung an ihre Zerstörung. Im zweiten Teil geht es um die Um- und Weiternutzungen bestehender Gebäude, die sich als ein zentrales und oft übersehenes Merkmal „Jüdischen Bauens“ herauskristallisieren. Schließlich zeigt sie die Bedingungen und Schwierigkeiten beim Neubau von Synagogen, Gemeindezentren und Altenheimen. Sie entwickelt dabei eine fundierte Systematik „Jüdischen Bauens“ zwischen 1945 und 1989/90, die dabei hilft, das Baugeschehen anhand seiner Voraussetzungen und deren Folgen zu verstehen. Zu jedem dieser drei Themenblöcke skizziert Klei zunächst in einer längeren Einführung sowohl zentrale Überlegungen und Merkmale, daran anschließend wird die Geschichte einzelner Orte ausführlich und im Detail vorgestellt.

Das Buch enthält rund 35 Fallstudien, die viele Geschichten erzählen, und dabei vor allem verdeutlichen, dass die tatsächlich hergestellten Räume jüdischer Gegenwart und Erinnerung ebenso wie ihre Sichtbarkeit oder Unsichtbarkeit insgesamt kaum als Ausdruck eines (neuen) jüdischen Selbstverständnisses gedeutet werden können. Sie sind vielmehr das Resultat des engen Handlungsspielraums, den nichtjüdische Akteure einräumten – oder eben nicht. Denn die Autorin legt auch ein Beziehungsfeld offen, das verdeutlicht, dass und wie (vormalige) Täter und Profiteure direkt in die Gestaltung jüdischer Gegenwart involviert waren. 

Alexandra Klei forscht seit vielen Jahren zu den Möglichkeiten und Bedingungen „Jüdischen Bauens“ nach der Shoah, zu den Beziehungen von Erinnerung, Raum und Architektur sowie zu Bedeutungszuschreibungen in architektonischen Rekonstruktionen. Mit diesem Buch hat sie ein Grundlagenwerk vorgelegt, das ein wichtiger Beitrag zur Geschichtsschreibung jüdischer Gemeinden nach dem Holocaust sowohl in der BRD als auch in der DDR ist. Sie legt ihr Augenmerk auf die Veränderungen, die sich in Bezug auf die Situation der Gemeinden, die Bedürfnisse auf jüdischer und auf nichtjüdischer Seite und dadurch auch für die gesellschaftlichen Bedeutungszuschreibungen ergaben, und betont immer wieder die Leerstellen, denen sie in ihrer Forschung begegnete. Während die nichtjüdische Seite eine „Wiedergutmachung“ betont und stolz mit den Neubauten verknüpft, nutzt die jüdische Seite diese Neubauten oft, notgedrungen, um sich zurückzuziehen.

Schließlich plädiert Alexandra Klei dafür, dass die Forschung eine weitaus stärkere Auseinandersetzung mit der Rolle nicht-jüdischer Akteure führen muss. Denn sie waren es, „die die Rahmenbedingungen ‚Jüdischen Bauens‘ definierten und dabei die Herstellung
und Sichtbarkeit von Räumen für jüdische Nutzungen auch als eine – unter anderen – Möglichkeiten verstanden, jüdische Gegenwart zu bestimmen.“ 

Neben ihrem Beitrag für die Forschung ist das Buch von Alexandra Klei auch ein ästhetisch schönes und dank der zahlreichen Farbabbildungen überaus anschauliches Werk, das sich trotz seiner wissenschaftlichen Tiefe hervorragend liest. Es besticht vor allem auch dadurch, dass sich die Autorin dem Thema mit großer Sensibilität und tiefem Respekt nähert. (al)

Alexandra Klei, Synagogen, Gemeindehäuser, Denkmale. Zur (Un-)Sichtbarkeit ‚Jüdischen Bauens‘ nach dem Holocaust in der BRD und in der DDR, Neofelis Verlag 2026, 616 S., 181 Farbabb., 48,00 €, Bestellen?

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