Jüdische Hochschullehrende stellen sich hinter Andreas Stahl
Das Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender e. V. (NJH) erklärt seine Solidarität mit Andreas Stahl, dem Leiter der Zentralen Beratungsstelle zu Antisemitismus an Hochschulen in Nordrhein-Westfalen, und mit der Universität Bielefeld. Diese hat Stahl für den 11. Juni 2026 zu einem öffentlichen Vortrag über akademischen Antisemitismus eingeladen. Gegen die Veranstaltung wird derzeit mobilisiert.
„Dass eine Universität dem Thema Antisemitismus einen öffentlichen Raum gibt, ist kein Skandal, sondern überfällig“, so der Vorstand des NJH. Die Zahlen belegen die Dringlichkeit: Die bundesweite Dokumentationsstelle RIAS verzeichnete 2024 an deutschen Hochschulen 450 antisemitische Vorfälle – eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahr und eine nahezu Verzwanzigfachung gegenüber 2022. Im Regierungsbezirk Detmold, mit deutlichem Schwerpunkt an der Universität Bielefeld, stieg die Zahl der erfassten Fälle von 2024 auf 2025 von vier auf neunzehn.
Statt einer inhaltlichen Auseinandersetzung beobachtet das NJH eine Kampagne der Vorverurteilung. Die Gruppe „Collective Liberation Bielefeld“ arbeitet mit Falschbehauptungen und Kontaktschuld; fachliche Kritik an israelbezogenem Antisemitismus wird zu „Hass“ erklärt, Israels Recht auf Selbstbestimmung als Rassismus diffamiert. Auch die Stellungnahme des AStA der Universität Bielefeld ist Teil dieser Dynamik: Sie bekennt sich zwar gegen Antisemitismus, stellt aber zugleich die Einladung von Andreas Stahl, dem Leiter der NRW-Beratungsstelle zu Antisemitismus an Hochschulen, mit Verweis auf einen „Definitionsstreit“ als unzulässige Vorfestlegung dar – eine Logik, die sachkundiges Sprechen über Antisemitismus an der Hochschule grundsätzlich erschwert.
„Die Freiheit von Wissenschaft und Lehre ist durch das Grundgesetz geschützt. Wer einen Vortrag verhindern will, statt ihn zu kritisieren, stellt sich gegen dieses Grundrecht und schafft ein Klima der Einschüchterung“, betont der Vorstand. Das NJH fordert das Rektorat auf, an der Veranstaltung festzuhalten und sie zu schützen, und dankt der Hochschulleitung dafür, dass sie das Thema ernst nimmt.
Über das NJH: Das Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender e. V. vertritt jüdische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Deutschland, Österreich und der Schweiz und setzt sich für den Schutz jüdischen Lebens und gegen Antisemitismus an Hochschulen ein.
Das Netzwerk Jüdischer Hochschullehrender e. V. verfasste in dieser Sache auch einen offenen Brief an das Rektorat der Universität Bielefeld, der unter diesem Link zu lesen ist: https://n-j-h.de/offener-brief-solidaritaet-mit-andreas-stahl/



