Arabisch-palästinensische Kooperation mit dem Zionismus, 1917–1948

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In „Schattenarmee: Arabisch-Palästinensische Kooperation mit dem Zionismus, 1917–1948“ greift der Autor Hillel Cohen auf eine Vielzahl mehrsprachiger Archivquellen zurück – darunter Hebräisch, Arabisch und Englisch –, um eine strukturierte akademische, ausgewogene und nuancierte Analyse sowohl des arabisch-palästinensischen Nationalismus als auch der Kooperation und Kriegsführung mit der zionistischen Bewegung und dem Jischuw während der britischen Mandatszeit bis zum Ausbruch des Arabisch-Israelischen Krieges von 1948 zu bieten.

Von Michael Mobasheri

Das Buch präsentiert einen Ansatz, der in der „Geschichte von unten“ verwurzelt ist, und geht über das Eliteniveau hinaus, um den Umfang und die Qualität der Interaktionen zwischen den arabischen und Jischuw-Gemeinschaften zu demonstrieren. Es stellt wichtige Fragen zu Ursprüngen und Entwicklung des arabischen Nationalismus und bietet damit Perspektiven, die auch die gegenwärtige Situation beleuchten.

Hillel Cohen charakterisiert den arabisch-palästinensischen Nationalismus als ein Phänomen, das einerseits tief in tribalistischen und religiösen Strukturen verwurzelt ist und andererseits von einem kontinuierlichen Spannungsverhältnis zwischen dem Anspruch auf religiöse Legitimität und Pragmatismus — und manchmal Opportunismus — geprägt ist. Der Autor beschreibt, wie sich diese Konstellation auf die „Kollaboration“ in der arabisch-palästinensischen Bevölkerung ausgewirkt hat und erzählt Ereignisse, die bewusst unbeachtet geblieben sind. Cohen kontrastiert die beiden Erscheinungsformen des Nationalismus, indem er andeutet, dass Zionisten zögern, die Geschichte der arabischen Kollaboration zu erzählen, weil dies den Anspruch einer universellen, kompromisslosen und unerbittlichen arabischen Feindseligkeit gegenüber dem Jischuw und Zionismus untergraben würde, während Palästinenser diesen Abschnitt ihrer Geschichte nicht erzählen, weil sie eine rückblickend konstruierte nationale Identität aufrechterhalten müssen, um ihren Kollaps angesichts der internen Fragmentierung, des Mangels an Konsens über die kollektive Identität, des massiven Scheiterns des Panarabischen Nationalismus und der Weigerung, die Legitimität des Zionismus anzuerkennen, zu kompensieren.

Durch die Auseinandersetzung mit komplexen sozio-politischen Prozessen und miteinander verbundenen historischen Dynamiken leistet Cohen einen bedeutenden Beitrag zur Studie der palästinensischen Geschichte, gesellschaftlichem Fabrikat und der politischen Landschaft. Die Arbeit bietet Einblicke darin, wie die arabisch-palästinensische Bevölkerung den „Nationalismus und Verrat“ konzipiert hat, geprägt von verschiedenen Akteuren —von städtischen Eliten bis hin zu ländlichen und tribalistischen Gemeinschaften—, die um Profit, Macht und Kontrolle konkurrierten, und veranschaulicht die vielfältigen politischen und konzeptionellen Facetten des arabisch-palästinensischen Nationalismus, die sich über ein breites Spektrum an Dokumentationen, Erkenntnissen und Umständen erstrecken und in der Konvergenz breiterer Transformationen in der arabisch-palästinensischen Kollektive innerhalb ihrer historischen und soziokulturellen Kontexte reflektiert werden — Kontexte, die unvermeidlich sind, um sowohl die internen palästinensischen Konflikte als auch den palästinensisch-israelischen Konflikt zu verstehen. Bemerkenswerterweise bleiben viele der im Buch dargestellten Denk- und Handlungsmuster auch heute noch erkennbar.

Das Buch präsentiert insbesondere eine Kategorisierung der arabisch-palästinensischen Gemeinschaft entlang sozio-politischer und stammesbasierter Einstellungen und beschreibt die Motivationen, die einige Palästinenser zur Zusammenarbeit mit den Juden und der zionistischen Bewegung bewegt haben, einschließlich beruflicher Aufstieg, Hab- und Profitgier, Blutrache, sowie politische, wirtschaftliche, nachrichtendienstliche- und militärischbezogene Kooperationen(S. 85 ff.). Das Buch zeigt auf, dass Araber als Informanten arbeiteten, Land an Juden verkauften, Waffen lieferten und persönliche Allianzen mit jüdischen Nachbarn und Siedlungen eingingen, während es eine kontextuelle Ausarbeitung bietet, wie solche Kooperationen teils von der zionistischen Bewegung genutzt wurden — auch um Segmente des arabischen Nationalismus sowie der arabischen Gesellschaft zu penetrieren und zu untergraben — und wie sie zu wachsendem Erfolg und Einflussnahme des Zionismus und zum Erwerb von Land beigetragen haben könnten, indem sie die Abwehr und Ablehnung der Palästinenser gegen das noch junge aufkommende zionistische Projekt überwanden, das darauf abzielte, die Grundlagen des jüdischen Staates nach der Balfour-Deklaration zu konsolidieren.

Cohen argumentiert auch, dass die Zionisten diesbezüglich in vielen Fällen ihre wahren Absichten verschleierten und arabische Kollaborateure ausnutzten, um ihre Ziele zu erreichen (u.a. S. 110). In mehreren Fällen waren die Zionisten jedoch zuvorkommend und entschädigten die Kollaborateure.(S.189-202) Die Herausforderungen der zionistischen Bewegung, ihre Strategien, Transformationen und strukturelle Verankerung ihrer politischen, sicherheits- und nachrichtendienstlichen Institutionen werden sowohl im historischen als auch im politischen Kontext vergleichend erwähnt. Deutlich ist das Bestreben des Autors, unparteiisch und aufrecht zu bleiben, indem er „das moralische und politische Urteil“ bewusst dem Leser überlässt und gleichzeitig ein authentisches und nuanciertes Bild der politischen Landschaft während der britischen Mandatszeit bietet.

Darüber zeigt das Buch anhand detaillierter Darstellungen die Synthese von arabisch-palästinensischem Nationalismus mit der Religion (Scharia-Gesetze), die religiöse Dekrete (Fatwa) streng und unnachgiebig durchsezte, um die zionistische Bewegung herauszufordern und abzudrängen. Es hebt hervor, dass Mitglieder anderer arabischer oppositioneller nationalistischer Fraktionen, die mit zionistischen Institutionen oder jüdischen Gemeinschaften in Kontakt traten, von der radikalen religiösen Strömung unterdrückt und mit Propagandakampagnen als „Verräter“ stigmatisiert wurden. Kumulativ entstand dieser religiös geprägte nationalistische Rahmen als die vorherrschende arabische nationalistische Institution und als der zentrale Gegner der zionistischen Bewegung, verstärkt durch die Verbreitung antizionistischer Propaganda und Umsetzung von Boykottaufrufen gegen jüdische Waren und zionistische Institutionen (identisch mit der BDS-Bewegung in der Gegenwart) gefolgt von Episoden von Gewalt, Plünderung und Massakern an Juden und politisch motivierter Liquidierung arabischer Oppositioneller. Die Instrumentalisierung der arabisch-palästinensischen Presse (u.a. al-Liwaa & al Jami´ah al-Islamiyyah, etc.) sowie die Mobilisierung der Moscheen werden als zentrale Mechanismen zur Meinungsbildung und zur Durchsetzung politischer Ziele hervorgehoben. Der Autor zeigt auf, wie diese Dynamiken zur Einschüchterung, Dämonisierung und sozialen Ausgrenzung von Arabern beitrugen, die mit jüdischen Akteuren kooperierten und mit ihnen Transaktionen aufrechterhielten, indem sie oft als „Verräter der palästinensischen Nation“, „Ketzer“ und „Erzfeinde des Islam“ stigmatisiert und verachtet wurden.

In diesem Kontext wurden die Konzepte der „Koexistenz“ mit „Verrat und Spionage“ und „Kooperation“ mit der zionistischen Bewegung zunehmend mit „Kollaboration und Hochverrat“ gleichgesetzt. Den Beschreibungen des Buches zufolge wurde diese Taktik eingesetzt, um Intoleranz, soziale Sanktionen und Segregation innerhalb der arabisch-palästinensischen Gesellschaft durchzusetzen. Gleichzeitig fungierte sie als interne politische Strategie, die nicht nur der anti-zionistischen Agitation diente, sondern auch darauf abzielte, neue Normen einer neuen entstehenden politischen Ordnung zu dirigieren, rivalisierende Fraktionen zu denunzieren und politische Gegner zu diskreditieren. Zugleich trug sie zur Legitimation zunehmend terroristisch-militanter Methoden der Verfolgung und Ermordung bei, deren Einsatz insbesondere ab 1934/35 zunahm.(S. 80 ff. S. 307 f.). Dies trug erheblich zur Polarisierung und Spaltung bei, wodurch ein einheitlicher nationaler Zusammenschluss unterminiert wurde. Das Buch stellt dar, dass sich in dieser Atmosphäre das abstrakte Konzept des arabisch-palästinensischen Nationalismus allmählich transformierte und eine ausgeprägte ethnisch-religiöse Dimension annahm. Infolgedessen wurde sowohl die Opposition gegen den Zionismus als auch Verachtung und Repressalien gegen Araber, die Verbindungen zu zionistischen Akteuren pflegten und mit Juden befreundet waren, zunehmend nicht nur als politische Haltung, sondern auch als religiöse Pflicht und heilig sanktioniertes Gebot erklärt.

Cohen zeichnet nach, dass eine der Hauptfiguren in diesem Prozess Hajj Mohammad Amin al-Husseini (der Großmufti von Jerusalem und Vorsitzender des Obersten Muslimischen Rates) war, der solche Taktiken sogar auf arabisch-palästinensische Akteure anwandte, die es wagten, sein Autorität infrage zu stellen, ihn zu kritisieren oder sich von ihm zu distanzieren –unabhängig von ihrer Position, ihrem sozialen Status oder ihren nationalistischen Zeugnissen und Aktivitäten.(S. 71 ff. & S. 120–200). Die Terroristen plünderten, erpressten, raubten und ermordeten auch die eigene Bevölkerung – mit seinem Wissen und seiner Billigung.(S. 185 ff.) Wer sich ihnen widersetzte, wurde als Ketzer und Verräter abgestempelt und zum Feind erklärt –eine Praxis, die auch heute noch in islamistischen Kreisen und Staaten stark verbreitet ist. Trotz des Einsatzes solcher Taktiken zur Machtergreifung und zur Etablierung hegemonialer Macht, handelte die nationalistische al-Husseini-Fraktion heuchlerisch und tätigte gelegentlich Transaktionen mit Zionisten, sofern es ihren wirtschaftlichen und politischen Interessen zuträglich war –selbst wenn dies auf Kosten der arabischen Bevölkerung und nationalen Einheit geschah.(S. 81–82; S. 89–92)

Cohens Buch identifiziert al-Husseinis Führung der nationalen Bewegung als einen der Schlüsselfaktoren, die die Bildung eines breiten arabisch-palästinensischen nationalen Konsenses aushöhlte und nachhaltig zur Entwurzelung der palästinensisch-arabischen Gesellschaft und ihrer anschließenden Vertreibung beitrug, die als Nakba bezeichnet und fälschlicherweise Israel unterstellt wird (S. 106–107), Die Akklamation und Begeisterung von Hajj Amin al-Husseini für die antizionistische Ideologie und antisemitischen Praktiken der Nazis kam nicht von ungefähr und verwandelte sich bald in eine bedeutende gemeinsame Grundlage für Kopplung und Kooperation, die zu engen bilateralen Ausrichtungen und Interaktionen gegen die Juden und die zionistische Bewegung führten. Jedoch war die arabische Koppelung mit den Nazis nicht nur eine einfache Empathie und ging über eine pragmatische Allianz hinaus; es war eine tiefe ideologische Konvergenz und eine Fusion zwischen zwei Formen des toxischen nationalistischen Extremismus, eine Fusion, die die arabisch-palästinensische Gesellschaft und die gesamte Region seitdem geprägt hat: Auf der einen Seite der „islamische arabisch-palästinensische Nationalismus“, basierend auf jihadistischem Antizionismus, und auf der anderen Seite der psychotische „rassische Nationalismus“ der Nazis, verwurzelt im eliminatorischen Antisemitismus und der Wahnvorstellung von Rassenreinheit. Innerhalb dieses Rahmens stellen beide faschistische Ideologien die Juden und den Zionismus als zentralen globalen Antagonismus dar, gefolgt von obsessiven Unternehmungen, sie vollständig zu vernichten; letztendlich wurde das Konzept des palästinensisch-arabischen Nationalismus von diesem unerbittlichen religiös-nationalistischen Mainstream/Hauptströmung dominiert; seine ideologische Kombination mit dem Nationalsozialismus hatte nachhaltige Konsequenzen für den gesamten Nahen Osten, indem sie zur wachsenden Dominanz und Akzeptanz einer rigideren, brutaleren fundamentalistisch-jihadistischen Auslegung des arabischen Nationalismus beitrug, die in Definition und Praxis in einer „islamischen nationalen Identität“ mündet. Dieser Aspekt wurde in einem hervorragenden Buch von Matthias Küntzel mit dem Titel „Nazis und der Nahe Osten: Wie der islamische Antisemitismus entstand“ umfänglich dargestellt. 

Cohens Buch beleuchtet insbesondere, dass die jüdische Einwanderung und Präsenz im „Mandatsgebiet Palästina“ weder eine kolonialistische noch eine besetzende Präsenz war (S. 18 ff.) und hebt den Prozess des Landkaufs und damit die Entstehung und Expansion jüdischer Siedlungen hervor, sodass die falsche Anschuldigung von „besetztem Land“ auf der Grundlage der in diesem Werk chronologisch präsentierten Dokumentation widerlegt wird. Cohen illustriert, dass die Zionisten jeden Quadratzentimeter Land rechtmäßig von palästinensischen Eigentümern erworben und den vollen Marktwert gemäß den damals geltenden Preisen bezahlt haben, was die Richtigkeit des Arguments stark unterstützt, dass der Staat Israel im Gegensatz zu bestimmten Behauptungen und Anschuldigungen nicht als „besetztes palästinensisches Land“ charakterisiert oder gar benannt werden kann, das rechtmäßig und ausschließlich „den Palästinensern gehöre“. Darüber hinaus zeigt das Buch, dass diese Tatsache auch von mehreren arabischen Akteuren bestätigt und anerkannt wurde, die – trotz der Schwierigkeiten und Risiken, denen sie ausgesetzt waren – Anstand, Vernunft und ein Bekenntnis zu moralischer Integrität und Fairness gegenüber den Juden an den Tag legten.

Hillel Cohens Buch ist ein faszinierendes, exquisites und strukturiertes Werk, das die verborgenen Facetten der arabisch-palästinensischen Geschichte, Gesellschaft und politischen Landschaft sowie des arabisch-israelischen Konflikts illustriert und das weitgehend ignorierte Phänomen der arabischen Kollaboration mit der zionistischen Bewegung in historischem Kontext beleuchtet. Basierend auf umfangreichen Recherchen und fundierter Forschung bietet dieses fesselnde Buch neue Perspektiven auf die Bedeutung des palästinensischen Nationalismus sowie auf dessen historische Entwicklung und seinen Kollaps, der letztlich in der Nakba mündete. Es trägt erheblich zu einem viel tiefergehenden und nuancierterem Verständnis eines anhaltenden großen Konflikts in seinem historischen Kontext bei. Gleichzeitig sorgt das Buch für Kontroversen und bleibt äußerst wertvoll und hebt sich als wichtige und beachtenswerte akademische Ressource hervor, die auch für ein breites Publikum zugänglich ist. Es hat das beträchtliche Potenzial, eine informierte und konstruktive Debatte über den israelisch-palästinensischen Konflikt und, breiter gefasst, über die komplexe Lage sowie die politischen und geopolitischen Dynamiken im Nahen Osten zu fördern. Ursprünglich 2004 auf Hebräisch geschrieben und 2009 ins Englische übersetzt, ist eine deutsche Ausgabe/Übersetzung von Hillel Cohens Buch im Mai 2026 unter der Schirmherrschaft der „Gesellschaft für kritische Bildung“ im Hentrich & Hentrich Verlag erschienen, der für seine herausragenden Beiträge zu historischen, kulturellen, politischen und jüdischen Studien im deutschsprachigen Raum bekannt ist.

Hillel Cohen, Schattenarmee. Arabisch-palästinensische Kooperation mit dem Zionismus, 1917–1948, Hentrich & Hentrich 2026, 382 S., 32,00 €, Bestellen?

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