In der Goethestraße 43 lebten fünf Münchnerinnen und Münchner, die in der NS-Zeit als jüdisch verfolgt und ermordet wurden. Am Mittwoch, 24. Juni, werden für sie Erinnerungszeichen gesetzt.
Unter ihnen ist der Rechtsanwalt Alfred Strauß: Er hatte seit den 1920ern Mandant*innen gegen NSDAP-Mitglieder verteidigt und wurde im Mai 1933 im Konzentrationslager Dachau erschossen. Die jüngste der erinnerten Personen, Israel Wolff, wurde im Alter von zwei Jahren ermordet. Die Gedenkveranstaltung für die ehemaligen Bewohner*innen des Hauses findet um 18 Uhr im Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin (Lessingstraße 2) statt. Teilnehmen werden unter anderem Stadtrat David Süß in Vertretung des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt München und Dr. h.c. mult. Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Um 19 Uhr werden die Erinnerungszeichen in der Goethestraße 43 angebracht.
In dem Haus lebten Margarethe (Gretchen) Strauß, geboren 1881, und ihr Sohn Alfred Strauß, geboren 1902. Er studierte Rechtswissenschaften und betrieb seit 1928 eine Kanzlei am Stachus. Mehrfach vertrat er Mandant*innen gegen NSDAP-Mitglieder. Der NS-Politiker und bayerische Justizminister Hans Frank ließ ihn kurz nach Beginn der NS-Herrschaft wegen „gewissenloser Berufsausübung“ in „Schutzhaft“ nehmen. Am 24. Mai 1933 wurde Strauß im Konzentrationslager Dachau erschossen. Eine Gerichtskommission stellte fest, dass er vorsätzlich ermordet wurde. Der Täter wurde jedoch auf Betreiben der Bayerischen Politischen Polizei nicht verurteilt.
Bei der Mutter des ermordeten Anwalts, Margarethe Strauß, wohnte zwischen November 1940 und April 1941 als Untermieter Herbert Maier (geb. 1910). Im November 1940 heiratete er die Näherin und Verkäuferin Martha Maier, geborene Wolff (geb. 1910). Sie hatte am 9. August 1939 Israel Wolff zur Welt gebracht. Der Junge lebte ab September 1939 im Jüdischen Kinderheim in der Antonienstraße. Margarethe Strauß, Herbert Maier, Martha Maier und Israel Wolff wurden am 20. November 1941 mit rund 1.000 weiteren Münchnerinnen und Münchnern nach Kaunas, Litauen, verschleppt und dort ermordet.
Zu den Bewohnern der Goethestraße 43 gehörte auch der 1889 geborene Kaufmann Richard Einstein. Er betrieb in dem Haus eine Provisionsvertretung für Textilwaren. Im Juli 1938 entzog das NS-Regime allen jüdischen Bürgerinnen und Bürgern die Erlaubnis, als Vertreter tätig zu sein. Damit verlor er seine Existenzgrundlage. Er erkrankte an Darmkrebs und starb am 14. November 1938.
Zu den Erinnerungszeichen:
Erinnerungszeichen werden seit 2018 an Orten angebracht, an denen Menschen lebten, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Die Erinnerungszeichen bestehen aus gebürstetem Edelstahl und sind vergoldet. Es gibt sie als Wandtafeln an der Fassade und als Stelen auf öffentlichem Grund. Sie enthalten die wichtigsten Lebensdaten, Angaben zum Schicksal und – falls vorhanden – ein Bild.
Weitere Informationen: www.erinnerungszeichen.de



