Der Besuch des Alten Jüdischen Friedhofs in der Dresdner Neustadt wird künftig deutlich komfortabler. Die Jüdische Gemeinde zu Dresden hat einen neuen Rundweg um die 1.263 historischen Gräber anlegen lassen. Außerdem wurden Teile der Friedhofsmauer saniert und der Eingangsbereich aufgewertet. Die Arbeiten sind Teil eines Förderprogramms des Freistaats Sachsen für jüdische Friedhöfe und kosten insgesamt rund 100.000 Euro.
Mit dem neuen Rundweg werden die bislang durch Baumwurzeln verursachten Stolperstellen beseitigt. Der barrierearm angelegte Weg erhielt eine naturfarbene Deckschicht. Mit den Arbeiten wurde der Meisterbetrieb Garten- und Landschaftsbau Jens Franke aus Radebeul beauftragt. Firmenchef Jens Franke sagt: „Ab jetzt gibt es die Möglichkeit, auf eine sichere Art und Weise über den Friedhof zu laufen.“ In den vergangenen Monaten war dafür viel Handarbeit mit der Schubkarre erforderlich, da ein Bagger die meisten Bereiche des Friedhofs nicht erreichen konnte.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Reparatur eines Mauerstücks an der Pulsnitzer Straße, das durch einen herabgefallenen Ast beschädigt worden war. Zusätzlich wurden die Sandsteinquader auf der Innenseite versiegelt, sodass die komplette Mauer entlang der Pulsnitzer Straße nun ein einheitliches Erscheinungsbild aufweist. Darüber hinaus wurde im Eingangsbereich eine Fläche gepflastert, auf der Besuchergruppen künftig vor Führungen zusammenkommen können.

Der Alte Jüdische Friedhof zählt zu den bedeutendsten jüdischen Kulturdenkmälern Sachsens und ist ein beliebtes Ziel für Besuchergruppen. Fast täglich finden Führungen auf dem Gelände an der Pulsnitzer Straße statt. Die Gäste bewegen sich im Schatten hoher Bäume zwischen Grabsteinen, die bis zu 275 Jahre alt sind. Der Friedhof erzählt von jüdischen Bestattungsritualen ebenso wie vom jüdischen Leben in Dresden im 18. und 19. Jahrhundert – mit all den Kämpfen um Anerkennung und Integration.
Zu den bekanntesten Persönlichkeiten, die auf dem Alten Jüdischen Friedhof begraben sind, zählen der Miniaturenmaler Jeremias David Alexander Fiorino (1797–1847) sowie Mitglieder der Bankiersfamilie Kaskel. Die Familie gehörte zu den bedeutenden Förderern von Robert Schumann und Frédéric Chopin und steht beispielhaft für den Beitrag jüdischer Bürger zum kulturellen und gesellschaftlichen Leben Dresdens im 19. Jahrhundert.
Förderprogramm wirkt an mehreren Standorten
Unterstützt wurde die Jüdische Gemeinde zu Dresden bei den Arbeiten vom Freistaat Sachsen. Bereits im Sommer 2025 hatte der Sächsische Landtag auf Antrag der Grünen-Fraktion ein Förderprogramm für Investitionen auf jüdischen Friedhöfen im Freistaat beschlossen. Von den Mitteln profitieren auch Standorte in Leipzig und Chemnitz.
In Dresden wurde neben dem Alten Jüdischen Friedhof auch der Neue Jüdische Friedhof einbezogen. Dort wird derzeit die Grabanlage Lesser restauriert. Die einst schmuckvolle Grabstätte an der Friedhofsmauer zur Fetscherstraße war bereits vor drei Jahren stark vom Verfall gezeichnet. „Die Konstruktion aus Cottaer Sandstein drohte umzustürzen, deshalb wurden die einzelnen Elemente abgenommen und gesichert“, sagt Mirko Fuchs, Geschäftsführer der Firma Naturstein Dresden Volker Schulze GmbH & Co. KG.
Dank des Förderprogramms können nun beschädigte Elemente restauriert oder ersetzt werden, darunter auch die Krone der Grabstätte. Die sogenannte Vierung, ein Schmuckelement oberhalb des Simses, kehrt ebenfalls an ihren ursprünglichen Platz zurück. Bei diesem Auftrag arbeitet die Firma eng mit einem Restaurator zusammen. Von den ursprünglich vier Marmorplatten der Grabstätte ist nur noch eine erhalten geblieben. Auch sie wird im Rahmen der Arbeiten restauriert. Initiiert wurde die Sanierung der Grabanlage Lesser von Matthias Voigt, Fachingenieur für Denkmalpflege.
Die Arbeiten auf dem Alten und dem Neuen Jüdischen Friedhof kosten insgesamt rund 100.000 Euro. 90.000 Euro stammen aus dem Förderprogramm des Freistaats Sachsen, die Jüdische Gemeinde zu Dresden trägt die restlichen 10.000 Euro. Mit den Investitionen werden zwei bedeutende Zeugnisse jüdischer Geschichte in Dresden dauerhaft gesichert und für Besucher besser zugänglich gemacht.



