Von Ramona Ambs
Ich habe eine Hufeisenniere. Was klingt, als hätte ich das Glück gepachtet, ist eigentlich eine körperliche Missbildung. Statt zwei Nieren hab ich nämlich nur diese eine kleine, und die liegt wie ein Hufeisen knapp über meinem Tuches. Ganz so, als ob mich ein Pferd getreten hätte und dabei seinen Schuh verlor.
Diese Hufeisenniere bringt eine Menge Zores. Einer davon ist die Tatsache, dass ich dauernd aufs Klo muss. Und wenn ich dauernd sage, dann meine ich auch dauernd. Früher gab es hier in Heidelberg die sogenannte „nette Toilette“. Eine Liste von öffentlich zugänglichen Klos. Aber das ist lange her. Der Klo-Radius hat sich stark minimiert. Inzwischen haben fast alle Toiletten Zugangscodes, die man nur bekommt, wenn man vorher einen Kaffee trinkt, – was mein Problem aber dann ja verschärft, statt löst… jedenfalls bin ich absoluter Kenner sämtlicher stiller Örtchen in den Städten, in denen ich mich länger aufhalte. Und ich kenne daher auch alle spaßigen und weniger spaßigen Klosprüche.
Error 404 – Paper not found
Max liebt Lisa
Let it go
oder auch:
Folgt Selda auf insta #irgendwas….
Politisch war es eher selten…
Peace on earth
fck afd
oder auch mal
kommt alle zur Klimademo am Freitag…
Seit drei Jahren ist das anders.
Welcome to the place where shit happens – dieser alte Klospruch bewahrheitet sich immer mehr. Denn offenbar ist das stille Örtchen DER Hotspot von Hamas-Freunden. Gut, könnte man sagen, da passt die Scheiße ja auch hin….
Aber dabei vergisst man, dass ich da ja auch oft hin muss…
In der Triplexmensa habe ich heute 16 Klos ausgekundschaftet.
Kein einziges war Pali-spruch-frei.

Überall riverte es to the sea oder es wurde gefreeeeet, was die Klowand hergab. Sehr lästig irgendwie. Man kann nicht mal mehr in Ruhe pissen. Andererseits fange ich an, die Sprüche amüsant zu finden. Es entbehrt nunmal nicht einer gewissen Komik, wenn die Intifada aufm Mädchenklo in Heidelberg ihren graffitischen Höhepunkt findet. Und in Anbetracht der olfaktorischen Umgebung habe ich sogar ein wenig Mitleid mit den Schmiererinnen. Für das Sprüche-Bombing mussten sie ja recht lange da bleiben… in der einen Toilette waren alle drei Wände bemalt… vielleicht hat die arme Aktivistin sich eingeschlossen und hat dann die Tür nicht mehr aufgekriegt… jedenfalls hab ich genug Phantasie, um dem Scheiß resilient zu begegnen. Und wer weiß… vielleicht werden die Zeiten ja auch mal wieder anders, und dann gibt es wieder echte nette Toiletten hier…



