Wieder ein schwerer Morgen. Wieder ein „Zur Veröffentlichung freigegeben“. Wieder ein Angriff der Hisbollah mit einer Kamikaze-Drohne. Dabei starb Sergeant Rotem Yanai aus Givat Ada. Sie wurde 20 Jahre alt. Seit Beginn der sog. Waffenruhe starben 11 israelische Soldaten und ein ziviler Mitarbeiter der Armee durch Drohnenbeschuss der Hisbollah.
Ein Blick in die deutschen Medien am Morgen. „Israel erklärt Südlibanon zur „Kampfzone““ titelt die Tagesschau. Trotz Waffenruhe wolle die israelische Armee „hart gegen die Hisbollah-Miliz vorgehen“. Nach vier ausführlichen Absätzen über das Vorgehen Israels dann ein kleiner Einschub: „Auch die Hisbollah setzte ihre Angriffe auf Israel fort. Laut israelischen Medienberichten setzt sie neuerdings auch Glasfaserdrohnen ein, die als unempfindlich gegen Störsender gelten.“ Dass sich die Hisbollah von Beginn an nicht an diese Waffenruhe hält, dass der Norden Israels unter täglichem Drohnen- und Raketenterror steht, erfährt man daraus nicht. Auch nicht aus Meldungen anderer Medien.
Im Spiegel wird ein „mutmaßlicher Drohnenangriff“ erwähnt. „Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.“ Ah ja, da ist er wieder, der Satz, der einen ratlos zurücklässt. Ein Blick in eine der Notfall-Apps, übrigens auch in Deutschland zugänglich, würde zeigen, wie die Realität in Israels Norden aussieht. Auch ein Blick in die sozialen Medien der Bewohner im Norden. Dort ist dokumentiert wie ihr Alltag mit dem Terror der Kamikaze-Drohnen aussieht. Dort sieht man Kinder, die auf dem Weg in die Schule von Drohnenalarm überrascht werden, die sich während des Unterrichts nicht schnell genug in Sicherheit bringen können und sich deswegen unter den Schultischen zusammenkauern. In Metula schlug eine Drohne auf dem Dach eines Privathauses ein. Der Bewohner, Leon Flam, blieb glücklicherweise unverletzt. Er ist auf Sauerstoff angewiesen und kann den Schutzraum daher nicht schnell genug aufsuchen. In Shomera traf eine Drohne eine Bushaltestelle, nur 15 Minuten nachdem dort der Schulbus gehalten hatte. Schon längst hat die Hisbollah auch rein zivile Ziele im Visier.
Neta Gerber, eine zweifache Mutter aus dem Kibbuz Maayan, beschrieb die Situation mit folgenden Worten auf Facebook: „Ich habe mich noch nie so verletzlich gefühlt und mir ist klar, dass niemand auch nur ansatzweise versteht, was hier vor sich geht! Wisst ihr, dass ich meine Kinder in zwei getrennten Bussen zur Schule schicke, damit ich, falls eines verletzt wird, noch ein anderes habe? (…) Wisst ihr, dass wir nicht schlafen können, weil unsere Nächte von ohrenbetäubendem Lärm aus Artilleriefeuer, Kampfjets, Abfangeinsätzen und unzähligen anderen Geräuschen erfüllt sind?“
Lässt sich alles unabhängig überprüfen, einfach mal hinfahren. Das ist kein militärisches Sperrgebiet, sondern einfach Ortschaften in Israel. Das ist der Alltag der Menschen im Norden Israels, auf israelischem Staatsgebiet. Die Angriffe der Armee im Südlibanon sind eine Reaktion darauf. Die Drohnen haben eine bestimmte Reichweite, es geht darum die Hisbollah Terroristen entsprechend weit von der Grenze zurückzudrängen. Wer dazu berichtet, ohne den Alltag unter dem Drohnen-Terror zu erwähnen, macht entweder sehr schlechte Arbeit oder verfolgt eine klare Agenda. (al)



