Muscheln am Strand von Gaza

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Hamza Abu Howidy ist eine der wichtigsten politischen Stimmen der palästinensischen Exilgemeinde. Gerade in Deutschland, wo er mittlerweile lebt, ist er immer wieder Gast auf Podien und bei Diskussionen zur Situation in Nahost. Mit seinem Buch „Muscheln am Strand von Gaza“ legt er nun seine ganze Geschichte vor und zeigt damit, dass die Realitäten vor Ort so viel komplizierter und vielschichtiger sind, als es in vielen aufgeheizten Diskussionen zum Nahostkonflikt den Anschein hat.

Hamza Abu Howidy wuchs im Gazastreifen auf und erlebte bereits als Zehnjähriger die gewaltsame Machtübernahme der Hamas. Selbst in seinem wohlhabenden Viertel Al Rimal war die neue Wirklichkeit bald zu spüren: „Die Hamas verwandelte Gaza in einen Ort der Angst und benutzte die Religion, um die Taten zu rechtfertigen.“ Sein Bericht schildert das Leben in Gaza komplett von der Hamas durchdrungen, jede Behörde, jede Schule, einfach alles stand bald unter ihrer Kontrolle. Er macht deutlich, wie ausweglos die Situation für die Bewohner ist: „In der kleinen Enklave, die Gaza ist, mit ihren rund zwei Millionen Einwohnern, ist es schlichtweg unmöglich, den Kontakt mit der Hamas zu umgehen.“

Besonders beklemmend ist seine Darstellung der Indoktrination von Kindern, die von der Hamas systematisch von ihren Familien gelöst und an die islamistische Gemeinschaft gebunden werden. Auch Hamza selbst glaubte zunächst an den bewaffneten Kampf und die Befreiung Palästinas. Doch mit der Zeit begannen die Zweifel. Er begann, die Religion zu hinterfragen, las viel im Internet und kam so auch mit Israelis in Kontakt. Diese Erfahrungen veränderten seine Überzeugungen grundlegend und führten ihn schließlich in den offenen Protest gegen die Hamas. Hamza wurde inhaftiert und beschreibt in seinem Buch schonungslos die grausamen Foltermethoden, denen er in der Haft ausgesetzt war.  Er berichtet von dem Leben nach seiner Freilassung, von seiner Suche nach Auswegen, nach Antworten, von Korruption, Terror, von Freundschaften und kleinen Lichtblicken.

Heute lebt Hamza in Deutschland. Sein Asylantrag wurde abgelehnt, momentan ist er nur geduldet. Trotz dieser unsicheren Lage nutzt er seine Stimme für das, was er als seine Wahrheit ansieht. Er agiert als undogmatischer Friedensaktivist und Influencer, der auch gemeinsam mit jüdischen Israelis auftritt. Dabei ist seine Position besonders wertvoll, da er sich für keine Seite vereinnahmen lässt und darauf besteht: „Das Leid anderer anzuerkennen bedeutet nicht, das eigene Leid zu leugnen.“

„Muscheln am Strand von Gaza“ ist ein wichtiges Buch. Es ist ein Hoffnungsschimmer und zugleich ein flammendes Plädoyer für eine demokratische und friedliche Lösung des Nahostkonflikts, für das „Menschsein“. Ein Buch, das man gelesen haben muss, um Gaza zu verstehen. (al)

Hamza Abu Howidy, Muscheln am Strand von Gaza. Unter Mitwirkung von Judith Poppe, 240 S. Fischer 2026, S., Euro 24,00, Bestellen?

13.05.2026, 19:00 Uhr
Lesung mit Hamza Howidy

Moderation: Amina Aziz

Berlin, about blank club und kulturzentrum

Das Gespräch findet auf Englisch statt, direkte stellen aus dem Buch werden auf Deutsch vorgelesen.
Ab 17 Uhr gibt es davor im Sektgarten der Location Musik sowie nach der Lesung einen musikalischen Ausklang.