
Seit Mitte Januar 2026 demonstrierten Tausende im Exil lebende Iraner – insbesondere in Städten wie Los Angeles, New York und in ganz Europa –, um auf das erschreckende Ausmaß der Brutalität des Regimes aufmerksam zu machen, darunter die Tötung und willkürliche Hinrichtung von Zivilisten.
Von Michael Mobasheri
Zuerst online erschienen auf Englisch bei notoantisemitism.org (Los Angeles, USA), 2. Mai 2026, sowie auf dem X-Account des persisch-jüdischen Analysten Albert Bootehsaz (LA, USA).
Berichten zufolge wurden sogar verwundete Demonstranten, die am Boden lagen oder in Krankenhäuser transportiert wurden, von Mitgliedern der IRGC sowie der paramilitärischen Basij-Miliz durch Kopfschüsse hingerichtet. Darüber hinaus verweigert das Regime den Familien der Getöteten die Rückgabe der Leichname und verlangt stattdessen ein sogenanntes „Kugelgeld“ – Zahlungen von bis zu 7.000 US-Dollar pro Kugel, die für die Tötung eingesetzt wurden. Da viele Familien diese Summen nicht aufbringen können, sollen zahlreiche Leichen anonym in Massengräbern verscharrt worden sein, nachdem ihnen zuvor Organe entnommen wurden, um diese auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Während diese Ereignisse in westlichen Medien nach wie vor weitgehend bewusst totgeschwiegen werden, hat die internationale Gemeinschaft bislang lediglich oberflächliche Solidarität mit der iranischen Opposition gezeigt. Gleichzeitig wurde es weitgehend versäumt, das volle Ausmaß der Brutalität und Schwere der Verbrechen des Regimes sowie die bis heute andauernde Welle politisch motivierter Verhaftungen und Hinrichtungen angemessen zu thematisieren.
Die im Exil lebende iranische Diaspora reagiert vor dem Hintergrund von 48 Jahren westlicher Beschwichtigungspolitik gegenüber dem Regime mit der Intention, das Ausmaß sowie die qualitative Dimension der Gewalt durch Metaphern, Analogien und historische Referenzen zu veranschaulichen, die tief im westlichen, insbesondere europäischen kollektiven Gedächtnis verankert sind. Dabei werden Parallelen zwischen der ideologischen Ausrichtung des Regimes und jener des nationalsozialistischen Deutschlands gezogen, um die Tragweite der Ereignisse für ein internationales Publikum – insbesondere in westlichen Staaten – nachvollziehbar zu machen. In diesem Zusammenhang wurden die Begriffe „Genozid“ und „Holocaust“ aufgrund ihrer historischen und normativen Bedeutung auf zahlreichen Kundgebungen exiliranischer Gruppen intensiv verwendet.
Zeitgleich veröffentlichte der iranische Musiker Mehdi Yarahi das Musikvideo „Auschwitz“, das den über 40.000 Opfern des Massakers vom 8. bis 9. Januar 2026 gewidmet ist.[1] Das Musikvideo beginnt mit Aufnahmen von Demonstranten, die von Milizen umzingelt und mit scharfer Munition beschossen werden. Zudem zeigt es Szenen, in denen Menschen getroffen zu Boden fallen. Der Horror dieser Massaker ist im gesamten Video nicht nur sichtbar, sondern unmittelbar spürbar.
Auch auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2026 zog US-Senator Lindsey Graham Parallelen zwischen dem nationalsozialistischen Regime und dem faschistischen Mullah-Regime im Iran und verwies auf die potenziell generationenübergreifenden Folgen einer westlichen Politik der Ignoranz, ohne dabei ausdrücklich die Begriffe „Genozid“ oder „Holocaust“ zu verwenden[2] Mit diesem Vergleich betonte Graham, dass beide Regime hinsichtlich ihrer Ideologie sowie ihrer Bereitschaft zur Anwendung extremer Gewalt nicht reformierbar seien und ihre Gefahr für die Welt und die Menschheit als vergleichbar verstanden werden müsse.
Die Verwendung dieser Begriffe im Rahmen von Exiliranischen Kundgebungen hat jedoch zu Missverständnissen und wachsender Irritation, insbesondere innerhalb jüdischer Gemeinden in Europa und Deutschland geführt. Vor dem Hintergrund ihres wiederholten und oft unsachgemäßen Gebrauchs sowohl in soziopolitischen als auch akademischen Diskursen ist diese Reaktion nachvollziehbar und in weiten Teilen verständlich. Entsprechend kann ihre Anwendung – unabhängig vom intendierten Kontext – starke negative Assoziationen und emotionale Reaktionen hervorrufen. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, die Verwendung der genannten Begriffe durch die iranische Diaspora einzuordnen und zu erläutern, wie diese Symbolik zu verstehen ist, um gegenseitiges Verständnis zu fördern und weitere Missverständnisse mit jüdischen Gemeinschaften zu vermeiden. Andernfalls könnten unnötige Spannungen entstehen, die die jüdisch-iranischen Beziehungen belasten würden – Beziehungen, die nach einer möglichen Überwindung des Mullah-Regimes vielmehr eine Wiederbelebung und Verbesserung erfahren sollten.
Die iranische Community sollte dabei berücksichtigen, dass Holocaustvergleiche sowie die unberechtigte Verwendung gewichtiger Begriffe wie „Genozid“ und „Holocaust“ dem Spektrum der Holocaust-Relativierung zugeordnet werden können. Diese bezeichnet eine spezifische Form des historischen Revisionismus und der Geschichtsverzerrung, die häufig eng mit antisemitischen Deutungsmustern verbunden ist. Geschichtsrevisionismus und Holocaust-Relativierung umfassen Versuche, die Einzigartigkeit, das Ausmaß oder die Verantwortung für die Verbrechen des Nationalsozialismus – insbesondere den gezielten Genozid an den europäischen Juden – infrage zu stellen, zu verharmlosen oder zu relativieren, indem der Holocaust mit anderen Verbrechen gleichgesetzt wird.
Die iranische Seite sollte daher erkennen, dass solche Formen der Relativierung häufig eine doppelte Funktion erfüllen: Einerseits beruhen sie auf einer Umkehr von Täter- und Opferrollen, indem historische Tätergruppen oder gegenwärtige Täterakteure als Opfer dargestellt und tatsächliche Opfergruppen politisch motiviert diffamiert werden. Dadurch werden historische Fakten und politische Diskurse verzerrt und in einen emotional aufgeladenen sowie oftmals instrumentalisierenden Rahmen überführt. Andererseits kann die inflationäre Verwendung von Begriffen wie „Genozid“ und „Holocaust“ die historische Singularität der Shoah relativieren. Solche Gleichsetzungen bergen die Gefahr, die Verbrechen des NS-Regimes in ihrer Einzigartigkeit abzuschwächen. Der Begriff „Holocaust-Relativierung“ bezeichnet in diesem Zusammenhang eine revisionistische Tendenz, die die Shoah verharmlost oder ihre besondere Bedeutung infrage stellt.
Die jüdische Gemeinschaft sollte die spezifischen Transformationen, ihre historischen Hintergründe sowie die zugrunde liegenden Motivationen hinter dieser Aktion erkennen und differenziert betrachten.
Erstens ist festzuhalten, dass sich innerhalb der iranischen Gesellschaft in den vergangenen zwei Jahrzehnten ein tiefgreifender gesellschaftlicher Wandel im Hinblick auf die Politik und das Handeln des Regimes vollzogen hat. Dieser äußert sich unter anderem in einem wachsenden Widerstand gegen die ideologische Ausrichtung des Regimes, einschließlich seiner antisemitischen, anti-israelischen und antiamerikanischen Narrative. In diesem Zusammenhang haben sich auch Formen symbolischen Widerstands und Ablehnung staatlich verordneter Praktiken entwickelt. Dazu zählt etwa die Weigerung, an öffentlich inszenierten Handlungen teilzunehmen, wie dem Verbrennen oder Betreten von auf den Boden gemalten israelischen und US-amerikanischen Flaggen im öffentlichen Raum oder an Universitäten.[3]
Seit nahezu zwei Jahrzehnten skandieren viele Iraner zudem den gesellschaftlich etablierten Slogan: „Weder für Gaza noch für Libanon – ich opfere mein Leben nur für Iran.“ Dieser Ausdruck kann als Hinweis auf eine stärkere innen- und außenpolitische Fokussierung auf nationale Interessen interpretiert werden und spiegelt zugleich eine grundlegende Ablehnung der Politik sowie der ideologisch-faschistischen Ausrichtung des Regimes wider.¸Damit verbunden ist insbesondere die Zurückweisung der finanziellen und politischen Unterstützung regionaler Akteure wie Hamas, Hisbollah und der Huthis, die in verschiedenen internationalen Sicherheitskontexten als destabilisierende Faktoren in der Region wahrgenommen werden.
Insgesamt deuten diese Entwicklungen auf eine komplexe gesellschaftliche Dynamik hin, in der sich Teile der Bevölkerung zunehmend auf nationale Interessen, innenpolitische Prioritäten und gesellschaftliche Prosperität konzentrieren. Dies markierte zugleich den Beginn eines umfassenderen zivilen Ungehorsams, der nicht nur den Widerstand gegen das Regime selbst widerspiegelt, sondern auch die Ablehnung zentraler ideologischer Säulen der Islamischen Republik, insbesondere des Antiamerikanismus und Antisemitismus.
Was ebenfalls tief im kollektiven Gedächtnis des Iran verankert bleibt, ist die Erinnerung an das Persische Reich unter Kyros II., dem Großen, der das jüdische Volk 538/539 v. Chr. aus der babylonischen Gefangenschaft befreite und der Welt die erste Menschenrechtskonvention präsentierte. Diese historische Verbindung mit Israeliten wird in Teilen des iranischen Selbstverständnisses als Hauptcharakteristikum und Ausdruck der persischen Zivilisation und damit als Toleranz, Koexistenz und Schutz ethnischer und religiöser Diversität verstanden, was ebenfalls eine der Hauptsäulen persischer Zivilisation und Tradition markiert, ebenso wie der Schutz einiger Holocaust-Opfer durch den Iran – insbesondere der sogenannten „Kinder von Teheran““ während des Holocausts (1942). Gleichzeitig wird der Holocaust als eines der schwersten Verbrechen der modernen Geschichte anerkannt, während Internationale Karikaturenwettbewerbe, die Förderung von Holocaustleugnung und Holocaust-Relativierung – insbesondere seit 2005 und verstärkt ab 2015 –, ebenso wie die vom Regime betriebene Strategie eines „Feuerrings“ um Israel, werden von großen Teilen der Gesellschaft zunehmend abgelehnt und mit Verachtung betrachtet.
Zweitens ist es essenziell zu berücksichtigen, dass die Verwendung von Begriffen wie „Genozid“ durch die iranische Diaspora und die Bevölkerung im Iran bei der Beschreibung der Gewalt des Regimes sowohl aus einer kulturellen als auch aus einer sprachlichen Perspektive interpretiert werden muss: Insbesondere die Bedeutung und Übersetzung des Begriffs „Genozid““ ins Persische weist semantische Nuancen auf, die sich von westlichen Sprachräumen unterscheiden können. Der Begriff „Genozid““ leitet sich etymologisch aus dem griechisch-lateinischen Génos (Volk, Stamm, Abstammung und damit genetisch-ethnische Zugehörigkeit) und dem Suffix –cidium (von lateinisch caedere, „töten““ oder „vernichten“) ab. Im Persischen wird „Genozid““ üblicherweise mit „Nasl-koshi““ (نسلکشی) übersetzt, wobei „Nasl“ Generation bedeutet und „Koshi“ den Akt des Tötens beschreibt. Wörtlich ergibt sich daraus die Bedeutung „Töten einer Generation“ bzw. Generationentötung! Dieses Wortverständnis im Persischen legt eine stärker generationenbezogene als strikt rassenbezogene Semantik nahe.
Dadurch trägt der Begriff eine andere konzeptionelle Gewichtung. Während „Genozid““ im westlichen Diskurs und Kontext eng mit Genetik, ethnisch motivierter Vernichtung verbunden ist, wird er im persischen Sprachgebrauch allgemeiner als systematische Vernichtung oder grausame massenhafte Tötung verstanden, und zwar unabhängig von rassischer bzw. genetischer Klassifizierung. Ein direktes sprachliches 1:1-Äquivalent zu „Genozid““ im Sinne von „Rassenvernichtung““ existiert im Persischen jedoch nicht. Ein theoretisch näher an „rassischer Vernichtung bzw. genetischer Auslöschung““ orientiertes Pendant wie „Jenetik-Koshi oder Najad-koshi““ („Tötung einer Rasse“) ist zwar im Persischen sprachlich konstruierbar, jedoch im allgemeinen Sprachgebrauch ungewöhnlich und würde für viele Iraner ungewöhnlich oder befremdlich klingen.
Vor diesem Hintergrund ist zu betonen, dass „Nasl-koshi““ nicht zwangsläufig dieselbe konzeptuelle und semantische Schärfe wie der westliche Begriff „Genozid““ trägt und insbesondere nicht darauf abzielt, die historische Dimension des Holocaust oder anderer Genozide zu relativieren oder zu verharmlosen. Vielmehr verweist der Begriff im persischen Kontext primär auf die Vorstellung der systematischen Vernichtung von Bevölkerungsgruppen über Generationen hinweg, insbesondere mit Blick auf die Betroffenheit jüngerer Bevölkerungsgruppen, ohne dass seine Verwendung das Leid von Opfern von Genoziden oder des Holocausts aus revisionistischen Gründen relativieren oder instrumentalisieren soll. Dieses Verständnis steht in engem Zusammenhang mit Überlieferungen der altpersischen Literatur, insbesondere dem Shahnameh („Buch der Könige“) des bedeutenden persischen Dichters und Epikers Ferdowsi aus dem Jahr 1010 n. Chr. Dort wird die Geschichte Zahhaks erzählt – eines tyrannischen Herrschers, aus dessen Schultern zwei Schlangen wachsen, die täglich mit den Gehirnen junger Menschen gefüttert werden müssen. Um diese zu nähren, lässt Zahhak systematisch und grausam junge Menschen und damit die kommenden Generationen Persiens töten.[4]
Wenn Mitglieder der iranischen Diaspora Begriffe wie „Genozid“ oder „Holocaust“ verwenden, geschieht dies daher häufig in einem metaphorischen Sinn, der auf die wahrgenommene systematische Gewalt und deren generationenübergreifende Auswirkungen verweist, anstatt sich ausschließlich an juristisch präzisen Definitionen westlicher Diskurse zu orientieren. Diese Wortwahl spiegelt zudem den Versuch wider, Dringlichkeit zu vermitteln und internationale Aufmerksamkeit auf eine zu Recht unzureichende internationale Reaktion zu lenken.
Insgesamt darf akzentuiert werden, dass sich iranische Identität und persische Traditionen in ihrem historischen Selbstverständnis in einem kulturellen Kontext häufig weniger durch starre genetische, rassische oder ethnisch bezogene Klassifikationen fassen lassen, wie sie in bestimmten europäischen historischen Diskursen – insbesondere in Deutschland im Zusammenhang mit perversen Rassenideologien – eine zentrale Rolle spielen. Diese Gegenüberstellung ist jedoch differenziert zu betrachten, da beide Kulturkreise jeweils eigene komplexe historische Entwicklungen und Kontexte aufweisen. Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass der Begriff „Genozid““ nicht ausschließlich auf die Shoah oder die jüdische Geschichte beschränkt ist, sondern im Völkerrecht allgemein eine spezifische juristische Definition besitzt, die verschiedene historische Kontexte umfasst (z. B. Genozid an den Armeniern im Osmanischen Reich, Genozid in Ruanda und Genozidakte während des Balkankriegs, um ein paar Beispiele zu nennen).
Die persische Zivilisation ist stark von philosophischen und humanistisch-ethischen Etiketten geprägt, die die Menschheit als ein zusammenhängendes Ganzes innerhalb der Schöpfung begreift und einen universalistischen Humanismus definiert. Diese Perspektive betont weniger trennende Kategorien als vielmehr die grundlegende Gleichheit und gemeinsame Zugehörigkeit aller Menschen. Diese humanistische Grundhaltung spiegelt sich auch in der zahlreichen klassischen persischen Literatur und Dichtung wider. Ein besonders bekanntes Beispiel findet sich bei Saadi Shirazi (1210–1291 n. Chr.) in seinem Prosa-Meisterwerk „Bani Adam = Söhne Adams“ aus dem Gedichtheft „GOLESTAN, dt: Blumengarten), in dem die universalistische persische Idee der Menschheit als Teil einer gemeinsamen Familie und Abstammung – metaphorisch eindrücklich – so formuliert wird::
Adams Kinder sind als Glieder fest miteinander verbunden
Da sie der Schöpfung aus einer einzigen Perle entstunden
Fügt schon ein einziges Glied Leid hinzu der Welt
Die anderen Glieder solches Tun in Aufruhr hält
Dir, der dich Not und Pein der anderen nicht berührt
Geziemt es nicht, dass dir der Name »Mensch« gebührt. [5]
Drittens muss betont werden, dass die islamische Ideologie des Regimes zentrale Elemente der persischen Zivilisation grundsätzlich ablehnt, die mit Naturverbundenheit, der Wertschätzung des Lebens sowie einer humanistischen Philosophie assoziiert sind. Demgegenüber basiert die Ideologie der Islamischen Republik u. a. auf den islamischen Scharia-Gesetzen, der Verherrlichung des Märtyrertums und der Förderung eines apokalyptischen Totenkults sowie auf antisemitischen, antiwestlichen, antimodernen und aufklärungsfeindlichen Narrativen, die eine weitere Hauptsäule des Regierungssystems des Islamischen Staates darstellen. Durch die Leugnung und die energischen Bestrebungen, die iranische Kultur, ihre reiche vorislamische Geschichte und das Erbe der persischen Zivilisation auszulöschen, hat das Regime die iranische Identität, Traditionen und Zivilisation wiederholt grundlegend beleidigt, was viele Iraner empört hat. Infolgedessen betrachten inzwischen viele Iraner den Islam und das Regime als eine fremde Okkupationsmacht und Erzfeind der iranischen Identität und der persischen Zivilisation, der in direktem Gegensatz zu langjährigen persischen Werten wie Toleranz, friedlichem Zusammenleben und einem „kulturellen Mosaikmodell“ steht und auf universeller Inklusion, Integrität und Integration beruht.
Diese Wahrnehmung sowie der daraus resultierende gesellschaftliche Antagonismus wurden von Teilen der iranischen Zivilgesellschaft wiederholt artikuliert und auch von Kronprinz Reza Pahlavi aufgegriffen; seine Aussage bringt dieses Empfinden und diesen Wandel prägnant zum Ausdruck, als er sagt: „Das Regime der Islamischen Republik ist nicht die Regierung Irans.“ sondern eine feindliche Besatzungsmacht, die unser Heimatland gekapert hat, die ausländische Terroristen und Söldner einsetzt, um das iranische Volk abzuschlachten. Das ist nicht länger bloße Repression, das ist fremde Besatzung. Der Kampf im Iran ist heute nicht zwischen Reform und Revolution, sondern zwischen Okkupation und Liberation. Das Ende dieses Regimes wird die Wiedergeburt einer der bedeutendsten Zivilisationen [der persischen Zivilisation] der Geschichte markieren.“[6] Diese Entwicklung ist als Ausdruck einer kulturellen und gesellschaftlichen Renaissance innerhalb der zeitgenössischen iranischen Geschichte sowie als einen Wandel im kollektiven Bewusstsein eines Teils der iranischen Gesellschaft zu interpretieren, der Israel und die jüdische Nation zunehmend nicht mehr als Feindbilder, sondern als potenzielle Verbündete und Freunde betrachtet.
Viertens unterstreicht die Verwendung der Begriffe „Genozid“ und „Holocaust“ in Bezug auf das jüngste Massaker im Iran einen grundlegenden Unterschied zwischen der iranischen Nation und dem Regime: Während das Regime den Holocaust und den Genozid an den Juden leugnet, die Auslöschung Israels propagiert und Pläne für einen weiteren Holocaust gegen die Juden schmiedet, lehnen viele Iraner diese abscheuliche Haltung entschieden ab, indem sie die historische Bedeutung des Holocaust und Genozid an Juden ausdrücklich anerkennen und den wahren Charakter dieses Regimes als gemeinsamen Gegner hervorheben. Indem sie den Holocaust als eines der schwersten Verbrechen der Menschheitsgeschichte wahrnehmen, bekunden die Iraner tatsächlich Solidarität mit seinen Opfern – insbesondere der jüdischen Gemeinschaft – und verurteilen gleichzeitig die faschistischen Dominanzbestrebungen und eliminatorische Antisemitismus des Regimes. Gleichzeitig wird diese Haltung als bewusste Abgrenzung gegenüber apokalyptischen ideologischen Positionen der Regime erwähnt, die genauso anti-iranisch ist wie sie antisemitisch ist.
Dies wird am deutlichsten, wenn Iraner bei ihren Kundgebungen neben den nationalen persischen Symbolen, –darunter die historische iranische national Flagge (Trikolore mit Löwe & Sonne) sowie Derafsh-e-Kaviani Flagge (persische Flagge aus Zeiten der Kyrosh II der Grosse), die israelische Flaggen tragen, was Respekt, Solidarität und Verbundenheit mit sowohl iranische Landsleute im Iran als auch für Israel – einschließlich Holocaust-Opfer– ausdruckt. Schlussfolgernd kann unterstrichen werden, dass die Verfolgung und systematische Ermordung von Juden von einer pseudowissenschaftlichen Rassenideologie angetrieben wurde, die in der sogenannten „Rassenhygiene und Eugenik“ wurzelte, die durch eine psychotische Besessenheit von Rassenreinheit angeheizt war. Diese spezifische historische Konstellation unterscheidet sich strukturell von gegenwärtigen systematische „Massaker“ Zehntausenden Iranern insbesondere im Zusammenhang mit Protesten gegen das islamische Regime, und Widerstand gegen eine aufgezwungene Ideologie, die islamische Besetzung und ein tiefes Verlangen nach Freiheit kontextualisiert ist und somit unterschiedliche Charakteristika und Dynamiken sowohl in Entstehung als auch im Ablauf aufweist.
Albert Bootesaz, ein persisch-amerikanischer politische Analyst und Vorstandsmitglied der Organisation NoToAntisemitism.org in Los Angeles, der selbst persisch-jüdischer Herkunft ist, schließt sich zustimmend den in diesem Beitrag dargestellten Argumentationslinien an. Dieser Artikel zielt darauf ab, die iranische Perspektive differenziert zu erläutern und nicht bloße Rechtfertigungen für die Verwendung bestimmter Begriffe bei Demonstrationen der Diaspora im Kontext der iranischen Opposition zu liefern.
Der Austausch unterschiedlicher Perspektiven zwischen beiden Seiten ist von zentraler Bedeutung, um eine gemeinsame Grundlage zu schaffen, die auf Verständigung, gegenseitigem Respekt und Anerkennung beruht. Eine solche Grundlage ist zudem essenziell, um langfristig eine konstruktive und stabile Basis für interkulturelle Kooperationen und Begegnungen zu entwickeln sowie die Freundschaft zwischen zukünftigen Generationen von Iranern und Israelis nachhaltig zu stärken.
Anmerkungen:
[1] Mehdi Yarahi – Auschwitz(Official Video Feb.2026) https://www.youtube.com/watch?v=bWMz- and also https://www.instagram.com/reel/DUnsIZngRMZ/ [2] Sen Lindsey Graham(MSC, 2026) https://www.youtube.com/watch?v=H6xBeD19SfU [3] VOA Farsi (2020): https://www.youtube.com/watch?v=IwOw86gP6hA, Isfehan University entrance(2019): https://www.youtube.com/shorts/ZXXGRLrOqPY cf. https://www.youtube.com/watch?v=MFoBxq2AeD0, [4] Hakim Abul-Quassem Ferdowsi (1010 AD), “The Shahnameh Volume V: A New English Translation”, Josiane Cohanim(Autor), ISBN: 9781734966183, Girouette Books(2023) cf. Abul-Quassem Ferdowsi(1010 AD) “Shahnameh – Farsi and English – Book 5 – 2nd Edition: Book 5 of 11 (Shahnameh – Book of Kings, Band 5)”, Translation: Y. Nazer & F. Khoshbakhshian, Independently published 2023, ISBN: 979-8394906213 cf. https://de.wikipedia.org/wiki/Zahhak#cite_ref-3 [5] https://en.wikipedia.org/wiki/Bani_Adam, cf. https://www.un.org/ungifts/persian-carpet [6] Iran’s exiled crown prince Reza Pahlavi, Press Conference in Washington (Feb. 2026) available: https://www.youtube.com/watch?v=AerhuxBX9Bg


