Pablo Picassos großes Schreckensbild Guernica ist weltbekannt. Eine Symbiose sind Picasso und Guernica. Warum Guernica? Bürgerkrieg war in Spanien. Die linksgerichteten republikanischen Bürger gingen gegen den Faschisten Franco und seine Regierung auf die Straße. Sozial schlecht ging es dem spanischen Volk. Der Bürgerkrieg begann 1936 und endete 1939. Der „Führer“ Franco in Spanien, der deutsche Nazistaat und die italienischen Faschisten waren auf Francos politischer Ebene und halfen ihm.
Von Christel Wollmann-Fiedler
Die Italienische Aviazione Legonaria von dem Faschisten Benito Mussolini und die Legion Condor vom Deutschen Reich machten gemeinsame politische Sache, unterstützten Franco und bereiteten den grausamen Bombenangriff gemeinsam vor.
Die Legion Condor aus Deutschland wollte das bevorstehende Bombardement dem Führer Adolf Hitler als Geburtstagsgeschenk überbringen. Doch das Wetter machte am 20. April nicht mit und erst am 26. April 1937 fanden die schrecklichen Bombardierungen auf Guernica und seine Menschen statt.
Im Baskenland, der autonomen Region im Nordwesten Spaniens, liegt das kleine Städtchen Guernica/Gernika am Golf von Biscaya. Die Infrastruktur sollte in Guernica zerstört werden, viele tausend Menschen traf es. Die deutsche Luftwaffe trainierte auf den bevorstehenden 2. Weltkrieg, ein Vorspiel, um Kampferfahrung zu bekommen. Auch einige amerikanische Soldaten kämpften gegen die Franco-Regierung. Ernest Hemingway war unter ihnen. 1939 siegten die Franco-Truppen und viele Kämpfer flohen nach dem Krieg nach Frankreich. Generalissimo Franco -1892 – 1975 – regierte über Jahrzehnte das Land Spanien unbehelligt, ohne vor ein Gericht gebracht zu werden.
Pablo Picasso wurde 1881 in der größten Stadt Andalusiens, in Malaga geboren und starb 1973 in Mougin unweit von Cannes in Frankreich.
Als Reaktion auf die Zerstörung des baskischen Städtchens Gernica durch den Luftangriff der Deutschen Legion Condor und der italienischen Aviazione Legonaria entstand von Picasso 1937 das berühmte Bild. Schwarze, graue und weiße Farbtöne nahm der Künstler Picasso. Die Größe des Bildes ist 3,50 x 7,80 cm, wurde 1937 auf der Weltausstellung in Paris gezeigt und ist heute im Museo Reina Sofia in Madrid zu sehen.
Das Bild ist Geschichte!
Ich bin in der Goethe Straße in Berlin-Charlottenburg in der Friedensburg-Schule im letzten Jahr kurz vor den Sommerferien.
Mit Katharina von Aretin unterhalte ich mich über die Schule und über das Guernica-Projekt mit einigen Schülern und Lehrern:
K.: Ich war zur Beerdigung von Margot Friedländer eingeladen und fand es tief beeindruckend. Es war auch sehr schön, dass der Rabbi der Gemeinde und der orthodoxe Rabbi gemeinsam die rituelle Zeremonie vorgenommen haben. Zuvor sollen die beiden angeblich spinnefeind gewesen sein. Das war so schön, wie sie Margots Wunsch erfüllt haben.
C.: Sehr alt ist sie geworden und hat noch bis zuletzt mit leiser Stimme ihren Dank und ihren Wunsch geäußert. Im vorigen Jahr hat sie im Jüdischen Museum den Preis für Verständigung und Toleranz bekommen. Joachim Gauck war ihr Laudator und hat eine so berührende Rede über Margot Friedländer gehalten, und sie hat in ihrer leisen Stimme ein Dankeschön gesagt. Das muss man einfach erlebt haben. Da kommen Tränen.

Was ist das für eine Schule?
Früher nannte man diese Schule Gesamtschule, wo man Abitur machen kann oder Mittlere Reife und was früher Hauptschulabschluss war. Dann haben sie den Deutsch-Spanischen Teil dazu genommen, wo man ein bilinguales Abitur machen kann. Zwei Grundschulen gibt es in Berlin, die Hausburgschule und die Jean Miro Grundschule, aus denen generieren sich die Schüler, die in diesem Bereich bleiben.
Sind dort spanische Lehrer oder Lehrer, die nur spanischen Unterricht geben?
Nein, die Lehrer die irgendwelche Fächer unterrichten, die spanischsprachig sind, sind alle Muttersprachler Spanier oder Südamerikaner
Welche Funktion hat „Katharina von Aretin“ in dieser Schule? Was hat sie mit dieser Friedensburgschule und dem Projekt zu tun?
Ich bin dort „nur“ Elternvertreterin. Vor sieben Jahren habe ich bereits in der Joan Miro Grundschule dieses Projekt gemacht, eigentlich angeregt durch einen früheren Nachbarn, der mir immer wieder von diesem Projekt erzählt hat, das weltweit gelaufen ist. Ich fand das interessant, konnte es aber lange nicht umsetzen. Vor sieben Jahren habe ich mit einem spanischen Künstler, Javier Pagola Marin in der Miro-Grundschule dieses Projekt gemacht und nun in der Friedensburg-Oberschule. Das war mein Wunsch. Dann kam Cordelia Dvorak hinzu , die ein Projekt mit Kindern machen wollte. Nebenbei erzählte ich das Hella de Santarossa, die gerne helfen wollte. So waren wir ein Team und dann fragten wir die Schule. Kurzfristig, vier Wochen vorher, meinten zwei Lehrer sie würden das gerne in der Projektwoche machen, mit den beiden 7. Klassen, der Mittelstufe.
Welche Funktion hatte Hella de Santarossa, sie ist ja eine sehr bekannte und anerkannte Künstlerin?
Sie war die künstlerische Beraterin.
Welche Klassen wurden dazu ausgesucht oder konnten sich melden zu diesem Projekt?
Die Lehrer mit den Schülern konnten sich freiwillig melden. Sie wurden nicht aufgefordert, 7. Klasse Mittelstufe.

Wie wurden die Schüler in das Thema eingeführt?
Wir haben ihnen zuerst das Guernica Bild von Picasso gezeigt, haben mit ihnen darüber gesprochen und gefragt, was sie bereits zu dem Thema wissen oder was sie auf dem Bild sehen, wie sie sich ein solches Projekt vorstellen würden, ob sie nachmalen wollen oder die Grundstruktur des Bildes übernehmen möchten, oder ein eigenes Bild machen möchten. Dann wurde nochmal darauf hingewiesen, welche ähnlichen Themen es in der heutigen Zeit gibt? Viel wussten sie nicht von dem Bild, nur, dass es ein Kriegsbild ist.
Ich erzählte ihnen, dass das Bombardieren ein Geburtstagsgeschenk der Legion Condor für Hitler sein sollte. Doch am Tag seines Geburtstags am 20. April, konnte sie wetterbedingt nicht fliegen. Erst am 26. April 1937 flogen sie und zum ersten Mal wurde ganz bewusst ein ziviles Ziel ausgesucht und bombardiert. An Grausamkeit und Perversität kaum zu überbieten.
Ein Schüler hat einen Geburtstagkuchen gemalt und den Kuchen mit Raketen bestückt, wo sonst die Kerzen hingehören und Birthday dazu geschrieben. Sehr interessant, wie er das umgesetzt hat.
Bei der Gedenkfeier von Margot Friedländer waren Hella und ich dabei und haben beide diese mutige Frau und ihre Aussagen zum Thema gemacht. Seid Menschen oder wir sind doch nur Menschen. Die Sätze haben die Kinder aufgenommen und das Foto von ihr aufgeklebt.
Zusammen haben wir uns im Theater des Westens das Musical „Romeo und Julia“ angesehen. In diesem Stück geht es um eine Fehde zwischen zwei Familien, die aber am Ende einem Liebespärchen das Leben kostet. Doch das Thema Krieg und Frieden wird von den Schülern stark berührt und die Aussage Liebe ist alles. Sie haben sie aufgemalt und auf die Leinwand aufgeklebt. Solch aktuelle Themen wurden mitverwertet. Zuerst haben sie viele Skizzen gemacht, wo sie sich stark an Guernica orientiert haben. Eine Lehrerin erzählte, dass sie einen Artikel gelesen hat, in dem sie erfuhr, dass Picasso ursprünglich nicht das Kriegsbild gemalt hätte, sondern eigentlich einen Stierkampf. Er fing an zu malen und dann kam die Zerstörung von Guernica und das Bild wurde von Picasso umgewandelt und so genannt. Wir waren uns einig, dass beides so stimmen kann, denn in so kurzer Zeit bis zur Expo in Paris hätte er das große Bild nicht malen können. Das klingt plausibel.

Nun noch ein kurzes Gespräch mit der Künstlerin Hella de Santarossa, die bereits Jahrzehnte in Berlin lebt.
Im Öffentlichen Raum sind ihre besonderen Kunstwerke zu sehen, so zum Beispiel die Brunnenskulptur der Blaue Obelisk aus blauem Glas mit handschriftlichen Texten im Glas zur Orts- und Zeitgeschichte und völkerverbindenden, transparenten Friedenszeichen am Theodor Heuss Platz in Berlin-Charlottenburg. In verschiedenen Städten in Deutschland sind ihre modernen Kirchenfenster zu bewundern und auch in dem Eingangsgebäude der Messe Berlin. In unterschiedlichen anderen künstlerischen Bereichen ist sie ebenfalls seit Jahrzehnten unterwegs. In den 1960er Jahren gehörte sie zu den „Jungen Wilden“. Sehr viel mehr ist über die Künstlerin Hella Santarossa bei Wikipedia zu erfahren.
Ich nenne Dich Glaskünstlerin und wie beschreibst Du Dich?
Ich nenne mich nicht Glaskünstlerin, das machen die anderen, das möchte ich betonen. Ich habe in der Jugend bereits darum gekämpft und habe zehn Jahre kein Glas angefasst deswegen. Erst wieder 1996. Ich bin Crossart Künstlerin.
Ich kenne nicht viel von Dir, doch ein wunderbares Kunstwerk auf der Wiese am Theodor-Heuss-Platz. Dort steht der Obelisk, der mir außerordentlich gut gefällt. Du hast mit Katharina von Aretin zusammen dieses Guernicaprojekt mit den Schülern konzipiert und durchgeführt. Was hattest Du als Künstlerin in diesem Projekt für eine Aufgabe?
Das technische Material habe ich besorgt, ganz bestimmte Farben, damit die Kinder nicht krank werden. Ich wurde durch falsche Farben in den früheren Jahren krank, deshalb haben wir Spezialfarben genommen. Zu Beginn, als noch nicht alles fertig war, habe ich Nessel grundiert, damit die Farben nicht herunter laufen. Ich habe mit den Schülern auf Papier gezeichnet. Die jungen Menschen habe ich zum Zeichnen motiviert und wollte von ihnen wissen, wie sie über die heutige Zeit denken. Über die Worte von Frau Friedländer, Ihr seid nicht verantwortlich was passiert ist, doch Ihr seid verantwortlich dafür, dass es nie wieder passiert, wurde natürlich gesprochen. Frau Friedländer hat uns viele Aufgaben gestellt: Freiheit, Demokratie, Mitgefühl, auch mit Menschen respektvoll umgehen, die eine andere Meinung haben.
Wie lange habt Ihr an dem großen Bild gearbeitet?
Von Montag bis Freitag haben 50 Schüler daran gearbeitet und waren begeistert. Wir haben sie unterrichtet und angetrieben. Wenn sie sich gelangweilt haben oder lustlos waren, wurden sie von mir angetrieben. In dieser Schule wird in jedem Semester ein Projekt vorgestellt. Die „Physiker“ haben daran gearbeitet, wie ein Motor gebaut wird.
Alltäglich warst Du bei dem Guernicabild dabei, um zu beobachten, wie die Schüler es künstlerisch umsetzen.
Die Gruppe wurde später geteilt. In zwei Räumen hatte ich mit ihnen Köpfe und Hände gemalt. Es war meine Idee. Ich habe ihnen geholfen, wenn sie technisch nicht weiterkamen.
Immer wieder ging der Gedanke zu Margot Friedländer, die ja viel erlebt hat und wie Weise sie im Alter wurde.
Katharina von Aretin hat mir über den Spanischen Bürgerkrieg und die Bombardierung von Guernica und Eurem Projekt sehr ausführlich erzählt. Du sagtest, auch Frauen hätten mitgekämpft?
Du denkst sicherlich an Gerda Taro, die in eine ostgalizische jüdische Familie in Stuttgart geboren wurde mit dem Namen Gerta Pohorylle. Als Kriegsfotografin dokumentierte sie mit Robert Capa den Spanischen Bürgerkrieg. Robert Capa der ungarische Jude starb im ersten Indonesienkrieg im Jahr 1954. Gerda arbeitete vehement gegen die Nazis. Bereits 1937 starb sie mit 27 Jahren während eines Angriffs durch die Deutsche Legion Condor unweit von Madrid an der Brunete-Front. Zu ihrer Beerdigung auf dem Pere Lachaise in Paris kamen unendlich viele Menschen, die gegen den Faschismus waren. Alberto Giacometti gestaltete ihr Grab künstlerisch.
Die andere Frau, die Du erwähntest, ist Mika Etchebéhère , die sogar mit der Waffe kämpfte, nachdem ihr Ehemann Hippolyte 1937, ums Leben kam. Sie kam in die vorderste Reihe des Krieges in eine Marxistischen Einheit und wurde Offizierin. 1902 wurde sie als Micaela Feldmann in Moises Ville in Argentinien geboren. Osteuropäische Juden gründeten die „Mosesstadt“. Ihr Vater gab dort Jiddischunterricht. Mit ihrem Ehemann ging sie in Argentinien in die Kommunistische Partei. In Berlin beobachtete Mika den Aufstieg der NSDAP .Zusammen reisten sie nach Spanien, wo ihr Ehemann 1936 im Spanischen Bürgerkrieg fiel. Im 2. Weltkrieg ging sie nach Argentinien zurück, dann lebte sie wieder in Paris, wo sie 1992 starb.
Nun kommen wir nochmal auf die große Leinwand zurück, die die Schüler mit speziellen sehr eigenwilligen Motiven angefertigt haben. Es hing draußen an dem hohen Zaun des Sportplatzes. Es sah grandios aus. Dann kam plötzlich ein starker Regen. Wo ist die Leinwand dann geblieben?
Die Schüler haben die große Leinwand in einen Raum auf die Bänke gelegt. Zwei Tage später ging ich zurück in die Schule und habe mit dem Hausmeister und dem Rektor gesprochen. So ein Kunstwerk gehört in die Aula, was der Rektor befürwortete. So ein Kunstwerk gehört einfach in einen großen Saal. Ein Werk, das die Schülerinnen und Schüler mit Begeisterung und guten Ideen angefertigt haben.
„Es ist mein Wunsch, Sie daran zu erinnern, dass ich stets davon überzeugt war und noch immer davon überzeugt bin, dass ein Künstler, der mit geistigen Werten lebt und umgeht, angesichts eines Konflikts, in dem die höchsten Werte der Humanität und Zivilisation auf dem Spiel stehen, sich nicht gleichgültig verhalten kann.“
– Picasso: Dezember 1937



