Am 23. April werden Erinnerungszeichen für Hugo, Fritz und Dora Helbing in der Liebigstraße 21 gesetzt. Hier war der Sitz der Galerie Helbing, eines der renommiertesten Auktionshäuser in Europa. Der Firmengründer Hugo, sein Sohn Fritz und dessen Frau Dora wurden wegen ihrer jüdischen Herkunft in der NS-Zeit verfolgt und ermordet.
Die Gedenkveranstaltung findet im St. Anna-Gymnasium statt. Teilnehmen werden Dr. h.c. mult. Charlotte Knobloch, die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, der Familienangehörige und Kunsthistoriker Dr. Johannes Nathan mit weiteren Angehörigen, und Prof. Dr. Meike Hopp, Vorständin des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste. Die renommierte Provenienzforscherin begleitet auch das Helbing Art Research Project, das den Verbleib der Werke aus Hugo Helbings privater Sammlung klärt.
Hugo Helbing kam 1863 in München zur Welt und gründete mit 22 Jahren ein Auktionshaus in der Residenzstraße. 1900 zog die Galerie in das Eckhaus Liebigstraße/Wagmüllerstraße. Hugo Helbings Auktionen waren gesellschaftliche Ereignisse und trugen dazu bei, dass sich München als bedeutender Standort im internationalen Kunsthandel etablierte.

Ab 1935 konnten aufgrund der NS-Repressalien nur noch wenige Versteigerungen in der Galerie stattfinden. Im Zuge der „Kristallnacht“ vom 9. auf den 10. November 1938 wurde Helbing in seiner Wohnung in der Liebigstraße 21 überfallen und schwer misshandelt. Er erlag seinen Verletzungen am 30. November 1938. Für die Galerie Helbing wurde ein „Treuhänder“ eingesetzt, später wurde sie liquidiert und der Verkaufserlös zu Gunsten des Deutschen Reiches eingezogen.
Hugo Helbings ältester Sohn Fritz Helbing, 1888 in München geboren, trat nach dem Kunstgeschichtsstudium in das Auktionshaus des Vaters ein. Im November 1938 wurde er ins KZ Dachau verschleppt. Nach seiner Freilassung musste er Zwangsarbeit für die Gauleitung der NSDAP leisten. 1941 heiratete er die 1895 geborene Münchnerin Dora Goldstein. Nach der Hochzeit musste das Paar in einem „Judenhaus“ leben, später in einer Sammelunterkunft der Jüdischen Gemeinde. Am 13. März 1943 wurden sie in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort vermutlich unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet.
Zu den Erinnerungszeichen:
Erinnerungszeichen werden seit 2018 an Orten angebracht, an denen Menschen lebten, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden. Die Erinnerungszeichen bestehen aus gebürstetem Edelstahl und sind vergoldet. Es gibt sie als Wandtafeln an der Fassade und als Stelen auf öffentlichem Grund. Sie enthalten die wichtigsten Lebensdaten, Angaben zum Schicksal und – falls vorhanden – ein Bild.
Weitere Informationen: www.erinnerungszeichen.de



