Jedes Haus hat eine Geschichte zu erzählen

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Erstmals beteiligt sich Köln am bundesweiten Erinnerungsprojekt „Denk Mal Am Ort“. Am Samstag, den 18. und Sonntag, den 19. April 2026 erinnern sieben Veranstaltungen an Menschen, die während der NS-Zeit verfolgt, ausgegrenzt und ermordet wurden. An ihren einstigen Lebensorten finden Lesungen, Führungen, Ausstellungen, Performances und Gespräche statt. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei.

Ein Schwerpunkt liegt auf bislang wenig beachteten Perspektiven der Verfolgung. In der Theodor-Wonja-Michael-Bibliothek erinnert eine Lesung mit Filmvorführung an den Schwarzen deutschen Journalisten Theodor Wonja Michael. Als Sohn eines kamerunischen Vaters und einer deutschen Mutter war er gezwungen, in sogenannten „Völkerschauen“ aufzutreten und Zwangsarbeit zu leisten. Eine Ausstellung zur Firma
Opekta in Nippes beleuchtet wirtschaftliche Verfolgung und Zwangsarbeit. Firmengründer Robert Feix war von „Arisierung“ betroffen, während der Betrieb im Krieg weitergeführt wurde. Dokumente und Fotografien erzählen von den Menschen, die hier arbeiteten oder während des zweiten Weltkrieges zur Arbeit gezwungen wurden.

Auch Jüdischer Biografien wird gedacht. In Köln-Marienburg wird an die Familie Silberbach erinnert, die 1938 vor antisemitischer Verfolgung in die USA fliehen musste. Vor dem ehemaligen Wohnhaus spricht Terry Mandel aus den USA über ihre Familie, von der mehr als 50 Angehörige durch die Nationalsozialisten ermordet wurden.

Weitere Erinnerungen führen am Sonntag zum Lern- und Gedenkort Jawne, einem ehemaligen Zentrum jüdischen Lebens und Lernens, zu Stolpersteinen in Nippes sowie zu einer Performance über Nachbarn in Köln-Bickendorf.

Denk Mal Am Ort versteht Erinnerung als gemeinschaftliche Aufgabe. Ziel ist es, lokale Geschichte sichtbar zu machen und den Menschen ihre Namen und Geschichten im öffentlichen Raum zurückzugeben. 2026 ist ein besonderes Jahr: Denk Mal Am Ort begeht sein zehnjähriges Jubiläum. Was 2016 als kleine Initiative begann, findet dieses Jahr in acht Städten statt – mit über 80 Veranstaltungen von ca. 150 Ehrenamtlichen.

Mehr unter:
https://denkmalamort.de/

–> Programm Köln